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E_1936_Zeitung_Nr.104

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10 Automobil-Bevue —

10 Automobil-Bevue — N° 104 So wünscht Paul Bachmann allen Automobilisten ein glückliches, Neues Jahr! Fräulein Cecile and das Kindersresclirei Er nimmt aber nichts geschenkt und will sich revanchieren. Jedoch das Können reicht nicht weit. Der leere Geldbeutel ist der Feind aller Liebe. Und er muss den Lebkuchen schenken, der ein Wechsel auf die Zukunft ist: « Künftig mehr, mein Kind, Wenn bess're Zeiten sind! » "Sofern er es ernst meint und nicht der Spruch für ihn gilt: « I mym Harz isch gäng no Platz, • Für ne liebe Bärner Schatz — » oder, wenn er sich bewusst wird, dass: « Bescheidenheit ist eine Zier, Drum lieb' nur eine und nicht vier —*• •*> gilt, muss er natürlich den andern absagen. Er ersteht also frohen Mutes — einmal oder vielmal, je nach der Zahl der.zu erledigenden Liebsten — den Lebkuchen, der'da lautet: « Ich hab dein Bild im Traum gesehn, Da blieb vor Schreck der Wecker stehn! » oder: « Die Liebe ist ein Feuerzeug, Das Herz, das ist der Zunder, Und wenn das Herz dann Feuer fängt — So brennt der ganze Plunder. » Diese Sprüche sind auch dann zu empfehlen, wenn es sich darum handelt, eine sanfte Annäherung abzuwehren. Aber die folgende Wahrheit bleibt unter allen Umständen bestehen: « Für d'Meitscheni z'liebe, Bruucht me nit z'üebe. » SOLIS-Hefzkissen das nütjliche Weihnachts-Geschenk für die ganze T^I*- Familie, in drei Ausführungen ab Franken 21.— I in Elektrizität!- und Sanitätsgeschiften erhältlich. I Ungefähr das gleiche besagt folgender Vers: « Zum Küssen braucht man keine Brille, Die Mädchen halten gerne stille. » Aber schliesslich sind auch der jungen Liebe Grenzen gesetzt. Zumal dann, wenn während der Woche harte Arbeit auf einem lastet. Dann macht man nur für Sonntag Rendez-vous ab, denn: « Dich lieb ich nur am Sonntag, Dje Woche hab' ich Schontag! » So weiss sie auch, dass er ihr wochentags über treu bleibt. Wirklich praktisch, so ein Lebkuchenherz, nicht wahr? Und als Ausdruck der ehelichen Liebe diene der folgende Vers: « Lieber Mann, ich lieb' dich sehr, Nur störe mich des Nachts nicht mehr! » Man muss wohl annehmen, dass der Mann schnarcht, oder dass er mitten in der Nacht nach Hause kommt, was beides üble Gewohnheiten sind. Gibt es eine zartere Art, einem Manne üble Dinge abzugewöhnen als durch die Ueberreichung süsser Leckereien? Der Mann wird natürlich bei dieser Gelegenheit auch nicht schweigen können und seine Gemahlin an eine der wichtigsten Hausfrauenpflichten erinnern: «Liebes Frauchen lass dir sagen, Die Liebe des Mannes geht durch den Magen! •» Na, nun haben sich's die beiden wieder einmal in aller Höflichkeit gesagt und dabei den ^häuslichen Frieden doch gewahrt. Schlimmer ist es allerdings schon, wenn der Mann seiner Frau folgenden Lebkuchenvers schenken muss: « Das Schimpfen ist ein böses Laster, Drum leg' auf deinen Mund dies Pflaster!» Dieser Vers lässt allerdings tief blicken. Aber vielleicht hat die Frau Gemahlin Grund zum Schimpfen- Dann nämlich, wenn der Mann mehr im Wirtshaus als zu Hause sitzt. Wenn seine Frau dann ihm folgenden Vers widmet: « Du hast ein rotes Naschen, Du schaust zuviel ins Gläschen — » na, dann ist das gewiss noch sachte gesagt. Wenn der Mann dann verständig ist und ein gutes Herz hat, wird er sich bemühen, seine Frau mit folgendem Vers zu trösten: « All die Wunden, All dein Schmerz, Soll dir heilen, Dies mein Herz! » Das wirkt bestimmt in vielen Fällen tröstend und der Friede bleibt im Haus. — Und dann der Wunsch jedes bescheidenen Mädchens: « E guets Bett und en brave Ma, Isch alles was ich gern möcht ha! » Und wenn das Mädchen folgenden Vers recht beherzigt: « Mädchen, mach' dir die Locken, Sonst bleibst hocken — » kann's bestimmt nicht fehlgehen. Dann, wird der Jubelschrei eines Burschen zur Geltung kommen:. « Ob Sunneschyn, ob Rägewätter, Mys Schätzeli wird immer nätter!» Das mag für viele stimmen, dann fängt aber wohl auch das Reden mit den Augen an, wobei dann der Spruch gut passen würde: « 's git Sache, wo me nid säge cha, ' Me lueget enander nume a... » Wenn die Blumen Herolde frühseliger Gefühle sind, so ist. der Lebkuchen der Herold eines guten Geschmackes. Das Wirkliche siegt über die angenehme Vortäuschung. Nicht nur Unter den Lauben blüht diese Weisheit, sondern überall im Leben. Aber hier erkennt man auch,: was man vielleicht sonst nicht wusste, dass durch den Magen nicht nur die Liebe, sondern auch die Untreue geht, und der häusliche Friede und sogar die Mutterliebe. Wir können hier nur noch mit dem einen Spruch schliessen, den sich wohl viele zu Herzen nehmen können: - «Mys Fraueli muess lustig sy, Dass i gäng lieber by-n-em-bi!» Fräulein Cecile sagte zu Fräulein Melanie: « Schliess das Fenster, ich höre Kinderlärm. » Fräulein Melanie willfuhr sogleich der Bitte. Auch sie hörte Kindergeschrei. Eine Viertelstunde entfernt tummelten sich Schüler mit einem Drachen. Fräulein Melanie und Fräulein Cecile meinten, Kinder nicht zu lieben. Ihr Lärm war nervenangreifend. Im übrigen hatten sie nichts gegen Kinder einzuwenden, so wenig jemand gegen ein Buch einwenden kann, das er nicht liest. Die Schwestern waren in dem steinernen Jurahaus mit den Rosmarinstöcken und Stiefmütterchen aufgewachsen, Rosmarin und Pensees wurden von ihnen mit unverminderter Liebe betreut. Die Stiefmütterchen hielten sanft und farbentief aus im Jurawinde. Jedes Jahr wurden die Blumenpflegerinnen etwas wunderlicher. Sie zitterten leicht, obschon sie kaum auf die Sechzig gingen. Möglicherweise hätten sie nicht gezittert, wäre das Juratal heller, der Horizont weiter gewesen. Aber schliesslich lag auch nicht alles am Jura und am engen Horizont, wenn Fräulein Cecile und Melanie wunderlich wurden. Sie liebten ihr Tal, doch es war mehr die dumpfe Liebe des Murmeltieres zu seinem Winterschlafe als die Liebe eines wachen Gemüts, das die Enge weit und die Düsterkeit heller macht. Tatsache war, dass die Schwestern kaum je ihr Haus verliessen, es sei denn, dass sie sich zum Apotheker nach Vuillamont begaben. Die Medizinflaschen standen reihenweise in der Wohnung, aber sie feiten nicht gegen Schlaflosigkeit und nicht gegen die zahllosen Bobos? Mit einem Wort, die guten Schwestern waren etwas verschroben. Sie waren keineswegs herzlos, mieden aber jede Gelegenheit, das Herz zu betätigen. So rostete es. Und wenn es Rost ansetzte, nahm die arme Seele eine Mixtur gegen Ischias. Das einzige Abenteuer im Leben der Einsiedlerinnen war die Lotterie dieses Jahres. Sie hatten sich in eine jurassische Lotterie eingelassen, hatten fünf Franken hingelegt und warteten der Dinge, die da kommen sollten. Ihre ängstliche Natur bebte vor der Eröffnung, sie bebte vor einer Enttäuschung, doch nicht minder vor einem Gewinn, das war für sie neu und unbekannt, und es tat niemals gut, Neues zu erleben! Die Ziehung nahte. Der Schlaf kehrte nicht wieder. Die Kopfnerven zuckten, der Ischias zerrte. Fräulein Melanie umkleidete schon im sonnigen Frühherbst alle Fenster mit wattierten Stoff polstern, damit ja kein Luftzug eindringe, aber auch kein Lärm, weder Kinderlaut noch die Fabriksirene. Wie es den Fabriken ging und den Arbeitern, das kümmerte die beiden Fräulein wenig. Sie hielten es wie die « Gerechtigkeit > auf dem Rathausplatze von Vuillamont, sie trugen eine Binde vor den Augen. Nur» hatte die Blindheit der Statue einen anderen Grund. Im Oktober spazierten sie jeden Tag durch die Ahornallee unter dem frühfallenden Laube, zum Berg hin, vom Berge zurück, ängstlich vermieden sie Dorfrichtung, mieden Vuillamont. An einem solchen Herbsttag brachte der Briefträger Post. Das kam nicht jeden Monat vor, und nun war es sogar eine hochwichtige Post. Sie betraf die Lotterie, betraf das Ergebnis. Fräulein Cecile und Fräulein Melanie setzten sich. Dann lasen sie noch einmal, dann las die eine, dann die andere, dann wieder beide vereint. Sie stammelten und Fräulein Melanie Hess den Zwicker fallen. Ihrer war das grosse Los! Im Begleitschreiben stand, dass der Gewinner einen Sachwert erhalte. Immobilien. « Was sind Immobilien? » fragte Fräulein Melanie tonlos. «Ich glaube eine Villa,» versetzte Fräulein Cecile, die stets ein wenig klüger als ihre Schwester war. Es stand in dem Begleitbrief ferner, dass man sich zur Ermittlung des Nähern bei einem Berner Notar melden wolle. So machten sie die grosse Reise nach der Hauptstadt. Ja, sprach der Herr, und war zu jeder erwünschten Auskunft gerne bereit, es handle sich in diesem Fall um eine besonders günstige Verbindung von Kapital und Anlage, um einen Versuch, der in Lotterien sonst nicht praktiziert werde. Fräulein Melanie fragte, ob es denn wahr sei, dass sie in eine Villa ziehen und ihr Vaterhaus verlassen müssten. Es könne ihnen doch niemand die Fremde zumuten nach einem so langen Leben in Vuillamont. Der Notar lächelte. Um eine Villa handle es sich nicht, und wie gesagt, sie dürften den Lotteriegewinn in dieser Form ausschlagen und das Bargeld beanspruchen, falls die Lösung genehmer sei. Da sie aber ausgerechnet bei Vuillamont wohnten, so wäre besagter Hausbesitzanteil ein günstiger Handel. Das Haus stehe in Vuillamont an der Des-Alpes-Strasse. Es sei zum Teil Kirchenbesitz, zum Teil gehöre es den Fabriken. Die Schwestern sahen verblüfft drein. Ihre schwarzwollenen Handstösschen zitterten. « Aber was tun wir mit dem Haus? » fragten sie klagenden Tones. Der Notar gab Ratschläge hin und her, er sagte von Weitervermieten und dass es sich ja nur um eine Etage handle. Sie möchten, bitte, ganz unverbindlich das Haus besehen. Schweren Herzens reisten die Gewinnerinnen nach dem Jura zurück. Es nachtete schon, als sie ankamen. Sie konnten das Haus nicht mehr aufsuchen, beschlossen aber, anderntags in aller Frühe hinzugehen. Beide nahmen Pillen, sie rieten und studierten die ganze Nacht. Sie konnten sich nicht erinnern, wo die Des- Alpes-Strasse lag, und Fräulein Melanie meinte wehmütig, « Vuillamont ist eben auch Großstadt geworden. » Sie weinte zuletzt, auch fühlte sie sich zu allem noch erkältet. Morgens um sieben machten sich die Schwestern auf den halbstündigen Weg. Was aber trafen sie an der Des-Alpes- Strasse an? Frauen zu Dutzenden eilten hierher, sie alle strebten nach dem Haus, das auch von Fräulein Melanie und Cecile gesucht wurde. Man erreichte es durch einen klosterartigen Hof. Nicht genug der Frauen, sie brachten ihre Kinder mit, manche zwei, manche drei Kinder. Sie traten zum steinernen Bogentor, brachten ihre Kinder in dies rlaus. Fräulein Melanie wünschte, den Ort solcher Aengstigung zu fliehen. Aber C6cile befahl: «Wer A sagt, muss B sagen». Sie wollte erfahren, was das Menschengetümmel bedeutete. Noch aber wagten beide nicht, dem Kinderlärm zu folgen. So standen sie auf den gefrorenen Steinplatten im Neuschnee und warteten. Unter die Tür des künftigen Besitztums — das man ausschlagen konnte — trat eine Ordensschwester. Freundlich nahm sie die Kinder in Empfang. Nun ging die Fabriksirene. Die Mütter enteilten. Im Haus aber wuchs der Kinderlärm. Nun schritt Cdcile entschlossen auf das Haus zu. Wieder erschien die milde Ordensschwester. Sie bat, einzutreten. Dutzende von Kindern wurden im Kreuzgewölbe durch eine junge Novize betreut. Die Schwester fährte ihre Besucherinnen eine steinerne Treppe hinauf. Man gelangte zu einer leerstehenden Wohnung. Sie war das grosse Los! In einem ehrwürdigen Vorraum von klösterlichem Gepräge wies die Nonne Platz an. «Unsere Krippe bleibt,» sagte Sceur Jacobäe, « sie steht unter kirchlichem Schütze, dies Haus ist ein Seitenflügel des Klosters; » Fräulein Cecile hatte gelesen, dass es solche Kinderkrippen gibt, sie hatte sogar einen Beitrag für die Krippe in La Chaux-de-Fonds bezahlt, aber es war ihr unbekannt, dass Vuillamont eine Krippe besass. Die Nonne verschwieg zart, dass sie schon seit dem Weltkriege stand. « Wir überlegen uns alles, » beendete Fräulein Cecile endlich die Konferenz, und Melanie fügte rasch hinzu: « Wir werden natürlich nicht selber einziehen. » Auf dem ganzen Heimweg war nur von einem die Rede, vom Kinderlärm. Uebernahm man die Wohnung und mietete sie aus, so musste man notgedrungen hin und wieder diese Hölle betreten. Fräulein Melanie, die gegen Abend nur noch weinen konnte, ging früh zu Bett und hatte auch allen Grund dazu, denn sie wurde krank. Sie wurde ernstlich krank. Cecile, die Stärkere, erhielt nur einen Schnupfen von dem Neuschnee, aber Melanie, die Arme, bekam eine regelrechte Lungenentzündung. Cecile umsorgte sie liebevoll, doch der Pflege ungewohnt, sann sie angstvoll auf fremde Hilfe. Der Arzt versprach, eine Nachtwache zu schicken. Kaum erblickte Cecile die Ordensschwester, streckte sie ihr beide hilflosen Hände entgegen. Melanie selber erkannte Sceur Jacobde nicht mehr. In der neunten Nacht starb sie. Es war der erste November. Es ging auf Weihnacht. Sie hatten jedes Jahr zusammen gefeiert. Nun blieb Cecile eben allein. Sie sass in ihrem gehäkelten Umschlagtuch am Rosmarinfenster, hatte zu heizen vergessen, schlief nicht, tat nichts, ass noch weniger, kaum dass sie weinte. Das Haus wurde immer grösser um sie her, die Stille immer unheimlicher. Hie und da fuhr sich Fräulein

N° 104 — Automobil-Revua 11 C€cile mit dem Tüchlein an die Augen. Dann horchte sie hinaus. Sceur Jacobee besuchte sie jeden Abend, betete den Rosenkranz mit ihr, betete für die arme Seele der Entschlafenen ond ging alsdann zu ihren Kranken, nachdem sie Tags geruht und Morgens die Kinder versorgt hatte. Kurz vor Weihnacht wurde Cecile in die Krippe eingeladen. Sie erbebte, doch sagte ihr ein Gefühl, dass sie der himmlischen Abger sandten folgen müsse. So betrat sie das Haus, bezwang ihre Furcht vor dem Kinderlärm, nur wegen Schwester Melanie brach sie unter der Pforte in Tränen aus. Drin machte sie einen zaghaften Versuch, mit den Kindern zu spielen. Die Kleinen näherten sich zutraulich und zeigten ihr Bälle und Hölztierchen. Zum erstenmal fühlte sie samtene Kinderhaut und den Blick aus vertrauenden Augen. Etwas drehte sich in ihrem Herzen, es war ihr zu Mute wie über dem Stiefmütterchenbeet ihres Gartens. Soeur Jacobee lud sie zur Weihnachtsfeier ein. Da sass sie nun in der Kinderkrippe bei den Fabriklerinnen. Zum erstenmal gewahrte sie ihre Gesichter, erinnerte sich, dass es Frauen gab, die nicht von einer Rente lebten; es gewann auch nicht jede das grosse Los. In der folgenden Nacht stellte sie sich vor, wie man die leere Wohnung über der Krippe einrichten müsste. Sie würde dort nicht mehr allein sein wie jetzt und nicht mehr unter der Stille leiden, die man zu zweit so ängstlich gesucht hatte. Jedenfalls reiste sie bald zum Notar und erklärte sich bereit, den Besitzanteil am Haus zu übernehmen. Sie werde selber dort einziehen. Kaum zurück, schien es ihr jedoch wieder unmöglich, das alte Heim zu verlassen. Man war nicht mehr fähig zu solcher Verpflanzung. Hingegen stand ihr nichts im Weg, Soeur Jacobee oft zu besuchen, wenn man nur die Furcht vor dem Kinderlärm überwand. Mit den Kinderbegegnungen wuchsen neue, fruchtbare Gefühle in ihr. Immer mehr be- Der Doppelgänger Ein älterer satirischer amerikanischer Film, «Die ganze Stadt spricht davon», ist jetzt Wirklichkeit geworden. In Glasgow lebt nämlich ein harmloser, braver, junger Mann namens George Strachan, der eine frappante Aehnlichkeit mit einem langgesuchten Dieb hat. Aber er sieht ihm nicht nur ähnlich, er hat sogar wie dieser am rechten Handgelenk eine Tätowierung, und zwar einen Schwan, genau dasselbe Tier wie sein krimineller Doppelgänger. Da er wie dieser beinahe zwei Meter gross ist, sagt sich die Polizei jedesmal, wenn sie ihn verhaftet, es wäre doch recht unwahrscheinlich, dass viele Männer dieser Grosse mit einem tätowierten Schwan auf dem rechten Handgelenk in Glasgow herumlaufen. Und doch verhaften sie mit eiserner Regelmässigkeit immer den falschen. Am 3. Oktober wurde er eingesperrt, weil ihn eine Frau als den Mann bezeichnet hatte, der ihr das Handtäsch- , chen rauben wollte; Dreissig Stunden später Hess man ihn unter vielen Entschuldigungen frei, da sein .Alibi einwandfrei war. Tags dar- ' auf verhaftete man ihn, da er eine Uhr gestohlen haben sollte. Am 7. wurde er wieder entlassen, denn verlässliche Zeugen erkannten in ihm George Strachan und nicht den gesuchten Dieb Adolf Roeding. Am 10. Oktober wurde er auf die Zentralpalizeistation gebracht und zurückbehalten, da ihn ein bestohlener Juwelier, bei dem am 8. eingebrochen worden war, als den Dieb bezeichnete. Zwei Tage sass er wieder unschuldig in der Zelle, bis man am 12. erkannte, wieder den Unrichtigen eingesperrt zu haben, und ihn unter neuerlichen Entschuldigen freiliess. Am 14. wurde er auf der Strasse arretiert, da er einen vierten Diebstahl begangen haben sollte. Auf der Polizei wies Strachan darauf hin, dass er es nicht mehr wage, die Wohnung zu verlassen, um nicht wieder in die leidige Doppelgängeraffäre verwickelt zu werden. Seine Mutter und seine Frau litten schon unter nervösen Herzattacken, weil sie jeden Moment wieder seine Verhaftung befürchteten. Wenn er jetzt nach Hause gehe, wisse er nicht, ob man ihn am nächsten Tag nicht wieder verhaften werde. Unter solchen Umständen könne er nicht leben und wenn er in eine andere Stadt übersiedeln wollte, wo er übrigens nicht so ohne weiteres Arbeit fände, nähme man ihn bestimmt noch auf dem Bahnsteig fest, in der Annahme, er hätte Gepäck gestohlen. Die Polizei wusste sich keinen anderen Rat, als ihm eine Identitätskarte auszustellen, die seine Unschuld bezeugt und ihn vor weiteren Verhaftungen beschützen soll. Bis hieher stimmt alles mit dem Film genau überein, nur setzt sich dort der echte Gauner auch in den Besitz der Legitimation, so dass daraus erst recht eine heillose Verwirrung entsteht. schäftigte sie das Los anderer Menschen, die sie in ihrer früheren Abgeschiedenheit übersehen hatte. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass auch die Werke von Vuillamont beinahe stillagen, trotz der Sirene und der paar Dutzend- Arbeiterinnen. Vieles vernahm sie durch Soeur Jacobee, die weltliche Nonne. Sie liess sich zu den Armen führen, die seit Jahr und Tag im selben Tal, im selben Dorf mit ihr lebten. Sie sah die Kinder auf elenden Laubsäcken, sah, wie die jungen Mädchen scheu im Haus herumstanden, weil sie sich der schlechten Kleider schämten. Kaum dass man eines im Dorf erblickte. Leid taten ihr auch die finsteren Jünglinge. Fräulein Cecile hielt Rat mit sich, überlegte, sprach mit Soeur Jacobee und dem Fabrikdirektor, einem verantwortungsvollen Manne. Das Ergebnis war, dass im kommenden Frühling eine Schar Arbeitsloser in die leeren Räume an der Des-Alpes-Strasse zog. Die jungen Leute wurden zu neuen Berufen umgeschult. Unten im Kreuzgang spielten die Kinder, oben wurde gehämmert, gehobelt, gefeilt. Fräulein Cecile war tägliche Besucherin, eine Art Schutzpatron. — Etwas aber verschwand aus ihren Gedanken. Vereinsamt standen die Medizinflaschen. Fräulein Cecile begann zu schlafen, und schlief besser, je besser sie am Tage zu wachen verstand. Kanzleistrasse 118 . •- • Zürich Sekretariat des Gertrud Egger. Wer soll zahlen, er oder sie? Gehört es zum guten Ton, dass der Herr für Ich von ihm verlangt hätte, meine Zeche selbst zahdie Dame im Restaurant die Rechnung bezahlt? len zu dürfen. Er war eben noch ein Romantiker.» Oder lassen die veränderten wirtschaftlichen Ver- — Ein Herr, 'der sich als «Fixbesoldeter» behältnisse diese Form der Galanterie als unzeitge- zeichnet, erklärte energisch: «Mein Einkommen mäss erscheinen? Eine Streitfrage, die ein Pariser gestattet mir nicht, für zwei Personen zu zahlen. Blatt in Form einer Rundfrage behandelt. Originel- Da es aber meine Freundin als selbstverständlich lerweisewird der Reigen der Einsendungen von ei- betrachtete, dass ich ihr finanzielle Opfer bringe, nem Kellner eröffnet, der in einem Restaurant in obwohl ihr Einkommen — sie ist Beamtin in einer Suresnes, einem beliebten Ausflugsorte von Pa- chemischen Fabrik — gewiss nicht geringer ist als ris, angestellt ist. «An Sonn- und Feiertagen wim- das meine, habe ich es vorgezogen, Schluss zu melt es bei uns von Liebespaaren», schreibt er, machen.» — Eine Dame fasste ihre Meinung in «Studenten und Angestellte kommen mit ihren die Worte zusammen: «Wir dürfen uns die Ga- Freundinnen. Da kann man oft genug beobachten, lanterie des Mannes, um im Restaurant unsere wie das Mädchen seinem Begleiter diskret das Zeche zu bezahlen, nur dann gefallen lassen, Geld zusteckt, damit er für sie bezahle. Ich habe wenn wir die Gewissheit haben, dass diese Galansogar oft genug gesehen, wie ein Fräulein seinem terie für ihn kein drückendes finanzielles Opfer be- Kavalier rasch ein paar Münzen gibt, wenn die deutet.» Blumenfrau kommt. Die junge Dame will nicht ^ > < > ^ ^ ^ darauf verzichten, dass der Herr ihr eine Aufmerksamkeit erweise — auch wenn sie diese Aufmerksamkeit selbst bezahlen muss.» — Ein Mädchen, Mark Twain. das sich als Angestellte eines Warenhauses vorstellt, steht auf dem Standpunkt: Strenge Rech- musste ihm eines Tages sein Vater wegen einer Als Mark Twain noch ein kleiner Junge war, nung, gute Freunde. «Mein Freund ist Klavier- Ungezogenheit eine Tracht Prügel auf den Hosenboden verabreichen. Nach Beendigung der schmerz« lehrer», schreibt sie, «er verdient weniger als ich, und ich könnte es ihm wahrhaftig nicht zumuten, dass er für mich materielle Opfer bringt, mir die Karte für die Metro, eine Theater- oder Kinokarte und die Zeche im Restaurant bezahlt. Da es aber nun einmal als ritterlich gilt, dass der Mann die Auslagen der Frau bestreite, halten wir die Fiktion aufrecht. Ich gebe meinem Freund — er wird bald mein Verlobter sein — einen bestimmten Betrag, den wir genauestens verrechnen.» — Eine HINWEISE : alte Dame, Witwe eines hohen Beamten, schickt der guten, alten Zeit, in der Galanterie eine Selbstverständlichkeit war, einen kleinen, wehmütigen Seufzer nach. «Ich war Gouvernante und ihm nie ! eingefallen, ohne ein paar Blumen oder Bonbons zu mir zu kommen. Und er hätte lieber ein paar Tage gehungert, bevor er es sich hätte nehmen lassen, auf unseren Sonntagsausflügen oder bei Theater- und Restaurantsbesuchen für mich zu zahlen. Wir sind selbstverständlich sehr selten in ein Theater oder ein Restaurant gegangen, denn wir mussten mit jedem Sou rechnen. Aber mein Bräutigam wäre tödlich beleidigt gewesen, wenn Glückhafte Fahrt ins neue Uahr haften Exekution wandte sich der Vater an seinen Sohn: «Glaube mir, Junge, wenn du ungezogen bist und ich dich dafür strafen muss, so tut mir das ebenso weh wie dir, vielleicht noch mehr.» — «Mag sein,» antwortete der Junge, «aber nicht an der gleichen Stelle.» Man weiss allgemein, dass das jugendliche Aus- zu einem grossen Teil vom Gesundheits- mein Mann war ein kleiner Beamter, als wir ein-seheander kennenlernten», erzählte sie, «aber es wäre zustand abhängt. Jede Dame legt Wert darauf, sich diese zu erhalten. Und jeder Herr, der seine gymnastischen Uebungen aufgegeben hat, seitdem -er ständig im Wagen sitzt, würde die mehr oder wünschen Agence Amerisaine A.-G. Dufourstrasse 23 . . . Zürich 8 A.-G. für Automobile PflanzschuIstrasse 9 . Zürich 4 Baumberger & Forster A.-G. Stampfenbachstrasse 12 . Zürich Binelli & Ehrsam A.-G., Garage Stampfenbachstrasse 48-56 . Zürich Emil Frey jetzt Werdmühlestr. 11 . Zürich 1 Gottl. Haefliger General Willestrasse 11 . Zürich 2 Packard-Automobile Seestrasse 407 • • . . Zur ch 2 Ritzi & Wagner Steyr-Werke Ä.-G. Amnswil, St. Gallen, Bern Albisriederplatz 3 C. Schlotterbeck Automobile A.-G. Automobil-Händler-Verbandes Dr. H. FREY-ZAMBONI Bahnhofstrasse 89 Zürich Zürich Die Kunst, jung zu bleiben! Ueberlegungen solcher Art standen der Schaffung des Apparates «Sport und Gesundheit» zu Gevatter. Dieser «Verjüngungs»-Apparat beansprucht sehr wenig Raum, weil er am Fussboden nicht festgemacht werden muss. Am Morgen zieht man ihn einfach aus dem Schrank und gibt sich während einigen Minuten den gesündesten der Gymnastikübungen hin. Die Benützung des Apparates «Sport und Gesundheit» wirkt sich gleicherweise günstig auf die Gliedmassen und die Muskeln im allgemeinen aus. Vor allem dient er zur Entwicklung der Bauchmuskulatur und zur Bekämpfung der Fettleibigkeit, der Erkältungskrankheiten und aller Leiden, deren Ursachen in der sitzenden Lebensweise zu suchen sind. Der Apparat ist aus gepresstem Stahlblech hergestellt und kann überallhin transportiert werden. Sein Gewicht beträgt nur 17 kg. «Sport und Gesundheit» ist auf einer Nachahmung der Ruderbewegung aufgebaut und verdient, in Ihrem Hause Platz zu finden. Kommende Ereignisse I Adelboden: 31. Dez.: Eisgymkhana. I.Jan.: Neujahrs-Sldreiuien und Sprungkonkurrenz. 3. Jan.: Eiskunstläufen. Ändermatt: 31. Dez.: Oberalp-Skirennen für Gäste. l.Jan.: Eishockeymatch. 2. Jan.: Schüttelreimen. Arosa: 31. Dez.: Eröffnungs-Schaulaufen a. d. Eisbahn. Inner« Arosa-Sylvester-Sprunglauf a. d. Plessurschanze.. l.Jan.: Bobletrennen (Kulm-Wanderbecher). 2. Jan.: Gäste-Skirennen Tschuggen-Obersee. Basel: Bis 3. Jan.: Weihnachtsausstellung der Basler Künstle« (Kunsthalle). Beim 2.—4.Jan.: Grosse Gastspiele von Maurice Chevalier (Kursaal). Champerv: 30. Dez.—3. Jan.: Eishockeymatch. Churwalden: 3. Jan.: Abfahrtsrennen Prataschianlp nach Churwalden. D&TOS: l.Jan.: Skisprungkonkurrenz. 3. Jan.: Weissfluh-Strela-Abfahrtsrennen. Les Diablerets: l.Jan.: Skisprungkonkurrenz. 2. Jan.: Langlauf rennen: 18 km. 3. Jan.: Concours hippique. Engelberg: l.Jan.: Grosse Skisprungkonkurrenz. 4. Jan.: Ski-Abfahrtsrennen um den Jochpass-Becher. Flixns: 31. Dez.: Slalomkonkurrenz. Grimlelwald: 31. Dez.: Altjahr-Sprungkonkurrenz auf der Mettenbergschanze. 1. Jan.: Eishockeyturnier (Grindelwald-Wanderbecherl908). 4. Jan.: Beginn der Curling-Wettkimpfe (Belvedere-Warideibecher). Cstaad: 3. Jan.: Skisprungkonkurrenz und Slalom. Kandcrsteg: 31. Dez.: Eraffnungs-Curlingwettspiel (Clubpreis). 2.—3. Jan.: Amtverbands-Skirennen (ev. 9. —10.). Klosters: l.Jan.: Abfahrtsrennen (Schwendi ChaU-Cup). 2. Jan.: Eishockeymatch KLosters-Caxnbridge. Lenxerkclde: 2. Jan.: Gäste-Abfahrtsrennen und Slalom (Felidtas- Cup). 3. Jan.:' Skisprungkonkurrenz. Loiche-les-Bains: 2. Jan.: Skikonkurrenz (Val Tempe). Montana-Vermala: l.Jan.: Skikonkurrenz für Hotelgäste (Slalomund Sprungkonkurrenzj. Morgins; 4. Jan.: Skikonkurrenz (Rhone Valley Cup). Murren: 2.Jan.: Skisprungkonkurrenz (Grand Hotel-Wanderbecher). Abfahrtsrennen. 4. Jan,: Curling-Eröffnungsmatch