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E_1936_Zeitung_Nr.103

E_1936_Zeitung_Nr.103

BERN, Dienstag, 22. Dezember 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - No 103 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruns) rierteljShrlich Fr. 7.50 Um die Regelung des „Lokalverkehrs" Zu einem bundesrätlichen Verordnungsentwurf. Artikel 69 des MFQ erteilt dem Bundesrat, neben dem Auftrag zur Regelung einer grossen Zahl technischer Einzelfragen in Abs. 4, vorsorglich die Befugnis, «einheitliche Vorschriften für den Lokalverkehr aufzustellen, soweit sich dies als notwendig erweisen sollte». Unsere oberste Landesbehörde ist gegenwärtig damit beschäftigt, von dieser Kompetenz Gebrauch zu machen. Ein vom 20. März 1936 datierender Entwurf zu einer «Verordnung über den Lokalverkehr» liegt seit einiger Zeit zur Vernehmlassung bei den verschiedenen Behörden und Verbänden. Auf Grund der Vorschläge der interessierten Stellen erwartet die Fachwelt das baldige Erscheinen eines bereinigten Vorschlages. Es mag' jedoch gerechtfertigt sein, auch eine grössere Oeffentlichkeit über die Absichten des Bundesrates zu orientieren, handelt es sich doch um einen Erlass, der teilweise tiefer in das Verhalten jedes Strassenbenützers, sei er nun Fussgänger, Radfahrer, Automobilist oder Führer eines andern Fahrzeuges, eingreift als die bisherigen Rechtsvorschriften. Die Verordnung umfasst in dem vorliegenden Entwurf in 18 Artikeln zunächst einmal eine Reihe blosser Begriffsbestimmungen, im Hauptteil ausführliche und — wie wir gleich bemerken möchten — meist sehr notwendige Vorschriften über die Art und Weise der Benützung der öffentlichen "Verkehrswege durch die verschiedenen Verkehrsteilnehmer und zum Schluss die üblichen Uebergangsund Einführungsbestimmungen. Die Bemühungen um Festlegung einer Anzahl in Verkehrstechnik und Verkehrsrecht ständig verwendeter Begriffe sind sehr zu begrüssen. Artikel 1 des Entwurfes definiert zunächst einmal die Begriffe der rerschiedenen Teile des gesamten Verkehreraumes, als da sind: Strasse, Trottoir, Fussweg. Schutzinseln und Schutzzonen, Fussgängerstreifen- -und Fahrradweg. Als «Strassen» gelten danach «neben den Strassen im eigentlichen Sinn F E U I L L E T O N Rakete X. Roman von Victor Helling. 3. Fortsetzung. 3. «Ja, ich bin's — Goldiner, Herr Monne. Madien Sie bitte auf. Ingenieur Monne machte ein gequältes Gesicht. «Nur gut, dass Marianne gerade etwas in der Stadt zu tun hat!» Dann öffnete er die Tür, und der Geldverleiher trat über die Schwelle des kleinen Gartenhauses. «Ich nehme an, Sie haben mich erwartet, Herr Monne. Ich komme wegen des heute fälligen Wechsels», sagte der alte Goldiner. «Ich war ja nicht in Sorgen um mein Geld. Sie sind ein tüchtiger Mann, Herr Monne. Wenn man morgens oder abends die Zeitung zur Hand nahm, immer fiel der Blick auf Ihren .Namen. Der reiche Amerikaner, der mit Ihrer Hilfe mitten in den Mars hineinfliegen will, er wird wissen, was er an Ihnen hat. Mich überrieselt Gänsehaut, wenn ich nur an den feurigen Wagen denke.» «Wenn Sie Professor Honitons Rakete meinen mit dem «feurigen Wagen», so will ich IC- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesobiitsstelle.Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 alle dem öffentlichen Fahrzeugverkehr geöffneten Wege, Durchgänge, Brücken, Plätze usw.>, denen sich die übrigen vorgenannten Flächenteile des Verkehrsraumes als die dem Fussgänger und Radfahrer vorbehaltenen Zonen gegenüberstellen. Für die Fussgängerstreifen und ähnlichen Teile' des Verkehrsraumes behalten wir uns eine Reihe von Anregungen vor, die Gegenstand einer besonderen Abhandlung bilden sollen. Ausser den schon erwähnten Begriffen umschreibt Artikel 1 des Entwurfes noch die Sicherheitslinie und die Einbahnstrasse, er enthält auseerdem noch die sehr begrüssenswerten Definitionen für «Anhalten» und «Halten» und die lange vermisste Unterscheidung zwischen dem Parkieren und dem Stationieren. Artikel 2 des Entwurfes schreibt neben der Signalisierung an Ort und Stelle die Zusammenfassung der von der kantonalen Behörde genehmigten polizeilichen Verkehrsvorsohriften in einem Verzeichnis und ihre Veröffentlichung vor. Diese letztere ist gerechtfertigt. Die Herausgabe von Verzeichnissen aber dürfte angesichts der stets im Flusse befindlichen Entwichlung, die etändig den Erlass weiterer örtlicher Sondervorschriften nötig macht, von zweifelhaftem Werte sein, ja vielfach zu Missverständnissen seitens der Verkehrsteilnehmer führen, weil sie, kaum herausgegeben, bereite wieder überholt und unvollständig sein werden. Eine zuverlässige Wirkung auf den praktischen Verkehrsbetrieb wird ohnehin bloss von richtig aufgestellten Signalen ausgehen können. Art. 3 stellt einige notwendige Vorschriften übeT das Beladen und Entladen von Fahrzeugen innerhalb des öffentlichen Verkehrsraumes auf, das leicht zu einer Behinderung des Verkehrs führt. Art. 4 verbietet die Störung und Gefährdung der Strassenbenützer durch das Oeffnen und Schliessen der Fahrzeugtüren und dürfte gleichzeitig auch Verkehrshemmungen durch unnötiges Stehenbleiben neben dem Vehikel und durch ähnliche Vorgänge untersagen. " Von grosser Bedeutung für die- GesphäftswÖt ist Art. 5. Er macht das ! Herumfahren und Aufstellen von Fahrzeugen zu Reklamezwecken von einer amtlichen Bewilligung abhängig. Verkehrstechnische Ueberlegungen rechtfertigen es jedoch kaum, Vorgänge, die für das Geschäftslehen wesentlich sind, mit ein paar Worten der Bewilligungspflicht zu unterstellen, nur weil gelegentlich einmal eine Reklameveranstaltung besonderer Art zu einer aussergewöhnlichen Beanspruchung des öffentlichen Grundes durch fahrende oder stillstehende Fahrzeuge führt. Der Entwurf will aber offenbar nach seinem Wortlaut — er führt eine ganze Reihe von bewilligungsbedürftigen Reklamevorgängen ausdrücklich an — tatsächlich die ganze Geschäftsreklame erfassen. Es ist nicht abzusehen, wohin dies führen wird. Behördliche Willkür und Polizeischikanen drohen. Es ist deshalb dringend au wünschen, dass der Artikel in der endgültigen Verordnung eine erheblich vorsichtigere und bestimmtere Fassung finde, damit nur wirkliche Mißsbräuche der Strasse zu Propagandazwecken erfasst werden können. Währenddem Art. 6 das TJeberholen in Strassen mit Sicherheitlinien und Art. 7 die Benützung der Fahrbahn beim mehrspurigen Fahren regeln, bringt Art. 8 neben anderem eine ganz besonders begrüssenswerte Vorschrift, wie sie der Verfasser, in Unkenntnis des Verordnungsentwurfes, noch in der «Automobil-Revue» vom 11. August d. J. gefordert hatte: Fahrzeuge dürfen Ihnen das gern nachfühlen. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache», sagte Monne und schob Herrn Goldiner einen Stuhl hin. «Nein, es ist Sache eines Selbstmordkandidaten.» Der Alte legte seine abgerissene Mappe auf den Tisch. «Zu so was muss man geboren sein. Sie können mir glatt eine Million auf den Tisch stellen — nicht in die Hand! Aber zwischen uns, lieber Herr Monne, ist ja nicht von solchen Unsummen die Rede — Gott sei Dank! Nur auf kleine Viertausend lautet unser Wechselchen, auf keinen Pfennig weniger oder mehr.» Da hatte er auch schon das Papier in den Händen, das der Ingenieur Fritz Monne nur allzugut kannte. Der Wechsel war schon einmal, nicht ohne Mühe, prolongiert worden. «Wie gesagt, es war mir nicht bange, aber Ordnung muss sein», hörte er wieder den alten Geldbesorger reden, dabei fühlte er dessen ihn scharf beobachtende Blicke. «Herr Goldiner», sagte er und rang schwer an den Worten, «Sie kommen zu früh. Heute kann ich Ihnen das Geld nicht geben. Heute nicht.» «Machen Sie keinen Witz; "der käme uns teuer. Nicht nur Ihnen. Ich habe mich mit nur am rechten Strassenrand halten, Einhahnstrassen und besondere örtliche Regelung vorbehalten. Diese Vorschrift ist geeignet, die Verkehrsabwicklung namentlich in den stark befahrenen Strassen der Städte ganz erheblich zu verbessern, da die unaufhörliche Störung des Verkehrsflusses durch jene Fahrzeuge aufhören wird, welche an den linken Strassenrand hinüber und dann wieder zurück auf die richtige Seite fahren. Man wird nur, bei restloser Zustimmung zum Grundsatz selbst, einen Vorbehalt zugunsten von Lastfahrzeugen machen müssen. Für solche wird sich die Vorschrift kaum durchführen lassen, sobald es sich um das Laden und Abladen von Lasten handelt, die nicht wohl über die Strasse hinübergetragen werden können. Das Auto eines Kohlenhändlers etwa, das in einer bestimmten Tour an so und soviel Häusern Brennmaterial abliefern muss, kann seine Fahrt ohne unverhältnismässigen Mehraufwand an Weg und Zeit kaum je so einrichten, dass es immer am rechten Strassenrand beim Kunden vorfährt. Erst recht nicht geht das für öffentliche oder auch private Dienste, die zahlreiche oder gar alle Häuser aufzusuchen (Abfuhrwesen, Milchhändler und dergl.). Höchstdauer iür das Parkieren : 8 Stunden. Befremden erweckt die Vorschrift von Art. 9: Die Höchstdauer für das Parkieren — andere örtliche Regelung (und damit wohl meistens weitere Verkürzung der Frist) vorbehalten — soll acht Stunden betragen. Der Zweck einer solchen Regelung ist nicht wohl einzusehen. Man wird sie auch als undurchführbar bezeichnen müssen. Für viele INSERTI ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratenscblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Schweizer Automobil-Rennsport 1937. Scuderia Ferrari komplett. , Messung der Brems Verzögerung. Vorstoss der Walensee- Initianten. Eine neue «Segnung» für die bernischen Automobilisten. durchaus legitime Benutzer von Parkplätzen wird die weitere Aufstellung ihrer Fahrzeuge an den hiezu doch ausdrücklich bezeichneten Plätzen fortan unmöglich sein. Man denke an den Besuch einer fremden Stadt zum Zwecke einer Konferenz und dergl.: vielfach überschreitet ein solcher Aufenthalt, während dessen man vielleicht den Wagen nie braucht, die erwähnte Zeitspanne. Welcher Aerger, wenn sich eine Besprechung, ein Anlass länger als vorgesehen hinzieht und man sich plötzlich daran erinnert, dass nun der Polizist auf dem Parkplatz bereits sein Notizbuch zückt! Steuerprobleme — aktuell und doch zur Behandlung noch nicht reif! Trotz dieser Ueberzeugung haben wir dasHaemiker, Sekretär der Sektion Bern des Problem einer schweizerischen Treibstoffsteuer eingehend behandelt. Es ist besser, man steuer dargetan wurde, auseinander : A.C.S., mit Bezug auf eine eidg. Treibstoff- sei sich über Vor- und Nachteile der Angelegenheit klar, und aus diesem Grunde muss carno des A.C.S., welche im August 1934 auf Grund Ihren Start verdankt diese Idee der Sektion Lo- der 1932er Einfuhrmenge an Benzin von 280 Millionen Liter und dem Totalbetrag sämtlicher kan- man es auch begrüssen, wenn diese weittragende Frage in Versammlungen immer wieder tonaler Motorfahrzeugsteuern von 28 Mill. Franken zur Diskussion gelangt. Erst letzten Montag für das Umlageverfähren eine Mehrbelastung von kam dies Thema in der Berner Sektion des 10 Rappen pro Liter Treibstoff errechnete. Dass dieser Gedanke seinen Ursprung im Kanton Tessin ACS. erneut zur Sprache. Un*d weil die gegen nahm, darf nicht verwundern. Kaum ein Kanton diese Einheitssteuer ins Feld geführten Argumente an Gewicht stets zunehmen, je einge- scharf und nirgends ist wohl deshalb der Wunsch nämlich erfasst die Motorfahrzeughalter derart nach fiskalischer Entlastung grösser als hier. Bei hender man sich mit dem Problemkomplex einer Zugrundelegung der letztjährigen Treibstoffeinfuhrmenge von 286 Mill. Liter und der kanto- befasst, legen wir unsern Lesern im folgenden nochmals das nalen Verkehrssteuern im Betrage von 47,4 Mill. Pro und Contra haben der Sache kurz dar, wie es im klaren Einleitungsreferat dieser Versammlung durch Herrn * Siehe No 102. Blatt Papier kam zum Vorschein, das Monne ebenfalls so gut kannte wie das andere. «Ich habe gern alles schriftlich. Von mir allerdings hat noch keiner ein schriftliches Ehrenwort verlangt — wenn das Wort nichts wert ist, taugt auch die Schrift nichts. Sie haben Spass gemacht mit dem alten Goldiner, obwohl mir Ihr Gesicht nicht gefallen will.» (Schluss)* Goldiner kennt das. Schon an der Tür ist ihm aufgefallen, dass sein Schuldner ein graues Gesicht bekam. «Sie wissen, ich war krank — Malaria. Das kommt manchmal wieder», sagte Monne. «Es wird besser. Lassen Sie mich nur die Geschichte erst hinter mir haben. Was soll es denn da für Schwierigkeiten geben? Alles geht progfammässig seinen Weg.» «Wer weiss!» sagte der alte Goldiner, und Monne sah plötzlich zwei Augen vor sich, die hart und klar, nicht einmal unwillig blickten. «Was wollen Sie damit sagen?» fragte Fritz Monne und fühlte im selben Augenblick, dass Goldiner um all seine Sorgen wusste. «Ich will damit gesagt haben, dass ich nicht recht daran glaube, dass alles glatt seinen Weg geht mit eurer Marsrakete. Man hat Wir berichten heute über: (Fortsetzung Seite 2.) Franken käme man heute auf eine Literbelastung von 9,6 Rappen. Hierin liegt schon eine erste Klippe des neuen Steuersystems : Die Garantierung der kantonalen Verkehrssteuern im bisherigen Umfange führt bei sinkendem Berizinknsuom (Januar—November 1936 = 16 335 Ton- meinem Ehrenwort für heute für Sie ver-Ohrebürgt. Sie entsinnen sich, dass auch Sie mir nen Chinesen mit all den schwindelhaft ho- zu hören. Man hört, dass Ihr nur ei- Ihr Ehrenwort gaben — schriftlich» — Herr lien Summen habt ködern können.» Goldiner griff in die Tasche. Ein weiteres «Falsch. Gestern hat sich ein junger Franzose gemeldet. Er ist auf seine Eignung geprüft worden und wird seinen Mann steilem Ein gelernter Monteur, der wie gerufen kommt. Es fehlt nur noch ein einziger Mutiger —» «Und dieser eine, der nicht da ist, macht Ihnen den Kopf heiss. Sie werden diesen Todeskandidaten Nummero drei nicht finden, und was dann? Was wird dann mit Ihnen, lieber Herr Monne? Sie haben mir bei der Prolongierung des Papiers den Vertrag gezeigt, nach dem Ihnen beim Abschuss der Rakete die hübsche runde Summe von Zwanzigtausend ausbezahlt wird. Sie werden ja auch inzwischen nicht kurz gehalten von Ihrem Marsprofessor, aber Sie rechnen mit den Zwanzigtausend, ich weiss es. Und wenn die Rakete nicht steigt, was dann? Sie sagten mir, bis heute würden Sie die fälligen Viertausend mit Leichtigkeit aufbringen. Gut, hab' ich mir gedacht, der Herr Fritz Monne wird sich bis dahin einen Vorschuss von seinem Professor Honiton geben lassen.» «Das war auch meine Absicht —» «Wenn Sie so klug wären, wie ich Sie eingeschätzt habe, sagte Goldiner, «hätten Sie es nicht bei der Absicht bleiben lassen. Als weitblickender Mann hätten Sie sich einen Vorschuss geben lassen müssen, der hart an die Zwanzigtausend herankommt, weil Sie