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E_1936_Zeitung_Nr.101

E_1936_Zeitung_Nr.101

BERN, Dienstag, 15. Dezember 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N» 101 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausfall« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrlleh Ft. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Der Staat braucht Geld; sein Bedarf an klingender Münze wächst unaufhörlich. Ohne Ruh und Rast bohren die eidgenössischen, bohren die 25 kantonalen Finanzdirektoren nach neuen Steuerquellen. Doch damit nicht genug — es gibt noch rund 4000 Schweizergemeinden, welche zur Erfüllung ihrer Aufgaben ebenfalls Geld, immer mehr Geld fordern. Ueber 900 Millionen Fr. hat unsere Wirtschaft zur Befriedigung des nimmersatten Fiskus alljährlich in Form direkter und indirekter Steuern aufzubringen — 900 .Mill. Fr., unter deren Last dem Steuerzahler allmählich der Atem auszugehen droht! Man kann vor allem der Eidgenossenschaft den Vorwurf, es habe ihre Steuerpraxis der letzten Jahre nicht wenig zur Stagnation unseres gesamten Wirtschaftslebens beigetragen und die Umstellung unserer Währungspolitik grossenteils verschuldet, kaum ersparen. Zugegeben, es sind sowohl dem Bund, als den Kantonen und Gemeinden aus der Krisenlage ganz erhebliche Lasten erwachsen, zu deren Tragung der Schweizerbürger in irgend einer Form herangezogen werden musste. Doch dass das unablässige Anziehen der Steuerschraube die einzige oder beste Möglichkeit hiezu darstelle, haben wir mehr als einmal bezweifelt. Eine derartige Schwächung des Steuerzahlers, der in seiner Gesamtheit wiederum unsere Wirtschaft darstellt, muss ja den Fiskus letzten Endes selbst um den errechneten und bezweckten Gewinn bringen. Dass der Staat dabei seit Jahren noch dort am meisten forderte, wo Abwehr- am wenigsten zu erwarten oder möglich war, sei nur nebenbei erwähnt. Als Schulbeispiel sei hier gleich die diesjährige Entwicklung der Benzin-, Benzol- und Gasolimporte etwas näher beleuchtet • Roman von Victor Helling. Gopright Nova Reportage. (Nachdruck verboten.) 1. Fortsetzung. Nun also waren die Vorbereitungen so weit gediehen, dass tausend Hindernissen zum Trotz der Tag, der Honitons Sieg oder Untergang bedeuten würde, greifbar nahegerückt war. Es war nicht zu bezweifeln, dass zum Abschuss des Weltenraumgeschosses genau Tag und Stunde der Perihelopposltion gewählt worden war, in der sich der kosmische Bruder der Erde dieser auf 55 Millionen Kilometer näherte. Diese Opposition rückte täglich" näher, Versäumte man diesen günstigen Zeitpunkt, so würden abermals 79 Jahre verfliessen, ehe sich der Mars unter den nämlichen glücklichen Aspekten zeigen würde. Es war das erstemal, dass sich Nummer 980, während er hackte und karrte, zu wissenschaftlichen Problemen zurückfand. Sie brachten seinen Gedanken eine Ablenkung, aber die Unruhe seines Blutes blieb. Immer wieder quälten ihn die Fragen : « Was war mit Yelva ? Warum kam sie nicht ? Warum antwortete sie mit keiner Zeile auf seine 10.— Millionen rollen! Benzin- und Benzoleinfuhr, 1934 1935 1936 i i n Januar 111011 118 863 95 207 Februar 113 457 129 003 127 040 März 158 362. 125 406 135 541 April 176 516 164 986 157 306 Mai 214 384 195 990 177 542 Juni 208 291 215 828 185 273 Juli 209 035 211519 182 916 August 238 769 212 664 199 463 September 200 347 202187 186 515 Oktober 220 748 207 826 175 990 November 169 272 147 957 146101 Dezember 165 278 134 695 2 185 470 2 066 925 F E U I L L E T O N Rakete X. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gi-Ibe Uite" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GesrliärtsMellr Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Ging der Benzin- und Benzolverbrauch schon von 1934 auf 1935 um 11,850 t, resp. von 218,540 t auf 206,690 t zurück, so brachten die ersten 11 Monate des laufenden Jahres im Vergleich zur vorjährigen Parallelperiode neuerdings eine Verbrauchsschrumpfung von 16,335 t. Dass der Monat November noch nicht allzu schlecht ausfiel, dürfte weniger auf den effektiven Verbrauch zurückzuführen, als durch vermehrte Lagerhaltung, wohl als Folge der Abmachungen über Tragung der Abwertungsdifferenz und daherige Verpflichtungen bezüglich Landesverteidigungsinteressen, bedingt sein. Sehr im Gegensatz zu dem eigentlich noch erstaunlich hohen Einfuhrniveau von Benzin und Benzol — der mengenmässige Rückgang von Januar bis November a. c. betrug gegenüber den ersten 11 Monaten des Vorjahres nur 8,4% an Stelle der geschätzten 25% — mutet die Entwicklung der Gasölimporte immer bedenklicher an. Gasölimporte 1934 1935 1936 q i q Januar, 7 931 14 669 1861 Februar 4 073 2 707 1457 März 2 650 9 601 5 040 April - 7 672 11 130 1021 Mai 3 977 9 803 3 082 Juni 5 371 13 084 6163 Juli 5 346 5 198 2 916 August 5 238 12 730 10086 September 3166 17 672 10043 Oktober 9 337 22187 9 066 NoTember 18 498 12 527 8 578 Dezember 12 069 22168 85 329 153 476 Während die Gasölimporte von 1934 auf 1935 noch eine Zunahme um 6815 t, resp. von 8532 t auf 15,347 t aufwiesen, haben sie von Januar bis November 1936. verglichen mit den ersten 11 Monaten des Vorjahres um rund 7200 t abgenommen! In dieser Tatsache widerspiegelt sich nicht so sehr unsere gegenwärtige Wirtschaftslage, als vor allem die Zweischneidigkeit des vom eidg. Postund Eisenbahndepartement ausgearbeiteten, gegenwärtig vermutlich einem neuerlichen Umbau unterzogenen Verkehrsteilungsentwurfes. Wohl mancher Automobilist fragt sich heute, ob die Verkürzung des Einkommens und die Briefe ? In jedem Brief hatte er gefragt, ob sie krank sei. Es gab keine andere Erklärung. Sie war ja schon bei der Gerichtsverhandlung krank gewesen. Man hatte sie gestützt nach ihrer Vernehmung am ersten Tage. Am Tage, als das Urteil über ihn gefällt wurde, hatte sein darbender Blick sie vergeblich gesucht. Nur der, der sie verführt und dem er eine Kugel in den Kopf gejagt hatte, war im Saal gewesen — der Freiherr v. Ruhl, das zerstörte Auge unter schwarzer Binde...-Ruhl, der bestritten hatte, sich schuldig gemacht zu haben und dann jede Aussage verweigert hatte. Es kam dem Schuldbekenntnis gleich. Er hatte Yelva zu sich gelockt. Mit eigenen Augen hatte er seine Frau aus der Wohnung des Liebhabers treten sehen. Yelva hatte Ruhl mit ihrer kurzen Aussage zu schonen gesucht; es war keine Entlastung gewesen, und die Geschwornen hätten ihm vielleicht eine geringere Strafe zugebilligt; er selbst hafte sich ihre Milde verscherzt, als er auf die Frage, ob er es nicht schmerzlich bereue, wie er den Zeusren Freiherrn von Ruhl zeitlebens unglücklich gemacht habe, die Antwort gab : < Wenn ich etwas zu bereuen habe, so ist es nur mein erbärmliche'? SoVessen. das es diesem Menschen erlaubt, hier vor Gericht seine verlogene Stimme zu erheben!» Diese Antwort, nicht nur von den Richtern mit Bnt- Verteuerung der Lebenshaltung, welche aus dem am 25. Juni 1935 auf dem Wege eines dringlichen Bundesbeschlusses dekretierte Benzinzollerhöhung von 20 auf 28 Fr. resultierte, sich mit Rücksicht auf den damit zusammenhängenden Entzug produktiver Mittel, gesamtwirtschaftlich betrachtet, eigentlich gelohnt habe ? Erwartet hatte der Bundesfisku« bekanntlich von dieser Erhöhung des Benzin- und Gasölzolles ausser der mit Rücksicht auf einen zu erwartenden Konsumrückgang auf 40 Mill. Fr. errechneten ordentlichen Einnahme ein Plus, von 16 Mill. Fr. Von Januar bis November 1936 warf die Benzineinfuhr brutto nun 1,768,894X28 Fr., d. h. rund 50 Mill. Fr. ab, welchen für das ganze Jahr 1935 55,35 Mll. Fr. und für die ersten 11 Monate 1935 51,5 Mill. Fr. gegenüberstehen. Allerdings hinkt dieser Vergleich, denn von Januar bis Ende Juni 1935 betrug der Benzinzollansatz noch 20 Fr. Um eine annehmbare Vergleichsbasis zu schaffe^, haben wir dann seinerzeit festgestellt, dass die Mehreinnahme aus dem Benzinzoll für die ersten 12 Monate nach Erhöhung des Ansatzes, also von Anfang Juli 1935 bis Ende Juni 1936 13,5 Mill. Fr. betrage und den Erwar-I Von der auf Grund des Beschlusses der Bundesversammlung vom 24. April 1936 eingeführten Statistik über die Güterbeförderung mit Motorfahrzeugen auf der Strasse liegen nunmehr die Ergebnisse der Monate Juli, August und September vor. Wir erinnern daran, dass die Erhebung nur die Güterfahrzeuge mit einer Nutzlast von über 1 t, sowie diejenigen Transporte umfasst, die über eine Distanz von mehr als 10 km ab Einladeort hinausgehen. Welche Schlüsse lassen sich nun an Hand dieser statistischen Erhebungen über die Konkurrenzkraft des Motorfahrzeuges im Vergleich zu den Bahntransporten ziehen? Vorerst ist darauf hinzuweisen, dass seit Jahren bahnseits nichts unterlassen wurde, um dem Volke hinsichtlich Automobilkonkurrenz eine stereotype Argumentation ungefähr folgenden Wortlautes einzuhämmern: « Nicht eindringlich genug kann darauf hingewiesen werden, dass der Verkehrs- und Einnahmenrückgang, den die SBB seit Kriseneinbruch unablässig zu verzeichnen haben, zu einem wesentlichen Teil auf die schrankenlose Automobilkonkurrenz zurückzuführen ist Namentlich durch die Schleuderkonkurrenz, die in der Güterbeförderung mit Lastwagen getrieben wird, sowie durch das herrschende Ueberangebot an Transportmitteln, erleidet unsere rüstung aufgenommen — Dietloff entsann sich dunkel, dass der Vorsitzende den Gaffern des traurigen Schauspiels mit der Räumung des Saales gedroht hatte —, sie hatte sein Los besiegelt. Er bedauerte sie — nicht nur wegen des Eindrucks einer niedrigen Gesinnung —, diese Worte hatten im Plaidoyer des Staatsanwalts und auch in der Urteilsverkündung ihren Widerhall gefunden —, die aus der Antwort zu hören gewesen war, aber er wusste, er würde auch heute noch, wenn er sich seinen Richtern und Ruhl gegenüber sah, nicht anders sprechen können, solange er von Yelvas Unschuld und Ruhls Schuld überzeugt war. Aber was war mit Yelva? Tief beugte er sich über den Griff seines Grabscheits. < Gott im Himmel», stöhnte er, «Iass mich nie an dieser Ueberzeugung irre werden.» «Keine Bummelei, 980!» mahnte die Stimme des Aufsehers. Er lehnte an der Deichsel des Wagens, über die er seinen Uniförmmantel gehängt hatte. Die Sonne warf längst Glut über die Arbeitsstätte.