Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.096

E_1936_Zeitung_Nr.096

12 - N" 96 Junkern

12 - N" 96 Junkern g»is« Zeichnung Thomamlehd Bern ist alt und neu zugleich — nur dass man nicht auf das Alte zugunsten des Neuen verzichtet. Das neue Gebäude der Schweizerischen Landesbibliothek auf dem Kirchenfeld könnte fast von Le Corbusier sein; man lässt darum die alten Gassen unberührt und die heimelige Dämmerung ihrer «Lauben» — so heissen die spreizbeinigen Arkadengänge —, in welche die mondäne Eleganz der Schaufenster den gedämpften Glanz der Gegenwart wirft. Die Arkadengänge von Alt-Bern sind diesem Stadtbild so eigen wie die hohlkehlenförmigen Dachvorsprünge, die man «Vorschärm» nennt und die den Sandstein der Mauern vor dem Regen zu schützen haben. Die Lauben sind übrigens heute noch Privateigentum der Hausbesitzer. Wozu sie bestimmt sind, sagt uns ein Wandspruch in dem altvaterisch-soliden Restaurant «Zytglogge», und er scheint sogar den «südlichen Eindruck», den Bern machen soll, in Frage zu stellen: «Jedes Jahr het zwölf Monet, zwee troch und zäh nass, Und hätt's keini Laube, so müesst men uf d' Gass.» Aber dieser Epigrammatiker übertreibt mit seinen zehn Monaten Regen, sonst könnte man nicht den ganzen Sommer über an der Aare zwischen Münsingen und Bern die hellen Kleider der Badelustigen leuchten sehen. — Die Lauben sind oft hoch über der Strosse, so dass darunter noch bequem der Kellereingang Platz hat; durch schräg abgeschnittene Kellerhälse blickt man von der Gasse aus in kühle Keller hinab. Die Fenster der alten Häuser sind hoch und reichen fast bis zum Boden hinunter, sie haben hinter reichen Gittern Fensterbänke mit roten Kissen, auf denen nicht selten Katzen sitzen und nachschauen, was in den gegenüberliegenden Laube vorgeht. In den weniger begangenen Laubengasten tragen die Handwerker ihr Gewerbe ans Tagslicht hinaus, wie etwa an der Kesslergasse, wo man immer bequeme, alte und neue, fertige und unfertige Stühle und Fauteuils auf dem Gehsteig stehen sieht — schöne, alte, geruhsame Stühle.- das ist Bern. Aus dem Werk „Was nicht im Baedeker steht-: Die Schweiz, Band II {Nord und West), Verlag R. Piper & Gy München. Mondlicht über alten Gassen Wie von aller Welt verlassen, Träumen still die alten Gassen; Heimlich äugt der Mondenschein In ihr graues Reich herein, Tastet an den kohlen Wänden Wie mit bleichen Geisterhänden Und zu diesem Spiel gesellt Sich noch eine andre Welt: Da und dort kost junges Blut In der Nischen stummer Hut; Dass die Sehnsucht nicht verblasse, Träumt ein Mädchen auf die Gasse; Irgendwo, auf samtnen Tatzen, Ducken sich verliebte Katzen Und von alten Brunnen her Tönt des Plätscherns leise Mär.. • Begegnungen * Also sind die alten Gassen Doch nicht ganz so sehr verlassen Und wer nicht für Schönheit blind Merkt, dass sie verzaubert sind! Hanns Paul Müller, Von Johannes Vincent Venner Wenn man die Fünfzig überschritten hat, bleibt man zuweilen auf seinem Lebenswege nachdenksam ein Weilchen stehen und lässt Gestalten, Städte und Erlebnisse an sich vorüberziehen. Gewiss wäre es ein wenig früh, schon nach dem ersten Halbhundert seines Erdendaseins Rückschau zu halten und Erinnerungen niederzuschreiben. Einst sparte man diese Selbstbespiegelung für die Eiszeit auf. Aber damals eilten die Stunden -^weniger rasch dahin. Nun müssen wie beizeiten- Inventar machen, unsere Angelegenheiten bestellen und noch ein Feuerchen der Begeisterung entfachen, um unser alterndes Herz an den kärglichen Flammen solchen Ruhmes zu wärmen. Wander jähre führten mich durch deutsche und italienische Lande: ich lernte in Berlin, München und Wien und jenseits des Gotthards Frauen und Männer kennen, die mir unvergesslich gehlieben sind. Aber am tiefsten hat mich Bern, meine Geburtsstadt, gezeichnet und ihre Gestalten sind mir heute noch lebendig wie am ersten Tage. Als ich nach langen Jahren wiederkam, plätscherten die Brunnen wie zur Kinderzeit. Ich -schlenderte die Lauben stadtabwärts bis zum Bärengraben. Auf der Nydeckbrücke blieb ich lange über der rauschenden Aare stehen, und hörte ihrem Liede zu, das mir so jugendvertraut klang. Unten am Ufer leuchtete in der Abendsonne der steile Giebel des lieben alten Hauses zu mir herauf, unter dem ich in einem Dachkämmerchen meine Jugendjahre versonnen und versponnen habe. Jeden Abend wiegte mich der Rhythmus der Wellen, die an die Ufer schlugen, in Schlaf und Traum und trugen mich durch manche Knabensehnsucht in die Märchen von Tausend und einer Nacht oder in die Wälder und Jagdgründe Winnetous. Länge lehnte ich an der Brückenmauer und sah mit heissem Blick in das Tal meiner Kindheit hinab. Trotzig und stolz erhob sich darüber "die alte Stadt mit ihren Türmen und Häuserreihen, um die so viel Schicksalhaftigkeit Wärme heilt! Be\ Erkältungen ist daselektr. Heizkissen SOLIS ein bewährtes Mittel. Vier Wärmestufen! Hält jahrelang, ng,abrr.21.- F in'Elektrizitäts- und Sanitätsgeschäft sgesdiäften. vj und kampfumbrauste Vergangenheit wittert. Das ändere Ufer hinan grünten die Hänge noch wie vor vielen, vielen Jahren, als sie der Tummelplatz unserer Indianerstämme und Räuberbanden waren. Mit bangem Herzschlag träumte ein heimatloser Wanderer auf allen Wegen sich in die Heimat zurück. Wie lange wohnten in meinem Vaterhause Fremde) Draussen vor der Stadt ruhte die Mutter, die ewig Gütige, deren Leben ein Opfergang gewesen war. Die Geschwister hatten sich über das Land zerstreut. Und wenn mir unter den Lauben, die ich stadtaufwärts durchschritt, ein bekanntes Gesicht begegnete, war es von eigenen Sorgen umschattet, dass ich mit meinem Herzen voll Leid und Wegverlorenheit stumm vorüber ging. Was sollte mich in Bern, wo ich fremd geworden war, noch halten? Die Erinnerung an ein wundersames Jugendland oder das Grab meiner geliebten Mutter? Ich verschob meine Abreise von einer Woche zur andern und wartete auf irgend eine Begnadung. Josef Victor Widmann, dem ich so viel verdanke, der den Jungen, Tastenden auf den rechten Weg gewiesen hatte, war nicht mehr. Rudolf von Tavel hatte die Redaktion des « Berner Heim » niedergelegt, um sich in seinem warmen Heim im Obstberg nur noch seinen blutvollen, erdnahen Büchern zu widmen. Auch Dr. August Lauterburg, an dessen «Weltchronik» ich einst Mitredakteur war, hatte den Kampf mit der Berner Menschheit aufgegeben und sich auf den Olymp zurückgezogen, wo er nun Nektar trank, er, der wie kein Zweiter verstand, den Veltliner geniesserisch zu schlückern. Wie oft sassen wir zusammen im Klötzlikeller an dVr Gerechtigkeitsgasse und bastelten an unserem Käseblättchen herum. Der Drucker wartete auf Manuskript: es war schon Donnerstag und die Inserate genügten auch noch nicht, um die Nummer zu bezahlen, die Woche für Woche nur gegen klingende Münze ausgeliefert wurde. Während ich dem Setzer Stoff lieferte, humpelte der Chefredakteur die Lauben auf und ab, um die noch fehlenden Annoncen zu erjagen. Wenn aber am Samstagvormittag die Nummer heraus war, begannen unsere guten Tage. Lauterburg vertrug die Belegexemplare und kassierte, das Geld ein. Mein Redaktionshonorar betrug in bar zehn Fränkli pro Nummer und wurde von meinem lieben alten Doktor jeweils gegen Mittag am Kiosk beim Zeitglockenturm abgegeben. Abends sassen wir dann regelmässig zusammen in irgend einer kleinen Kneipe und verschmausten und vertranken ein Inserat, das er in Gegenrechnung erhalten hatte. Statt Geld war für den Betrag Essen und Trinken ausgemacht, eine Art von Naturalwirtschaft, die Lauterburg gang und gäbe war. Diese Naturalwirtschaft gab es wirklich nur für Lauterburg und seine « Weltchronik ». Ihn kannte man ja stadtauf-stadtab. Er war eben mit dem damaligen Bern verwachsen, und aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Viele lächelten über ihn; das waren aber keine alteingesessenen Berner, denn diese hatten damals noch esprit de corps und verleugneten nicht rasch einen der ihren, um so weniger, wenn er ein Original' war.... aber sie Hessen ihn ruhig hungern! Doch nicht diese Töne, o Freunde. Mit sanften Gefühlen und in der rosigsten Stimmung schlenderte ich durch die Lauben dem Klötzlikeller zu. Fünf Jahrzehnte sind dem geruhsamen Bürger fünfzig Jahre, aber dem im eigenen Fegefeuer brennenden Zigeuner sind sie anderthalbmal zugemessen. Wenn auch' das Herz noch himmelwärts fliegt und die Seele nicht im Groll versinkt, die Stirne ist erdgebeugt und durchpflügt; wenn man auch nicht weise geworden ist, so ward man doch still und lernte sich bescheiden. Und dies dürfte vielleicht die Krönung und der tiefe Sinn unseres Vorübergehens auf dieser schönen Gotteswelt sein. Der Heilige von Assisi, der Poverello, der mit allumfassender Liebe die Schöpfung erlebte und ihre Kreatur ins Herz schloss, hat uns das eindringlich gelehrt und vorgelebt. Nicht aus 'den grossen Begebenheiten des Lebens blüht die tiefste Ergriffenheit: auf die Fruchtbarkeit und Bereitschaft unseres Herzens, auf die Feinhörigkeit der Seele kommt es an, dann erleben wir in jedem Alltag Höchstes und Tiefstes. An allen Pilgerwegen atmen die Steine und die braunen Erdkrumen für eine empfindsame Seele. Die über den Pfad wandernden Ameisen sprechen eine besondere Sprache zu uns, wenn wir sie nur verstehen wollen. Die Schösslinge der Sträucher und Bäume, die taunass unser Haupt streifen, wenn wir an einem blauen Morgen durch das Frühlingsland gehen, mahnen an die Märchen aller Schöpfungen. Oeffnet Auges und Herzen den Schönheiten dieser Erdentage, die uns so spärlich zugemessen sind. Bald naht der schwarze Nachen Charons, auf dem wir nach den Gestaden des Vergessens hinübergleiten, von denen es keine Rückkehr gibt; wo unsern erloschenen Herzen keine Liebe mehr glüht und die Einsamkeit ewig und für alle Ewigkeiten währen wird. Baudelaire mahnt uns: «... il n'y a ni amour, ni beaute, ni sagesse dans le sejour des morts oü tu vas en häte... » Hören wir auf seinen Mahnruf, lassen wir unsere Herzen blühen und die Seelen fruchtbar werden, solange diese Sonne den Leiden und Freuden scheint.... (Aus einem demnächst erscheinenden Erinnerungsbuche.) Blütenlese guggisbergischer Redensarien Aer het en ügesinnige Grinn, das me chönnti uf ihm Nagle grede. Du hesch das ganz zwärisch im Chopfl E guete Chrump hinnerum ist nit tumm. Aer steit da wie ne Türlistock. Was gäng chräslet, laat nit gaa. So lang dass de huestisch, labst de nol Soorghaa ist o über d'Stäga ab ghiit. Iss us anere schöne Blatta, we nüüt drinn istt Däär isst o allz, weder Wagesalb niid. Bloss im Sinn ghäbe ist no nit gchüechlet. Bettist wohl, so liegst dess baas. Es n jeders Brambeeri wolt o ne Maa ha. D's Galt hilft dem Galt Ha ist besser weder übercho. We n ech d'Lüt erliide wii, su Iueget e chli a da blau Himel un a di grüenne Büüm uhil Es chunt nit druf aan, wie lang ma läbi; es chunnt druf aan, was ds Labe wärt sigi. War für nüt Wasser chochet, laat ds Glück us em Huus. Es ist eender es Chliid erhuuset, weder üs erwärhet. Di chlünne Chinn staa iim uf e Fues, die grosse afe de uf ds Harz. Der Mentsch ist ohni Maniere iigetlech am wöhlste. D'Nachpure si am wöhlste z'friede, we si nit geng zsäme luuffe. Aer laat der Chopf hange, wie der Esu vor der Schmitte. Bi de Rüche lehrt ma huuse. Die Tage ohni Galt si viel verfluchter weder d'Gältstage. We iina nüt het, su stiit er nie am rächte n Ort. Der Arm het nüt weder siebe Tag i der Wuche. Mi mues dem Arme hälfte, gob er im Dräck ist. Mit Glück un Unglück mues ma huuse. Es ist scho menga grossa Wijer gleert cho. I wellti, dar wee im Saffoi inne! Da isch su alt, wie di chliine Stiine n uf Rufene n inne. Wa n es brav Stiine git, gits brav Härdöpfle. Hesch Zahnweh, su Iah der im Uugstechräb* der Grinn abhaue I Mbrgeräge u Wiiberweh ist z'Mittag niene meh. Förcht der nüüt, so gscheht der nüütl D'Seiseflüeh si de Buebe ihra Himel. Da müürbet de vielicht nol Mir wii geng d's Bessere hoffe, d's Minger« chunnt de vo sälber. Was me erwärhet het, het me sörger darzue. Es ist geng meh wärt, wül ma wiis, wis gnue ihe chunnt £A.us: «Grins aus Gureisbere»}.

N°9i QeischtetQscfiicfite us 35äxa set ud Klinge isch im Holztäfer blibe stecke, der Schpuck isch verschwunde, wie i dr Luft uufglöst u im Zimmer isch es so ruehig u schtill gsy wie vorhär. I bi so vom Schrecke bannt gsy, dass i ersch wieder zuemer gfunde ha, wo en Amslen im Garte ihres Morgelied trilleret u sich langsam dr früech Morgehimmel uufghället het. U da hani i dr Chronik gfunde, was es mit dam ewig ruhelose Ritter für ne Bewandtnis het. Aer het vor lange, lange Zyte dr erschtgebornig Sühn vo sym verschtorbne Brueder umbracht, um syni Güeter z'erbe. Sy Sühn isch, dass er so lang kei Rueh findet u so lang muess widercho, bis sy Sund tilgt isch.» 13 Mit dene Worte het dr alt Chlous si Gschicht beändet Unterdesse isch es dunkel worden u d'Muetter het ihm z'Schtübh grichtet, dass er drin chön übernachte. Mir Ching hei is ganz äng zäme glah u heinis nid getrout vom Tisch uufz'schtah u i z'Bett z'gah. D'Muetter het müesse mit is cho u binis blybe, bis mr ygschlafe si. U sytdäm trouen i mi nie meh allei i Chäller abe u wenn i hüt ou weiss, dass die Erläbnis vom alte Chlous wohl nume dr Ussfluss vo sire läbhafte Fantasie si gsy, so ghören i doch öppe mitts i dr Nacht e Frou wo briegget, gseh e gschpänschtige Schatte im Zimmer ume husche u troume vonere arme Seel, die nach Erlösig planget, Bi. Als chlyses Ching bin i gang ohm es bsungers Gfüel vo Gruusle i Chäller abe gange, we d'Muetter Härdöpfel oder süsch öppis vo dert bracht het. Das het sich mit eim Schlag gänderet, wo plötzlich dr alt Chlous uftoucht isch, vo dam mir syt lange Jahre nüt me ghört u gseh hei. En alte Unggle müetterlichersyts, da sys Labe uf sältsami Art gfrischtet het. Mit emene Grammophon uf eme Handwägeli isch är dür d'Wält zöge u het uf allne Jahrmärkte wyt u breit zum Tanz ufgschpielt. By sonere Glägeheit isch är o einisch by üs z'Bärn verby cho, für grüessech z'säge. Mir hei da Unggle wienes siebets Wältwunder agschtuunet, nid minger aber dr Grammophon, da zu dene Zyte no nid so bekannt isch gsy u mit sym riesige gälbe Schalltrichter e komischen Ydruck gmacht het. Di längschti Zyt simer« um das Charli ume gumpet, uf dam da Wunderchaschte gschtanden isch u hei nid möge gwarte, bis dr Unggle e Platte ufgleit het u dr Grammophon het afa schpile. Es muess plötzlech fürchterlech tönt ha; us allne Fänschtere si d'Chöpf cho use z'schiesse u vo allne Syte hei entsetzti Gsichter abe gluegt, was es da ou gäbi. Nüt deschto weniger hets de Lüt afa gfalle u wo erseht no di rüerselegi Melodie vom « letschte Poschtillion » ertönt isch, hei vieli verschämt d'Ougen abputzt. Na däm Konzärt vor dr Gartetür het d'Muetter der Chlous ändlich yne gnötiget u ne zumene Glesli Moscht, zu Brot u Chäs yglade. Mir Ching sinis mit emene settige Unggle grüüsli intressant u wichtig vorcho u hei is hantli näben ihm düren i d'Chuchi yne drückt. Mir hei doch o wolle ghöre, was dr Unggle wird z'verzelle ha u sy umso gwundriger gsy t .will jir so wyt i dr Wält ume cho isch. Nid lang isch es gange, dass na den üebliche Frage nachem Wohär u Wohl, u wis ihm ömel ou gange sygi, dr alt Chlous nad-is nah i z'Ploudere ine cho isch. Mir sy müsli schtill gsy, um ja keis Wort z'verliere, mi hat ghört e Gufechnopf a Boden abe falle. D'Muetter het em Chlous gang flissig ygschänkt u mir hei näbeby sy guet Appetit bewunderet, aber ou sy läng, wyss Bart, da bim Chöie luschtig ufe un abe ghüpft isch. Brotbrösmeli, wo si drinne blybe hange, het er mit emene riesige, farbige Naselumpe abputzt £ trotz User Ungeduld e chlyneri Pouse im Verzelle ygschalte. Nach sonere Pouse het er uf z'mal ganz gheimnisvoll und düschter afa dry luege u mi hets sine chlyne, scharfen Aeugli agseh, dass ihm jitz öppis bsungers isch i Sinn cho. Ja, ja, mini liebe Ching, seit er uf einisch, dir heit guet lache, es git aller gattig gschpässigi Sache zwüsche Himmel u Aerde u weme viel reist, so erlabt me mängs wo eim e chly schtiller u nachdänklicher macht. Da bini es mal amene schöne, halle Wintertag derzue cho, wie ne riichi Buretochter ihres Hochzyt füret. I ha Glägeheit wahrgno, um e Batze z'verdiene u ha agfange dr Hochzytsgsellschaft zum Tanz ufschpile. Das isch bis spät i d'Nacht ine gange u die Burschen und Meitschi hei nid gnue übercho vo dere neue Musig. Ersch gäge Mitternacht bini ga Bärn zue, um es Nachtlager z'finge. Es isch e stärnklari Nacht gsy, dr Mond het dr Wäg hall belüüchtet u doch het's mr e chly gruuselet, will es heisst, dass es uf em Altebärgbrüggli öppe gschpängschti. Bäum u Gschtrüüch hei dunkli Schatte uf e Wäg gworfe, u es isch e grüüsli ehalte Wind gange. I ha pressiert was i ha chönne, aber woni zum Brüggli chume, het mis Wägeli eifach nümme rächt wyters wolle. Mit gröschter Müeh u Not bin i bis i d'Mitti vom Brüggli cho, es isch gsy, als ob mis Charli mit Zäntnergwicht belade wäri. Dr Angschtschweiss isch mr vo dr Schtirne abe tropfet; i dr gröschte Seelenot han i afa bätte u plötzlich isch mys Charli vo alleini glüffe. Es isch mr gsy als we mr öpper täti hälfe zieh oder schtosse, aber i ha mi nid getrout ume z'luege. Aendli, am angere Aend vom Brüggli han i alle Muet zäme gno u mi schnall umkehrt, aber i ha fasch mine Ouge nid troueU E Gschtalt imene wysse Gwand isch dervo gschwäbt u plötzlech verschwunde, wie wenn se dr Aerdbode verschluckt hätti. KeFuesstritthet me gseh uf em Schnee u drum het es numene Geischt chönne sy, da mr dort begägnet isch. Vo dort a bini nümme gärn über z'Altebärgbrüggli uf Bärn ine, es isch dort eifach untfhüür. Hie, Madame! Schöni Zibele, prächtige Chnoblouch... Os Ching isch's bym Lose vo dere Gschicht; es bitzli üngmüetlech z'Muet wprde. Keis WöiS hätti dankt, dass sich z'Nacht' bym Altebärgbrüggli es derigs gheimnisvolls Gschpängscht würdi ume trybe. Vo däm Gschpängschterhuus a der Junkeregass, i däm der Chlous einisch het übernachtet, hei mir alli scho öppe ghöre munkle. Zwar het me nüt Bestimmts gwüsst, jedefalls aber hätte mer üs alli bsägnet, dort inne z'schlafe. Der alt Chlous het de ou e schrecklechi Nacht erlabt: «Es isch es schöns alts Patrizierhuus, mit emene grosse Garte gäge d'Aare abe u es het mr ganz guet gfalle, trotzdem es heisst, dass ke rächte Chrischtemönsch drinne wetti wohne. Vor em i z'Bett gah bin i no schnall e chly ga drin ume luege. Di meischte Zimmer si läär da gschtande, dr Gips. isch vo de Wände gfalle, d'Schpinnhuppele hei ihri fiine Netz a dr Dili ufghänkt gha, verblassti Tapete si abe glampet u alles het rächt trüebselig u düschter usgseh. I dr Schtube, woni gschlafe ha, isch es prächtigs Himmelbett gschtande, uralti Möbel u Draperie, alles verschtoubt u scho chly moderig. Ueberem Bett si zwöi krüzti Schwärter ghanget, verroschtet und verchrümmt, aber i ha wyter kei Notiz deryo gno. E Cherze het ihres schwache Liecht verstreut; es isch dr einzig Liechtpunkt gsy, da so öppis wiene schwache Troscht verheisse het. Wohlig hani mi i däm alte Bett usgseh treckt, dr rot Bettvorhang gäge z'Fänschter' füre zöge u no chly inere alte Chronik gschneugget u bletteret, bis i bi ygschlafe. Mitts im Schlaf het e ehalte Luftzug dr Vorhang vor mim Bett ufghoben u mi gweckt. Vom Münschter här hets grad dreiviertel Zwölfi gschlage u dr Mond isch hinger de Wulke füre cho. Was i i sym Liecht gseh ha, het mi fasch la erschtarre. Vor em chemine isch e jungi Frou i ganz altertümliche Gwänder gsässe mit emene Blick so läblos ü ehalt, dass es mir jitz no drab gruuset, wenn i nume dra danke. I den Arme het si e chlyne Schädel gwiegt u Träne sinere unufhaltsam über die bleiche Backen abe gloffe. Uf z'Mal isch d'Tür uufgange u mit grosse Schritte, die im lääre Gang schuurig widerghallt hei, isch e Ritter i voller Rüschtig ine cho. «Bon soir,» flüschteret d'Frou, aber dr Gägegruess isch usblibe. Mit schnalle Schritte isch dr Ritter gäge mis Bett zue cho — mir isch z'Härz fasch blibe stah — u het vo dr Wand es Schwärt abghänkt. Bevor i nume gwüsst ha, wie mir hälfe, isch dr Ritter scho uf d'Frou zuegschritte gsy u het ihre da chly Chopf mit emene chräftige Hieb us de Arme gschlage. Im gliiehe Ougeblick bin i usem Bett use gschprunge, ha z'angere Schwärt abe grisse u agfange wi wild u toll uf e Ritter dry schlah. Aber dr Säbelhieb isch dür di lääri Luft gsuu- Die Stadt feiert ein Fest. Tausende von Menschen wogen durch die Gassen, trinken, winken und jubeln. Tief rot, wie selten dunkle Rosen, blitzt der Wein durch die Gläser. Schwere Hände fassen sie, stossen sie wild aneinander, dass der duftende Traubensaft schäumend den Rand überbordet. Müde schon lösen sich letzte Lieder von den schweren Zungen. Dann taumeln dunkle Gestalten durch die nächtlichen Gassen. Dumpf strömt der Lärm aus der schwarzen Masse der heiss atmenden Mauern. Ueber den Dächern aber liegt ein Meer von Licht. Wie die Zinne eines Märchenschlosses überragt sie der blendend erleuchtete Turm des- Münsters. Er stürzt hinauf, in den Himmel, Ein Spitzbogen jagt den andern. Unten schon, im Portalgewölbe, ist Leben. Die Bildnerei der Steinmetzen, das grosse Spiel von Himmel und Hölle lebt Schrecklich grinsende Höllenfratzen glotzen aus dem grausig kriechenden Gewühl der nackten Leiber der Verdammten. — Leicht gebückt, mit wallenden Gewändern angetan, schreiten die Seligen mit strahlendem Antlitz durch die enge Pforte. Eine entsetzte Bewegung geht durch die Reihen der törichten Jungfrauen. Immer von neuem drehen und wenden sie die leeren Lampen. Zu nichts. Leer sind sie, trocken wie ein Acker im Sonnenbrand. Bittend, beschwörend, schimpfend wenden sie sich an ihre klugen Schwestern auf der andern Seite des Bogens. Zu spät, sie treten schon in den Reigen, den im Lichte verkündeten Bräutigam frohlockend zu empfangen. Mit wuchtigem Schwung wölbt sich der Bogen empor zur Spitze. Die weist hinauf, zu einem Wasserspeier der nächsten Stufe. Er dreht gerade sein Teufelsgesicht, und die riesige Nase wirft gespensterische Schatten ins Truglicht. Pfeiler lehnt sich an Pfeiler und immer neue Bogen springen aus ihnen. Ein grosser Schwung, ein beseligter Tanz, ein brünstig Gebet erfasst alle Steine. Rippen und Rosen, Gewölbe und Spitzen, alle verjüngen sich aufwärts und reissen den Turm in die weitum glänzenden Wogen des Festlichts und hoch in den Himmel der sanften, unendlichen Nacht. Und das Münsterlicht treibt ein glitzerndes Spiel mit den fernher rollenden Wellen des Flusses. Ein leichter Wind fährt vom Wasser herauf und verrät beim Turm das nächtliche Raunen der schnell hinziehenden Wellen. Mit dem Wind reitet ein Nebel, ein Wölklein heran und glänzt hell Jeder Stand hat seine Lasten ... (Photos Paul Senn.) Das cdeucfUete Uttutstot auf als Wolke über dem strahlenden Turm. Grüssend streicht sie vorbei an den steinernen Rosen seiner Spitze, nimmt Licht mit und scheint weit über die schlafende Stadt weg ins nächtlich atmende Land. Und der Schein dringt ins schwanke Geäst der rauschenden Tannen, sendet die letzten Strahlen zwischen die schweren Halme der sommerlichen Felder. Licht, Licht, flüstert das Nachtvolk, ein Flügel sagt es dem andern und schon flattern die Falter über die Wipfel hinauf zur Wolke, die den Gruss des hellen Münsters verkündet. In gewaltigen Schwärmen rudern sie eilig unter ihr fort und verfolgen gierig den immer lebendiger glitzernden Strahlen. « Brüder, Schwestern, ein Fest, ein Fest, wir fliegen zum Tanz. Kommt mit, ihr braunen und schwarzen und gelben Falter der Nacht! » So ruft freudig ihr Flügelschlag und der Wind nimmt ihn mit Dorthin, dort zur grossen hell leuchtenden Blume, zu den vielen weiss glänzenden Stengeln, hin zu den andern, im Reigen wirbeln- Vorteilhafte Absteigequartiere Basel Hotel Krafft am Rhein oberhalb „Mittlere Brücke". Ruhig schlafen (Zimmer ab Fr. 4.50). - Gut essen. Garage. Tel. 43.968. F. Lutz. Luzern Restaurant u. Weinstube Malaga Weggisgasse 10. Ein gemütliches Stündchen bei einem guten Tropfen und vorzügl. Bissen zu bescheidenen "Preisen. Spezialplättli. Tel. 21.827. Frau M. Rotter. Spiez » Hotel Niesen American Bar Zimmer mit messendem Wasser Fr. 3.—. Garage. Hs. Rebmann. Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 2.11., Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner.