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E_1938_Zeitung_Nr.007

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BERN, Dienstag, 25. Januar 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE: Ausgab* A (ohne Venicberung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlieh FT. 10.— Ausland mit Portoiuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit lnsassenversicheruns) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienst«« und Frritatf Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Barn GeschlrtsMrlle Zürich! Läwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Gromere Inserate nach SpezialtarU lnseratenseblnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Was missen wie datü&ec? Ermüdung und Verkehrsunfälle Ein schwer abzuklärender Fragenkomplex. — Uebermüdung allein oder in Zusammenhang mit den Wirkungen übermässigen Alkoholgenusses. „Schlappheit" nach der Mittagszeit im Sommer. Von E. Joho, Leiter der Beratungsstelle für Unfallverhütung, Bern. c Der Führer darf die Sicherheit des Verkehrs nicht durch Uebermüdung oder einen andern Zustand, der ihn in der Beherrschung des Fahrzeuges behindert, gefährden.» (Artikel 17, Ziff. 2 des BG über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr.) Die Verminderung der Verkehrsunfälle bildet ein Problem von eminenter sozialer und menschlicher Bedeutung. Ihre Bekämpfung setzt die genaue Erforschung der Unfallursachen voraus. In der vorliegenden Arbeit haben wir versucht, die Zahl und die Ursachen jener Verkehrsunfälle zu erfassen, die auf Uebermüdung zurückgeführt werden können. Mag auch die Zahl der Ermüdungsfäile gering erscheinen, so gestattet das vorhandene Material immerhin einige Schlüsse über die Gefahren und deren Bekämpfung. Von den im Jahre 1936 polizeilich erfassten 19,831 Verkehrsunfällen ist bei 93 mit 56 verletzten Personen und 5 Toten als Schadenursache «Ermüdung » gemeldet worden. Nach dem vorliegenden Material zu schliessen, rubriziert die Polizei als Ermüdungsfälle jene, bei denen aus der Unfallsituation oder aus den Angaben der Beteiligten geschlossen wird, dass der Führer am Steuer eingeschlafen war. Die Annahme geht aber wohl kaum fehl, eine derartige Rubrizierung vermöge bei weitem nicht alle Unfälle zu erfassen, bei denen Errhüdung als mitbeteiligte Ursache in Frage kommt. Denn weder die Polizei noch die beteiligten Fahrer sind in der Lage, zu beurteilen, ob bei einem Unfall eine gewisse Ermüdung eine Auflockerung der Aufmerksamkeit zur Folge hatte und deshalb einen Unfall mitverschuldete. Dagegen darf die Vermutung ausgesprochen werden, es handle sich in den Fällen, bei denen « Einschlafen» angenommen wurde, wirklich um Ermüdungsfälle. In den nachfolgenden Ausführungen begnügen wir uns deshalb mit der Untersuchung der beim eidg. statistischen Amt eingegangenen polizeilichen, als Uebermüdungsfälle bezeichneten Unfallmeldungen; Unfälle Infolge UebermDdung. Fahrzeug« Beteiligte Verletzte Tote Fahrzeuge Personen Personenwagen 56 36 1 Lastwagen, Traktoren 27 14 2 Motorräder 5 2 1 Velo 4 3 — Fuhrwerke 1 1 1 Total 93 56 Folgen der Uebermüdung am Lenkrad: der Chauffeur dieses Lastwagens geriet über das Strassenbord hinaus und die ganze Fuhre koll erte einen Abhang hinunter. Für diese Zusammenstellung lieferten die ersten polizeilichen Erhebungen die Grundlage. Sie beruht entweder auf den Angaben des beteiligten Fahrzeugführers oder auf dem subjektiven Eindruck der Polizisten. Anspruch auf vollständige Erfassung aller Ermüdungställe im Strassenverkehr können diese Angaben jedoch nicht erheben. Oft genug spielt auch noch übermässiger Alkoholgenuss als mitkonkurrierende Schadenursache eine Rolle, so dass die Abklärung der Frage Schwierigkeiten bereitet, ob Alkohol oder lange Arbeits- oder Präsenzzeit die grössere Schuld am Unfall tragen. Wie sich denn überhaupt die Feststellung, ob und inwieweit .Ermüdung bei einem Unfall kausal mitwirkt, ausserordentlich schwer gestaltet. Im ganzen genommen mag die Zahl der von der Polizei und den betroffenen Fahrzeugführern auf Ermüdung zurückgeführten Unglücksfälle als gering erscheinen. Wenn wir uns die 19,831 Verkehrsunfälle im Jahr 1936 vor Augen halten, sind nach den erwähnten Angaben nur 4,6 Promille aller Unfälle der Ermüdung » zuzuschreiben. So stark, wie man hie und da zu glauben scheint, ist also das Konto der Unfallürsache « Ermüdung » nicht belastet. Nach dem Statistischen Jahrbuch 1936 wurden in den Nachtstunden von 22 Uhr bis morgens 5 Uhr im ganzen 7450 Unfälle mit 1055 Verletzten und 83 Toten gezählt. Es darf angenommen werden, dass dabei zu einem Teil auch eine mögliche Uebermüdung die Schuld trägt Weil uns aber zur Untersuchung dieser Vorkommnisse die Unterlagen fehlen, müssen wir uns wiederum mit der weitern Erforschung des Materials der 93 erwähnten Fälle begnügen. ErmOdungsfälle nach Tages- und Nachtstunden. Stunden 24— 1 1— 2 2— 3 3— 4 4—5 5— 6 6— 7 7— 8 8— 9 9—10 10—11 11—12 12—13 13—14 14—15 15—16 16—17 17—18 18—19 19—20 20—21 21—22 22—23 23—24 ü^r Personenwagen davon unter Lastwagen Davon unter Ein. Wlrkun* überschlafen Ein- Wlrkunv Oberaehlafen mäsi. Alkihel- genusie mSs>. Alkoholgenusiegenuuei 2 1 2 1 1 2 8 4 2 11 6 6 Total 56 « 12 27 5 (Schluss folgt.) Wir berichten heute Ober: Diskussion um den Salon. Blutprobenzwang In Basel. Kritik am neuen Meisterschafts- Reglement. Tankverschluss ohne Loch. Vorzüge der Autobahnen im Mosaik der Zahlen. Schweizerische Strossen verkeh rsliga Auf Veranlassung der aktiven kantonalzürcherischen Strassenverkehrsliga fand letzten Samstag in Ölten zum Zwecke der gegenseitigen Aussprache eine Zusammenkunft der Delegierten aller in der schweizerischen Verkehrsligp. zusammengeschlossenen kantonalen Verkehrsligen statt Der Vorsitzende, Präsident der Zürchergruppe, orientierte einleitend über die Entwicklung, welche die Beziehungen zwischen der Zürcher Verkehrsliga und der Via Vita genommen. Aus diesen dokumentarisch begründeten Ausführungen waren die Gründe, die zur mehr oder weniger vollständigen Negierung der durch die am motorisierten Strassenverkehr interessierten Gruppen aufgestellten Begehren seitens der Behörden geführt, klar ersichtlich. Einem roten Faden gleich zog sich durch all die folgenden Voten der Wunsch, unter das Kapitel «Via Vita» endlich den Schlußstrich zu ziehen, denn — so hiess es — dass diese Organisation ihrer Aufgabe in keiner Weise gewachsen sei, habe sie seit dem 5. Juli 1936 wiederholt bewiesen. Hervorgehoben zu werden verdient die einmütige Stellungnahme der Ve oammlung, welche sich bei Besprechung des weitern Vorgehens ergab: Reorganisation und Ausbau der Schweiz. Strassenverkehrsliga zu einer schlagkräftigen Organisation, in der all die praktischen Erfahrungen weitester Kreise mitarbeiten sollen, lautete die Forderung. Denn nur so, d. h. auf möglichst breiter Basis, sei eine wirksame Verteidigung aller mit dem Motorfahrzeugverkehr zusammenhängenden Belange möglich — ein Generalstab ohne Truppen dringe nicht durch, der Beweis sei erbracht Der Verlauf der recht ausgiebig benützten Diskussion vermochte auch die wenigen, mit den schweizerischen Verkehrsproblemen nicht ganz Vertrauten von der Notwendigkeit einer F E U I L L E T O N Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. /. Buch. 10. Fortsetzung. «Sie haben viele Freunde In Florenz?» fragte Hubert. «Nur zwei», sagte Erdesz. «Cimabue und Fra Filippo. > «Fra?» meinte Hubert interessiert. «Das heisst doch Mönch?» «Lippi war ein entsprungener : Mönch. Ich schätze seine Bilder über alles — oder wie?» «Ach so», sagte Hubert. Einen Augenblick fühlte er sich ziemlich verloren. Dies Gewirr von fremden Namen in Europa. Erdesz verschob zweimal seine Abreise, am ersten Abend kam er zu spät zum Dampfer, und am zweiten Abend gab er einfach zu, dass er keine Lust hatte zu fahren. Dann war er plötzlich fort. Einweisser Levkoienstrauss kam für Cary, und Erdesz war abgereist. Die Tage waren heiss und sonnig. Hubert ass mit Frau von Geyer und Cary an einem Tisch. Nachts schlug das Meer leise gegen die Klippen. Der Himmel war schwarzblau und tief. «Ich muss in mein Zimmer zurück», sagte Cary «Wenn Theres aufwacht und mich sucht...» «Sie wird nicht aufwachen. Bleib noch. Bitte, bitte, bleib noch.» «Ja», sagte sie. «Ich bleib noch.» Das Meer rauschte. Tagsüber musste Cary mit Theres kleine Spazierfahrten machen, sie gingen in die Stadt, um einen Film zu sehen, oder nahmen im Victoria den Tee. Wenn Frau von Geyer ihn aufforderte, ging Hubert mit. Er liebte Frau von Geyer, ihren grossen Panamahut, ihre abgegriffene Schildpattlorgnette, die sie dicht vor die Augen hob, um das Meer anzusehen. Er liebte auch das Meer. Er liebte alles. Nachts kam Cary in sein Zimmer. Sie war verbrannt von der Sonne, und ihre Haut war glatt und heiss. Sie führten lange, flüsternde Gespräche in diesen Nächten. Es war alles neu. Es war alles wichtig. Cary sagte ihm, dass er schöne Augen hätte. «Wie ein Bernhardiner f Aus Bernstein und Samt.» «Nein.» «Aber ja! Hab zuerst nur deine Augen gesehn.» «Gute Augen», sagte sie. Manchmal wurde ihre Stimme ganz dunkel und tief. «Warst du oft verliebt?» fragte sie. «Nein», sagte er. «Nie. Ich... Also...» «Bloss so Geschichten gehabt?» «Ja», sagte er. «Waren sie hübsch?» «Willst du eine Apfelsine essen?» fragte Hubert. «Ja, ich will eine Apfelsine essen, und du erzählst mir dabei, ob es hübsche Mädchen gewesen sind.» Er erzählte nichts. Er sah ihr zu, wie sie ass. Sie hielt den Teller auf den Knien. Ihr langer schmaler Rücken war vorgebeugt. Das Haar fiel ihr verwirrt in die Stirn. Gegen eins ging der Hoteldiener tappend über den Korridor und sammelte die Schuhe ein. Dann war alles still. Die Nacht schwieg. Im schwarzen Zimmer tickte die Uhr. «Nie werd ich eine andere Frau lieben.» «Doch», sagte sie. «Du wirst.» Sie streichelte sein Gesicht und gab ihm viele kleine Küsse. Am 19. März sollte Cary mit Theres nach Wien zurück. Es war ausgemacht, dass Hubert in eineinhalb Wochen nachkommen solte. Aber als Cary am letzten Abend bei ihtr