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E_1938_Zeitung_Nr.010

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 4. FEBRUAR 1938 •— N° 10 Kontrollbuch der Automobil-Kosten 4/5-Plätzer, Modell 521. Zustand wie neu. (8,10 Auskunft wird erteilt: Ankauf von alten und verunfallten Personen- und Lastautos. Verwerfunö von Bestandteilen Grosse Ersatzteil lager von über 200 verschied Marken. Kompl. Motoren, Cardane, Getriebe, etc. Grosses Lager in guten Occaslons- Personen- und Lastautos 4plätzig, 13 PS, Modell 1932. 5-PIätzer, 13 PS, sehr schöner Wagen. Mod. 1931, mit Hintertür. Sämtliche Wagen sind in sehr gutem Zustand. Telephon 28.788, Bern, Terraplane - Vertretung, Stockerenwee 6. JUN., 5 PS, Modell 35/36, Cabriolet, 4 PL, Zustand wie neu, Fr. 2100.—. Offerten unter Chiffre Q 30697 Lz an Publicitas, Luzern. 75045 MERCEDES 7-Plätzer geräumiger Herrschaftswagen, 6 Zyl., 18 PS, Md. 33/34, erst 53 000 km gefahren, mit Ciel ouvert u. Schnellgang, in tadellosem Zustand, ist günstig abzugeben. Event. Tausch an Kleinwagen. 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BERN, Freitag, 4. Januar 1938 Automobil-Revue - II. Blatt. Nr. 10 Paula Stuck: Das temperamentvolle Buch von Paula Stuck «4 x Liebe» enthält die spannende Schilderung eines Sandsturms in der Wüste, die wir unseren Lesern um so weniger vorenthalten möchten, als der Verlag Buch- und Zeitschriften AG. in Zürich uns in freundlicher Weise die Erlaubnis zum Abdruck erteilt hat. Die Personen sind: Wolf, der Herrenmensch und Besitzer des «Arche» genannten Autos; 111, eine lebenssprühende Künstlerin, Schatten, ein Hund, der nie von der Seite seiner Herrin weicht. Die Leseprobe reize den Leser, das c- ganze Werk kennen zu lernen. Zum Ueberlegen kamen wir nicht. Aus dem Autokoffer rissen wir eine Plane heraus, die hinter den Koffern zusammengeballt lag. Konserven, Mineralwasser wurden aus dem Picknickkoffer gezogen. Dann kletterten wir eilig in das Innere des Wagens zurück, kurbelten die Scheiben herauf, zogen die Schrauben an und verschlossen die Türen. Mit Isolierband mussten wir noch einmal die Fensterscheibeneinsätze und die winzigsten Oeffnungen verkleben. Wir hielten Wolfgang für leicht übergeschnappt, aber wir fanden den Ernst, mit dem er uns das alles auftrug und mit dem er selbst die uns sinnlos erscheinenden Vorsichtsmassregeln ergriff, aufregend. «Ich glaube, ein Flugzeuggeschwader kommt», unterbrach 111 die emsige Tätigkeit. «Ich glaube, wir sind bald mitten in einem vorbildlichen Sandsturm», verriet Wolfgang und hielt uns zur Belohnung für die geleistete Arbeit seine Zigarettendose hin. Das brausen und Summen, das 111 für Motorengeräusch gehalten hatte, kam näher und wurde unheimlich laut. Hunderte von Flugzeugen hätten keinen so undefinierbaren Lärm ausgeführt. Sturm war mir von jeher verhasst. Prasselnder Regen, hagelndes Unwetter, bläuliche Zickzackblitze, Donnerkanonaden, sie alle halten nicht an. Sie kommen und verschwinden. Aber das Heulen und Aechzen eines Sturmes, der an Fenstern und Dächern entlang fegt, der nicht nachlässt und körperliches Unbehagen hervorruft, weil man sich so machtlos und klein vorkommt, ist eine der grauenvollsten Naturkatastrophen. Wir sassen eng aneinandergepresst. Der «Schatten» auf meinen Knien. Noch konnten wir durch die Scheiben sehen. Von der Karawane war nichts mehr zu erblicken. «Das sind Wüstenzauberer, die graben sich ebenso schnell aus wie ein, wenn es nottut», lenkte uns Wolf ab. Sein Gesicht war voll geladener Energien und von vielen Gegensätzen gezeichnet; Freude am Kampf gegen eine Naturgewalt, Verantwortlichkeitsgefühl, strategische Betrachtungen, künstlerisches Aufgehen, die Sucht sich mitzuteilen und das gleichzeitige Verlangen nach Einsamkeit... Ich wollte gerade nach seiner Hand greifen, als ich mit einem Male kaum noch etwas sah. Die Fensterscheiben erschienen von einer Sekunde zur andern wie mit bunten Schleiern verhangen und die «Arche Noah» wurde von dem Wirbel heranbrausender Sandmassen beinahe umgestossen. Es prasselte und pfiff und zischte und heulte. Man verstand keine Silbe mehr und konnte sich auch kaum mehr erkennen. Das Herz des < Schatten» klopfte ebenso laut wie das meine. Sie kroch sozusagen in mich hinein und am liebsten wäre ich in irgend etwas hineingekrochen, um Sandsturm nichts mehr zu sehen und zu hören. Ich wusste, dass Wolfgang kein Licht machen konnte, um die Batterie nicht zu vergeuden. Das Verdeck schien bei der unfasslichen Gewalt des Windes auf uns niederfallen zu wollen. Die Scheiben und das Holz der Karosserie quietschten und ächzten. « Einmal muss es ja vorübergehen », sagte ich mir und kramte in meiner Erinnerungskiste gleichzeitig Zeitungsberichte hervor, in denen von Leuten berichtet wurde, die bei dreitägigem Sandsturm in der Wüste umgekommen waren. Das waren keine freundlichen Gedanken, und kurz entschlossen lehnte ich meinen Kopf an Wolfgangs Schulter, der mir über das Haar fuhr. Auch 111 hatte sich an seinen Arm geschmiegt und unsere Stirnen berührten sich kurz. «Ich bekomme scheusslich schlechte Luft», brüllte 111 uns zu. «Mein Hals ist wie ein Reibeisen und meine Augen, Nasenlöcher und Ohren jucken'und kratzen auf einmal.» Ich leckte mit der Zunge an meiner Lippe; eine ganze Sandkruste hatte sich auf sie gelegt. Dabei hatten wir doch die Scheiben mit Leukoplast und Isolierband abgedichtet! Das Schlucken fing an, Schmerzen zu bereiten. Ohne Räuspern und Husten glaubte man keine Luft mehr zu bekommen. Unsere Hände und Hälse waren von Millionen der unsäglich feinen Sandkörnchen bedeckt.,. Als 111 nach Wasser verlangte, schüttelte Wolfgang das Haupt. Dafür steckte er uns Orangenscheiben in den Mund. Ich kann nicht angeben, wie lange wir voller Angst und Ungewissheit in der «Arche Noah» gewartet haben. Ich weiss nur noch, dass dieser gewaltige rotbraune Gibli ebenso schnell verschwunden wie gekommen war. Langsam, wie beim Morgengrauen, wurde es lichter und unsere Fenster wieder durchsichtig. Angespannt verfolgten wir, wie die fliegenden Sandschwaden sich über die wellige Wüste von dannen wälzten. Voller Lebhaftigkeit entfernte 111 die klebenden Bänder und mit einem Erleichterungsseufzer, der einem Lustgeschrei gleichkam, versuchte sie, die Türe zu öffnen, um staub- 'freie Luft einzuatmen. Aber sie schaffte es nicht. Trotz hartnäckigsten Rütteins und Drückens knirschte das Schloss, aber es gab nicht nach. Nun versuchten wir mit geteilten Kräften unser Heil. Wir stemmten uns dagegen, bastelten an dem Schloss herum, versuchten es mit der anderen Wagentüre. Umsonst! «Wir sind bis über die Türklinke im Sand eingegraben», verkündete Wolfgang, und ohne eine Antwort abzuwarten, griff er in den Werkzeugkasten, zog eine Zange heraus und zerschlug mit ihr die Fensterscheibe. Dann bat er 111, aus dem Fenster zu klettern, da sie mit ihrer Jungenfigur am leichtesten durch die ovale Oeffnung gelangen könne. Mit einer Art Hechtsprung landete sie kopfüber in dem pulvrigen Braun. Sie hatte ausreichend Mühe, den Sand aus ihren Haaren und vom Gesicht zu entfernen. Es gelang ihr schliesslich, die Schaufeln unter dem hinteren Verdeck hervorzuholen und die eine Wa|eotürseite nach einer geraumen Frist freizuschaufeln, so dass auch wir aussteigen ke ten. Wolfgang hatte jede ihrer Bewegungen achtsam verfolgt. Es gefiel ihm, wie sif_entschlossen, ohne lange zu fragen, all ihre gäben erfüllte. «Sie ist eine Mixtur aus Fähigkeiten», lobte er 111. « Diese Mixtur läuft Gefahr, sich zu zersetzen, wenn sie nicht richtig geschüttelt und aufbewahrt wird», warf ich dazwischen. «Dieses .Aufbewahren' und .Schütteln' kann Kopf und Kragen kosten, aber wahrscheinlich ist der Versuch der Mühe wert.» Mit diesen Worten streichelte er meine Knie, Ich wusste nichts mehr zu erwidern. Tonio hatte vor wenigen Tagen beinah das gleiche gesagt. Aber Wolf gang war nicht Tonio! Alles war so verworren, so schmerzhaft und so unabänderlich. Es ist heute fast genau zehn Jahre her. Es war später Abend, aber die Nacht war erhellt vom Schein eines ungewöhnlich starken Nordlichtes, und die Leute standen vor den Türen und sprachen über die Erscheinung. Wir sassen zu dritt in bequemen Clubsesseln in der Halle eines schönen Hotels in Edmonton und schwiegen uns freundschaflich an, wie . wir dies seit Wochen zu tun gewohnt waren: Canter — der einzige Schotte dieses Namens, den ich je getroffen habe —, Goldfeder — ein garantiert waschechter Häuptling der Athabasken-Indianer — und ich. Ein Haufen Leute kam zu uns hereingeströmt, sie waren alle ziemlich auf- oder zumindest angeregt und schwätzten durcheinander über das Nordlicht. «Sind nicht allzu häufig bei uns in Schottland, die Nordlichter», sagte Canter. «Ist auch besser so, man glaubt bei uns, sie bringen Unglück: ,Wenn das Nordlicht scheint, stirbt ein König oder ein Held!' heisst es. Als König Jakob IV. am Flodden-Feld von den Engländern geschlagen wurde und fiel, wussten es die Leute in Edinburgh schon in der Nacht, bevor der Bote mit der Unglücksbotschaft eintraf, — das Nordlicht hatte es ihnen angekündigt ...» «Sind deine Landsleute denn böse Menschen?» fragte Goldfeder. « Nicht böser als andere — warum fragst du?» entgegnete ziemlich verblüfft Canter. «Weil bei uns Indianern nur die bösen Menschen das Nordlicht fürchten. Der Grosse Manitu hat es eingesetzt, um Furcht in ihrem Herzen zu erwecken...» Und damit begann er zu erzählen, in dem monoton singenden Rhythmus, in dem er uns die alten Märchen seines Stammes zu berichten pflegte, in einem Tonfall, dem man anhörte, dass er schon Generationen von Märchenerzählern vor ihm eigen gewesen war. «Ein kleiner Knabe lebte vor vielen hundert Jahren, dessen Eltern gestorben waren. Das Kind hatten sie der Güte seines ältesten Bruders anvertraut, aber der war ein harter Mann, der böse war gegen den Hilflosen, ihm nichts zu essen gab und ihn.des Nachts nicht in seinem Wigwam schlafen liess, sondern ihn zwang, im Geäst eines Bauines sich ein Nest wie ein Vogel zu errichten, Maoitu selber hatte Mitleid mit dert» schwachen;Kjjijde. Er verwandelte sich in menschliche Gestalt, trat Ich beneidete die Araber um ihren Fatalist raus. Und dabei schaufelten wir ohne Unterlass, bis uns Stirne und Arme heiss wurden und wir Schwielen an den Händen bekamen. Ohne Erfolg drückte Wolfgang immer wieder auf den Anlässer. Die Räder gingen erbarmungslos durch. Die Arche ruckte auf und blieb wie ein trotziges, beleidigtes Kind endgültig stehen. Wir hatten eine Nacht iii der Wüste vor uns, Das Märchen vom Nordlicht Ein Indimnerxnürchen, nacherzählt ron Monty Hate vor den bös«n Bruder hin und sprach: .Warum bist du hart und böse wider deinen Bruder, statt den Willen deines Vaters zu erfüllen?' Aber der böse Bruder ergriff statt einer Antwort seinen Bogen und seinen Köcher und schoss zwölf Pfeile ab auf den Mahner. Und die zwölf Pfeile gingen durch dessen Körper hindurch, einer nach dem andern, ohne ihn zu verletzen. Da ergrimmte Manitu, und er nahm den Knaben bei der Hand und führte in fort — nach dem Himmel. Dort brachte er ihn bis an den nördlichen Rand des Himmels und war gütig zu ihm und sprach: .Siehe, mein Söhn, wie du deinen bösen Bruder bestrafen wirst!' Und er gab ihm einen goldenen Bogen in die Hand und zwölf Pfeile, von denen jeder in einer anderen unaussprechlich schönen Farbe flammte: .Hierher stelle dich auf den Rand des Himmels und nimm diese Pfeile, gerade soviel, wie jener gegen mich abgeschossen hat. Schiesse sie hinunter nach dem Bösewicht! Jeder der Pfeile wird, wenn er sein Ziel erreicht hat, von selbst zurückkehren in deine Hand ; so wirst du auf ihn schiessen in alle Ewigkeit und er wird in alle Ewigkeit bestraft sein für seine Bosheit.' Der Knabe nahm den Bogen, nahm die Pfeile und sah gross auf zu Manitu: .Wie kannst du mir befehlen, auf ihn zu schiessen, Grosser Manitu, da er doch mein Bruder ist, Und dein Gesetz lebt in meinem Herzen!' Da war Manitu erfreut über soviel Güte und sprach: .Nicht will ich dich zwingen, auf deinen Bruder zu schiessen wider das Gebot in deinem Herzen. Darum werden die Pfeile, die du gegen ihn entsendest, ihn nicht treffen, sondern schon zuvor zurückkehren, ohne ihn zu verletzen. Aber sie werden die Nacht hell erleuchten mit ihren Flammenspitzen und Angst erregen in seinem Herzen, weil sie ihm künden, dass Manitu seine Schlechtigkeit kennt und bereit ist, sie zu bestrafen.' Da nahm der Knabe den Bogen auf, wie Manitu befohlen, und begann, vom nördlichen Rande des Himmels seine Pfeile herabzuschiessen. Und darum zittern die schlechten Menschen, wenn sie das Leuchten des Nordlichtes erblicken, weil es ihnen kündet, dass Manitu ihre Schlechtigkeit kennt und bereit ist. sie zu bestrafen, — die Guten aber freuen sich und bewundern Manitu in der Schönheit seiner Werke.»