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E_1938_Zeitung_Nr.013

E_1938_Zeitung_Nr.013

BERN, Samstag, 12. Februar 1938 3. Salon niiiier Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtllch abonniert Ausgabe B (mit (?ew. Unfailversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherunff) vierteljährlich Fr. 7.50 Schneidig, aber nicht frech .Die Landstrassen werden von Fahrzeugen aller Art bevölkert; handgezogenen Karren, langsamen Pferdefuhrwerken, Ungetümen von Lastwagen, kleinen und grossen. schnellen und langsamen Personenwagen, Fahrrädern, Motorrädern (und zwischen diesen Fahrzeugen zwängen sich natürlich noch die Fussgänger kreuz und quer über die Strasse hindurch, an allen Stellen, an denen sie nichts zu suchen haben). Am Steuer oder hinter der Lenkstange der Motorfahrzeuge sitzen die verschiedensten Temperamente: Phlegmatiker, Sanguiniker und Choleriker, ausserdem auch Menschen verschiedensten Vermögens und verschiedener Nervenstärke. Jedes Temperament und jede bestimmte körperliche und seelische Verfassung spielt natürlich eine gewisse Rolle beim Fahrstil und bei der Art. nicht nur ein Fahrzeug zu lenke n.sondern sich im Verkehrsbetrieb zu bewegen. Manch einer, der ängstlich und langsam wie eine Schnecke mit seinem Benzinesel am Rande der Landstrasse dahinkriecht, beneidet den sportlich forsch fahrenden Kameraden der Landstrasse, der mit so und sovielen Sachen an "ihm vorbeibraust, dass die Steine nur so stieben. Manch einer der forschen Fahrer beneidet aber auch den langsamen um seines ruhigen, gemässigten Temperamentes willen. Was bedeutet Autofahren? Wenn man den Wagen als nützliches Werkzeug voll auswerten will, dann ist daher doch eigentlich die Grundbedingung die, eine grosse Strecke in kurzer Zeit zurückzulegen. (Im Schritt- Tempo kann man nämlich besser, sicherer und bequemer auf den eigenen Tretern einherwandern.) Autofahren heisst aber auch Rücksicht auf andere und natürlich auf sich selbst und die Insassen im eigenen Wagen nehmen, bedeutet also, das hohe Verkehrstempo nicht nur möglichst, sondern unbedingt ohne Risiko einhalten. Man soll forsch fahren, aber nicht frech, schnell fahren, aber nicht unvorsichtig. Das setzt aber doch Können voraus?! Von Stephan von Szenasy. Erscheint jeden Dlcnstnfl und Freiiao Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern G&sehansstette Zürich: Ldwenstrasse 51, Telephon 39.743 Und was heisst nun « Können »? Ein Könner ist nicht der, der zu irgendetwas befähigt, talentiert ist. Ein Könner ist vielmehr nur der, der ausser dem Talent auch die Schulung, die Selbstdisziplin und den klaren Kopf hat. Das bedeutet mit anderen Worten, dass nur ganz wenige Menschen Könner auf einem bestimmten Gebiet sind. Es mag vielleicht paradox klingen, wenn man sagt, dass es sich viel eher verschmerzen lässt, wenn ein Künstler, ein Techniker, ein Rechtsanwalt kein Könner ist als ein Automobilist. Man kann wohl Prozesse verlieren, eine Konstruktion verhauen, eine Arie falsch singen und dadurch irgendwelchen Beteiligten oder Interessierten finanziellen Schaden zufügen, man kann aber nicht Unheil an Leben und Gesundheit anderer anrichten, wie dies ein unvernünftiger und unerfahrener Fahrer jede Minute kann. Darin liegt das Entscheidende: im Verkehr so zu fahren, dass man jeden Augenblick einer plötzlich geänderten Situation Herr zu werden vermag. Was dazu gehört? ' Beherrschung des Fahrzeugs, aber auch Beherrschung des eigenen Ichs. Ruhig Blut in jeder Lage! Nicht erschrecken! Der Schreck darf vielmehr erst hochkommen, wenn die brenzlige Situation längst geklärt ist. Ständig, jede Sekunde heisst es sich im Klaren darüber sein, dass man ein Instrument in der Hand hat, das, richtig eingesetzt, einen Segen für die Menschheit verkörpert, hohen wirtschaftlichen Nutzen bringt, viel Freude, Zerstreuung und Erholung bietet, auf der anderen Seite aber in der Hand eines Wildlings eine Quelle dauernder Gefahr für andere bedeuten kann. Aber beschäftigen wir uns jetzt mit den tatsächlichen Dingen des Fahrbetriebes. Haben Sie eine freie, gerade Landstrasse vor sich, dann ist es selbstverständlich, dass Sie aufdrehen. Ebenso selbstverständlich ist es aber, in geschlossenen Ortsteilen oder wenn an einer Landstrasse knapp am Strassenrand Häuser stehen, besondere Vorsicht walten zu lassen. In erster Linie um der Kinder willen: Jugend kennt keine Tugend! Jeder, der schon einige Zeit hinter dem Steuer eines Wagens verbracht hat, wird sich mit etwel- eher Unbehaglichkeit jener Momente erinnern, da sich plötzlich eine Haustür öffnet und ein verspieltes Kind, an nichts denkend als an seine gute Laune, förmlich in die Strasse hineinschiesst. Mit dieser Situation ist jede Minute zu rechnen, solange man zwischen Häusern fährt, an Häusern vorbeizieht oder spielende Kinder sichtet. Eine Kurve etwas anzuschneiden, um sie in hohem Tempo nehmen zu können, ist ein Zeichen guter Fahrtechnik, aber nur solange, als diese Kurve sich wirklich voll übersehen lässt. Trifft das nicht zu, dann begeht der Fahrer ein Verbrechen an der Menschheit, wenn er unbedacht um die Ecken zischt. Auf freier Landstrasse ein langsameres Fahrzeug auch in hohem Tempo zu überholen und nicht erst lange zu zögern, das Manöver durchzuführen, diese Forschheit birgt keine Gefahr in sich, aber des Leichtsinns macht man sich schuldig, sofern man zur Ueberholung ansetzt, trotzdem man sieht, dass die Strasse nicht frei ist, wenn man sich unmittelbar vor oder in einer unübersichtlichen Kurve befindet — kurz gesagt, überall, wo INSERTI ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril lnserafpnsehluss 4 Tane vor Erscheinen der Kummer Genfer Salon 1038. Wir berichten heute über: Fahrkomfort. Die Sternfahrer unterwegs nach Genf. Rundgang durch die Stände. Bilder: Deutsche Wagen am Salon S. 10. Beilage: (Photo Wassermann. Genf.) keine Möglichkeit besteht, mit einem Blick zu übersehen, ob das Ueberholungsmanöver sich wirklich vollkommen gefahrlos praktizieren lässt. (Schluss Seite 2.) Kleiner Film der Salon-Eröffnung Ehrentafel der Jubiläumsmarken: Von vorne links nach hinten erkennt man die Herren Hof'er (D.K.W.), Roux (Studebaker), Fleury (Peugeot), Kramer (Peugeot), Berger (Talbot). Rechts von hinten naoh vorne: Die Herren Stemmer (Bosoh), Graf (Citroen), Wieland (Safia), Ramseier (Lancia), A. Goy (Delage). (Photo Geiselhard, Genf.) Auch Automobile können in flammende Begeisterung für den Salon ausbrechen. Wir haben das selbst erlebt und schwören jedem einen Eid darauf, der's nicht glaubt. Irgendwo in der Gegend des Murtensees begab es sich, dass uns plötzlich ein seltsamer Benzingeruch die Nase kitzelte. Anschliessend entstieg der Motorhaube ein verdächtiges Räuchlein und unvermittelt quoll der Lack besagter Haube wie ein schwammartiges Gebilde in niedlichen Blasen auf. Mit einem Ruck waren wir draussen, rissen das Ding auf und einige Decken von den Hintersitzen, um dem Vergaserbrand zu Leibe zu rücken. Denn das war's, ein netter, kleiner Vergaserbrand mit allem Komfort der Neuzeit. Die Löschungsaktion wurde zwar erfolgreich bewerkstelligt, aber mit dem Fahrplan, den wir uns so fein säuberlich zurechtgelegt, war es nun Essig. Da sassen wir also fest wie eine auf Grund gelaufene Fregatte, kratzten uns einen Moment nachdenklich am Hinterkopf, aber uns durch die Tücke des Objektes kleinkriegen zu lassen, daran dachten wir nicht. Vermöge der wohltätigen Einrichtung des Telephons wurde eine Hilfsexpedition requiriert und alles, alles war wieder gut. Nicht einmal unser seelisches Gleichgewicht hatte das brenzliche Intermezzo fühlbar zu erschüttern vermocht. Und jetzt: zweifeln Sie noch immer daran, dass auch ein Wagen in feurigen Enthusiasmus für den %Salon auszubrechen imstande ist? Von uns aus hätte er zwar seiner Freude darüber, dass er nach Genf mitgenommen wurde, in einer etwas weniger hitzigen Form Ausdruck geben dürfen, aber Automobile führen anscheinend ein stark eigenwillig betontes Innenleben. Item, die Lemanstadt und das Palais des Expositiohs sahen uns noch immer zeitig genug in ihren Mauern, um die Stimmung und die Situation unmittelbar vor dem Aufgehen des Vorhangs zu beschnüffeln und die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. «Winter- Salon» hat man die diesjährige Schweizer- Heerschau des Automobils genannt, weil der Truppenzusammenzug einen Monat früher als üblich erfolgt und sich mitten im Hornung abwickelt. Gerade weit her ist's indessen mit diesem Winter nicht, sofern man sich ihn wenigstens mit seiner wichtigsten Zutat, dem Schnee, vorstellt. Der hat sich nämlich auf die umliegenden Höhen zurückgezogen und liefert der Stadt selbst nur hin und wieder eine Abschlagszahlung in Gestalt vereinzelt auftretender Gestöber. Dafür entschädigt die Wetterregie mit einer ausgesprochen frischen Bise. Und vor dieser windigen An-