Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.014

E_1938_Zeitung_Nr.014

dein dringend not. Denn

dein dringend not. Denn im Rahmen der von der ETH veranstalteten Vorträge über die kriegsvorsorglichen Massnahmen unseres Landes stellte de Kommandant unserer Motortransporttruppen fest, dass beispielsweise die Deckung des infolge der neuen Truppenordnung von 400 auf 1200 Mann angestiegenen Bedarfes an Motorfahrerrekruten grössten Schwierigkeiten begegne und bereits für die Wiederhohmgskurse des Jahres 1938 nicht weniger als 1000 Motorfahrer fehlen ! Die Aufgabe ist undankbar, das sei unumwunden zugegeben. Die im Interesse der Landesverteidigung geforderte Vermehrung des privaten Motorfahrzeugbestandes wird nämlich nur auf Grund eines Abbaus der kantonalen Pauschalsteuern und einer erheblichen Reduktion des Säulenpreises für Benzin und Rohöl zu erreichen und aufrecht zu erhalten sein. Doch unter dem Druck der aussenpoilitischen Verhältnisse, die sich rund um unsere Grenzen in unheimlichem Tempo verschärfen, wird schliesslich selbst unser Finanzminister seine im August des letzten Jahres in Vevey in die Diskussion geworfene Frage : « Ob nicht ein gewisses Uebermass an Automobilbetriebsamkeit der Korrektur bedürftig geworden sei ? » einer Revision unterziehen müssen. Bundesrat Obrecht dürfte die Statistik des schweizerischen Motorfahrzeugbestandes über das Irrige seiner 1936 vertretenen Auffassung von einer weiteren anhaltenden Zunahme des Autombilbestandes bereits aufgeklärt haben. Wir möchten uns freuen, dass Bundesrat Minger anlässliche der diesjährigen Eröffnung des Genfer Salons die Bedeutung der Motorisierung für die schweizerische Landersverteidigung kräftig unterstrich. Wir möchten so gerne — doch uns quälen Zweifel. Oft schon fanden Vertreter unserer obersten Behörde in Genf anerkennende Worte für die Motorisierung, zeigten sie sich überzeugt von deren Bedeutung für Wirtschaft und Verkehr. Und doch wurde nachher mit Hilfe der Dringlichkeitsklausel der Benzin2oll in einem Ausmasse erhöht, das eine schwere Schädigung des Autögewerbes nach sich zog. Wohl sprach Bundesrat Pilet 1932 davon, ' Ein vielgebrauchter, aber auch oft missbrauchter Begriff. «Vor allem Sicherheit» denkt der eine und lässt sich einen dicken «Räumbalken» vorn an seinen Wagen bauen. Da zieht bestimmt der/andere den kürzeren, so lange der sich nicht auch so ein Möbel zugelegt hat. Wettrüsten en miniature. Wobei schon immer das Eisen eine wichtige Rolle gespielt hat. Stahlpanzer umhüllten die Leiber der alten Helden, als sie mit Schwert und Speer bewaffnet Schlachten schlugen. Stahl ist heute noch das Material, womit wir uns zum Schutz umgeben, wo dies notwendig ist, im Frieden und im Krieg. Nur dass jetzt das Erz nicht gar so selten ist wie einst. Es steht uns tonnen-, hunderttonnenweise zur Verfügung. Als vor zwei, drei Jahren die Entwicklung der Stahlkarosserien von Personenautomobilen soweit gediehen war, dass die Seitenwände, die Vorder- und Rückwand, die Säulen und Dachwölbung eine zusammengeschweisste Einheit bildeten, die abgesehen von den Fensteröffnungen einzig oben noch offen war, beschloss man in Amerika, auch diese Lücke im «Familienpanzer» zu schliessen. Das Stahldach kam, erst vielfach angefeindet, weil es zu heiss werde und dröhne, jetzt allgemein eingeführt, da diese Uebelstände sich beseitigen Hessen. Schwierigkeiten sind da, um überwunden zu werden. » In die Fensteröffnungen aber steckte man erst vorn und bald ringsum Sicherheitsglas, das Schutz und Aussicht.gleichermassen gewährt und zudem bei Unfällen nicht verletzen kann. Eine neue Industrie ist aus dem Boden gewachsen. Der Markt offeriert heute verschiedene Arten von splitterfreiem Glas: solches, das man durch Abschrecken aus normalem Glas herstellt und anderes, das aus 9.00 Uhr: Eröffnung der Ausstellungsräume. Eintrittspreis Fr. 1.50 (inkl. Steuer). 10.00 Uhr: Tagung der Autosektion Genf des TCS. 12.30 Uhr: Mittagessen des Rotary Club (Restaurant des Salons). 19.30 Uhr: Nachtessen der Autosektion des TCS. 23.00 Uhr: Torschluss. Konzert von 11.30 Uhr.bis 12.30 Uhr, von 16.00 Uhr bis 18.30 Uhr und von 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr. dass die Probleme nicht mit Worten, sondern durch Taten zu lösen seien. Aber trotzdem im Juni 1936 die Wichtigkeit des privaten Motorfahrzeugbestandes für die Armee von offiziellej Seite erstmals öffentlich hervorgehoben worden war, sind jenen Warnungen bis heute keine entsprechenden Massnahmen gefolgt. Seither ist das Problem der Heeresmotorisierung mehr und mehr in den Mittelpunkt gerückt; die Belange unserer Landesverteidigung stehen bei allen Entscheidungen in vorderster Linie. Und doch konnte noch Ende 1937 ein prominentes Mitglied der politischen Partei unseres Wehrministers in der «Schweiz. Bauernzeitung» schreiben: «Verkehren noch nicht genug Autos auf den Strassen, muss der Strassenverkehr immer dichter werden, so dass schliesslich der Bauer, seine Tiere und seine Fuhrwerke kaum mehr Platz haben.» Es genügt nicht, das Glas auf die Prosperität des schweizerischen Autogewerbes, der schweizerischen Automobilwirtschaft zu erheben! Weder dadurch noch durch die besten und treffendsten Worte lässt sich die verzweifelte Lage dieser Erwerbszweige in günstigem Sinne beeinflussen. Da helfen nur Taten. Bundesrat Minger hat in Genf erklärt, dass an der Erhaltung und Vermehrung des privaten Motorfahrzeugbestandes vom Standpunkte der Wehrbereitschaft aus alles Interesse bestehe. Möge es ihm kraft seines Amtes als Chef unseres Militärdepartements nun gelingen, die hierfür nötigen Voraussetzungen zu schaffen, möge es ihm vergönnt sein, seinen Worten die Tat folgen zu lassen! mehreren sandwichartig aufeinandergeklebten Schichten besteht. Man hat darauf Bedacht genommen, die Sicht zu verbessern und besonders Blendung nach Möglichkeit zu verhindern. Hiezu dienen einerseits die Blendschirme über der Windschutzscheibe, die sich herunterklappen lassen, sowie die Blendschutzstoren anderseits, die sogar schon bei Kleinwagen wie etwa beim kleinen Ford serienmässig eingebaut werden. Sie lassen sich vom Fahrer durch einen Schnurzug betätigen. Dank besserer Anordnung der Instrumente und Bedienungsorgane, die mehr in der Nähe des Lenkrades zusammenrücken, brauchen sich die Hände des Fahrers in keinem Falle mehr weit vom Volant wegzubewegen. Ein grosser Vorteil, wenn mal «Not an den Mann kommt», wenn ein Stein im Wege droht, uns das Lenkrad aus der Hand zu schlagen! Bodenwellen machen ihm ja längst schon keinen Eindruck mehr, seit man gelernt hat, auch bei starren Vorderachsen eine exakte Lenkgeometrie zu schaffen. Hiebei übernehmen an Stelle der Blattfedern zwei am Rahmen angelenkte Hebel die Uebertragung der AUTOMOBIL-REVUE MONTAG. 14. FEBRUAR 1938 — N° Programm des Genfer Salons DIENSTAG, DEN 15. FEBRUAR: ERHEIT! MITTWOCH, DEN 16. FEBRUAR: 9.00 Uhr: Eröffnung der Ausstellungsräume. Eintrittspreis Fr. 1.50 (inkl. Steuer). 12.00 Uhr: Mittagessen und 14.30 Uhr: Sitzung der Kommissionen Schweiz. Propaganda-Organisationen zu Gunsten der einheimischen Produktion (Restaur. des Salons). 19.00 Uhr: Torschluss. Konzert von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 16.00 Uhr bis 18.30 Uhr. Schubkräfte. Es ist dann ein leichtes, die Länge der Lenkschubstange passend hiezu abzustimmen. Von grossem Vorteil für die Sicherheit ist immer die Bremse. Spielend beschleunigen wir auf vielleicht hundert Kilometer per Stunde oder mehr, "sollten aber anderseits auch in der Lage sein, den Wagen ebenso leicht wieder innert kürzester Distanz zum Stehen zu bringen. Sonst kann uns die Rasse unseres Wagens unter Umständen einen bösen Streich spielen. Doppelt genäht hält auch hier am besten; zweifache Sicherheit ist höchst erwünscht. Um sie zu erreichen, sind verschiedene Wege beschritten worden. Der Möglichkeit eines Versagens der hydraulischen Bremse wegen Bruchs einer Rohrleitung begegnete man dadurch, dass Vorderund Hinterräder je einen eigenen Bremshauptzylinder erhielten, die tandemförmig angeordnet sind, so dass ein Druckausgleich stattfindet. Durch Versagen des einen Teils des Bremssystems wird die Wirksamkeit des andern nicht berührt. Eine originelle Lösung zum gleichen Zweck trifft man bei der amerikanischen Firma Hudson. Ihre Wagen verfügen über hydraulische Vierradbremsung mit mechanischer Reserve. Tritt man das Pedal ganz nieder, so wird auch die zusätzliche mechanische Bremsübertragung wirksam, so dass also die Bremse Ce que femme veut Von Fridolin. Ja, ja, die Amerikaner! Die haben's längst heraus, wo man mit einer zugkräftigen Reklame ansetzen muss. Bei uns biederen Mitteleuropäern wiegt man sich immer noch im schönen Märchenglauben, der Mann bestimme, ob, wann und was für ein Automobil angeschafft werde. Immer vorausgesetzt, es ist eine Gattin vorhanden, die besagten Märchenglauben eben erst zu einem solchen macht. In allen andern Fällen, bei Junggesellen zum Beispiel, da soll es fast immer wirklich der Mann sein, der entscheidet. Also eine Gattin muss her, sonst nimmt sich die ganze, oben dargelegte Spielregel so ungefähr wie ein Kegelspiel ohne Kugel aus. Allerdings bleibt bei all dem die Frage offen, wer es nun besser hat? Der Amerikaner, der mit nüchtener Offenheit zugibt, dass ja doch die Frau entscheidet und der darum gerade für Automobile in Frauenzeitschriften besonders klotzig inseriert, oder der tit. Mitteleuropäer, der sich seinen Märchenglauben nicht nehmen lässt, der andern Männern gegenüber die Männerarchie hochhält, trotzdem [a einer vom andern ganz genau weiss, dass — na ja — eben! Da war also eine gewisse Frau Balduin. Unstet, wie Frauen zeitweilig zu sein pflegen, besonders wenn es sich um Neues im Gegensatz zum Alten handelt, fand sie, es sei nun endlich an der Zeit, den sechs Jahre lang gehegten und gepfleqten Familienomnibus diskret gegen ein modernes Mitglied des pp. Strassenverkehrs umzutauschen. Sie wies daher mit dem Zeigefinger auf eine Plakatsäule, während sie mit der andern Hand in höchst eindringlicher Weise Balduins Rockaufschlag zu fassen kriegte. Auf besagter Plakatsäule klebte ein Plakat und dieses lud den Beschauer ein, seine Schritte, bzw. die Vorderräder seines alten Wagens gen Westen und nach Genf zu lenken, ' !wo der Automobilsalon sich bemühen werde, ihm eine geradezu verwirrende Auswahl vorzulegen. Die Qual der Wahl wurde "sozusagen garantiert. Balduin war nicht sehr erbaut von solchen Aussichten. Er hing an seinem «bereits neuen> Wagen und fand überdies eine Reise nach Genf recht unnötig im gegenwärtigen Zeitpunkt, kurz, er wehrte sich, wie er konnte. Wenn man schon einen Wagen habe, mit dem man zufrieden sei, so gehe man doch nicht extra noch einen Automobil-Salon besuchen und wage sich mitten in den Rachen der Versuchung hinein! Frau Balduin fragte etwas spitz, ob denn nicht alle verheirateten Männer, wenn sie nach Paris kämen, sofort ins «Casino de Paris» rennten? Balduin begriff sehr gut und erwiderte darum, das sei etwas ganz anderes! Kurz und gut: Frauen wissen, wie man es anpacken muss, Ehemänner können sich mit einem minimen Aufwand an Phantasie selbst vorstellen, wie es wohl kam, und heiratslustige junge Männer sollen sich eine Lehre daraus ziehen: Am nächsten Morgen beim F,rühstück war die Reise nach Genf beschlossene Sache. Einen Tag benötigte Frau Balduin noch für die dringendsten Kleidereinkäufe. Man sprach doch französisch in Genf, wie in Paris. Also musste man gut angezogen sein. Balduin fragte sich später oft, ob er diese Auslagen unter «Automobil» oder unter «Reisespesen» verbuchen sollte. Morgens gegen 10 Uhr wurde also gestartet, und zwar mit dem eigenen, alten Gefährt. So rollten denn dreierlei Gefühle auf der Landstrasse dahin. Frau Balduin nahm die Sache leicht, denn für sie gab es nur noch den neuen Wagen. Elegant, flott, modern. Und überdies feierte sie ja ihren hundertachtundsiebzigsten grösseren Sieg seit ihrer Verheiratung. Balduin selber empfand anderes. Er trauerte. Er war sich taghell bewusst, dass er wohl die letzte Fahrt mit seinem alten Freund absolvierte. Hoffnung hält den Menschen aufrecht und so hoffte er immer noch, irgend etwas werde dazwischenkommen, man werde seinen Wagen vielleicht nicht austauschen wollen oder man fände nichts Passendes — na, auf jeden Fall schonte er seinen treuen Weggenossen heute besonders. Er schämte sich vor ihm und kam sich vor wie einer, der sein nichtsahnendes Kind zum Zahnarzt schleppt. Der Wagen selber, schlau wie Automobile sind, hatte es natürlich längst gemerkt und kam sich vor wie das bewusste Tier, das man zur Schlachtbank führt. Und damit man wieder einmal sieht, wie gut Automobile im Grunde ihres Herzen sind: Es gab sich heute ganz besondere Mühe, liess die Kupplung kein einziges Mal schleifen am Berg, quietschte fast nie in den Linkskurven und klingelte nur einmal, bei einer sehr starken Steigung — alles nur, damit mpn es dann wenigstens recht lange vermisse und mit Reue seiner gedenke. auch im unwahrscheinlichsten Fall der Fälle «antwortet». Fragt sich noch, was vielleicht im Wageninnern vorgekehrt werden könnte, um bei einem Zusammenstoss, wenn der «Wageninhalt » etwas durcheinanderpurzelt, möglichst ungeschoren davonzukommen. Da sei vor allem auf die neuen abgefederten Lenkräder hingewiesen, die für den Fahrer einen gewissen Schutz bieten. Um den Mitfahrer davor zu bewahren, mit der Windschutzscheibe Bekanntschaft zu machen, ist schon empfohlen worden, vor ihm am Instrumentenbrett eine Haltestange anzuordnen, einen « Angstgriff», wenn man so sagen will. Die Firma Adler ist die unseres Wissens erste Marke, welche eine derartige Einrichtung vorgesehen hat, und zwar an ihrem 2,5-Liter- Modell. Auf der andern Seite geht die Tendenz dahin, möglichst alle vorspringenden Ecken oder Hebel und dergleichen irgendwie versenkt anzuordnen. Dies gilt fürs Armaturenbrett so gut wie für die Seitenwände mit ihren verschiedenen Fensterkurbeln. Chrysler und andere haben sich dieser Möglichkeit in weitestem Umfang angenommen. So hat denn der Wunsch nach Sicherheit einen ganz beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung des Automobils ausgeübt und wird auch weiterhin richtunggebend daran mitbeteiligt sein. -fw- Schon stand es vor den weiten Hauen des Automobil-Salons in einer grossen Versammlung von Kollegen und Leidensgefährten. Sehr reserviert taten sie alle. Keines sprach ein Wort. Automobile sind stolz und tapfer. Der gnze Parkplatz hatte etwas Schlachthausähnliches. Er war Zwischenstation. Hie Salon — hie Autofriedhof. Dazwischen liegt der Parkplatz vor dem Salon. Unser Paar aber schob sich mit der bunten Menge in die grossen Hallen hinein. Holz, Eintrittskarten, Stoffe, Sicherheitsbeamte, Palmen, frische Lackgerüche, Kokoslaüfer — kurz eine Ausstellung. Man hatte sich fest vorgenommen, die Sache mit System zu betreiben und eines nach dem andern gründlich anzusehen und zu prüfen. Aber wie es so geht... Vorerst liess man sich ein wenig von der Menge treiben und besah sich wahllos dies und das. Mit den Lastwagen war Frau Balduin schnell fertig, weshalb Balduin deren Prüfung auf später zu verlegen beschloss. Und nun blitzte die Unzahl von Personenwagen von allen Seiten. Die ersten zwei oder drei Modelle wurden gebührend bewundert. Aber dann fing man bald an, mit weniger Aufmerksamkeit durch die Reihen zu schlendern. Es musste schon etwas ganz Tolles sein, bis man bei diesem ersten Rundgang irgendwo länger verweilte. Ueberall lockte es. Der Lack. strahlte und duftete, Chrom blendete bläulich, wo das Auge hinfiel, und die Cabriolet-Dächer spannten sich makellos und schimmernd wie eitel Seide. Die Verkäufer waren frisch und angenehm erregt, trugen weisse Kragen und lächelten in drei bis vier .Landessprachen. Mit Hilfe ihrer Objekte lockten sie wie die Sirenen. Wie junge Prinzen standen sie herum. Anstatt Dukaten warfen sie Berge von Papier und die Menge. Auch Balduins 53.537: Die Telephonnummer des Standes der « Automobil-Revue» am diesjährigen Genfer Salon. Haben Sie Mitteilungen für die Redaktion oder Administration zu machen ? Oder wünschen Sie eine Auskunft ? Dann Wtte: 53.537. blieben nicht verschont. Die_ Burschen hatte es los, ihre Prospekte und Broschüren aus der Hand zu bekommen. Besonders Frau Balduin sammelte nicht ohne Eifer. Ein sengender Blick in des Verkäufers Augen und — schwupps — hatte sie ein Pfund teurer Buntdrucke im Arm. Und Balduin durfte schleppen. Balduins Interesse wurde wach und er begann sich für den technischen Teil der ausgestellten Wagen zu interessieren, während Frau Balduin mehr das Leder und die Karosserien mit liebkosenden Blicken bewunderte. Das führte natürlich bald zu Uneinigkeiten, weshalb Balduin seine holde Gattin davon überzeugte, dass sie morgen unfehlbar zum Coiffeur müsse. Es gelang — und er schwelgte den ganzen Morgen unter den Wagen und ihren Motorhauben herum. Das süsse Gift des Salons raste in seinen Adern. Er war rettungslos erwischt. Wenn er Abends seinen alten Wagen vom Parkplatz abholte, kam ihm dieser unsäglich muffig und nüchtern vor Noch war der Ehebruch seinem Wagen gegenüber nicht vollzogen, aber, um das oben gebrauchte Bild heranzuziehen : «Balduin hatte das Gefühl, er habe bereits heimlich das ganze Casino de Paris gekauft!» Schmerz und Seelenqual im -Herzen, musste der alte, treue Wagen auch noch die wachsende Last der Prospekte auf seinem Rücksitz dulden. Dann entdeckte Balduin ein neues Rauschgift — noch viel schlimmer als die Ausstellung selbst. Die Probefahrten! Wie der Herbst die Blätter, so streute er eitle Hoffnungen in die Herzen der Verkäufer und absolvierte mit System eine Probefahrt nach der andern. Er raste durch die Strassen wie ein Irrer, jagte den Berg hinan, wie es nur einer kann, der weiss, dass ihm der Wagen ja nicht gehört. Er pfeilte in die Kurven, dass die Reifen um Gnade wimmerten und der Verkäufer beten lernte. Es war herrlich! Dann entschied sich Frau Balduin auf Grund der Farbe für irgend einen Wagen und Balduin war mit der Zeit auch einverstanden. Der Wagen hatte wenigstens einen grossen Aschenbecher. Sofort lieferbar war das Ding auch. Und der alte? Der war schäm- und treulos vergessen! Verlassen! Le roi est mort — Vive !e roi!

11 _ MONTAG. 14. FEBRUAR 1938 AUTOMOBIL-REVUE ur ic cn er on Packard. (Stand 28.) Der Name Packard hat ^ in aller Herren Länder einen ausgezeichneten Klang. Bis vor kurzem war es ausschliessliches Privileg der allerschwersten Börsen, sich einen dieser hochfeudalen Wagen zuzulegen. Durch die Schaffung seines 6 - Zylinder - Motors hat Packard seinen Fahrzeugen vor Jahresfrist einen weiteren Markt eröffnet. Und gleich setzte ein Sturm von Bestellungen ein. Mehr als 65 000 Wagen dieses Typs sind im Laufe eines einzigen Jahres abgesetzt worden, sein 21-PS-iMotor verfügt über eine Bremsleistung von 100 PS. Wie bei den ganz grossen Packard-Modellen sind auch hier sämtliche drei Gänge synchronisiert Die .Abfederung Der Kühler des Packard 1938. (Motor) geschieht hinten durch in Gummi aufgehängte Halbelliptikfedern. Die Vorderräder sind mit Hilfe von Schraubenfedern und Schwinghebeln einzeln abgefedert. Weiter baut Packard zwei 8-ZyIinder-