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E_1938_Zeitung_Nr.004

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BERN, Freitag, 14. Januar 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 21% mehr Wagen, 28% mehr Autogäste in Luzern — aber nur Wenn im Juli und August 1937 — zum «erstenmal übrigens in der Geschichte des schweizerischen Verkehrswesens — der Versuch unternommen wurde, den Autotourismus, der unser Land durchpulst, in seinen Erscheinungsformen und Auswirkungen statistisch zu erfassen und endlich einmal Klarheit darüber zu schaffen, wieviele Gäste und Logiernächte nun eigentlich die Hotellerie •dem Motorfahrzeug verdanke, dann lag in diesem Experiment ungewollt auch das Eingeständnis, dass unser Wissen um diese wirtschaftlich wie Verkehrs- und aussenhandelspolitisch eminent wichtigen Dinge Stückwerk ist. Fragmentarisch aber musste es bleiben, weil man seinerzeit bei der Einführung der eidg. Fremdenverkehrsstatistik die •wohlfundierten und durchaus zeitgemässen Wünsche der am Strassenverkehr beteiligten Kreise beiseite geschoben und damit die Gelegenheit verpasst hat, um im gleichen Zug auch das legale Fun? darnent für umfassende amtliche Erhebungen über den Autotourismus zu legen. Gerade weil hier eine Lücke klafft, setzte des statistische Amt seine neue, oben angedeutete Zählung ins Werk. Aus dem nämlichen Grund jedoch war und konnte es ihm bei diesem Beginnen nicht beschieden sein, ganze Arbeit zu vollbringen. Dazu fehlte ihm der feste Boden unter den Rissen, es gebrach ihm an gesetzlich verankerten Kompetenzen. Bezeichnend genug, dass es selbst die Enquete Endleint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle ZOrliht Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 dank den Ausländern! Nachdenkliches zum Thema „ Autotourismus und Statistik", Als einen VERSUCH taxiert, dessen ausschliessliche Grundlage die freiwillige Mitarbeit der Hotelinhaber bildete. Unter solchen Vorbedingungen in die Wege geleitet aber krankte die sicher wohlgemeinte Aktion schon in ihrem Keim zwangsläufig an gewissen Unzulänglichkeiten. Es hiesse indessen der Wirklichkeit Gewalt antun, wollte man aus dieser Feststellung auch nur die Spur eines Vorwurfs an die Adresse der erwähnten Behörde herauslesen. Wenn wir nämlich bis heute, da die Autotouristik ihren Kinderschuhen längst entschlüpft ist und zutiefst in die Gestaltung unserer Verkehrswirtschaft eingreift, an Kenntnissen über deren Bedeutung durchaus unbeschwert geblieben sind und in dieser Hinsicht sozusagen noch im Stadium des Analphabetentums stecken, dann wurzelt diese beschämende und bedenkliche Rückständigkeit einzig und allein darin, dass man sich nicht dazu aufzurappeln vermochte, Hand in Hand mit der Fremdenverkehrs- auch eine Automobilstatistik ins Leben zu rufen. Aber — da sind doch die Zählungen der Oberzolldirektion über die Einreisen fremder Motorfahrzeuge ? Richtig. Nur ist uns damit herzlich wenig geholfen. Sie vermitteln zwar ein — allerdings auch nicht hundertprozentig vollständiges und einwandfreies — Bild von der Grosse des Stroms ausländischer Autotouristik, der sich in unser Land ergiesst. Monat für Monat verkünden sie : so und soviele Wagen und Motorräder sind bei uns zu Gast eingetroffen. Doch das ist auch schon der ganze Gewinn, den wir aus diesen Zählungen ziehen. Weder über das Kontingent der Autogäste noch über die Zahl der Aufenthaltstage, welche deren Konto gutzuschreiben, sind, gewähren sie auch mir den bescheidensten Anhaltspunkt; .kurzum, sie lassen nicht den leisesten Dunst darüber aufkommen, wie es um die Befruchtung unserer Wirtschaft durch diesen Verkehr Man muss es den Befürwortern der Gütertransportinitiative lassen, sie geben sich Mühe und verteidigen ihre Stellungnahme mit Argumenten, die wirklich neuartig und verblüffend sind. Mit solchen ist beispielsweise ein im Nachrichtenblatt der Beamten der städtischen Strassenbahnen erschienener, von Herrn Dipl. Ing. A. Bächtiger gezeichneter Artikel gespickt. Und da wir Belehrungen stets zugänglich sind, sollen einige dieser Argumente auch dem weiteren Publikum bekannt gemacht werden. Als Begründung für seine Forderung, die Initiativbogen zu unterzeichnen, schreibt Herr Bächtiger : «Infolge der ungenügenden Strassenverkehrsverbindungen entvölkern sich unsere gesunden Gebirgstäler.» Und um die Verkehrsverbindungen zu verbessern und die bestellt ist. Und vollends versagen sie, wenn es sich darum handelt, den Umfang der einheimischen Motortouristik zu bestimmen, einer Frage, die um so brennender interessiert, weil wir Grund zur Annahme zu haben glauben, die Entwicklung sei gerade hier in eine Phase mit negativem Vorzeichen eingetreten. An der Tatsache, dass sich uns keine Möglichkeit eröffnet, in die Zusammenhänge zwischen Autotourismus und Volkswirtschaft einzudringen und der Lösung des Rätsels näher zu kommen, welchen Anteil an unserem gesamten Fremdenverkehr die Bahn und welchen das Auto liefert, daran ändert auch die eingangs zitierte Untersuchung des statistischen Amtes grundsätzlich nichts. Was sie ans Licht gezogen, kann angesichts der « Förderungsmethoden », deren man sich dabei notgedrungen bedienen musste, keinen Anspruch auf Vollwertigkeit erheben. Allerdings haben sich daneben zwei Fremdenplätze vom Namen eines St. Moritz und eines Luzern ihre eigenen Autostatistiken zugelegt. Und es ist ein höchst aufschlussreiches Material, das sie aus ihrem Füllhorn schütten. Dennoch: über die lokale Sphäre reicht die Tragweite dieser Analysen nicht hinaus, ihre Ergebnisse lassen sich nicht als « verbindlich » für die ganze Schweiz ausdeuten. Wie lange noch, bis uns endlich eine eidg. Automobilstatistik beschert wird, mit allem was dazugehört ? Auch bei den Bahnen darf man dafür doch wohl et welches Interesse voraussetzen... (Schluss Seite 2.) Argumente für die Gütertransport-Initiative Bevölkerung wieder an die gesunde Luft zu bringen, soll der Autoverkehr eingeschränkt und reglementiert werden. Sicher ein absolut neuer Gedanke. «Das ideale Wirtschafls- und Verkehrsnetz sollte folgendermassen aussehen: die Stammverkehrelinien, die heute im ganzen Lande eigentlich schon durch die Eisenbahnen gezogen sind, sollten die Stützpunkte für die Schwerindustrie bilden, währenddem die Nebenstränge des Verkehrsnetzes aus Strassen mit Autobetrieben bestehen, längs denen Leichtindustrie, Bauerngewerbe etc. ansässig sind. In Gegenden, die für den Fremdenverkehr sowie für die Landesverteidigung wichtig sind, sollten ungeachtet der Konten mehrere Verkehrsmittel, zum mindesten Schiene und Strasse, gesetzmässig nebeneinander betrieben werden können. • Dieser Gedankengang ist doch wunderbar. Die Schwerindustrie hat sich in Zukunft an INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschlnss 4 Taqe *OT Erscheinen der Nummer Wir berichten heute über: Querschnitt. 24-ZyIinder-Renn-Motor? Caracciola fuhr 43 742 km. Rennwagen mit Vierradantrieb? Vom Maschinenzepp zum Propeller-Triebwagen. Beilage: die Stammverkehrslinien zu verziehen, während sich die Leichtindustrie und das Bauerngewerbe an den Nebensträngen des Verkehrsnetzes anzusiedeln hat! Man wird also die von Roll'schen Eisenwerke in eine Makkaronifabrik umwandeln (doch Kanonenrohre sind keine Makkaronirohre, sagte kürzlich Dr. Düby im Nationalrat) und die Bauerngüter längs den Bundesbahnstrecken versetzen müssen. Nicht übel, das gibt Arbeitsgelegenheit. Dass die Nebenstränge aus Strassen mit Autobetrieben zu bestehen haben, wird besonders die Nebenbahnen freuen, die ja auch zu den Anhängern der Gütertransportinitiative gehören. Unverständlich ist nur, warum man die Initiative braucht, wenn in allen Gegenden, die für den Fremdenverkehr und die Landesverteidigung wichtig sind, Bahn und Auto von gesetzeswegen und ungeachtet der Kosten nebeneinander verkehren sollen. Aber vielleicht verrät uns Herr Bächtiger noch, welche Landesgegenden militärisch unwichtig sind und in welchen, inbegriffen die Zufahrtsstrassen, der Fremdenverkehr keine Rolle spielt. «Der Kanton Tessin besitzt heute tvohl eine Anzahl Paßstrassen nach Norden, jedoch nur eine einzige Bahnverbindung; eine weitere, und zwar doppelspurige Bahnverbindung etwa von Olivone nach Truns ist dringende Notwendigkeit. > Selbstverständlich, wir brauchen noch einige Alpenlinien zur nebung der Rentabilität der Bundesbahnen. Eine doppelspurige Bernhardinbahn wäre selbstverständlich ganz besonders geeignet, da sie in Truns und Olivone an schmalspurige Privatbahnlinien ausmünden würde. Wenn man dann schon dran ist, könnte man vielleicht auch gerade die Rhätische Bahn auf Normalspur mit Doppelgeleise umbauen F E U I L L E T O N Blatt im Wind. Von Joe Lederer. /. Buch. 7. Fortsetzung. Er musste mit Lois gehen, und Erdesz ging mit Cary voraus. Die Sonne brannte auf die Häuser. Ueberall waren die hölzernen Balkontüren geschlossen. Sie gingen die Rambla Cataluiia wieder hinauf und die ganze Zeit sah Hubert Cary vor sich her wandern. Sie ging neben Erdesz, mit grosszügigen Schritten, manchmal hörte er sie lachen. Lois sprach und Hubert antwortete, aber er sah nichts als Cary, die neben Erdesz herschritt, und die Luft war weiss und flimmernd. Er dachte, er würde es nie vergessen. Er vergass es auch nie. 5. Kapitel. Das offene Amphitheater war voll Menschen, sie füllten die Galerien bis zur letzten Reihe, und über dem unruhigen Gewimmel von Köpfen und Gesichtern und schwarzen Hüten war die starke Nachmittagssonne und der Frühlingshimmel. Der Kampf begann pünktlich, auf die Minute. Die Musik spielte, und die drei Matadore, jeder mit seiner Cuadrilla hinter sich, zogen zur Präsidentenloge. Die goldgestickten Jacken flimmerten. Gelb und rot und himmelblau leuchteten die Gewänder. Vor der Präsidentenloge verbeugten sie sich. Der eine Matador war noch sehr jung. Er kämpfte zum erstenmal in Barcelona. Alles blickte zum Corral hinüber. Das Tor ging auf. Der rotbraune Wall und der gelbe Sand waren von Licht überflutet, nur das Tor war dunkel, und gross und offen. Dann bewegte sich etwas. Der Stier jagte aus dem Tor heraus, schwarz, den Kopf erhoben. In der Mitte der Arena blieb er stehen. Er stemmte die Beine in den Sand. Seine Muskeln zitterten. Er war geblendet von der Sonne. < Toro ! » schrien die Leute von den Galerien, « Höh ! Toro !» Der Stier sah sich um. Die Peones mit den gelb und rot wehenden Capas kamen ihm entgegen. Er griff an, und sie traten zur Seite, und als er sich umwendete, hielten sie ihm wieder die Capa entgegen. Der Stier blieb stehen und starrte. Er begriff nicht. Dann senkte er die Hörner und ging von neuem los. Er lernte rasch. Dreissigtausend Menschen sahen zu, wie er kämpfen lernte. Die Pferde wurden ihm entgegengeführt, und er spiesste ein Pferd und bekam zweimal die Lanze in die Schulter. Aber erst nachdem ihm die sechs langen Banderillos in den Halsmuskeln sassen, trug er den Kopf tiefer. Er schüttelte sich. Ueber sein schwarzes Fell liefen kleine dunkle Blutstreifen. Als er dem Matador gegenüberstand, trug er den Kopf tiefer, aber er war noch nicht müde, und er hatte eine Menge gelernt. Er griff nicht an, er wartete. Der junge Matador, der zum erstenmal in Barcelona kämpfte, kam näher, er ging mit schmalen, langsamen Schritten, und er lächelte dabei und zeigte dem Stier die Muleta. Der Stier beobachtete, dann .süess er vor, aber das rote Tuch schwang über seine Hörner hinweg, und der Stier machte kehrt, griff mit einem wilden Satz an, und der Matador liess ihn herankommen, ohne sich zu rühren. Er drehte den Oberkörper zur Seite, und der Stier kam dicht unter seinem Arm durch. Dann bot er ihm wieder die Muleta. Es sah aus wie ein Spiel, aber der Stier wollte töten, und der Mann wollte töten. Der Stier kämpfte um sein Leben, und der Mann um ein paar hundert Peseten und um den Ruhm. Die Nachrnittagssonne brannte über dem Ring. Die Blutstreifen auf dem schwarzen Tierfell waren rot und klebrig. Der Matador nahm die Muleta in die linke Hand und hielt rechts den Degen. Er wartete, bis der Stier ihn ansah. Dann zielte er, der Degen ging über die Hörner hinweg und traf den Stier zwischen den Schulterblättern, genau wie er ihn zu treffen hatte. Der Stier knickte in die Vorderbeine, aber er erhob sich nochmals und stand und zitterte. Der Kopf schwankte kraftlos nach vom. Dann fiel er jäh nieder, die Beine von sich gestreckt, und es war zu Ende. Lois hatte sich schon längst abgewandt