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E_1936_Zeitung_Nr.094

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 20. NOVEMBER 1936 — N" 94 *. c. s. SEKTION AARGAU. Mariini-Ball. Wenn man den traditionellen Club-Ball unserer Sektion als ersten gesellschaftlichen Anlass des Kantons zu werten pflegt, so ist er auch dieses Jahr wieder seinem Rufe in jeder Beziehung gerecht geworden. Rund 200 Wagen hielten den Parkplatz beim Kursaal Baden bis auf den letzten Quadratmeter besetzt. Kein Wunder, wenn der Besuch mit 450 Personen alle Erwartungen übertraf und einen neuen Rekord erreichte Erstmals wurde auf das Martini- Essen verzichtet und der Ballbeginn auf 21 Uhr verlegt. Und wir glauben, dass sich diese Programmänderung nur vorteilhaft auswirkte und von der Mehrzahl der Teilnehmer begrüsst wurde. Dass unter diesen Umständen der Tanz die Hauptrolle spielte, ist selbstverständlich. Die Veranstalter hatten denn auch ihr Augenmerk auf das Engagement von drei erstklassigen Tanzkapellen gerichtet. Im kleinen Saal dudelte der Stocker Sepp seine ländlichen Weisen, währenddem im grossen Saal das verstärkte Kursaal-Orchester debütierte, das um Mitternacht durch die wirklich fabelhafte Kapelle Canavesi abgelöst wurde. Das war nun Tanzmusik erster Marke, die auch den Kenner und verwöhnten Tänzer zufriedenstellen musste. Mit Canavesi erschienen die «4 Day Wills », die schwarzbraunen Kubaner, die sich als vollendete Meister des Steptanzes entpuppten und starken Applaus ernteten. Bei dieser einzigen Unterbrechung des Tanzbetriebes blieb es aber auch — keine Reden, überhaupt nichts sollte die Tanzfreudigkeit der A. C. S.;ler beeinträchtigen, wogegen niemand etwas einzuwenden hatte. Von Anfang an herrschte eine fröhliche, ungezwungene Atmosphäre, im grossen wie im kleinen Saal oder in der intimen Bar, wo meistens überhaupt kein Platz frei war. Den kulinarischen Genüssen wurde die Kursaalküche mit einem auserwählten kalten Büffet gerecht. — «Ausharren» wäre ein deplazierter Ausdruck für den ununterbrochenen Tanzbetrieb bis zum frühen Morgen. Nein, die Zeit verging so rasch, dass man seinen Augen nicht traute, als es zu tagen begann. ni. SEKTION BERN. Schnitzeljagd. Die Schnitzeljagd vom letzten Samstag umfasste drei grundverschiedene Aufgaben: eine Zuverlässigkeitsprüfung, wobei ein vorgeschriebenes Stundenmittel einzuhalten war; eine Orientierungsfahrt mit der Weisung, sich von der Kontrolle B nach C zu dislozieren, d. h. sich nach der Karte den Weg selber zu wählen, und schliesslich, wie schon der Titel sagt, die eigentliche Schnitzeljagd. Hier in komprimierter Form, wie die drei Teilaufgaben zu einem glücklichen Ganzen zusammengekoppelt wurden. Die Zuverlässigkeitsprüfung führte im Einzelstart von Bern nach Krauchthal. Vorgeschrieben waren 41 Stundenkilometer. Nicht bekannt war das Ende der Zuverlässigkeitsfahrt, um das Anhalten in Sichtweite der Kontrolle zu verunmöglichen. Wegen der stattlichen Teilnehmerzahl mussten zwei verschiedene Anfahrtsstrassen gewählt werden. Die eine Gruppe erreichte Krauchthal über Papiermühle, Grauholz, Schönbühl, Hettiswil; die andere zog direkt über Bolligen, Hub zum gleichen Schnittpunkt. In Krauchthal angekommen, wurden die Konkur- renten wieder in zeitlichen Abständen auf die ihnen zugewiesene Fährte geschickt. Rot benützte für seine «Seitensprünge > das Gebiet nördlich von Krauchthal und traf in Bigenthai mit den weissen Jägern zusammen, welche dieses «Etappenziel» über das kupierte Gelände von Lindental, Utzigen, Wikartswil und Rüttihubelbad angefahren hatten. In Bigenthai für beide Kolonnen die übliche Befehlsausgabe in gebundener Sprache. Viele Wege führen nach Tägertschi-Statkra, aber nicht immer war der kürzeste der schnellste, doch sei gesagt, dass- alle Jäoer die Station mit dem eigenartigen Namen fanden und mit Elan den letzten Teil der Schnitzeljagd, nämlich die fortgesetzte Schnitzelfährte, in Angriff nahmen. Der Fuchsbau und damit das Ende der Konkurrenz lag im Löwen in Oberdiessbach. Wenn der Weissfuchs hiefür den Umweg über Aemligen, Kreuzstrasse, Gmeis, Freimettigen machte, so mag diese kurze Streckenbeschreibung zeigen, wie vernunftswidrig das motorisierte Wild zu handeln weiss. Das gilt auch vom Rotfuchs, der einmal in Gerzensee, ein andermal bei Brenzikofen auftauchte, um schliesslich seinen Pelz im stattlichen « Löwen » in Oberdiessbach in Sicherheit zu bringen. Die Anlage der Fährten war das Verdienst der beiden Spezialisten Fortmann und Herren. Sie haben auch die Fuchsjagd zu einem fröhlichen Fa^ milienfest auszugleichen und auszugestalten verstanden, wofür ihnen besonderer Dank gebührt. Resultate: Fährte Rot: 1. Haldimann Ernst (Bern), 1 Std. 27 Min. 40 Sek; 2. Wildbolz Max (Bern), 1 Std. 39' 06"; 3. Iseli Willi (Bern), 1 Std. 40' 36"; 4. Wipfli Carl (Wabern), 1 Std. 40' 43"; 5. Keller Paul (Bern), 1 Std. 41' 25"; 6. Gerber Hans (Grosshöchstetten), 1 Std. 43' 13". Fährte Weiss: 1. Muggli Walter (Bem), 1 Std. 29' 36"; 2. Nikiaus Paul (Bern), 1 Std. 32' 27"; 3. Christen Hans (Bern), 1 Std. 34' 42"; 4. Scheurer Kurt (Bern), 1 Std. 37' 01"; 5. Garbani Walter (Bern), 1 Std. 38' 26"; 6. Frl. Sander Erna (Bern), 1 Std. 46' 25". Eine Preisfrage vor Abfahrt in Bern: Wo liegt wohl der Fuchsbau? wurde von niemandem gelöst. Im Ausstich der nächstgelegenen Ortschaften fiel dann der Speziaipreis Frau Marbach-Huguenin zu. Aus den Verbänden CHAUFFEUR-VEREIN SCHAFFHAUSEN Auezug aus dem Protokoll der letzten Versammlung vom 5. November im Hotel Löwen. Der Präsident konnte die gut besuchte Versammlung rechtzeitig eröffnen. Nach Verlesung des Protokolls der Versammlung vom 7. Oktober wurde die Briefpost behandelt. Unter andertn lag ein Schreiben der Stadtpolizei vor, das dahin lautet, dass unsere Eingabe geprüft und den darin enthaltenen Wünschen entsprochen worden sei. Sodann beschloss die Versammlung, den kantonalen Strassfininspektor fn einer Eingabe auf die gefährliche Stelle bei der Sommerhalde auf merk» sam zu machen. Unter «Verschiedenem» steht,die Abenduntorhaltung im Vordergrund. Unser Ehrenmitglied Gusl Bühler richtete einen warmen Ap- STRASSENAUSKUNFTSDIENST DES TOURING-CLUB DER SCHWEIZ Ptaniartü Wellen Auskunft* durdt T.C.S. Otfltn Gent Tel. 43944 ZBrldi Tel. 32 84« pell an die anwesenden Kollegen, den 5. Dezember unbedingt für diesen Anlass zu reservieren. Um die Tombola möglichst reichhaltig zu gestalten, erhält jedes Mitglied eine Sammelliste für freiwillige Beiträge. Anfällige Gaben holt Müller Schaggi gerne ab; andernfalls kann man sie im Stammlokal Rest. Felsenkeller abgeben. Schlues der Versammlung: 10.20 Uhr. LEOENDE: Gssch/ossen« Strease/t ~4U Nur mit Ketten befahrbar -HHMH Eisenbahnvtrlade-Statlor» * Katten-Dmnzt T.C.H- » len. Also reserviert Euch den 28. November für unser Festchen! Eß sind nur noch wenige Plätze frei! Beginn 20 Uhr. Mit Chauffeur-Gruss: Eintracht! S. P Verkehrssperrung. Der Oberingenieur des 1. Kreises des Kantons Bern teilt mit: Wegen Korrektionsarbeiten bei der Brücke über die Weisse Lütschine in Zweilütschinen muss die Lütscbinen- CHAUFFEUR-CLUB «EIN- TRACHT» SCHAFFHAUSEN. Der lang ersehnte Tag unseres ersten Familienabends im Restaurant Mühlental ist angebrücke daselbst, gestützt auf Art. 49 des Gesetzes über den Bau und Unterhalt der Strassen vom 14. rückt. Alle Vorbereitungen sind Oktober 1934, ab Montag, den 30. November, für im Gang, um unsern Abend recht ca. 10 Tage, bzw. bis auf Widerruf, für den Lastwagenverkehr über 3,5 Tonnen Bruttogewicht gesperrt werden. genussreich zu gestalten. Wir Leichtere Wagen, sowie Personenwagen, Pferdefuhrwerke und Fussgänger können passieren, haben sich aber den Weisungen des dortigen Baupersonals zu unterziehen. laden alle Aktiv- und Passivmitglieder, sowie auch Gäste und Gönner freundlich zur Teilnahme ein. Wenn auch nicht aus der Schule geschwatzt eein soll, so wollen wir doch verraten, dase die Päcklipost von Seiten der Gönner und Mitglieder so reich ausgestattet worden ist, dass ein jeder mit einer schönen Gabe rechnen kann, wofür wir auch an dieser Stelle allen Spendern danken. Wer etwa noch ein Päcklein bereit hält, ist ersucht, es an den Kassier oder im Rest. Mühlental (Stamm) abzugeben. Das Programm umfasst u. a. ein Theaterstück und verschiedene kleinere Einlagen. Auch für Tanzlustige ist selbstverständlich gesorgt; vier Mann hoch wird eine rassige Ländlermusik aufspie- Amtliche Nilteilungen Redaktion: VTirano Dr. A. Locher. — Dr. E. Waldmeyer. Dipl. Ing. F. 0. Weber. Verantwortlich für die Herausgabe: 0. E. Wagner. — Rene Baebler. Permanenter Automarkt Titan Badenerstr. 527, ZÜRICH TGL 7O.777 Autohaite Zu verkaufen Fiat 522 L 94) 6 PL, 12,8 PS, Rolldach, Fr. 1500.-, gut erh. Anfragen unter Chiffre 386 an die Automobil-Revue, Bern, oder Tel. 10.08, Sf. Gallen. Kompr. (1500 ccm), in ELEKTROMOBIL, 1 ; T.-Lastwagen, Marke Tribelhorn, mit fast neuer Bereifung und in bestem, fahrbereitem Zustande, ist umständehalber ganz billig zu verkaufen. — Offerten unt. Chiffre C 12460 Ch an die Publicitas A.-G., Chur. 73850 Lackierung Wir nennen gute OUCO-Laatierer Heinrich Wagneri Co. Zürich 8. Seehofstr. 18 Tel.47.410 Generalvertretung f.d.Schweiz der E.J. Dupont de Nemours t Co. Zu verkaufen Rennwagen einwandfreiem Zustand. Offerten unter Chiffre 323 an die Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen VAUXHALL DE LUXE Mod. 34, 9 PS, neuwertiger Zustand, Fr. 2700.—. Offerten unter Chiffre 365 an die Automobil-Revue, Bern. 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BERN, Freitag, 20. November 1936 Automobil-Revue, II. Blatt - Nr. 94 Madame Reeamier Von Dr. G. A. Welti Bis zum Sommer 1814 blieb Madame Recamier nun der Hauptstadt fern. Sie begab sich zunächst nach Lyon. Hier wurde sie mit dem Philosophen und Dichter Ballanche bekannt, der alsbald, wie alle Männer, die in ihre Nähe kamen, sich in'sie verliebte. Aehnlich wie Mathieu Montmorency ist von nun an auch Ballanche ihr in unabänderlich treuer Zuneigung, in einer stillen Enfsagung, die sich als wunschlose Freundschaft äussert, ergeben. Aber bei Ballanche erhält das Verjiältnis> anders noch wie bei Montmorency, einen tragischen Zug, denn Ballanche war bei einem überaus vorneh- gerade diese Unzuträglichkeiten das, was Juliette so fest und bedingungslos an ihn fesselte, das fast die ganze zweite Hälfte ihres Lebens, über dreissig Jahre, von dem Bestreben erfüllt ist, ihm zu gefallen, ihm zu dienen, ihn zufriedenzustellen. Madame Recamier war einundvierzig, Chateaubriand fünfzig Jahre alt, als er anfing, sich ihr lebhafter zu nähern. Juliette war immer noch sehr schön, und sie trug immer noch weisse Kleider. Er kam, und er beanspruchte sofort als Herr und Meister sie ganz für sich. Alle früheren 'Freunde traten in den Hintergrund; der brave Ballanche Chateaubriand die Trennung von der Geliebtej unerträglich — und nach vier Monaten war wieder in Paris. Kurze Zeit darauf wurde er Gesandter nach London geschickt. cTrauern nicht,» schrieb er ihr von dort aus, «all dieses t nur von kurzer Dauer sein. Und dann wercj immer Ihnen gehören.» Indessen wurde Chats briand zunächst noch zum Kongress nach Verona entsandt, ehe er — 1823 — als Minister des Auswärtigen und als Nachfolger von Mathieu Montmorency, der zuletzt diesen Posten innegehabt, nach Paris zurückkehrte. Fünf Jahre früher schon, im Jahre 1818, hatte Madame Recamier ihren Gatten verlassen und in der Abbaye aux Bois im Faubourg St. Germain eine Heimstätte gefunden. Sie hatte insbesondere einige neu aufgehende literarische Sterne in ihren Kreis aufgenommen, Prosper Merimee, Alphonse de Lamartine und vor allem Jean-Jacques Ampere, der in einer an Goethes Werther und Byrons Manfred genährten Stimmung für die zwanzig men Charakter und einem zart empfindsamen besonders fühlte sich zurückgesetzt und sah mit Jahre ältere Frau eine heftige Leidenschaft fasste. Bekümmernis die angebetene Frau unvermeidlichen,Stürmen entgegengehen. Rene, wie Chateau- Aber Juliette war ganz und gar durch ihre Liebe Innenleben im Aeusseren hässlich, linkisch, unordentlich und sonderbar und durch eine Geschwulst zu Chateaubriand ausgefüllt. Dennoch gestaltete briand im Kreise seiner Intimen genannt wurde, sich nach der schmerzlich ersehnten Rückkehr des verunstaltet. Die schöne Juliette wurde seine Muse, erschien jeden Nachmittag um drei Uhr bei der Freundes ihr Verhältnis zu diesem zunächst nicht und manch'e Züge von ihr gingen in seine Dichtung Freundin, und er war ungehalten, wenn /er andere sonderlich erfreulich. Es scheint, dass Madame «Antigone» über. Wie Mathieu suchte aber auch Leute' bei ihr antraf. Er quälte sie alle Tage mit Recamier gerade zu jener Zeit Ursache zur Eifersucht hatte. Chateaubriand hatte noch nicht lange Ballanche seine Liebe tatkräftig zu beweisen, indem er die Geliebte wieder und wieder zu ern- seinen Launen und beunruhigte sie mit seiner Heftigkeit. Sein Ehrgeiz strebte damals danach, den seinen Pariser Posten angetreten, als sie, die Erkrankung ihrer bei ihr lebenden Nichte zum Vorsterer geistiger Beschäftigung anhielt. französischen Gesandtschaftsposten in Berlin zu In Begleitung von Ballanche wandte Juliette wand nehmend nach Italien abreiste. sich ..... von Lyon ,_.. nach Italien. In Rom hielt sie, ganz erhalten. Mathieu Montmorency verwendete sich ähnlich wie in Paris, Cercle und versammelte ins- auf Juliettes Bitten für ihn, und seine Bemühungen - Ballanche und Ampere begleiteten sie. Sie besondere die französische Gesellschaft um sich. hatten Erfolg. Aber bereits auf der Reise schien fand in Rom Ädrien Montmorency wieder, der dort In Neapel weilte sie als Gast Murats und schloss Freundschaft mit der Königin Karoline. Die Abdankung Napoleons gestattete ihr endlich, nach* Paris zurückzukehren. Alle ihre Getreuen fanden sich jetzt hier wieder zusammen. Die Stael und Mathieu Montmorency waren ebenfalls aus dem Exil zurückgekehrt, und der Salon von Juliette wurde mehr als je ein Mittelpunkt des geistigen Lebens. Man traf hier so ziemlich alle bedeutenden Menschen, die sich dauernd oder vorübergehend in Paris aufhielten: Ballanche, Canova, Murat und die Königin Karoline, Humboldt, Metternich, den Maler David, den Schauspieler Talma, Bouffiers, Sismondi, Wellington, auf den die immer noch sehr schöne Frau einen grossen Eindruck machte. Ihr leidenschaftlichster und ungestümster Verehrer war um jene Zeit Benjamin Constant. Es wurde auch jetzt noch bei Juliette antibonapartistische Politik gemacht — Madame Recamier hatte ja jetzt persönlichsten Grund, Napoleon zu hassen — und Benjamin Constant schrieb unter ihrem direkten Einflüsse bei der Rückkehr des Kaisers ein paar heftig angreifende, vielbesprochene Aufsätze in Pariser Blätter. Aber die neue Herrlichkeit Napoleons war bald zu Ende, und der Salon der Madame Recamier wurde immer entschiedener aus einem politischen ein literarisch-künstlerischer. Dieser Umschwung vollzog sich in erster Linie durch den Einfluss von Chateaubriand, der seit dem Jahre 1818 das Leben Juliettes beherrschte. (Schluss.) Chateaubriand war die einzige tiefe und grosse Liebe der Madame Recamier. Und Juliette, die so viele hatte leiden machen, lernte durch diese Neigung selbst der Liebe Leid kennen; denn Chateaubriand war nichts weniger als ein bequemer Liebhaber. Er was masslos eitel, egoistisch, anspruchsvoll;, von Widersprüchen hin- und hergerissen, in seinen Herzensneigungen unbeständig, und meist unausstehlich, sobald er sich nicht unglücklich fühlte. Aber er besass jene Anziehungskraft und Gewalt der Persönlichkeit, die genialischen Naturen eigen zu sein pflegt. Er kam und nahm, und wen er gefangen hatte, vermochte sich nicht mehr loszumachen. Mit vierundzwanzig Jahren hatte er sich mit einer hübschen, vermöglichen Waise verheiratet, die ihn leidenschaftlich liebte und in unverbrüchlicher Treue an ihm hing, obwohl er sie bisweilen jahrelang verliess und kaum anders als mit Geringschätzung von ihr sprach. Er hatte mehrere Romane durchlebt; seine Beziehungen zu Madame de Beaumont, Madame de Custine, Madame de Mouchy hatten viel von sich reden ge- macht. Und auch zur Zeit seiner Liebe für Juliette war er für die Reize anderer Frauen gelegent- Chateaubriand. ' lieh nicht unempfänglich. Aber vielleicht waren Naoh dem Gemälde von Girodet-Trioson (Musee de Venaaies) als französischer Gesandter lebte, sie erneuerte ihre Beziehungen zu Canova, lernte die Maler Viktor Schnetz und Leopold Robert kennen und kam mehrfach auch mit der Königin Hortense zusammen. Aber trotz dieser vielen interessanten Beziehungen weilten ihre Gedanken doch wohl mit schmerzlicher Frage in Paris, wo Chateaubriand über seinen wirklichen oder vermeintlichen Ministererfolgen keine Zeit mehr für Liebe und Zärtlichkeit zu haben schien. «La gloire et le bonheur de ma patrie datent de mon entree au ministere», schrieb er einmal. Dennoch musste das Vaterland die Verdienste des Dichter-Diplomaten wohl nicht recht zu würdigen wissen, denn zu Ostern 1924 erfolgte plötzlich seine Absetzung. Chateaubriand spielte den Schmollenden; er zog sich von allem zurück und behandelte auch die Freundin mit noch grösserer Kühle. Endlich, als sein Groll verraucht war, flog ein Brief zu Juliette hinüber mit der Bitte, nach Paris zurückzukommen. Darauf hatte Madame Recamier gewartet. Sie packte ihre Sachen und trat den Rückweg über die Alpen an. Im Mai 1825 zog sie nach fast zweijähriger Abwesenheit wieder in die Abbaye ein. Sie hatte jetzt weisse Haare. Sowohl Chateaubriand wie auch sie waren ruhiger geworden. Sie waren von nun an in der innigsten, zärtlichsten Freundschaft einander zugetan, bis der Tod sie schied.- Im Jahre 1830 zog Chateaubriand sich endgültig von den Staatsgeschäften zurück. Der Rest seines Lebens gehörte seiner Freundin und der Vollendung seiner Memoiren. Aber es war kein heiterer, froher Lebensabend, kein befriedigendes Zurückschauen auf eine wacker getane Arbeit. Juliette hatte sich damit abgefunden, dass die Blüte ihrer Schönheit dahin sei, und gerade, dass sie keinen Anspruch mehr darauf erhob, als jugendlich und schön zu gelten, machte, dass sie immer noch reizvoll und anziehend war. «Sie ist gleichzeitig zwanzig und sechzig Jahre alt», sagte jemand vor ihr, «und beides verträgt sich bei ihr vortrefflich.» Aber Chateaubriand kam nicht darüber hinweg, dass seine Rolle ausgespielt sei. Er hungerte nach Anerkennung. Er fühlte sich nur dann einigermassen wohl und zufrieden, wenn man ihm beständig wiederholte, was für ein grosser und genialer Mann er sei. Und Juliette übernahm die schwere Aufgabe, diesem armen Unzufriedenen das Leben erträglich zu machen. Sie nahm in ihrem Salon Leute aller Richtungen, aller Parteien und Berufsarten auf; sie war grossherzig und nachsichtig, auch wo die Ansichten der anderen den ihrigen zuwiderliefen: das einzige, was sie unnachgiebig forderte, war dass man ihrem Abgott Verehrung und Bewunderung erwies. Fast alle Werke Chateaubriands wurden, teils im Manuskript, bei ihr vorgelesen. Das grösste Ereignis, das die Abbaye au Bois sah, war 1834 die Vorlesung der «Memoires d'outre tombe», Aufzeichnungen, die bestimmt waren, erst nach dem Tode des Verfassers der Oeffentlichkeit übergeben zu werden. Sie wurden im Salon der Madame Recamier in Gegenwart Chateaubriands einem Dutzend bevorzugter Personen, darunter Adrien Montmorency, Ballanche, Sainte-Beuve, Edgar Quinet, Ampere, Madame Tastu bekannt. Aber neben Chateaubriand kamen auch die anderen Gäste der Abbaye zu Wort. Benjamin Constant hatte schon früher seinen Roman «Adolphe» dort vorgelesen, Lamartine seine «Meditation», Quinet, der ausgezeichnete Kenner deutscher Literatur, seinen «Prometheus». Honore de Balzac, der eben anfing bekannt zu werden, brachte Proben seines Schaffens, Sainte-Beuve, der geistreiche Kritiker, war ein häufiger Gast. Bisweilen wurde auch gute Musik gemacht oder deklamiert; Talma und die junge Rachel Felix rezitierten. Eines Tages, als die geniale Schauspielerin das Gebet aus «Ester» vorgetragen, ging Chateaubriand tief ergriffen auf sie zu und sagte: «Welch ein Schmerz, ein solches Talent aufblühen zu sehen, wenn man selbst sterben muss.» Worauf