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E_1936_Zeitung_Nr.099

E_1936_Zeitung_Nr.099

BERN, Dienstag, 8. Dezember 1936 Kummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N» 99 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 10— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Grlbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LBwenstrasse 51. Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtjespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SptzialtarU Inseratensehloss 4 Tage vor Enehelnen der Nnmroer Fiskus und Motorfahrzeug-Verkehr II. Der Bund. Seitdem als Folge der kurzsichtigen Finanzpolitik des Bundes gegenüber dem Motorfahrzeug die Einfuhr von Autos und Motorrädern und damit auch die entsprechenden Zolleinnahmen (trotz Erhöhung der Zollansätze !) eine absteigende Richtung eingeschlagen haben, spielt der Benzinzoll für (den Bundeshaushalt die Hauptrolle. Von den 70,75 Mifl. Fr., welche die Benzin- und Motorfahrzeugzölle 1935 abwarfen, entfallen nicht weniger als 55,35 MHI. Fr. oder 78 % auf den Benzinzoll. Die letzte Benzinzollerhöhung bewirkte für 1935 eine erneute Vermehrung um 7,43 Will. Fr. gegenüber 1934, womit alle bisherigen Jahresrekorde geschlagen worden sind, wenn auch sogleich beigefügt werden muss, dass beim Rückgang der Einfuhrmenge die Zunahme nicht so gross ausgefallen ist, wie man dies im Bundeshaus anfänglich ausgerechnet. Das enorme Anschwellen der Benzinzölleinnahmen wird durch nachstehende Zusammenstellung aufs Anschaulichste illustriert: Total Benzinzoll- Zu- resp. Jahr einnahmen Abnahme Fr. Fr. 1928 26.017.601 + 5.255.057 1929 * 32.204.712 +6.187.651 1930 34.987.233 + 2.782.521 1931 39.933.781 + 4.946.548 1932 44.820.865 + 4:887.084 1933 42.685.211 —2.135.654 1934 47.923.530 + 5.238.319 1935 55.354.357 + 7.430.827 Wenn man diese Tabelle näher überprüft und sich vergegenwärtigt, dass der gesamte Motorfahrzeugbestand der Schweiz von 1931 bis 1935 von 131,208 auf 124,214 Fahrzeuge zusammengeschrumpft ist, so muss man sich schon fragen, ob die Bäume wirklich in den Himmel wachsen, resp. ob die Bundesbehörden ernsthaft glauben, aus dem Motorfahrzeugverkehr stets weitere Mittel für die Sanierung des Bundeshaushaltes und der Bundesbahnen herauspressen zu können. Der verminderte Benzinimport des Jahres 1936 dürfte aber auch hier für die nötige sorgen. •) Siehe A.-E. Nr. 98. (Schluss) Zieht man von der Totaleinnahme von Fr. 55,354,357 den Anteil der Kantone von Fr. 11,887,322 und die Subvention für den Unterhalt der Alpenstrassen in der Höhe von Fr. 1,060,000 ab, so verbleibt für den Bund noch ein Erlös aus dem Benzinzoll von gibt; Zu- resp. 1935 1934 Abnahme Fr. FT. Fr. Motorräder 254.064 243.945 + "10.119 Personenautos unet Lastwagen 14.077.143 17.592.719 —3.515.576 Karosserien 35.887 40.158 — 4271 Elektrokarren 3.190 1.970 + 1.220 Traktoren 45.581 31.108 + 14.473 Schläuche aus Gummi, Pneu* 646.450 742.038 — 95.588 Elektrische Apparate u. Kilometerzähler 335.117 520.496 —185.379 Total 15.397.432 19.172.434 —3.775.002 Von den Motorrädern, Elektrokarren und Traktoren abgesehen, steht man auf der ganzen Linie einem erheblichen Rückgang gegenüber, der besonders bei den Personenautos und Lastwagen katastrophale Ausmasse annimmt (rund 20%). Der bezügliche Ausfall von 3,515 Millionen Fr. verteilt sich wie folgt auf die einzelnen Automobilgruppen: Zu- resp. 1935 1934 Abnahme Fr. Fr. Fr. % Stücigewicht •weniger als 800 kg 1.662.388 1.363.974 +298.414 +22 Stückgewicht 800 bie 1200 kg 5.431.269 6.611.130 —1.179.861 —18 Stückgewicht 1200 bis 1600 kg 5.134.458 6.479.436 —1.344.978 —21 Stückeewieht über 1600 kg 1.849.028 3.138.179 —1.289.151 —41 (0 Drastischer lässt sich wohl der Zug zum Kleinwagen als zwangsläufige Konsequenz aus der verfehlten Finanzpolitik von Bund und Kantonen nicht belegen. Die Einfuhr der grössern Wagen hat sich mehr als um 40% gesenkt und nur die Kleinstwagen bis 800 kg Gewicht stehen mit einer Zunahme zu Buch. Die Gesamteinnahmen des Bandes aus dem Motorfahrzeugverkehr stellen sich demnach wie folgt: Zu- resp. 1935 1934 Abnahme Fr. Fr. Fr. Benzinzoll 42.407.035 34.632.648 +7.774.387 Zoll auf Motorfahrzeugen und -Zubehör 15.397 432 19.172.434 —3.775.002 des Bundes 57.804.467 53.805.082 +3.999.385 Trotz stark verminderter Einfuhr von Motorfahrzeugen schliesst die Rechnung noch mit einem Plus von rund 4 Millionen Franken Fr. 42,407,035 oder Fr. 7,774,387 mehr als imab, die allerdings einzig und allein auf das Jahre 1934. Konto der Erhöhung des Benzinzollansatzes Umgekehrt verzeigen die Zolleinnahmen entfällt. Sie allein hat den Bundesfiskus im letzten Jahr vor einer erheblichen Eirobusse aus dem Motorfahrzeugverkehr verschont. aus der Einfuhr von Motorfahrzeugen und Zubehör pro 1935 einen ganz beträchtlichen Ausfall, wie folgende Zusammenstellung er- Totaleinnahmen . III. Bund und Kantone. Schon 1934 haben seih die Gesamteinnahmen von Bund und Kantonen aus dem Motorfahrzeugverkehr mit 98,271 Millionen Franken stark der 100-Millionenmarke genähert. 1935 nun ist sie überschritten worden, wie aus den nachstehenden Zahlen erhellt: 1935 1934 Zunahme Fr. Fr. Fr. Einnahmen des Bundes 57.804.467 53.805.082 +3.999.385 Einnahmen der Kantone 44.230655 44*466.496 — 235.841 Total 102.035.122 98.271.578 +3.763.544 U-Ziehen wir. also die Bilanz für. das Jahr 1935, dann lautet sie, dass Bund und Kantone nicht weniger als •• 102 Mill.Fr. aus dem Motorfahrzeugverkehr gezogen haben. Ueber die Aufwendungen der Kantone für das Strassenwesen liegen für Man muss es dem zürcherischen Regierungsrat lassen, dass er bei der Budgetaufstellung pro 1937, .wenigstens was den Abschnitt «Kantonale Motorfahrzeugkontrolle» anbetrifft, einen überraschenden Optimismus an den Tag gelegt hat. Rasch entschlossen setzt er als Einnahme aus dem Motorfahrzeugverkehr den Betrag von 6 922 000 Fr. ein, d. h. nur 38 000 Fr. weniger als im Budget 1936, obwohl die Jahresrechnung 1935 nur Fr. 6 799 549.20 einbrachte und das laufende Jahr nach Angaben von zuständiger behördlicher Seite etwa 400 000 Fr. weniger einbringen wird, d. h. nur etwa 6400000 Fr. Es wäre daher angebracht 1935 noch keine statistischen Angaben vor. 1934 bezifferten sie sich auf 90,168 Millionen Franken und dürften sich für 1935 auf ungefähr gleicher Höhe gehalten haben, zumal einzelne Kantone aus Sparsamkeitsrücksichten bereits mit einem gewissen «Abbau» begonnen haben. Diese 90 Millionen Fr. enthalten aber auch die Kosten zahlreicher Notstandsarbeiten für Arbeitsbeschaffung, die eher dem Konto « Arbeitslosenfürsorge» als dem Konto « Strassenbau » zu belasten wären. Der Weltbestand an Automobilen ist 1935 um rund 6% angewachsen. Deutschland, England, Italien, selbst das kleine Oesterreich weisen Zunahmen auf die weit über diesem Durchschnitt liegen. In der Schweiz aber blieb der Automobilbestand 1935 fast gleich (91,710 gegenüber 90,735, Zunahme 1,1%!). Das sollte doch auch den eidgenössischen und kantonalen Behörden endlich auffallen und sie stutzig machen, sollte sie zu der Erkenntnis führen, dass da etwas bei uns nicht stimmt und Abhilfe dringend not tut. Was hat es abgetragen, dass man ihnen schon dutzende Male den einzuschlagenden Weg gewiesen: Abbau des weitübersetzten Benzinzolls (der einheimische Autotourist ist immer noch der wichtigste Gast der Hotellerie) und Lockerung der kantonalen Verkehrssteuern und -gebühren. Man hält krampfhaft am Alten fest, ruiniert die Verkehrswirtschaft, hemmt jede gesunde Weiterentwicklung, erzielt überall Mindererträge und — hofft auf das grosse Wunder, dass es bei dieser unverantwortlichen Wirtschaftsführung doch besser kommen werde. Es scheint uns in der Schweiz wirklich immer noch viel zu gut zu gehen! Es gebt nichts übe* Optimismus gewesen, dieses Mindererträgnis des Jahres 1936 in Berücksichtigung zu ziehen und mehr auf die diesjährigen Einnahmen abzustellen. Denn man muss sich darüber klar sein, dass die Zahl der Motorfahrzeuge nicht zugenommen hat und dass anderseits die vermehrte Stillegung von Automobilen und Motorrädern und der zunehmende Zug zum Kleinwagen den Erlös aus den Verkehrssteuern immer ungünstiger beeinflussen. Interessanterweise sind nun im Budget 1937 gerade die Einnahmen aus Verkehrssteuern mit 6,3 Mill. Fr. wieder gleich hoch belassen worden wie im Budget 1936, trotzdem sich die F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 33. Fortsetzung und Schluss. Stasi holte Atem, um weiterzusprechen. Aber sie fand keine Worte. Ihr Mund blieb kläglich offen und die ausgebleichten Altweiberaugen füllten sich mit Tränen. Schweigend starrte sie dies verlorene Mädchen an. « Du sollst nicht weinen, Stasi ach Liebe, das sollst du nicht! » Die Tropfen stiegen über die Lider, kugelten die Bäckchen hinab, ohne dass Stasi die Hand rührte. Sie hatte schon so viel Tränen in ihrem Leben vergossen, dass sie sich nicht mehr die Mühe nahm, sie abzutrocknen. « Kind, Kind — was tust du mir an!» Sybil hatte graue Schatten um Mund und Stirn. Sie blickte ziellos umher. Erst nach ein paar Sekunden konnte sie wieder sprechen. cLass es gut sein, Stasi. Was soll denn geschehen sein ? Gar nichts ist geschehen. Aber es ist möglich, dass wir nicht nach Zürich reisen. Ich muss noch überlegen. Du kochst jetzt Tee! Ich gehe ins Badezimmer...» « Es sind noch keine Semmeln da ! » sagte Stasi. Sie ging auf die Küchentür zu, strich die Schürze glatt. Die kleine Mechanik des Lebens funktionierte wieder.' « Stasi...» Sybil stand noch immer auf demselben Fleck und bohrte die Blicke in den Boden. c Vielleicht — — — vielleicht reise ich nach Sao Paolo. Das ist eine Stadt in Brasilien. Wirst du nachkommen ? » « Ja.» « Aber dort ist alles anders als hier. Du wirst niemanden kennen, die Sprache nicht verstehen. Ich fahre auch nicht allein — — du weisst, mit wem ich reisen werde. Wirst du nachkommen ? » « Ja », sagte Stasi. < Zwanzig Jahre lang habe ich dir die Strümpfe angezogen. Soll ich jetzt, in meinen alten Tagen, erleben, dass du dir jemand andern dazu suchen musst ? Für wen hältst du mich denn ? » fragte Stasi. Die Küchentür schmetterte zu. Sybil lief vorwärts, hastete in ihr Zimmer. Zum Fenster. Tief unten ging Lukas über den Hof, langsam, den Kopf gesenkt. Einmal blieb er stehen. c Jetzt wird er sich umdrehen I» hoffte Sybill. Sie beschwor ihn lautlos : «Sieh mich doch an! Noch einmal sieh mich an...» Aber da schritt er schon weiter, verschwand im Hausflur. « Wie traurig er geht!» dachte Sybil. «Und Stasi weint in der Küche. O Gott, wie unglücklich sie alle sind, wie sie leiden. Dabei ist so ein schöner Morgen, das wird ein herrlicher Tag! Diese Luft... Ich muss mich entscheiden : Zürich oder Sao Paolo. Zürich? Ach nein. Sao Paolo!... Ich werde es nicht ertragen, dass Lukas den Kopf zwischen die Schultern duckt wie ein Pferdedieb. Ich muss vernünftig sein, ich muss meinen Verstand behalten. Was fängt er denn an mit einer toten Frau ? Er lässt seine Arbeit im Stich, seine Karriere, seine Familie... und dann hat er nichts als eine tote Frau. Aber ich reise trotzdem, ich will ich will, ich... Kein Mensch darf mir einen Vorwurf machen, ich hab einen Freibrief und auf dem steht .Todesurteil'. Ich reise nach Sao Paolo... und Lukas duckt den Kopf, weil er seine Ehrlosigkeit mit sich schleppen muss. So tappt er dann durch Brasilien, mit seiner Ehrlosigkeit und einer toten Frau...» Sie lief ins Badezimmer, warf den Kimono ab. «Immer hab ich von einem Feuer geträumt, an dem ich verbrennen könnte. Ein grosses Feuer f Die Hölle war mir gerade recht. Jetzt bin ich in der Hölle ! Ich will, ich will — Lukas muss hier bleiben. Er baut sein Haus fertig und bleibt bei seiner Frau. Diese eine Nacht zählt nicht, die wird ausgelöscht, das Leben geht weiter. Mein wunderbarer Geliebter, dein Leben geht weiter...» Als Sybil eine Viertelstunde später ins Zimmer zurückkam, baute Stasi gerade den Frühstückstisch auf. Sybil klapperte mit den Zähnen. « Schnell, gib her! Oh, das ist gut und heiss ! Bitte, noch ein Stück Zucker.» Sie hielt die Tasse mit beiden Händen fest und trank mit geschlossenen Augen, wie ein kleines Mädchen. Dann drehte sie sich zum Fenster. Wir berichten heute Ober: Andrä CitroSn: Der Vorderrad- Antrieb — ein letzter Versuch. Dr. Jos. Karrer f. TitHs-Durchstich. Motorfahrzeug-Aussenhandel. Kraftübertragung durch eine Flüssigkeit