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E_1936_Zeitung_Nr.087

E_1936_Zeitung_Nr.087

BERN, Dienstag, 27. Oktober 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N° 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Angabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GeschlftMteUe Zfirlch: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Hfl. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Motorfahrt in die Schweizerwoche Wandre den Weg der Heimat Fahrtfroh ihrer Strasse Wägend die Tat des Bürgers Der sie geschaffen, betreut. Wer in diesen Tagen « den Weg der Heimat wandert, fahrtfroh ihrer Strasse », der kann zwischen Kreuzungen und Genf, zwischen Basel und Chiasso ein herzerfreuendes Bild nationaler Geschlossenheit in sich aufnehmen. In Städten und Dörfern, im schlichten Krämerladen wie im gediegenen Spezialgeschäft und im Warenpalast leuchtet in den Schaufensterauslagen ein einheitliches Plakatzeichen, das Zeichen der Schweizerwoche : ein Edelweiss auf enzianblauem Grunde, flankiert vom Schweizerkreuz und von der Armbrust, der Garantiemarke für einheimisches Produkt. Das Edelweissplakat bezeugt, dass die damit ausgestellten Waren einheimische Erzeugnisse sind, Früchte des Heimatbodens oder hochwertige Produkte aus unsern industriellen und gewerblichen Werkstätten. < Ehret einheimisches Schaffen ! » lautet seit 20 Jahren die Parole, womit uns der Verband der «Schweizerwoche» nahelegt, beim Einkauf dem eigenen Heimatgut den Vorzug-zu geben. Die Schweizerwoche hat seit ihrer Gründung im Jahr 1917 sorgfältig darauf Bedacht genommen, dass unsere Wirtschaft ohne den Austausch von Waren, Kapitalien und Menschen mit dem Auslande nicht existieren könnte. Unser kleiner Binnenstaat war schon immer reicher an Steinen denn an Brot. Einst war es der «Export > von Soldaten, dann die friedliche Auswanderung und die Ausfuhr hochveredelter Arbeitserzeugnisse, die den Ueberschuss unserer Bevölkerung (im Verhältnis zu den natürlichen Existenzmöglichkeiten) ernähren mussten. Dieser besondern wirtschaftlichen Struktur unseres Landes muss die nationale Warenwerbung Rechnung tragen. Der Begriff « Schweizerwoche > darf nichts gemein haben mit dem Begriff «Autarkie». Der Sohweizerwoche-Gedanke darf keine Fremdenfeindlichkeit in sich tragen, er soll ein Element des Aufbaues sein: Selbstbesinnung auf geistiges und materielles Heimatgut. Den Käuferwillen massvoll im nationalen Sinrie zu beeinflussen, das ist die Aufgabe, welche sich die Schweizerwoche stellt. Wo es gilt, in diesen 14 Tagen der Schweizerwoche nationales Schaffen an den Ehrenplatz zu stellen, darf auch das Motorfahrzeug mit den vielen ihm verpflichteten Erwerbszweigen nicht fehlen. Etwa anderthalb Milliarden Franken sind in diesen gewerblichen Gruppen investiert. Sie beschäftigen rund 40,000 Arbeiter und Angestellte, dazu einen grossen kaufmännischen Stab in Geschäften der verschiedensten Branchen. Der Geldumsatz der mit dem Motorfahrzeug verbundenen Erwerbsgruppen beziffert sich jährlich auf 420^50 Millionen Fr. für Materialanschaffung und Betriebsmittel, ausserdem 160 Millionen für Lohnsummen. Dabei sind die vielen Beamten, die Strassenbauer, die Interessenten der Kies- und Sandgruben usw. nicht mitberücksichtigt. Die Garagen und Werkstätten beschäftigen allein eine ganze Armee von Arbeitern, Mechanikern, Handlangern und Bureauangestellten. In den Handelsfirmen arbeiten Hunderte und Hunderte von Verkäufern und Vertretern. Ebenso zahlreich sind die Erwerbstätigen im Import und Transport der im Autogewerbe benötigten Güter (Triebstoffe, Schmiermittel, Pneus, Zubehör). Besondere Erwähnung verdienen die Karossiers, die Spengler, Schmiede, Schlosser, Wagner, Wagenmaler, Sattler und Tapezierer,. nfcht zu vergessen die Versicherungsgesellschaften und besondere Veranstaltungen, wie Rennen und Ausstellungen. Unsere Motorradfabriken haben internationalen Ruf. Der bekannteste Schweizer Motor wird in Lizenz in zahlreichen andern Ländern gebaut. In Dauerprüfungsfahrten, Geschwindigkeits- und Bergrennen haben unsere nationalen Marken grosse Erfolge davongetragen. Jedenfalls sind wir gut beraten, wenn wir bei Anschaffungen einheimische Motorrad-Marken bevorzugen. Personenautomobile fremder Fabriken,* die für den Schweizer Markt bestimmt sind, werden verschiedentlich in der Schweiz montiert und mit elektrischer Ausrüstung, Pneus, Zubehör und Karosserien einheimischer Provenienz ausgerüstet. Technisch aufs höchste entwickelte Qualitätseigenschaften haben den Erfolg unserer Lastwagenindustrie begründet. Auch hier werden schweizerische Konstruktionen auf Grund von Lizenzverträgen in verschiedenen Ländern gebaut. Die schweizerische Lastwagenindustrie hat auf dem Gebiete des Fahrzeug-Dieselmotorenbaues Pionierarbeit geleistet und nimmt darin eine hervorragende Stellung ein. Freuen wir uns auch, dass in der Zubehörindustrie Schweizerarbeit immer mehr Geltung erhält. In der elektrischen Ausrüstung leistet unsere Industrie Qualitätsarbeit: Zündsysteme, Magnete, Dynamos, Scheinwerfer, Akkumulatoren, Scheibenwischer,* Signalapparate und anderes mehr. Schweizer Pneus sind den ausländischen heute ebenbürtig, auch ein grosser Teil der verwendeten Maschinen und des Grandmaterials sind Schweizerfabrikate. Die Schweizer Karosserie hat sich im In- und Auslande einen ausgezeichneten Ruf errungen. Besonders interessante Aufgaben ergeben sich durch die Karossierung schwerer Lastwagenchassis zu Cars, Autobussen und Alpenpostwagen. Die im Inland gebauten Fahrzeuge dieser Art gelten als vorbildlich. So bietet unsere «Motorfahrt in die Schweizerwoche> neben unerfüllten Forderungen viel des Erfreulichen und Ermutigenden. Uns dies dns Bewusstsein zu rufen, dazu soll die nationale Warenschau der Schweizerwoche nachdrücklich beitragen. Ehret einheimisches Schaffen! — Schaffet Arbeit im Lande, st. £in x Vorschlag,. Bereits in der letzten Nummer haben wir zu dem seitens des Verwaltungsrates der Schweizerischen Bundesbahnen gemachten Vorschlag betreffs Einführung einer generellen 25-km-Transportzone für die motorisierten Strassentransporte Stellung genommen. Diese Bequemlichkeitslösung ist nunmehr auch vom Vorsteher des eidg. Post- und Eisenbahndepartemeiites in den Vorentwurf vom 21. September 1936 zu einem Bundesbeschluss über den Transport von Personen und Gütern mit Motorfahrzeugen und über die Einführung einer eidg. Verkehrsabgabe aufgenommen worden. Die Grundlagen zur ziffernmässigen Abgrenzung glaubt der Eisenbahnminister aus den nachstehend wiedergegebenen statistischen Erhebungen gefunden zu haben. Art. 2 hat nun folgenden Wortlaut : Einer Transportbewilligung bedarf: a) wer mit Personenwagen mit über 7 Sitzplätzen Personen gegen Entgelt befördert; b) wer mit Lastwagen und Anhängern •über eine Entfernung von 25 und mehr Strassenkilometer, vom Standort des Fahrzeuges aus gerechnet, Güter gegen Entgelt befördert; Hyppolit Saurer f. In einer Wiener Klinik ist an den Folgen einer Operation Herr Hyppolit Saurer, der Delegierte des Verwaltungsrates der Maschinenfabrik Adolph Saurer A.-G., Arbon, gestorben. Herr Hyppolit Saurer, geboren 1878, schloss voa 1898 bis 1902 an der E. T. H. in Zürich seine theoretische Ausbildung als Maschineningenieur ab. Aufenthalte in Frankreich und England, während deren er sich in Maschinenfabriken praktisch betätigte, erweiterten seine Kenntnisse und legten den. Grund für sein späteres schöpferisches Wirken. Im Jahre 1903 erfolgte sein Eintritt ins väterliche. Geschäft, die Maschinenfabrik Adolph Saurer in Arbon. Dieses Jahr markiert den Anfang seiner glänzenden Laufbahn als Ingenieur und Industrieller. Die Begeisterung Hyppolit Saurers für den Automobilismus, dessen erste Anfänge er in Paris miterlebt hatte, und seine grosse Schaffensfreude bewogen Adolph Saurer im Jahr 1903, den bereits früher begonnenen Bau von Benzinmotoren für Automobile mit neuer Energie zu verfolgen und sich auf die Fabrikation von Lastautomobilen zu konzentrieren. Auf Grund des wägenden, aber auch wagenden Geschäftssinns Adolph Saurers und getragen von dem vertrauenden Optimismus, der Arbeitskraft und dem geschäftlichen Weitblick Hyppolit Saurers erwuchs in den folgenden drei Jahrzehnten aus dem verhältmsmässig kleinen Unternehmen in Arbon das jetzige Weltgeschäft in der Lastwagenbranche, das in mehr als einer Beziehung der Entwicklung des Automobilismus die Bahn gewiesen hat. Durch die vorbildliche Konstruktion sowie durch eine B.eihe epochemachender Erfindungen Hyppolit Saurers, insbesondere der Motorbremse, der Luftanlassvorrichtung und des Geschwindigkeitsregulators wurde die Aufmerksamkeit des In- und Auslandes auf das Arboner Unternehmen gelenkt und der, Förderung des Automobilwesens gewaltiger Vorschub geleistet. Die relativ beschränkten Absatzmöglichkeiten ia der Schweiz und die Notwendigkeit der Anpassung an dij Bedingungen der hauptsächlichsten Auslandmärkte führten zum Ausbau der Firma Ad. Saurer auf internationaler Basis. Auf die Initiative und unter der persönlichen Leitung von Hyppolit Saurer wurden Fabrikationswerkstätten für Saurerwagen in Frankreich, Deutschland und Oesterreich errichtet und Fabrikationslizenzen in England, Polen und den Vereinigten Staaten erteilt. Der hingebenden Arbeit des Verstorbenen und seinem unerschütterlichen Vertrauen in die Zukunft des Automobilismus ist es in erster Linie zu verdanken, wenn die heutige Organisation der Firma Adolph Saurer sozusagen die ganze Welt umspannt. Mit dieser glänzenden Entwicklung ist der Name Hyppolit Saurers, der seit zwei Jahrzehnten die oberste Leitung dieses Konzerns innehatte, aufs engste verknüpft. c) wer über eine Entfernung von 25 und mehr Strassenkilometer, vom Standort des Fahrzeuges aus gerechnet, für eigene Bedürfnisse Güter mit eigenen Fahrzeugen und eigenem Personal befördert. Sowohl der gewerbsmässige Gütertransport als auch der Werkverkehr sollen dem- F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 21. Fortsetzung. « Danke!» murmelte Lukas. Er sah sie hilflos an. Während er noch überlegte, ob sie denn überhaupt verstand, was er erzählte, sprach er schon weiter: «Ich hab die Schuld, ich ganz allein! Ich sehe nicht ein, warum ich das verschweigen soll. Verrückt zu sein, ist ein Unglück, aber keine Schande. Und dass ich nicht bei Vernunft war, kannst du mir glauben... Alles hab ich ihr übel genommen: dass sie so schön war, schön und sanft und stolz. Die anderen Frauen sind aus Laune und Schwäche gemacht, — man muss sie schonen, Geduld haben, rücksichtsvoll sein. Aber sie ...» «Ihre Schuld !» erklärte Tinerl lakonisch. *Nein, nein, nein! Ich hätte wissen müssen. ..» • Lukas versank in Schweigen. Plötzlich sagte er: «Schluss! Es ist so gleichgültig, warum alles geschehen ist, warum und wieso und weshalb. Verfluchtes Leben! Was hältst du davon?» «Gar nichts.> Ferdinand erschien und servierte. Lukas schluckte gierig und beschämt, was man ihm vorlegte. Trotzdem bat das Tinerl: «Du musst essen! Mir zu lieb, — bitte!» Sie war erfreut, dass er so gehorsam war. Als der schwarze Kaffee kam, war Lukas noch immer gedankenvoll, aber sichtlich gefasst. «Denk dir, schliesslich haben wir uns ausgesprochen.» «Das soll man nicht.» «Nein, — das soll man nicht.» «Hand in hand we go strolling when the river is rolling», sang Jonny. Sde horchten, sassen stumm nebeneinander. «Down on the banks of the old Yazoo...» «Also, — was tut eine Frau, die man so schlecht behandelt hat, die man verlassen hat, gemein und gewissenlos? Was glaubst du?» «Sie wartet, dass man zu ihr zurückkommt!» «Zurü... Nein! Du verstehst nichts!» Blanche gab es auf, diesen Mann trösten zu wollen. Schulbub, dummer, — der unbedingt jemand erzählen muss, dass er bei einer Frau gewesen und jetzt unglücklich ist. Als wäre das zum erstenmal geschehen auf dieser dreckigen Welt. Ja, — dreckige Welt! Mein Herr, Sie geruhen nicht zu sprechen? Jetzt liest er im Kaffeesatz, ob sie wieder gut werden wird. Natürlich wird sie! Lieb ist er, so arm... Um die Augen herum erinnert er mich an den Michael. Wo wird der jetzt sein? Aus, vorbei, — und ich hab ihn lieb gehabt... Blanche nickte geheimnisvoll in die Ferne, — alle strohfarbenen Löckchen nickten flimmernd mit. «Ja? Hast du etwas gesagt?» erkundigte £ich Lukas. «Ich hab nichts gesagt, ich hab... nachgedacht hab ich, was du bist» «Architekt.» «Wirklich?» Blanche warf mit einem Ruck den Kopf herum, sie lächelte mit aufgesperrtem Mund, selig und einfältig. «Das ist schön! Wenn ich einmal sehr reich bin, komm ich zu dir, dann baust du mir ein Haus.» «Gern!> sagte Lukas. Er dachte: als ich bei der Tür stand, hat sie die Hand über die Augen gelegt und wollte nicht sehen, dass ich gehe... So war das: verwirrtes Haar, die Hand über die Augen gepresst, und dann der Mund, dieser schöne, gute Mund... «Seit Jahren träum ich davon: drei Zimmer, vielleicht vier, — und eine Veranda mit Säulen.» «Eine Loggia.» «Ja, eine Loggia. Dort stelle ich schöne Sessel auf und einen Blumentisch mit lauter Fuchsien. Und das Bad muss gleich neben dem Schlafzimmer sein. Hörst du zu?» «Ja», sagte Lukas mechanisch. «Bad neben dem Schlafzimmer, selbstverständlich.» Wir berichten heute über: Andre Citroen. Der Mercedes-Zwölfzylinder auf der Rekordjagd. Ein Interview mit Seaman. Im Automobil durch Indien. Polarisierte Beleuchtung mit billigen Mitteln möglich.