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E_1936_Zeitung_Nr.093

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BERN, Dienstag, 17. November 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N« 93 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: At»cat>* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10*— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlicb abonniert Ausgab* B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Wie lange noch? Direktor Tanner von der Eidg. Alkoholverwaltung, bekanntlich kein ausgesprochener Freund der Automobilisten, hat, wie erinnerlich, vor einigen Wochen dem Bundesrate in aller Form von seiner Bereitschaft zum Rücktritt vom Amt in Kenntnis gesetzt. Seither ist es um diese Demission recht still geworden. Geflüstert allerdings wird — und zwar von einer weitern Betrauung der Bidg. Alkoholverwaltung durch den bisherigen, in •weiten Kreisen unseres Volkes stark in Misskredit gekommenen Leiter dieses Regiebetriebes. Dies gar nicht so unmögliche Geraune dürfte sich auf die Annahme stützen; dass der Bundesrat, nachdem er einen neuen Vorsteher für diesen wichtigen Posten nicht gefunden, Direktor Tanner ehrenvoll mit der Weiterführung der Alkoholgeschäfte habe betrauen müssen. Ausserdem hörte man immer •wieder von einer Lohnerhöhung, wohl als Entschädigung für die vor und nach dem 5. Juli 1936 erdauerten Angriffe! So ganz haltlos dürfte auch jene Argumentation nicht sein, laut welcher sich jeder Nachfolger in diesem Amte, und schon gar, falls er nicht selbst aus dem Bauernstande, zum vorneherein einer Opposition gegenüberstehe, die vor keinen Druckmitteln zurückschrecken werde. Fest steht jedenfalls, dass die Tätigkeit des noch immer in Amt und Würden stehenden Alkoholdirektors als Grossimporteur ausländischen Sprites weder unserem Lande noch unserem Volke zu Nutz und Frommen gereicht: Alkoholimporfe: 1934 1935 1936 hl hl hl Januar 6908 567 2848 Februar 5700 132 3227 März 3551 133 1887 April 6369 — 2834 Mai 3781 472 3932 Juni 3686 — 2643 Juli 934 — 3937 August 4221 — 3754 September 2795 — 1867 Oktober 1653 414 3755 November 2817 2249 Dezember 1702 4895 44117 8862 Da kann man doch sicher das Gruseln lernen! Der Präsident der ständerätlichen Alkoholkommission allerdings, zugleich Vorsitzender def^Liga für rationelle Verkehrs- •wirtschaft (Litra), wird diese Importe wohl neuerdings auf Konto der chemischen Industrie zu buchen suchen. Das Volk aber hat F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 27. Fortsetzung. Lukas hatte Herzklopfen. «Leise, sei leise!» wollte er rufen. «Sie werden dich sonst finden, heimbringen, — was wird denn aus mir, wenn sie dich zurückschleppen! Du sollst in die Prärie, in die grosse Steppe, — und wenn man dich vorher entdeckt, gehen wir beide Jtugrund!» Aber der schwarze Adler war taub. Er sang das Lied vom Jäger und das vom treuen Andreas Hofer. Er warf flache Kiesel übers Wasser und sang begeistert: «Fort von Europa, fort — von — Euro — pa!» Feucht und verwirrt hing ihm das Haar in die Stirn. «Fort, fort, fort...» Das alles trieb an Lukas vorbei und dauerte nicht länger als ein Atemzug. .«Merkwürdig!» sagte er laut. «Was?» «Wieviel man vergiesst...» Er lächelte schwach. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilare „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue» Bern Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 jedenfalls nicht wenig Interesse daran, zu erfahren, ob diese mit holländischen Grosslieferanten getätigten Ankäufe nun nach dem 26. September 1936 um den Abwertungssatz teurer zu stehen kommen, oder ob jemand beim seinerzeitigen Abschluss der Lieferungsverträge entsprechende Sicherungsmassnahmen vorsah? Man antworte: 'Erhöht sich das Defizit der Eidg. Alkoholverwaltung nun auch noch infolge der Abwertung? Sowohl Benzin- als Gasöl-Importe weisen neuerdings einen merkbaren Rückgang auf. Einzig unser Alkoholdirektor verharrt in der Pose des Grossimporteurs, hat er doch in den ersten 10 Monaten des laufenden Jahres nicht weniger als 30 734 hl Sprit gegenüber 1718 hl in der entsprechenden Vorjahrsperiode importiert. ' Am 5. Juli 1936 haben sämtliche am motorisierten Strassenverkehr interessierten Kreise kategorisch « Schluss mit der Misswirtschaft » gefordert, und weite Schichten unserer Bevölkerung sanktionierten dies Verlangen. Was geschah? Diese Misswirtschaft der Eidg. Alkoholverwaltung nimmt, nur noch krassere Formen an! Denn es handelt sich nicht aK lein um die vermehrte Einfuhr ausländischen Sprits, Irrtum vorbehalten — bezahlbar in abgewerteter Währung —, sondern ebensosehr um die grossen Mostobstbezüge, vornehmlich aus Frankreich, zum Zwecke vermehrter Alkoholproduktion! Direktor Tanner versteht es, die Interessen gewisser Kreise der Schweiz. Landwirtschaft und der Grossbrennereien wahrzunehmen — kein Zweifel, das Lob, welches ihm der schweizerische Bauernsekretär kürzlich gespendet und der diesbezügliche Wink mit dem Zaunpfahl, welchen der Bundesrat von der selben Stelle erhielt, muss doch wohl begründet sein. Prof. Laur schrieb nämlich in der «Schweizerischen Bauernzeitung»: «Wir geben zwar die Hoffnung nicht auf, dass der Bundesrat die Demission von Direktor Tanner doch noch ablehnen wird.» Uebrigens nicht weiter verwunderlich, dieser Schlachtruf, denn dem Mächtigen von Brugg ist alles recht, was< seinen Interessen dient, und nun schon gar ein Alkoholdirektor, der selbst Grossgrundbesitzer und Schüler des Meisters, vor lauter grüner Front das Wohl des Volksganzen nicht mehr sieht! Am Ende haben es die billigen Auslandbezüge dem Rechenkünstler von der Eidg. Alko- «Ich wollte schon einmal fort von Europa. Ich lief weg von daheim. Ich wollte in die Prärie.» Vermutlich würde Sybil nicht verstehen, dass er in äieser Stunde von solchen Nichtigkeiten sprechen konnte. ,Ein Schul Jungenstreich, mein Geliebter?' Nein, Schuljungenstreiche sind nicht so wichtig, als dass sie nach Jahrzehnten aus dem Dunkel auferstehen und ihren Platz verlangen in einer Schicksalsnacht. «Ich bin als neunjähriger Bub durchgebrannt. Ich wollte zu den Huronen und ein grosser Häuptling werden. Nicht dass mir die Schule zuwider gewesen wäre, aber ich hatte solche Sehnsucht nach wunderbaren Dingen. Die Steppe, Lagerfeuer, Kämpfe... Verstehst du mich?» «Die Wildnis...», sagte Lukas geheimnisvoll. Seine Augen brannten. «Sybil, die Wildnis...» Sie wartete geduldig, bis er weitersprach. «Morgens hab' ich meinen Schulranzen weggeworfen und mich auf den Weg gemacht, zur Donau hin. Ich dachte, wenn ich dem Wasser nachginge, müsste ich geradewegs zu den Indianern kommen.» «Aber vorher kamen die Erwachsenen?» fragte Sybil. Sie war plötzlich sehr ernst. hölverwaltung ermöglicht, einen Betriebsüberschuss von 5 Millionen Franken auszuweisen? (Geschäftsjahr 1. Juli 1935 bis 30. Juni 1936.) Aber weil eben auf dem übernommenen Kernobstbranntwein rund 13 Millionen Franken abgeschrieben werden mussten, wartet unser neuerdings ein ' Defizit von 8 Millionen Franken! Dem Abwertungsbeschluss vom 26. September folgte als erste Tat des Bundesrates das strikte Verbot ungerechtfertigter Preissteigerungen, eine Massnahme, die in allen Schichten des Volkes Zustimmung und Beruhigung auflöste, spiegelte sich doch darin der entschlossene Wille unserer Behörden, sich der aus der Delavation zu erwartenden Vorteile nicht durch eine Erhöhung des Lebenskosten-Niveaus zu begeben. Nur um diesen Preis — soviel war und ist jedem Einsichtigen klar — lässt sich der Anschluss der Schweiz an die Weltwirtchaft zurückgewinnen. Den S.B.B, blieb es vorbehalten, diesen fundamentalen Grundsatz, welcher den tragenden Pfeiler unserer gegenwärtigen Preispolitik verkörpert und auf dem heute die ganze weltwirtschaftliche Existenz der Schweiz ruht, zu durchbrechen. Wenn der Bundesrat seine rigorosen Verfügungen zur «Ja, die iErwachsenen... Schon am Nachmittag bin ich einem Gendarmen in die Hände gelaufen.» «Und dann?» «Eigentlich nichts Besonderes: Zimmerarrest, um Verzeihung bitten...» Lukas war bleich geworden. Er konnte Sybil nicht erzählen, dass der schwarze Adler an dieser Busse zugrund gegangen war. Er war stolz und herrlich gewesen, — und die Erwachsenen hatten ihn vernichtet. Der kleine Junge, der um Verzeihung bitten ging, hatte nichts mehr gemein mit dem schwarzen Adler. Es war ein jämmerlicher Junge, brav und zerknirscht. Lukas beugte sich zu Sybils Gesicht und stammelte: «Von damals an ist alles so glatt und leicht gewesen: Schule, Offizier-Werden, Diplom, Aufträge, — ach, so grauenvoll glatt! Immer auf Gottes Wegen und nie mehr durch die Wildnis gegangen!» «Du musst es vergessen, Lukas.» «Nein, ich bin froh, dass ich mich endlich daran erinnert habe. Zweimal bin ich neben meinem Schicksal gestanden, ohne es zu erkennen. Als neunjähriges Kind, und dann, als ich Rosina traf! Ich war blind wie eine Fledermaus, und wenn du nicht gekommen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Greisere Inserate nach Spezialtarif Inserntensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Es scheint unabänderlich: Unter Direktor Tanners Führung verwandeln sich die versprochenen Gewinne des neuen Alkohlregimes stetsfort in Fehlbeträge. Doch was schadet's, solange die Brugger Nebenregierung mit Vertrauenskundgebungen nicht zurückhält; was kann geschehen, solange Prof. Laur seine schützende Hand ausbreitet? Nun — es wäre trotzdem möglich, dass der hohe Bundesrat die Demission des Eidg. Alkoholdirektors annimmt resp. annehmen muss. Denn eine Landesbehörde, die eine derartige Misswirtschaft nach Erlass der Abwertungsmassnahmmen noch dulden würde, dürfte auf wenig Vertrauen stossen und wenig Gegenliebe finden. Ende September 1936 hat unser Bundesrat bewiesen, dass er zu regieren versteht, und trotz dem Erschrecken hat das Volk aufgeatmet. Nun beweise er aber auch Mut und Kraft den landwirtschaftlichen Sonderinteressen gegenüber und räume beherzt endlich diesen Augiasstall, gemeinhin Alkoholverwaltung genannt, aus! Die personelle Umbesetzung der Leitung dieses Verwaltungszweiges wird sich dabei als grundlegende erste Forderung aufdrängen. Bereits werden da und dort Nominationen laut, die allerdings schwerlich zu befriedigen vermögen, bieten sie doch beispielsweise keinerlei Gewähr für die Einkehr gesünderer Verhältnisse. Wir betonen deshalb einmal mehr, was wir bereits anlässlich der Stillegungsaktipn wieder und wieder darlegten: An die Spitze der Alkoholverwaltung gehört kaum ein Chemiker, aber schon gar nicht ein Schnapsbrenner, an ihre Spitze gehört ein Mann, gewillt, für die Einhaltung der dem Volke seinerzeit gegebenen Versprechen zu sorgen — stark genug, um zu diesem Zwecke selbst gegen die Interessen der Grossbrenner zu entscheiden —, entschlossen, der herrschenden. Misswirtschaft ein jähes Ende zu bereiten und imstande, das Vertrauen des Volkes in einen eidgenössischen Verwaltungszweig, der auf sozialem Gebiete äusserst bedeutsame Funktionen zu erfüllen hat, wieder herzustellen. Es genügt aber hiefür nicht, den kantonalen Finanzdirektoren neuerdings den Speck durchs Maul zu ziehen, resp. zu verkünden, nächstes Jahr werde dann den Kantonen ein Ueberschuss zugewiesen werden können. Anlässlich der Beratungen des Alkoholbudgets haben sich einige Parlamentarier sowohl durch besondere Fachkenntnisse als unabhängige Stellungsnahme zum Problem hervorgetan. Wäre es zuviel verlangt, wenn wir wünschen möchten, dass einmal in diesen Kreisen Umschau gehalten, die Spreu vom Weizen gesiebt und nach dem geeigneten Fachmann und Reorganisator gesucht würde? Wir sind der festen Ueberzeugung, dass bei einigermassen gutem Willen der Mann, der die wenig erfreuliche Erbschaft Tanner zum Wohle des Volksganzen zu liquidieren vermöchte, bestimmt gefunden wird. S. B. B. und Abwertung Bekämpfung der Verteuerung erliess, so handelte er dabei aus der Erkenntnis heraus, dass wir in elfter Stunde mit allen Mitteln versuchen müssen, wieder konkurrenzfähig zu werden. Die Bahnen freilich scheinen da anderer Meinung zu sein. Unbekümmert um das, was im Bundeshaus geschieht, sich kühl über die Pflichten hinwegsetzend, welche der Staat heute zur Rettung unserer Wirtschaft jedem einzelnen auferlegt, nehmen sie sich heraus, die Preisbildung auf eigene Faust zu betreiben. Dass, das was für den einen recht ist, für den andern billig sein sollte, das verursacht ihnen offenbar nicht die leisesten Gewissenskonflikte. Um es kurz zu sagen: Die Sache ist nämlich die, dass gewisse Tarife der Bahnen, die aus ausländischen Frachtanteilen resultieren, ebenso wie gewisse Ausnahmetarife ausgerechnet im Zeichen der Abwertung eine wärst... Ich hatte alles vergessen, — aber du hast es zurückgebracht.» Lukas nahm Sybils Gesicht zwischen seine Hände und starrte sie verzaubert an. Er begann zu glauben, dass sie an jedem Kreuzweg seines Lebens gestanden hatte. In ihr waren die Wirklichkeiten aufgespart, die man ihm entrissen hatte, und die Wünsche, zu denen er sich nie zu bekennen gewagt. O Sybil, Sybil! «Wollen wir träumen, dass wir in die Prärie reisen, Lukas?» Sanfte, helle Stimme! «Wollen wir vom Lagerfeuer träumen, Wir berichten heute über: Andre Citroen: 300 000 km im Serienwagen. Sportnotizen. Vorschau zum New Yorker Salon. Rückgang der Benzin- und Gasölimporte.