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E_1936_Zeitung_Nr.092

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s AUTOMOBIL-REVUE

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BERN, Freitag, 13. November 1936 Automobil-Revue, II. Blatt - Nr. 92 F r a u e n s c h i c k s a l e d e r W e l t g e s c h i c h t e Madame Recamier Inzwischen war Madame Recamier, hauptsächlich durch ihre Freundschaft mit Frau von Stael, zu einer grossen Anzahl politischer Persönlichkeiten in Beziehung getreten, und ihr Salon war schon unter dem Konsulat einer der berühmtesten in Paris. Man fand bei ihr Eugen Beauhamais, der ihr eipen Ring entwandte und zärtlich hütete, den General Massena, der ein Band von ihr besass, das ihn in die Schlachten begleitete, den Dichter Legouve, der Verse auf sie machte. Man traf Bemadotte, den späteren Schwedenkönig, Moreau, den Sieger von Hohenlinden, Benjamin Constant, den unruhig geistvollen Künstler und Politiker, den leidenschaftlichen Verteidiger des Individualismus gegenüber dem Staat, den Verfasser des vortrefflichen psychologischen Romans «Adolphe». Damals war Constant noch der erklärte Seelenfreund der Frau von Stael, der sie auch ins Exil nach Deutschland begleitete. Später wandte auch er, freilich mit weniger Erfolg, seine Liebe Madame Recamier zu. Zu den Hauptpersonen ihres Kreises aber gehörten schon unter dem Konsulat die Vettern Montmorency, Adrien, später Herzog von Laval, und Mathieu, der nachmals, zur Zeit der Restauration, eine wichtige diplomatische Rolle spielt. Die Montmorency gehören zu Juliettes treuesten Verehrern; bei beiden Männern gelang es ihr, die anfangs heisseren Gefühle in eine überaus zarte Freundschaft zu wandeln. Besonders bei Mathieu Montmorency ist es geradezu rührend, wie er inmitten aller Staatsgeschäfte immer Zeit findet, sich zärtlich besorgt nach ihrem Ergehen zu erkundigen, wie er auf allen Wegen ihr folgt, immer in Furcht, ihre Seele könne bei dem hohlen Treiben der Gesellschaft Schaden leiden, wie er sie zu ernster, geistiger Beschäftigung und einer Vertiefung ihres religiösen Gefühls zu führen sucht. Fast alle die genannten Männer waren, wie Frau von Stael, Gegner Napoleons. So kam es, dass auch Juliette von Bonaparte mit Misstrauen beobachtet wurde. Als es bekannt wurde, dass General Moreau, der gegen Napoleon konspirierte, der Held ihres Salons sei, wurden ihre Montagsempfänge verboten. Leicht zu beeinflussen und weniger vom Verstande als von ihrem Herzen geleitet, wäre Juliette, von anderen Freunden umgeben, vielleicht eine begeisterte Verehrerin Bonapartes gewesen. Seine Feindin wurde sie aus einem rein persönlichen Grunde: dass er ihre geliebte und bewunderte Freundin aus Paris auswies. .Frau von Stael wandte sich bekanntlich zunächst nach Deutschland. Von Weimar aus schrieb sie, dass sie Goethe, Schiller und Wieland viel Schönes von ihrer lieben Juliette erzählt habe, deren Ruhm längst schon nach Deutschland gedrungen. Ungefähr um die gleiche Zeit hielt Kotzebue sich in Paris auf und kündete auch von hier aus das Lob der vielbewunderten Frau. Diese kam indessen in eine immer gefährlichere Stellung. Napoleon war Kaiser geworden. Er bot den Montmorency eine Staatsstellung an, und sie lehnten ab. Bei der bekannten engen Verbindung der beiden Vettern mit Juliette musste dieses Moment rückwirkend abermals die Haltung Napoleons gegen Mme Recamier ungünstig beeinflussen. Dennoch Hess er ihr durch den Polizeiminister Fouche, der bei ihr verkehrte, vertraulich mitteilen, dass ein Platz als Palastdame für sie offen Die schöne Gegnerin Napoleons Von Dr. G. Ä. Welti sei. Möglich, dass bei diesem Vorschlag der Wunsch mitsprach, die schöne Frau in seine Nähe zu bringen; mehr noch war vielleicht die Erwägung massgebend,. eine einflussreiche Bundesgenossin zu erwerben. Aber auch Juliette wies, wie ihre Freunde, das Anerbieten ohne weiteres zurück. Bald darauf brach das Bankhaus Recamier zusammen. Man munkelte, dass der Kaiser an dem Fall dieses wie einiger anderer Bankhäuser nicht ohne Schuld sei, und sicherlich wäre Recamier leichter über die Krisis hinweggekommen, wenn Juliette sich den Wünschen Napoleons zugänglicher gezeigt hätte. Die geschäftliche Niederlage ihres Gatten aber bedeutete für sie eine ziemliche Umwälzung ihrer äusseren Verhältnisse, ein Zurücktreten aus dem Glänze üppigen Reichtums in eine bescheidenere Bürgerlichkeit. Sie ertrug den Schicksalsschlag mit Fassung und Gleichmut; Mitleid und Neugier bewirkten, dass sie jetzt fast noch mehr der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit wurde. Im folgenden Sommer, 1807, zog sie sich einige Monate aus Paris zurück und begabi sich in die Schweiz zum Besuch der Frau von Stael, die, immer noch im Exil, auf ihrem Landsitze Coppet bei Genf weilte. Madame de Stael, die Tochter des aus Genf stammenden französischen Finanzminieter Necker 1766—1817. Frau von Stael hatte in Coppet ihren berühmten Roman «Corinne» geschrieben, und zwar jetzt mit ihrem Buche über Deutschland beschäftigt. Bei ihr weilten ihr Sohn August, dessen Erzieher Schlegel und ihr Freund Benjamin Constant, der aber gerade damals in stürmischen Erregungen sein Verhältnis zu der Dichterin zu lösen suchte. Zu diesem Kreise gesellten sich nun als weitere Gäste Madame Recamier und Prinz August von Preussen, zwischen denen sich, gleichsam als Gegenspiel zu jenem sich seinem Ende zuneigenden Roman, eine Neigung entspann, die für den preussischen Prinzen die grosse Liebe seines Leben; «wird*. 1 Prinr August war ein Neffe Friedrichs des Grossen und ein jüngerer Bruder des 1806 bei Saalfeld gefallenen Prinzen Louis Ferdinand. Er hatte als Chef eines Grenadierbataillons an der Schlacht bei Jena teilgenommen und war am 6. Oktober'1806 bei Prenzlau trotz verzweifelter Gegenwehr in französische Gefangenschaft geraten. Auf Ehrenwort freigelassen, hatte er zunächst eine Reise in die Schweiz unternommen und. die ihm von Frau von Stael angebotene Gastfreundschaff angenommen. Prinz August war damals fünfundzwanzig, Juliette neunundzwanzig Jahre alt. Sie hatte bei aller Verehrung, die sie empfangen, noch kein wirkliches Glück kennengelernt, die Erschütterung ihrer äusseren Verhältnisse mochte ein Bedürfnis nach Trost in ihr geweckt haben, und die Umgebung, in der sie sich befand, diese Atmosphäre hochgespannter Exaltation, mochte dazu beitragen, dass auch sie der Leidenschaft zugänglicher war als bisher. Sie erwiderte die schnell entflammte Neigung des Prinzen, der mit deutscher Ehrlichkeit und Geradheit um sie warb und.sie beschwor, eine Scheidung von ihrem Gatten durchzusetzen, um ihn zu heiraten. Juliette gab ihre Einwilligung. Sie banden sich beide durch ein, schriftliches Versprechen, Das des Prinzen lautet: Ich schwöre bei meiner Ehre und bei meiner Liebe, dass ich das Gefühl, das mich an Juliette Recamier bindet, in seiner ganzen Reinheit bewahren wijl, dass ich alle mir durch die Pflicht erlaubten Schritte tun werde, um mich durch das Band der Ehe mit ihr zu verbinden, und dass ich keine andere Frau besitzen will, solange ich die Hoffnung habe, ihr Geschick mit dem meinigen zu vereinigen. Coppet, 28. Oktober 1807. August, Prinz von Preussen. * (Fortsetzung) ••> Dieses Versprechen erfolgte kurz vor der Abreise des Prinzen nach Deutschland. Er schrieb von unterwegs täglich zärtliche Briefe an die Geliebte, die im Dezember ebenfalls Coppet verliess, um nach Paris zurückzukehren. Aber Recamier, der sich anfangs dem Gedanken an eine Scheidung zugänglich gezeigt hatte, äusserte nun allerlei Bedenken, religiöse Skrupel kamen hinzu, und Juliette verlor mehr und mehr den Mut, einen entscheidenden Schritt zu tun. Ein Rendez-vous, das sie dem Prinzen versprochen hatte, hielt sie nicht ein, obwohl er eine weite Reise deswegen gemacht, und im Januar des folgenden Jahres teilte sie ihm nach vielem Schwanken mit, dass sie ihm nicht angehören könne, da zwischen ihnen für immer eine Schranke aufgerichtet sei. Das grössfe, ja einzige Hemmnis aber lag jedenfalls in ihrer Schwäche, in der übergrossen Zartheit, mit der sie niemandem weh tun mochte, und in ihrem Mangel an einer wirklich tiefen, sieghaften Leidenschaftlichkeit. Der Prinz gab indessen so schnell Vorurteilen der Konvenienz aufzuopfern, das zeigt keine Seelenstärke.» Zweifellos legte Juliette in ihr Verhältnis zum Prinzen August mehr als Koketterie und weniger als Leidenschaft. Sie entmutigte ihn niemals ganz. Am Jahrestage seines Abschiedes von Coppet schickte sie ihm einen Ring mit der Inschrift: «Je le reverrai.» Dennoch trat sie noch zweimal von einem verabredeten Rendez-vous im letzten Augenblick zurück. Auch liess sie für ihren Verlobten das schon erwähnte Porträt von Gerard malen. Man kann sich denken, wie hochbeglückt August durch das Bildnis seiner schönen Geliebten war, das bis zu seinem Tode in seinem Berliner Palais hing, und das nach seinem Tode durch Testamentsbestimmung wieder an die Geberin zurückfiel. Juliette litt unter dem Widerstreit ihrer Gefühle so sehr, dass sie an Selbstmord dachte. Nach zwei Jahren des Hangens und Bangens verlor Prinz August endlich die Geduld, und er schrieb einen Abschiedsbrief, in dem es heissts «Nachdem Sie mich in so unwürdiger Weise getäuscht und die feierlichsten Eide gebrochen haben, die Liebe nur ersinnen konnte, wagen: Sie jetzt, mich wegen meines Verhaltens gegen-Sie anzuklagen. Weil mein Stolz mir verbot, mich so weit zu erniedrigen. Ihnen Vorwürfe zu machen, halten Sie mich für gleichgültig und trauen mir zu, dass ich mein Glück in anderen Gefühlen suche. Unglücklicherweise habe ich mich noch nicht zu dem Grade der Indifferenz bringen können, den ich mir aufrichtig wünschte, und ich kenne keine Benjamin Constant, von Lausanne, als politischer Schriftsteller, Gegner Napoleons 1767—1830. andere Zerstreuung als die, mich meinem Vaterlande so nützlich zu machen, als die Umstände es irgend gestatten. Niemals könnte ich mit einer Frau glücklich sein, die Gefühle zu heucheln versteht, die sie niemals wirklich empfunden haben kann, und der die Rücksichten der Konvenienz höher stehen als die der Moral. Ich bitte Sie, mir nicht mehr zu schreiben; Ihre Briefe tun mir zu weh. Adieu, zum letztenmal adieu.» Aber trotz dieses Abschiedsbriefes wurden die Beziehungen noch nicht abgebrochen. Es wurde sogar im Herbst 1811 abermals eine Zusammenkunft, in Schaffhausen, verabredet, und abermals seine Hoffnung nicht auf. Er bestürmte sie mit — fand sich der Prinz allein dort ein. Madame Briefen — es sind über hundert erhalten —, in Recamier hatte diesmal wenigstens eine triftige denen er bittend, grollend, beteuernd um sein Entschuldigung. Sie war gerade in jenen Tagen, Glück kämpfte. «Wenn Sie mich wirklichen Pflichten aufopfern wollten,» schreibt er einmal, «so s ausgewiesen worden, und die Sorge um eine neue vom Bannstrahl Napoleons getroffen, aus Paris hätte ich nur Bewunderung für eine Grosse, die Unterkunft hinderte sie, ihr Versprechen zu halten. die Qual meines Lebens wäre. Aber das Glück, Doch sah Prinz August die Geliebte im Jahre 1815 eines Mannes, der sie unsagbar liebt und der auch wieder, da er, als Kommandeur des zweiten norddeutschen Armeekorps den Ihnen nicht gleichgültig schien, den Launen und Belagerungs-Feldzug