Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.098

E_1936_Zeitung_Nr.098

BERN, Freitag, 4. Dezember 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang — ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10»— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 Fiskus und Motorfahrzeug-Verkehr Es ist ein beliebtes Steckenpferd der Automobilgegner, die Oeffentlichkeit immer und immer wieder mit der durch keine unanfechtbaren Unterlagen belegten Behauptung zu beeinflussen zu suchen, die Motorfahrzeugbesitzer leisten nur einen ungenügenden Beitrag an die Ausgaben der Kantone und Gemeinden für Strassenunterhalt. Und man schätzt es dort gar nicht, wenn dann von der andern Seite an Hand amtlicher Zahlen klar und unzweideutig das gerade Gegenteil bewiesen wird. Erst kürzlich hat ein ostschweizerisches Presseorgan (« Der Freisinnige *,, Wetzikon) den nämlichen faux-pas begangen. Als man darauf von Automobilistenseite bei der Redaktion mit unwiderlegbarem Zahlenmaterial aufrückte, blieb ihr kein anderer Ausweg, als klein beizugeben. Es ist daher von besonderer Bedeutung, die weite Oeffentlichkeit immer mehr auf der Grundlage amtlicher Zahlen über die jährlichen Beiträge der Motorfahrzeugbesitzer an den Bundes- und Kantonsfiskus aufzuklären und dem Vorwurf der ungenügenden Beitragsleistung an den Strassenbau und -unterhalt ein- für allemal den Garaus zu machen. Dieser Beweis kann um so eher erbracht werden als in den Zusammenstellungen des eidg. statistischen Amtes und der eidg. Zollverwaltung das nötige Ziffernmaterial zur Verfügung stehen. Wenn es in den nachstehenden Ausführungen als wertvollstes Fundament benützt wird, so fällt damit auch jeder Gegeneinwand zum voraus dahin. Unsere Zusammenstellungen sollen aber den eidgenössischen und kantonalen Behörden auch die Augen darüber öffnen, dass die finanzielle Belastung der Motorfahrzeughaltung heute an einem Punkt angelangt ist, da ein starker Rückgang des Motorfahrzeugbestandes unfehlbar eintreten muss, wenn nicht die wiederholt und dringend geforderte Lockerung kommt. Die 1935er-Resultate sprechen ein deutliches, nicht misszuverstehendes Mahnwort. Es muss doch zu denken geben, dass mit Ausnahme der Schweiz alle Staaten eine namhafte Zunahme des Motorfahrzeugbestandes aufweisen und dass nach dem « Bureau international de Petrole » in Paris die Schweiz das einzige Land ist, wo der Benzinimport eine rückläufige Bewegung eingeschlagen hat. I. Die Kantone. Mit der Steigerung der Erträgnisse aus dem Benzinzoll in den letzten Jahren ist der 25prozentige Anteil für die Kantone zu einer Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 gewichtigen Finanzquelle geworden. Und das um so mehr, als die jährlichen Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern und -gebühren seit 1932 fast stationär geblieben sind, eine Folge des geringen Wachstums des Motorfahrzeugbestandes, der vermehrten Ausserbetriebsetzung vieler Vehikel und des immer stärker ausgeprägten Zuges zum kleiner dimensionierten, belasteten Fahrzeug. Die Entwicklung der finanziell weniger Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern und -gebühren der letzten Jahre zeigt folgendes Bild : Zunahme resp Ab- Jahr Betrag nähme gegenüber dem Vorjahr FT. Fr. 1927 17.115.610 — 1929 23.484.907 +3455.938 1930 25.784:663 + 2.299.756 1931 29.017.886 +3.233.223 1932 30.661.859 " + 1.643.973 1933 31.057.548 + 395.089 1934 30.675614 — 381.934 1935 30.683.333 + 7.719 Der erste im Jahre 1934 erfolgte Ruck nach unten, wobei der Ertrag um rund a) Inkl. Anteil der Gemeinden. b) Beitrag an die Gemeinden Fr. 287.627.- 380,000 Fr. geringer ausfiel, konnte zwar 1935 wieder abgebremst werden. Das Jahr 1935 verzeichnet eine geringfügige Zunahme von 7719 Fr., das Totalergebnis bleibt aber doch weit hinter dem Rekordresultat von 1933 zurück. Man ist sich zudem darüber klar, dass das Jahr 1936 neuerdings im Zeichen scharten Abstiegs stehen wird, dürfte doch allein der Kanton Zürich mit einer Mindereinnahme von. gegen 400,000 Fr. überraschen. Beim 1935er Ergebnis ist übrigens zu berücksichtigen, dass einzelne Kantone ihre Einnahmen nur durch eine Aenderung resp. Erhöhung der Steueransätze zu verbessern vermocht haben. Von den 25 Kantonen warteten 1935 nur noch 10 mit einer Vermehrung der Einnahmen an Motorfahrzeugsteuern und -gebühren auf, während bereits 15 mit einem Rückgang vorlieb nehmen mussten. Zürich führt erwartungsgemäss mit Fr. 6,799,549, gefolgt von Bern mit Fr. 4,677,151, Waadt mit Fr. 3,532,064 usw. Die unten wiedergegebene Zusammenstellung lässt erkennen, dass die Verkehrssteuern selbst von Fr. 27,367,247 im Jahre 1934 auf Fr. 27,445.439 im Jahre 1935 angestiegen sind (eine Folge erhöhter Steueransätze), dass sich aber anderseits die Einnahmen aus den r Gebühren von Fr. 3,308,367 auf Fr. 3.237,894 gesenkt haben. Diese Erscheinung geht auf drei Ursachen Einnahmen der Kantone aus Motorfahrzeugen. Andere ^tone *££f Motorfahr^ug- Total 1935 Total 1934 %£*» Fr. Fr. FT. Fr. Fr. Aargau 1.694.827.— 142.673.— 1.837.500.— 1.855.709.— — 18.209.— Appenzell A.-Rh. 175.848.— 15.122.— 190.970.— 173.242— + 17.728.— Appenzell I.-Rh. 18811.— 670.— 19.481.— 18.916.— — 565.— Baselland 575.273.— 53.990.— 629.263.— 629.922.— — 659.— Baselstadt 1.084.672.— 175.613.— 1.260.285.— 1,277.122.— — 16.937.— Bern 3.813.343.— 863.808.— 4.677.151.— 4.722.238.— — 45.087.— Freiburg 456.371.— 7.257.— 463.628.— 474.066.— — 10.438.— Genf 1.580.961.— 303.845.— 1.884.806.— 1.720.319.— + 164.487.— Glams 169.106.— 9.394.— 178.500.— 177.491.— + 1.009.— Graubünden 347.676.— 55.687.— 403 363.— 346.300.— + 57.063.— Luzern V) 1.168 566.— 115.278.— 1.283.844.— 1.362.660.— — 78.816.— Neuenburg a) 915.652.— 77.391.— 993.043.— 868.290.— + 124.753.— Nidwaiden a) 53.385.— 1.528.— 54.913.— 55.043.— — 130.— Obwalden 51.545.— 6.767.— 58.312.— 58.846.— — 534.— St. Gallen 1.676.118.— 62.570.— 1.738.688.— 1.590.691.— + 147.997.— Schaffhaueen 238.181.— 37.610.— 275.791.— 281.489.— — 5 698.— Schwyz 268.902.— 26.989.— 295.891.— 291.108.— + 4.783.— Solothurn 869.435.— 188.010.— 1057.445.— 1.079.547.— — 22.102.— Tessin 1.217.089.— 115.176.— 1.332.265.— 1.356.415.— — 24.150.— Thurgau 996.675.— 83.008.— 1.079.683.— 1.050.173.— + 29.510.— Uri 36.911.— 5.884.— 42.795.— 40.137.— + 2.658.— Waadt a) 3.280.264.— 251.800.— 3.532 064.— 3.750.908.— — 218.844.— Wallis 390.562.— 14.007.— 404.569.— 414.559.— — 9.990.— Zug 171.709.— 17.825.— 189.534.— 183 788.— + 5.746.— Zürich 6.193.557.— 605.992.— 6.799.549.— 6.896.635.— — 97 086.— Total 1935 27.445.439.— 3.237.894.— 30.683.333.— 30 675 614.— + 7.719.— Total 1934 27.367.247.— 3.308 367.— 30 675.614.— — 381.934.— Total 1933 28.009 389.— 3.048.159.— 31.057.548.— + 395.689.— Total 1932 28.041.617.— 2.620.242.— 30.661.859.— +1643.973.— INSERTIONS- PREIS: DI* achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpeziaitarU Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Wir berichten heute Unbewachte Bahnübergänge. Erhöhung der deutschen Benzin- und Gasölzölle. Aus dem Rennfahrerlager. Von engl. und kontinentalen Autokonstruktionen. Beilage: über: zurück: Verminderung der Neueinstellung von Fahrzeugen, Rückgang in der Ausstellung von Führerausweisen und in der Zahl von Fahrprüfungen. Sie verkörpert ein weiteres Anzeichen für die Schrumpfung in der Motorisierung des Verkehrs, sie legt aber den kantonalen Behörden auch nahe, die weit übersetzten Taxen endlich abzubauen, penn die Gebühr für die jährliche Erneuerung des* Führerausweises von Fr. 10, d. h. für eine blosse Abstempelung ist heute nicht mehr angängig. Vermochten somit die Kantone ihre Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern und -gebühren noch knapp zu halten, so mussten sie 1935 zum zweitenmal einen Minderertrag aus dem Benzinzollanteil registrieren. Insgesamt flössen ihnen aus diesem Titel Fr. 11,637,322 (im Vorjahr noch Fr. 11,980,882) zu, wozu noch der Ausgleichfonds, mit Fr. 250,000 kommt. Das Totalergebnis stellt sich auf Fr. 11,887,322 gegenüber Fr. 12,230,882 im Jahre 1934, was einem Rückgang um Fr. 343,560 entspricht, gegenüber einer Zunahme von Fr. 1,309,580 im Vorjahr. Das Jahr 1936 wird diese rückläufige Bewegung noch wesentlich stärker akzentuieren, weil die Kantone an der im letzten Jahr vorgenommenen erneuten Benzinzollerhöhung finanziell nicht beteiligt sind. Zu den Einnahmen der Kantone gesellen sich ferner noch die Bundesbeiträge für Unterhalt und Schneefreimachung der Alpenstrassen, die 1935 folgende Summen repräsentierten : Graubünden Fr. 400,000. Tessin 400.000, Uri 160,000 und Wallis 100,000, total 1,060,000 Franken. Hinzuzurechnen sind im weitern noch die Erträgnisse aus der unangenehmsten finanziellen Belastung der Motorfahrzeugbesitzer, den F E U H L L E V O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 32. Fortsetzung. Nein, Konstantin ist kein hochmütiger Phantast, kein einsamer Riese. Er ist ein dozierender Krämer, wenn ihn etwas schmerzt, kann er nicht den Mund auftun, vielleicht zerbricht ihm das Herz, aber er schreibt eine Handschrift, sauber wie ein Kalligraphielehrer. Noch auf seinem Totenjett wird er ein passendes Zitat finden. «Man sagt, wen die Götter lieben...> Aber ganz plötzlich begreift Sybil, dass er von ihr spricht, nicht irgend jemand muss sterben, auch nicht Konstantin, kein Mensch, niemand — nur sie, sie muss sterben ! Jung sterben, bald sterben. In ein paar Monaten kommt das Ende... Ende, Ende, Ende, denkt Sybil, sie kann nicht atmen, klammert sich mit beiden Händen an den Tisch. Jetzt sollte man weinen, um sein junges Leben weinen, um diese süssen vierundzwanzig Jahre. Bäche von Tränen müsste man haben, und es wäre noch immer zu wenig geweint. Da Hegt mein Todesurteil, denkt Sybil. Mit vierundzwanzig Jahren bin ich zum Tod verurteilt und hab nichts verbrochen ! Hab keinem Menschen weh getan, war heute zum erstenmal glücklich — auf meiner Fahne hat « Gerechtigkeit !» gestanden, auf meiner Fahne hat « Wahrheit» gestanden — — und jetzt bin ich doch zum Tode verurteilt. Es ist.aus, es ist vorbei mit mir, nie werde ich nach Sao Paolo fahren, mein Haus stürzt ein, bevor es gebaut ist., Lukas und ich werden keine Kinder haben, wir werden keine Zeit finden, uns zu lieben, ich muss sterben und weggehen. Mail müsste sich, auf den Boden werfen, heulen, dass alle Menschen zusammenlaufen ! Aber ich bin ganz ruhig. O Gott, der mich gefangen hat und an seiner Angel hält, jetzt hab ich dich erkannt! Sybil zittert, Kälte jagt über ihren Rücken, und sie sieht bunte Farbflecken in der Luft. Auf dem Schreibtisch steht plötzlich Mademoiselle Jeanette und greint: « Sybil, Sie werden nie lernen, eine ordentliche Ferse zu stricken!» «Nur nicht verrückt werden ! » denkt Sybil. Sie schlägt mit der Hand in die Luft, und Jeanette verschwindet sofort. «Nicht verrückt werden — das ist das Wichtigste ! > Da ist der Toilettetisch, der runde Sm'egei. die Latrroe... Ach, die Lampe brennt noch immer? Es ist ja Tag, die Lampe muss ausgedreht werden. Sybil verlöscht die Lampe, sie tritt zum Fenster und • schlagt die Vorhänge zurück. Kleine rosige Wo'ken schwimmen im Grau. Tief unten im Hof. lärmen die Spatzen. ' Ruhig, ruhig sein, ganz ruhig. Jetzt wirst du wissen, was du wert bist, und wozu du q:ross und sc^ön geworden bist. Um ^ruhig TU seih. Um dein Schicksal zu ertragen. Eine Tür knarrt. « Hat es lange gedauert. Sybil ?» « Aber nein. > Sie blickt in den Himmel. Der Himmel ist frisch und stark und hell. Wenn sie ihn lang genug angesehen hat, wird sie den Mut finden, sich umzudrehen und Lukas in die Augen zu blicken. Lukas brachte den reinen, frischen Duft des Wassers mit un'd hatte das ruhige Gesicht eines Mannes, der Entschlüsse gefasst hat. «Wir werden eine Menge zu tun haben, Sybil.» Die Pässe Kabinen buchen ... eine Unterredung mit dem Stadtrat, um die Bauleitung niederzulegen... Gertie... die Bank... Er wanderte mit grossen, lautlosen Schritten durchs Zimmer. «Hörst du zu, Sybil ? » Sie nickte. « Hohe Stirn, schöner Mund, schöne Augen ... ». dachte s'e « Sein Haar ist noch feuch* vom Bad. Was sagt er denn jetzt? Sao Paolo ? Ach so, Sao Paolo !...»