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E_1936_Zeitung_Nr.104

E_1936_Zeitung_Nr.104

BERN, Dienstag, 29. Dezember 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N« 104 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: AliiCal» A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenvenlchernng) vierteljahrlich Fr. 7.50 Rückschau und Ausblick in diesen Tagen neigt sich ein Jahr seinem Ende entgegen, das als eines der düstersten Kapitel schweizerischen Wirtschaftslebens in die Geschichte eingehen wird. Die « EnU Wicklung mit negativem Vorzeichen » hat auch vor dem Motorfahrzeug nicht halt gemacht, und wenn wir beim Uebertritt über die Schwelle von 1936 schrieben, das Jahr werde Entscheidungen auf dem Gebiete unseres Automobilwesens bringen, so hat uns der Gang der Dinge dabei recht gegeben. Unaufhaltsam schritt unter dem Druck einer hemmungslosen fiskalischen Belastung durch Bund und Kantone der Schrumpfungsprozess in dieser Domäne fort. Immer weiter zog er seine Kreise, und wir machen uns keiner Uebertreibung schuldig, von einer «Flucht von der Strasse» zu reden, die wirtschaftlich schweren Schaden angerichtet hat. Der Bund aber, der sie vor allem mit de t r Benzinzollerhöhung vom 25. Juni 1935 ausgelöst hat, in der bestimmten Erwartung, seine Beute an Goldfischen aus dem Benzintank noch steigern zu können, sah sich um seine Hoffnungen geprellt. Den Wunden, welche dieser Schlag unserem Wirtschaftskörper zugefügt, gesellt sich damit auch der finanzpolitische Misserfolg hinzu, gekennzeichnet durch den Rückgang der Benzin- und Gasölimporte und, Hand in Hand damit, durch einen entsprechenden Einnahmenausfall, wie wir ihn als Frucht dieser Fehlspekulation von allem Anbeginn an vorausgesagt hatten. Potenziert wurde die lähmende Wirkung der prohibitiven Zölle, Steuern und Abgaben noch durch das Projekt des Spritbeimischungszwanges, das dann allerdings das Fass zum Ueberlaufen brachte. Wie ein Mann standen die schweizerischen Automobilisten gegen die dreiste Zumutung auf, sich um der Sanierung eines Regiebetriebes willen, an dessen Fiasko sie nicht der Schimmer einer Schuld traf, das Fell scheren zu lassen. Es kam der denkwürdige 5. Juli, der sich zu einem durchschlagenden moralischen Erfolg für die gerechte Sache des Automobils gestaltete und in der Demission des Alkoholdirektors ein greifbares Resultat zeitigte. Aber darin erschöpft sich die Bedeutung dieses Tages nicht. Sein eigentlicher Sinn liegt tiefer, denn dieser 5. Juli verkörpert einen Sieg der Solidarität, der selbst uns in diesem Ausmass überraschte. Zusamerisiehen ist alles — und Zusammenstehen muss auch weiterhin die Parole~sein, wollen wir unserer Stimme Gehör verschaffen. Seien wir uns dessen bewusst, dass es gilt, die Stellung, welche wir errungen, weiter zu festigen und auszubauen. Zu Optimis* mus ist auch nach der im Gefolge der Abwertung vom Bundesrat beschlossenen Herabsetzung des Benzinzolls um 7,5 Rappen durchaus kein Anlass. Darüber nämlich dürfen wir uns nicht hinwegtäuschen, dass wir bei der Einstellung unserer Behörden dem Automobil gegenüber auch während des kommenden Jahres wieder etliche harte Sträusse werden auszuf echten haben. Nur dann jedoch wird unsere Offensive nach abermaliger Senkung des Benzinpreises zum Ziel führen, wenn der Geist des 5. Juli wachbleibt, wenn auch die Lauen und die Zauderer sich lückenlos um unsere Fahne scharen. Das gebietet schon der wirtschaftliche Selbsterhaltungstrieb. Die Faust im Sack zu machen oder sich verdrossen in den Schmollwinkel zurückzuziehen ist das denkbar untauglichste Mittel, die Existenzbedingungen des schweizerischen Automobilwesens zu erleichtern. Gerade im Kampf aber um das Lebensrecht des Motorfahrzeugs hat unser Blatt immer in vorderster Linie gestanden. Darin erblickte und erblickt die « Automobil-Revue » eine ihrer vornehmsten Aufgaben, in deren Dienst sie bis heute während 32 Jahren unermüdlich gewirkt hat. Und dieser Mission als Kampforgan, als Sprachrohr der schweizerischen Automobilistengemeinde, als Plattform, von der aus alle das Motorfahrzeug berührenden Probleme ihre Beleuchtung erfahren, werden wir uns auch weiterhin verschreiben. Klar liegt der Weg vor uns. «Nicht nachlassen gewinnt.» Mit dem Einsatz unserer ganzen Kraft werden wir uns in Angriff und Verteidigung für die wohlbegründeten Interessen des motorischen Strassenverkehrs verwenden. Als Rufer im Streit kann uns die Oeffentlichkeit um so weniger überhören, je dichter wir die Reihen schliessen. «Sammlung » sei daher nach wie vor das Signal, Sammlung im Zeichen der Treue zur Sache. Dass wir daneben bestrebt sein werden, auch im eigenen Haus zum Rechten zu sehen, um den neuen, schweren Aufgaben, die unser harren, gewappnet gegenübertreten zu können, dazu erübrigt sich jedes weitere Wort. Denn selbstverständlich richtet sich unser Augenmerk unablässig auf den Ausbau unseres Blattes. Ein unerschrockener Anwalt in den Fragen des Automobils, ein zuverlässiger Freund und vielseitiger Berater wird die «Automobil-Revue» ihrer Leser- und Abonnentenfamilie auch künftighin zur Seite stehen, einzig und allein dem Kurs folgend, den ihr die Sorge um die Erhaltung und Förderung unseres Automobilismus, um das Wohl jedes Einzelnen diktiert. In diesem Zeichen sei der Schritt ins neue Jahr hinüber getan. Vom Vertrauen unserer Freunde und Anhänger getragen, wollen wir dem Weg, den wir bisher eingeschlagen, weiter folgen, mutig und unbeirrbar in unserer Ueberzeugung, dass 4 er Fortschritt, den das Automobil versinnbildlicht, alle künstlichen Hemmnisse und Widerstände überwindet und sich, ihnen zum Trotz, Durchbruch verschafft. Unsern Lesern, Gönnern und Mitarbeitern danken wir für das Wohlwollen, das sie uns entgegengebracht und erhoffen für sie im neuen Jahr all das, was wir uns selbst wünschen. Redaktion und Verlag. Eisenbahnen, Autokonkurrenz und Krise Erscheint jeden Dlenstaa und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „GHke Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adreise: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zurieh: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 In einem Teil der schweizerischen Presse veröffentlichen die Bundesbahnen einen als « Richtigstellung » bezeichneten Artikel zum Problem Schiene-Strasse, der nicht unerwidert bleiben darf. Ganz abgesehen davon, dass von kompetenter automobilistischer. Seite nie den Bundesbahnen die Behauptung unterschoben wurde, dass nur die Autokonkurrenz an ihren finanziellen Schwierigkeiten schuld sei, enthält der Bundesbahn-Artikel einige Behauptungen, die sich bei näherer Prüfung als nicht stichhaltig erweisen. Die Bundesbahnen legen speziell Wert darauf, festzustellen, dass die Ausgaben für Gehälter und Löhne nicht um 140 %, sondern um 71 % gestiegen seien. Das Generalsekretariat der Bundesbahnen will mit dieser Feststellung eine « Behauptung» der Automobilisten entkräftigen. Nun haben aber die Automobilisten nie behauptet, die gesamten Personalkosten seien um 140 % gestiegen. Auf Grund amtlicher Statistiken lässt sich aber einwandfrei feststellen, dass die Ausgaben pro Kopf des Personals um diesen Prozentsatz zugenommen haben. Im Jahr 1914 betrugen die Personalkosten inklusive Fürsorgeausgabe'n pro Kopf des Personals 2762 Fr. Wenn man der Statistik des Jahres 1935 Glauben schenken darf, was wohl der Fall ist, betragen diese Kosten im genannten Jahr 6680 Fr. Die Vermehrung beträgt also 141 %, auf den Kopf des Personals berechnet. Da die Belastung der Pensionskasse durch vorzeitige Pensionierungen nicht berücksichtigt ist, darf auch nicht ein Vergleich mit den Gesamtausgaben gemacht werden, die allerdings nur 71 % betragen. Uebrigens ist diese Pensionskasse bei einem im Dienst stehenden Personalbestand von rund 29000 Mann durch 20 000 Unterstützungspflichtige belastet und weist ein Defizit von 640 Millionen Franken auf. Das Statistische Jahrbuch der Schweiz widerlegt die Behauptung, dass die bei den Bundesbahnen erfolgten Lohnerhöhungen auch von der Privatindustrie befolgt worden seien. Im Jahr 1914 betrug der mittlere Stundenlohn eines gelernten Arbeiters 65 Rappen, Dieser Stundenlohn ist bis 1934 auf 136 Rappen gestiegen, das heisst um 124 %. Der mittlere Stundenlohn im Jahr 1921 betrug aber nachweisbar 162 Rappen, hat also inzwischen einen Abbau von 19 % erfahren. Es ist nun interessant festzustellen, dass das mittlere Einkommen der Bundesbahner von 5981 Fr. Im Jahre 1921 auf — wie bereits erwähnt — 6680 Fr. gestiegen ist. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich die Tatsache, dass die Privatindustrie die Löhne abgebaut, in der gleichen Zeit jedoch die Bundesbahnen die Gehälter und Löhne ihrer Beamten und -Angestellten erhöht haben. Nicht weniger interessant als diese Feststellung dürfte eine Statistik'des Arbeitgeberverbandes der Maschinenindustrie sein. Man darf nicht einseitig mit der prozentualen Zunahme der Einkommen argumentieren, man muss auch deren Höhe berücksichtigen. Und in dieser Beziehung gibt die soeben erwähnte Statistik wertvolle Aufschlüsse. Im Jahre 1933 betrug das mittlere Einkommen eines gelernten Arbeiters der Maschinenindustrie 3242 Franken. Erhebungen bei den grössten Maschinenfabriken des Landes ergeben ein mittleres Jahreseinkommen pro Kopf des Gesamtpersonals von 3873 Franken. Man stelle nun diesem Einkommensmittel das Durchschnittseinkommen des SBB.-Personals gegenüber und man wird feststellen, dass Auf der Strasse Dottikon-Villmergen wurde am 10. März 1934 ein Fussgänger von einem Auto umgeworfen und schwer verletzt. Der Autofahrer anerkannte grundsätzlich seine Verpflichtung zum Schadenersatz und zahlte dem Verletzten eine Genugtuungssumme von 8Q0 Fr.,sowie einen Schadenersatz von 935 Fr. für die nach dem Unfall sich einstellende teilweise Arbeitsunfähigkeit. Ferner waren die beiden darüber einig, dass der Verletzte seit dem 1. März 1936 gänzlich arbeitsunfähig sei uttd diese gänzliche Invalidität zu 40 % auf den Unfall zurückzuführen sei; der Verletzte hatte nämlich an einer Disposition für Tuberkulose gelitten, und der Unfall hatte den Ausbruch der Krankheit ausgelöst. Das aargauische Kantonsgericht sprach dem Verunfallten im Prozess um den Ersatz für diesen bleibenden Nachteil den kapitalisierten Wert einer Jahresrente von 1320 Fr. zu, unter Abzug von 15 % für den Vorteil der Kapitalabfindung. Der beklagte Autofahrer reichte beim Bundesgericht Berufung ein, indem er verlangte, dass die Kapitalabfindung durch eine jährliche Rente ersetzt werde; eventuell sei die Kapitalabfindung im Hinblick auf die voraussichtlich unternormale Lebensdauer des Klägers herabzusetzen. Bei Zuspruch einer Rente erklärte sich der Beklagte auch damit einverstanden, dass die gänzliche Invalidität zu 50% als Folge des Unfalls betrachtet und demgemäss die Rente auf jährlich 1650 Fr. erhöht werde. J INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespalteno 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Gr&ssere Inserate nach SpezialtarM Inseratensrhlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmer Wir berichten heute über: Steuererleichterungen im Kanton Aargau. Dr. Porsche über die nächste Rennsaison. Technischer Rückblick auf das Jahr 1936. Beilage: das Personal der Bundesbahnen im Mittel ein um 72% höheres Einkommen bezieht. Es dürfte dem Generalsekretariat der Bundesbahnen kaum gelingen, die Richtigkeit dieser Zahlen und der aus dem Vergleich sich ergebenden Schlussfolgerungen umzustossen. Würde die Wirtschaft vom mengenmässigen Umsatz leben, so wäre das Argument der Bundesbahnen richtig, mit welchem der Rückgang der Transporte begründet wird. Es stimmt, dass die Ein- und Ausfuhr wertmässig bedeutend mehr als mengenmässig••• zurückgegangen ist. Nun lebt die Wirtschaft aber vom Verdienst und nicht vom mengenmässigen Umsatz. Sie wurde vor das Problem gestellt, auch bei stark geschmälertem Verdienst auszukommen und hat sich der Lage um den Preis mannigfacher Einschränkungen anzupassen gewusst. Wie fremd übrigens den höhern Beamten des Generalsekretariats der SBB. die Lage unserer Wirtschaft ist und wie wenig Verständnis sie für die wirtschaftlichen Probleme aufbringen, geht aus den Veröffentlichungen des Generalsekretariats hervor, in denen der Wirtschaft immer wieder zugemutet wird, in Zeiten der Not die Schulden der SBB. zu übernehmen. Das ist ein Widersinn, solange die SBB. ihre Ausgaben nicht im gleichen Umfange wie die Privatwirtschaft abgebaut haben. (Fortsetzung Seite 2.) KapitalnJUfiiiiliui;» oder Rente? (Aus dem Bundesgericht.) In seinem Urteil vom 22. Dezember berücksichtigte das Bundesgericht (I. Zivilabteilung), dass der Verletzte sich unverzüglich auf längere Zeit zur Behandlung in ein Sanatorium begeben und während dieser Zeit nicht nur für die Kosten der Behandlung, sondern auch für den Unterhalt seiner Familie aufkommen musste. Der Umstand, dass der Kläger daher sofort eine gewisse Summe benötigt, spricht eher für eine Kapitalabfindung. Sodann ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung von der Rentenentschädigung abzusehen, wenn die Prognose eines Verletzten, der Angehörige zu unterhalten hat, durch den vom Beklagten zu verantwortenden Unfall ungünstig gestaltet wurde. Gerade im vorliegenden Falle hat der Unfall die Lebenserwartung des Klägers vermindert, da er den offenen Ausbruch der Krankheit veranlasste. Diese voraussichtlich verminderte Lebensdauer darf hier auch nicht zu einer Herabsetzung der Kapitalabfindung führen.. Zwar ist der Riciiter an sich berechtigt oder sogar verpflichtet, bei besonders ungünstiger Prognose von den auf normale Verhältnisse abstellenden Tabellen abzuweichen. Dies ist aber gerade dann ausgeschlossen, wenn die besonders ungünstige Prognose auf den Unfall zurückzuführen ist, für dessen Folgen Ersatz zu leisten ist. Das Urteil des Aargauer Kantonsgerichts wurde daher bestätigt