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E_1938_Zeitung_Nr.001

E_1938_Zeitung_Nr.001

BERN, Dienstag, 4. Januar 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 1 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen A B O \ N E M EN TS- P H EI S E: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-. jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtMch abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausnabe C (mit Insnssenversicherun«) vierteljährlich Fr. 7.50 Vernebelungs-Manöver Sogar die Statistik der Strassenverkehrsunfälle muss herhalten, um für die Gütertransport-Initiative Stimmung zu machen. Die Auseinandersetzung über das Problem Bahn-Auto scheint in gewissen Köpfen beträchtliche Verwirrung angerichtet zu haben. Wie anders Hesse sich sonst jene Attacke erklären, die jüngst in einem zentralschweizerischen Blatt gegen das Auto geritten worden ist, in der unverhüllten Absicht, das Motorfahrzeug in Bausch und Bogen als Urheber eines wahren Massakers im Strassenverkehr anzuschwärzen und damit Stimmung für die Bahn zu machen ? Nicht, dass diese Taktik den Reiz der Neuheit für sich beanspruchen dürfte, aber die Entstellungs- und Verschleierungskünste, worin sich das in Frage stehende Elaborat produziert, muten derart grotesk, ja abenteuerlich an, dass es tiefer gehängt zu werden verdient: Eine traurige Statistik. 20000 Unfälle, 12 000 Verletzte und 629 Tote: Dies war das Ergebnis des schweizerischen Strassenverkehrs im Jahre 1936. Diese Zahlen werden, wenn nicht alles trügt, im Jahre 1937 überboten werden. In dieser Tatsache liegt eine furchtbare Tragik, die zu erfassen wir offenbar gar nicht fähig sind. Mit dem Ueberhandnehmen des Autos, d. h. des «modernen» Strassenverkehrs. scheint der Wert des menschlichen Lebens auf einen Nullpunkt gesunken zu sein Wie reagiert, die Oeffentlichkeit darauf? Mit einer unglaublichen Gleichgültigkeit! Wir erleben wieder einmal mehr die merkwürdige Tatsache, dass der Mensch sich an alles gewöhnt und gegen die schrecklichsten Ereignisse in gewissem Sinne unempfindlich wird, so bald sie sich rasch genug wiederholen, was ja bei den Strassenunfällen zutrifft. Wie wäre es sonst möglich, dass Autounfälle, die als eigentliche Katastrophen angesprochen werden müssen, selbst in der Presse mit einigen unauffälligen Zeilen abgetan werden, während unbedeutende Ereignisse beim Eisenbahnbetrieb oft über Gebühr aufgebauscht werden, weil dieselben eben äusserst selten sind und auf der Schiene,ohne weiteres mit einer sozusagen 100%igen Sicherheit gerechnet wird. Es ist nun höchste Zeit, dass das Volk au= seiner Lethargie aufwacht und Massnahmcn zu treffen gewillt ist, die der Respektierung des menschlichen Lebens wieder zu grösserer Bedeutung verhelfen. Der schweizerische Strassenverkehr ist dringend reformbedürftig. Er ist dies aus den vorgenannten Mißständen heraus, aber nicht weniger auch deshalb, weil sich heute ein Teil des Verkehrs in ganz unnatürlicher Weise auf der Strasse abwickelt, während er am rationellsten von der Schiene bewältigt werden könnte. An dieser Tatsache kann kein einseitiger Protest etwas ändern. Das schweizerische Verkehrswesen wird saniert werden müssen, je eher, desto besser. Traurig ist die Statistik der Verkehrsunfälle, davon können und wollen auch wir kein Jota wegnehmen, noch trauriger jedoch das Niveau, auf welches die Diskussion über die Frage Schiene/Strasse — denn um nichts anderes als um einen « Beitrag » zu diesem Kapitel handelt es sich — mit Expektoratior.en solcher Art herabgezogen wird. Wenn die Unfal'bilanz der Strasse dazu herhalten soll, um der famosen Gütertransportinitiative Vorschusslorbeeren zu streuen, dann qualifiziert sich ein solches Beginnen als Machenschaft, die sich selbst richtet, weil sie an die niedrigsten Instinkte im Menschen, an Hass und Ranküne appelliert. Könnte man über diese geschmacklose Entgleisung getrost zur Tagesordnung schreiten — mit dem gedanklichen Salto mortale, der die Sicherheit des Strassenverkehrs mit der Abgrenzung der Aufgaben zwischen Bahn und Auto verquickt, leistet sich der Einsender denn doch ein zu tolles Stück, als dass wir es uns zu versagen imstande wären, diese Geistesakrobatik näher zu durchleuchten. Feuilleton «Blatt Im Wind» auf Seite 5. Erscheint jeden nirnetag und Frrllag Wöchentliche Beilage ..Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Grth