Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.092

E_1936_Zeitung_Nr.092

BERN» Freitag, 13. November 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N°S2 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjahrlieh Ft. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozusehlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversfch.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherunß) vierteljährlich Fr. 7.50 Etwas mehr Wahrheit, bitte! Der aufsehenerregende Einnahmenrückgang, den die S.B.B, im Monat September 1936 zu verzeichnen hatten, wird von ihnen dem Volk mit der «Begründung» dargeboten, dass neben der Wirtschaftskrise die leidige Automobilkonkurrenz daran Schuld trage. Dabei führen aber die S. B. B. im selben Communique einige Zeilen weiter unten unbekümmert aus, der Transitverkehr sei am Rückgang des Güterverkehrs am stärksten beteiligt. Auch eine kommentierende Pressemitteilung der S.B.B, stösst ins gleiche Hörn. Wer sich in diesen Dingen etwas auskennt, der staunt ob der Leichtfertigkeit, um nicht zu sagen Unverfrorenheit, womit hier das Automobil wieder als Störefried hingestellt und dem Publikum etwas vorgemacht wird. Nehmen wir zuerst den Transitverkehr vor. Die S.B.B, wissen genau, dass für diese Verkehrsart der Lastwagen überhaupt nicht in Betracht kommt. Also scheidet das Automobil für rund 60 bis 70% des Güterverkehrrückganges des Monats September ohnehin aus. Und dann der übrige sehweize/ische Verkehr! Es muss und wird den Bundesbahnen bekannt sein, dass naCh den Angaben des Eidgenössischen Statistischen Amtes der Lastwagenverkehr der Schweiz im Rückgang begriffen ist. Es muss und wird ihnen ferner bekannt sein, dass die vom Kanton Zürich alljährlich vorgenommenen Strassenverkehrszählungen seit 1934 ebenfalls eine Abnahme des Lastwagenverkehrs aufdecken, zumal die weitaus überwiegende Mehrheit der Zahlstellen des Kantons eine Verminderung des von ihnen erfassten Bestandes an Lastwagen festgestellt hat. Es muss und wird den S. B. B. schliesslich bekannt sein, dass auch im Strassentransportgewerbe die Folgen der Wirtschaftskrise sich immer deutlicher spürbar machen, und dass heute der Umfang des Lastwagenverkehrs durchschnittlich hinter demjenigen Jahre erheblich zurücksteht. früherer Wer aber glaubt, die SBB fühlten sich veranlasst, diesen elementarsten Tatsachen Rechnung zu tragen und verzichteten endlich darauf, ihre monatlichen Communiques über die Betriebsresultate mit der billigen Ausrede der unangenehmen Autokonkurrenz zu verschönern und den Verkehrsrückgang dadurch zu bemänteln, der täuscht sich. Die in der September-Meldung aufgestellte Behauptung der S. B. B. ist unwahr, ist aus der Luft gegriffen, weil sie nicht imstande sein Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 26. Fortsetzung. « Lukas », flüsterte Sybil langsam, « was für Zukunftspläne hätte ich? Du musst mir sagen, was ich für gefährliche Pläne hatte..» « Es kann sein, dass ich das alles zu schwer nehme», sagte er plötzlich sehr vernünftig. «Aber du bist so wunderbar, Sybil, mit keiner Frau vergleichbar, — du weisst nicht, wie ich dich liebe! Diese Stunden, in denen ich geglaubt habe, dass du für mich verloren bist, waren schrecklich wie die Hölle. Aber ich kann mein Wort nicht brechen.» Er presste die Lippen zusammen und schwieg. Nach einer Weile sprach er weiter, monoton, als läse er die Worte von irgendwo ab. «Ich kann Gertie nicht verlassen. Ich darf nicht, ich will nicht. Sybil, du musst mich verstehen, das darf nicht sein.» Sie sagte ruhig: « Lukas, du träumst. Du träumst Dinge, die 10.— Encbeint Jeden Dienstag und Fnltaf Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1* mal „Gelhe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 -Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 werden, den Beweis dafür anzutreten.- Was das Schweizervolk verlangen darf und muss, das ist: dass in diesen offiziellen Pressemitteilungen der Wahrheit etwas mehr Ehre angetan werde. Es heisst seine Urteilsfähigkeit denn doch merkwürdig einschätzen, wenn immer und immer wieder versucht wird, den katastrophalen Verkehrsrückgang mit Gründen zu erklären, über die jeder Verkehrsfachmann und jeder Eingeweihte den Kopf schüttelt. Man nehme sich doch einmal die Mühe, man bringe endlich den Mut auf, den Ursachen des Verkehrsrückganges gründlich nachzugehen und sie da zu suchen, wo sie effektiv sind. Aber es ist ja heute leider so, man zögert und zaudert und schreckt davor zurück, die S. B. B. organisatorisch und betriebstechnisch zu verbessern und zu sanieren, denn man hat ja nun ein bedeutend einfacheres Mittel gefunden: r"en angeblichen Konkurrenten, will sagen den Lastwagen, an die Wand zu drücken, um an den übersetzten Jede Automobilfabrik setzt ihren Ehrgeiz darein, für die Bequemlichkeit ihrer. Käufer so viel zu tun wie nur irgend möglich. Der Kundendienst, den die Fabriken anstreben, bleibt hinter jenem etwa der Benzinfirmen nicht zurück. Aber doch gibt es da ein Gebiet, das von den meisten Fabriken recht stiefmütterlich behandelt wird: die Erleichterung einer schnellen Abfertigung an der Tankstelle. Und es ist bezeichnend, wenn ein Säulenhalter den Ausspruch getan, dass jeder Automobilkonstrukteur gelegentlich einmal ein oder zwei Tage Tankdienst tun sollte, und zwar «Tankdienst mit allen Schikanen», wie er ihn sich selbst als Automobilist wünscht. Dann würde er bald merken : « Service predigen ist nicht schwer — Tankwart sein dagegen sehn» Was Autofahrer von einem guten Service an der Tankstelle verlangen ? Schnellste Abfertigung beim Tanken; Kühlwasser nachfüllen; Oelstand prüfen, Oel ergänzen, ext. Oelwechsel; ich nie, nie gedacht habe, Glaubst du mir? Mein Engel, ich will, dass du mich ansiehst!» Als er den Kopf hob, küsste sie ihn. Sie legte die Arme um seinen Nacken und lächelte. Aber es war ein Lächeln so ohne jeden Glanz, als hätte sie es in dem Land der ewigen Nacht gelernt «Warum quälst du uns, Liebling? Es ist Wahnsinn, zu glauben, dass ich Ganz beieinander bleiben ? » Sie sagte plötzlich laut, was sie nur zu denken meinte: « Hier in dieser Stadt, wo uns jeder kennt, wo jeder...» «.Wahrscheinlich wären wir fortgereist», sagte Lukas müde. « Es gibt viele Möglichkeiten, wenn man entschlossen ist, ein neues Leben, anzufangen.» Er sah ihr verstört in die Augen. «Es ist unmöglich, Sybil, unausdenkbar! Ich liebe dich, nur dich, — aber du darfst nicht verlangen, dass ich Gertie im Stich lasse. Ich glaube nicht, dass sie mich so leidenschaftlich liebt, als dass sie es nicht ertragen könnte, ohne mich zu sein. Gertie könnte ganz gut ohne mich sein und das Bürschle zu einem ordentlichen Mann erziehen, — ich mache mir nicht vor, dass ich unentbehrlich bin in ihrem Leben. Aber sie Eisenbahnfrachtansätzen festhalten und die wegen des Autos gewährten billigen Ausnahmetarife wieder rückgängig machen zu könnefl, mag auch darunter die ganze Verkehrs- und Volkswirtschaft Schaden leiden. Ein Glück, dass die statistischen Erhebungen über den Güterverkehr auf der Strasse endlich ein einwandfreies und zuverlässiges Bild von der Struktur und dem Umfang dieses Verkehrs vermitteln. Dabei ergibt nämlich eine eingehende Prüfung der Juli-Resultate eindeutig, dass der grösste Teil des Lastwagenverkehrs nimmermehr an die SBB zurückfallen wird, weil es sich dabei um ausgesprochenen Nahverkehr oder um Transporte nach Gegenden handelt, wo keine Bahnen hinführen, für welche die S. B. B. somit . nicht in Betracht fallen. Die Oeffentlichkeit muss inskünftig die « Erklärung » der Betriebsresultate der SBB mit der lästigen Autokonkurrenz zurückweisen. Sie hat Anspruch auf eine wahrheitsgetreue Darlegung des Sachverhaltes, wenn diese Communiques überhaupt noch ernst genommen werden sollen. Ernst genug ist dieser kontinuierliche Verkehrsrückgang der S. B.B. allerdings. V Wünsche, die noch der Verwirklichung harren Was man auf den Ausstellungen noch umsonst sucht. Reinigen von Windschutzscheibe, Nummernschildern, Scheinwerfern; Reifenpflege. Prüft man nun, was bei den verschiedenen Wagentypen getan wurde, um diesen Tankdienst so glatt und reibungslos als möglich zu gestalten, dann findet man immerhin dies und jenes auszusetzen. Die Tankstutzen z.B. weisen häufig eine zu enge Öffnung auf, sie sitzen oft versteckt und sind schwer auffindbar. Manchmal ist es fast unmöglich, den Hahn des Pumpenschlauches an den Tankstutzen heranzubringen, ohne den Lack zu beschädigen. Der Tankverschluss beansprucht viel Zeit beim Oeffnen und Schliessen, wenn es sich um einen Schraubverschluss handelt. Bajonettverschlüsse sind schon besser, aber das Ideal stellt doch ein Schnappverschluss dar, weil er sich sehr schneM öffnen und schliessen lässt und ausserdem nicht verloren gehen kann. Die gleichen Wünsche wie beim Tankverschluss gelten auch für den vertraut mir — und darüber kann ich nicht hinweg, Sybil. Wenn ich mich jetzt auf und davon mache, dann nehme ich ihr Vertrauen mit und muss aus unserem Haus fortgehen wie ein Zechpreller. Wenn ich Gertie von dir erzählen würde, sie würde mich sofort freigeben. Lang bevor das Bürschle kam, hat sie mir vorgeschlagen, wenn ich einmal eine andere lieben sollte, würden wir uns scheiden lassen, — wegen unüberwindlicher Abneigung, damit es für die Welt sauber und glatt aussähe. Das war damals nur Geschwätz, ein bisschen edel, ein bisschen sinnlos, — aber Gertie ist im Stand, sich daran zu erinnern und es einzuhalten. Scheidung aus unüberwindlicher Abneigung ... zwölf Jahre waren wir unüberwindlich einander zugeneigt ! Liebe, Gute, du begreifst jetzt, dass ich mich nie von Gertie trennen darf ? » «Nein* das darfst du nicht», bestätigte Sybil. «Es sieht aus, als könnte ich jetzt zwischen dir und Gertie wählen. Aber ich habe doch keine Wahl mehr, ich habe mich schon längst entscheiden müssen, damals, als ich dich noch nicht kannte ! » « Ich verstehe alles », sagte Sybil. «Ich gebe dir recht. Aber sprich niclU mehr davon, Lukas. 0 bitte, bitte, sprich nicht mehr davon.» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rpt • Grössere Inserate nach SpeziaitarU Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Wir berichten heute über: Grobe oder leichte Fahrlässigkeit? Abbau der bernischen Motorfahrzeuggebühren? Neue Rekorde Caracciolas. Massenträgheit als Getriebeprinzip. Beilage: Kühlerverschluss : Gute und leichte Zugänglichkeit, grosse Öffnung und Schnappverschluss. Es bedeutet natürlich einen gewissen Nachteil, dass "der Kühlerstutzen heute wegen der Stromlinie unter die Motorhaube wandern musste, aber noch unangenehmer ist es, wenn man den Stand des Kühlwassers eines gebogenen Rüssels wegen gar nicht ohne weiteres feststellen kann und infolgedessen häufig Wasser unnötigerweise,auffüllen lässt,.wodurch dann später unter Umständen die Gefrierschutzlösung beim Ueberlaufen des Wassers mit ausrinnt. « Darf ich den Oelstand prüfen ? » — so soll der serviceman jeden Fahrer fragen — in beiderseitigem Interesse. Aber er tut es nur selten. Warum nicht ? Weil er Angst hat, sich zu blamieren. Denn es ist durchaus nicht einfach, immer zu wissen, wo sich der Oelmeßstab befindet. Und wenn der «Mann von der Tankstelle.» es ungefähr weiss, dann bereitet es ihm oft Schwierigkeiten, ihn aus dem Gewühl der Zubehör herauszufinden. Liesse sich denn nicht auf diesem Gebiete eine gewisse Normung, unter allen Fabriken anstreben ? Als Fahrer würden wir es begrüssen, wenn bei allen Motoren der Oelmeßstab an etwa derselben Stelle sässe und gut gekennzeichnet wäre (leuchtend roter Griff!), damit der Tankwart selbst und ohne unsere Hilfe unsern Wagen schnell und einwandfrei abfertigen kann. Dort, wo an Stelle eines Messstabes ein Schwimmer mit Skala vorhanden ist, gilt für deren Anordnung natürlich das gleiche. Ebensolche Verlegenheit bereitet es manchem serviceman, Oel nachzufüllen, denn auch der Sie hielten sich noch immer umarmt, und Lukas drehte den Kopf ein wenig zur Seite, um ihr Handgelenk zu küssen. So sanft war diese Berührung, dass er ihren Puls fühlen konnte. Leise und schnell kam ihr Herzschlag durch die Bronzehaut. Viel später erinnerte sich Lukas an nichts so deutlich wie an diesen Augenblick, in dem er unter seinen Lippen Sybils Leben hinjagen fühlte, leise, hastig und voll Unsicherheit. «Weisst du, woran ich gedacht habe?» Nein, ^r wusste es nicht. « Du sagtest vorhin: wahrscheinlich wären wir fortgereist...» Sybil schloss die Augen; ihr Körper war matt und schwer, als schliefe sie. Auch ihre Stimme war verändert, kam von weit her, flüsternd und tonlos. « Stelle dir vor, dass wir eines Tages fortreisen könnten...» «Wir zwei», träumte sie, «du und ich würden eines Tages davonfahren.» « Nein !» « Nein...» Eine Weile blieb es still. Lukas blickte auf ihr Gesicht nieder, es war unbewegt wie eine Metallmaske. « Sybil», sagte er hilflos.