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E_1938_Zeitung_Nr.014

E_1938_Zeitung_Nr.014

BERN, Montag» 14. Februar 1938 4. Sa.on-Nummer Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: inifU« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich F*. 10.— Aueland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniailversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit insassenversicherune) vierteljährlich Fr. 7.50 Folgt den Worten nun endlich die Tat? „Vom Standpunkt der Landesverteidigung aus haben wir an der Erhaltung und Vermehrung des privaten Fahrzeugbestandes das grösste Interesse". (Bundesrat Minger am Genfer Salon 1938.) Wieder einmal steht das Automobil für einige wenige Tage im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. In der Stadt Calvins hat die 15. Internationale Automobilausstellung ihre Pforten geöffnet. Wieder einmal vollzog ein Vertreter der obersten Landesbehörde den symbolischen Akt des Banddurchschneidens, fand einer unserer Bundesväter Worte der Anerkennung für das Motorfahrzeug und seine Aufgaben. Je nach Temperament und Gemütsverfassung, d. h. verwundert, resigniert bis verbittert mag der Automobilist diesen Ausführungen gefolgt sein. Und man kann sie ihm gerechterweise nicht verdenken, diese ganze Skala der Gefühle! Denn gerade auf dem Gebiete der Automobilwirtschaft gähnt seit Jahren zwischen den Worten und Taten hoher und höchster Persönlichkeiten eine unüberbrückbare Tiefe. Man braucht nur ein wenig zurückzublättern im Bande der offiziellen Salonreden unserer hohen bundesrätlichen Vertreter, um festzustellen, dass bis heute selbst den mutigsten Worten nie die entsprechende Tat gefolgt. Ganz im Gegenteil : Wert und Bedeutung des Automobils, die einer seiner Vertreter in Genf offiziell anerkannt, hat das Gesamtkollegium in der Folge durch seine Taten regelmässig desavouiert. Man gestatte uns, nur ein paar wenige bundesrätliche Feststellungen zu zitieren, die anlässlich von Saloneröffnungen sind: * gefallen Bundesrat Musy 1925: «Dio Erhebung des Bonzinzolles ist nicht eine einmalige fiskalische Massnahme des Bundes.» Bundesrat Pilet 1932: «Neigt man heute nicht zur Auffassung, dass die Worte dio Taten verdrängen und man die Probleme nur mu« mit Phrasen zu lösen sucht?» Bundesrat Schulthess 1933: «Wieder einmal mehr werden wir uns der wirtschaftlichen Bedeutung des Automobils bewusst und bestätigt finden, dass es berufen ist, im moder* nen Verkehrsleben die hervorragendste Rolle zu spielen. Ueberdies verschafft seine Verwendung direkt und indirekt Tausenden eine Arbeitsgelegenheit, die heute besonders willkommen ist.» Bundesrat Baumann 1935: «Ich bin sicher, dass der diesjährige Salon neuerdings ein packendes Bild geben wird von der Bedeutung der Motorfahrzeuge und Fahrräder für den Verkehr, für Handel und Industrie und für unser gesamtes wirtschaftliches Leben, wie auch von den Fortschritten, die auf diesem Gebiete wiederum erzielt worden sind.» Bundesrat Obrecht 1936: «Wie Sie zahle ich für den Liter Benzin meine 43 Rappen. Als ich kürzlich an einer Tankstelle anhielt, erinnerte ich mich an das kleine Schildchen, das in den Jahren 1927/28 aufgehängt war und das einen Preis zwischen 46 und 55 Rappen verkündete. Glauben Sie, dass in jener Zeit die Zahl der Automobilisten zurückgegangen sei, wie man uns heute in Aussicht stellen will? Im Gegenteil.» Bundesrat Motta 1937: •Es ist jedoch klar, dass dieses schwerwiegende Experiment (Abwertung) nur unter gewissen wesentlichen Bedingungen gelingen kann: Wiederherstellung des Gleichgewichts in den Bundesfinanzen, Rückerstattung eines guten Teiles Freiheit an die Initiative der Industrie und des Handels, Zurückführung des Staates in seine natürlichen Funktionen, Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Behörden und Bürgern durch gewissenhafte Achtung der verfassungsmässigen Ordnung.» Dies Jahr hat nun der Chef des Militärdepartementes, und zwar mit Recht, festgestellt, es sei der Bundesrat zur Erscheint jeden Dienstag und Frrllan Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gflbi- U«te" REUAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck 111 414 Telegramm Adresse: Autorevue. Bern GeschiftsMelii- Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Hauptzielscheibe der Kritik geworden. Tatsache ist ferner, dass diese Entwicklung nicht nur nach innenpolitischen, sondern in viel stärkerem Masse noch nach aussenpolitischen Gesichtspunkten beurteilt, als unerfreulich registriert werden muss. Trifft diese Kritik aber" den Bundesrat wirklich unverschuHetermassen oder hat er sie nicht — was das Gebiet der Automobilwirtschaft anbetrifft — vielmehr durch die Behandlung, welche er den schweizerischen Bundesrat Minger durchschneidet das Band Benzinkonsumenten angedeihen Hess, direkt heraufbeschworen ? Wir erinnern nur an die versuchte Sanierung der eidg. Alkoholverwaltung via Spritbeimischung und an den dringlichen Bundesratsbeschluss vom 25. Juni 1935, der die Erhöhung des Benzinzolls von 20 auf 28 Fr. pro 100 kg zur Folge hatte. Im übrigen stellen auch diese beiden Massnahmen nur Glieder einer langen Kette dar, denn unsere oberste Landesbehörde verstund es seit Anbeginn vortrefflich, die Motorisierungswelle den ewig leeren Kassen des Finanzdepartementes nutzbar zu machen. Solange als die schweizerische Automobilwirtschaft die ihr aufgebürdeten Fiskallasten ohne allzu grosse Einschränkung der Geschäftstätigkeit zu tragen vermochte, erwuchs dieser Politik keine wesentliche Opposition. Von 118,000 Fr. im Jahre 1920 erhöhten sich die Einnahmen aus Benzinzoll auf 35 Millionen Fr. im Jahre 1930 und erreichten 1936 die Riesensumme von 57,4 Millionen Fr. Dass der Automobilist gutmütig und geduldig sich die immer schärfer werdenden Zugriffe des Fiskus bis an die Grenze des Erträglichen zwar murrend und knurrend, aber doch berappend gefallen Hess, hat keine guten Früchte gezeitigt. Die" Begehrlichkeit desselben wuchs ins Unermessliche und est kam so weit, dass Bundesrat Obrecht 1936 in Genf allen Ernstes ausführte: « Aber ich weiss auch, dass die Automobilisten, obschon sie zu Gegenmassnahmen asch bereit sind, denen nicht lange grollen, die sie fiskalisch geärgert haben. Ich kenne ihre Loyalität, ihren Patriotismus, um zu wissen, dass sie sich mit den einmal gegebenen Verhältnissen abfinden werden.» Unterdessen hatte sich die wirtschaftliche Lage unseres Landes weiterhin verschlechtert. Es kam der Tag der- Abwertung unserer Währung: es kam die viel umstrittene Neuorientierung unserer Wirtschaftspolitik. Exportindustrie und Hotellerie erhielten neuen Auftrieb, ja selbst die Bundesbahnen wiesen bessere Betriebsergebnisse aus. An der gesamten inländischen Automobilwirtschaft aber ging die Besserung spurlos vorüber. Ihr Existenzkampf nahm an Schärfe weiterhin zu; ihre Lage hat sich seit der Abwertung 1 noch merkbar verschlechtert. Durch die Gütertransportinitiative wurde innerhalb'des schweizerischen Transportwesens ein weiterer Faktor der 'Unsicherheit geschaffen."'Und der Ausgang der kürzlichen nationälrätlichen Bundesbahndebatte — eine und eröffnet somit den diesjährigen Salon. (Photo M.Wassermann, Genf.) wahre Liebedienerei gegenüber dem Bundesbahnpersonal — lässt die Zukunft von Automobilindustrie und Autogewerbe INSERTI ONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarii Imeratenschlnss 4 Tage vor Rr-ohoinen der Nnmmpr In dieser Nummer: Fridolin: Ce que femme veut... Vor allem Sicherheit. . Durch die Stände des Genfer Salons. Deutsche Wagen unter der Lupe. Strapazenreiche Schnee-Sternfahrt. Bi'der: Französ. Wagen am Genfer Salon S. 5. recht düster erscheinen. Kann es da noch verwundern, wenn Kritik geübt, wenn immer nachdrücklicher auf die Diskrepanz zwischen Versicherungen und getroffenen Massnahmen hingewiesen und das Heil schliesslich von einer fiskalischen Auflockerung auf kantonalem Boden erwartet wird ? Gewiss — die Schuld an diesen unerfreulichen Zuständen trifft nicht den Bundesrat allein, sie ist vielleicht nicht einmal zum grössten Teil auf dessen Konto zu buchen. Zahllose Einflüsse machen sich hier geltend; die verschiedenartigsten Umstände wirken mitbestimmend. Da ist z. B. die Gütertransportinitiative. Ihr Initiant, ein hoher Funktionär der SBB, fiel Bundesrat Pilet — Vorsteher des eidg. Post- und Eisenbahndepartements — in den Rücken, nur weil dessen Verkehrsteilungsvorschlag der Schiene zu generös erschien ! Oder da ist der Nationalrat, der mit überwältigendem Mehr ienem Bundesbahn-Sanierungsvorschlag zustimmte, welcher das vielzitierte geflügelte Wort : « Die Schweizerbahnen dem Schweizervolke» durch das abstimmungspolitisch zugkräftigere : « Die Bundesbahnschulden dem Schweizervolke, die Schweizerbahnen aber den Eisenbahnern» zu ersetzen trachtet. Damit aber hat [der Nationalrat die Tonart der bevorstehenden Auseinandersetzungen zwischen Schiene und Strosse so ziemlich festgelegt. Nichtsdestoweniger kann aber alilein der Bundesrat die scheinbar noch immer in Niemands-Hand liegende Verteidigung der schweizerischen Automobilinteressen wirksam durchführen und im Interesse unserer Wehrbereitschaft tut endliches Han- Die Sieger der Schnee-Sternfahrt Die Mannschaft der Sektion Montagnes-Neuchäteloises des A.C.S., welche in der ersten Schweiz. Schnee-Storrfahrt den Dr.-Mende-Wanderpreis gewonnen hat vom Stift des Mailänder Karikaturisten Boni festgehalten. Von links nach rechts: Willy Moser (Fiat). Pierre Haefeli (Citroen) und Jean Stich (Fiat). Letzterer ist zugleich Sieger im Gesamtklassement, indem er mit 939,83 Punkten die höchste Punktzahl auf sich vereinigte.