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E_1938_Zeitung_Nr.016

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG. 18. FEBRUAR 1938 — N° 16 Der Genfer Salon im Bild Praga-Lady-Vierzylinder, 1660 oem, ein prächtiger Vertreter eines Fabrikationspro'grammes, das M» delle von 5 PS bis 19 PS umfasst. Stand von Standard, Ein wundervolles Packard-Cabriolet mit vier Sitzplätzen von Graber. Ansicht des Standes von Lumina. Rechts die neue Reklamefigur für Shell-Oele. - M Ein NOBA-Produkt S xa. jy erbrennstoff Für Ausländer und Ausländsdeutsche gewährt die deutsche Reichsbahn 60% Fahrpxeiserxnässigung, unabhängig von der Mindaadauer ihres Aufenthalts, wenn die Fahrkarten m Ausland erworben werden. Geltungsdauer 3 Monate. Billige Roisemark verringern die Kosten ihres Autenthalts. Atuknnft erteilt: Generalvertretung der Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr, ZÜRICH, Stampfenbachstrasse 14. Schweiz. Gesellschaft für den Import von Pctroleum- Pxodukten: GENF 8, Quai Mont-Blatte Telephon 28.063 NOBA A.-G. BASEL Jakob Burkhardstr. 86 Telephon 31.852 Druck, Cliciies und Verlag: HALLWAG A.-G., Hallersche Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

BERN, Freitag, 18. Februar 1938 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 16 First tote AI es ist nicht richtig, dass die Klewenalp ob aufholt, ganz abgesehen davon, dass Ski und Skikostüm Beckenried ihren Namen daher hat, dass man längst nicht zum Skilaufen verpflichten, leicht dort oben kleben bleibt; aber es könnte sondern für gewisse Orte und Gebiete einfach doch so sein. Das Restaurant ist ausgezeichnet, der Dress sind, so wie der Cut für die Teilnahme die Aussicht fabelhaft, der Schnee immer gut und an einer Hochzeit de rigueur ist, ohne dass man die Abfahrts- und Tourenmöglichkeiten sind derart deswegen selbst heiratet. Man sieht sich das eindrucksvoll, dass der Skifahrer, der einmal hier war, sich das Gebiet sofort in seine Privatsammlung Ding nur an und freut sich dabei in seinem Festgewändlein, und so ist's auch mit manchen Ski- der Wintersportsparadiese, und zwar in denfahrern und Skifahrerinnen auf Klewenalp, die Vorzugs-Katalog, einstellt, und im übrigen natürlich freilich von der generösen Natur rings eine mäch- so bald als möglich wieder kommt. Das isttige Entschuldigung zum Nicht-Abfahren bekom- auch sehr einfach, besonders für den Automobimen: das Bild der Berge und des flußschmalen listen, auch wenn ihm nur wenige HP zur Ver-Seefügung ist so schön, dass man sich nicht davon tren- stehen, denn er braucht weder Pässe nen mag und Klewen für eine ethymologische noch Durchhaltens-Konkurrenz-Wege durchzuspülen, sondern kann von Luzern aus — und wohin Einladung zum Klebenbleiben auffasst: «Fräulein, noch einen Dreier Röten und eine Zigarre !> gelangt ein Autofahrer einfacher und lieber als Natürlich kann man auch Skiwachs verlangen. nach Luzern! — in einer besseren halben Stunde Und dann gewappnet auf das kolossale Bergbild zutreten, das vom Säuglingshang mit der auf larStrasse sozusagen idyllisch komfortabel Ski- nach Beckenried fahren, wo der Bahnhof zur schule links bis zum Brisengipfel (bitr' schön, 2408 Klewenalp steht. Auch von Gersau aus ist dasMeter)! rechts für alle Skitemperamente Raum Ding zu erreichen; wofür gibt's denn die bekannte bietet. Tolle Schüsse von 2000metrigen Gräten, Autofähre über den Vierwaldstättersee? Wenn besinnliches Auf- und Abwandern im Harz der der Wagen dann versorgt ist, hat man die Klewenalptour schon im Sack, denn die Mühe des Hängen, ein wenig Flachlaufen zum Beinestrecken Bergtannen, graziöses Slalomieren an kitzligen Aufstieges auf die 1600 m hoch gelegene Terrasse — das ganze ABC des Skilaufs kann und will hier überm See nimmt einem die Schwebebahn ab, abgewandelt werden in Pulver und Sonne von die mit aller Bereitwilligkeit derartiger technischer November bis in den Mai hinein, wenn die Krokus Errungenschaften ihre Kabine für 2 Dutzend Sonnenhungrige in ein paar Minuten am Seil hinaufmorgens balzt, und die Sennen wieder sich lang- kühn den Sulz durchbrechen, der Auerhahn frühlässt. Elektrisch, mit zwei Motoren zu 82 HP Leisam daranmachen, zu ihren Hütten hinaufzustei- stung und bis zu 50 m über dem Boden, der an anderen Stellen jäh aufschwingt und horizontale Spannweiten des Tragseiles von 833 m mit 361 m Höhendifferenz erlaubt. Das abzufahren, ist recht imponierend. Das erste, was man dann nach dem 3-km-Seilschweben auf Klewenalp droben in der 1600-m- Höhe erblickt, ist eine unvorstellbare Menge Ski, die anscheinend herren- und damenlos im besonnten Schnee stecken. Doch wird man des Irrtums bald gewahr, wenn das höhentrunkene Auge von dem Gipfel rings zu dem Lager der passiven Wlnterspörtler niedersinkt, die auf der Aussichtsterrasse sonnebädeln oder die Skizeit mit einem solennen Kaffeejass vertun oder aus sonstigen Faulenzergründen ihren Brettern eine ziemliche Ruhe gönnen. Warum auch nicht! Die Abfahrt nach Beckenried, wo hinunter zwei Pisten schiessen, ist so gleitig, dass man die Zeit wohl wieder Photo Pfeifer Dem Seil ivaliiii« zu gen, die winters als Skihäuser gedient haben. Denn Hüttenzauber gibt's auf Klewen wie nur in irgendeinem anderen Skiparadies; bis hinüber zum Absturz ins Engelbergertal stehen überall zerstreut Skiheime, worunter das wahrhaft fürstliche Brisenhaus der SAC-Sektion Pilatus mit eigenem Telephon-Anschluss Kultur in die Natur bringt. Primitiver ist Tannebühl, wo der Luzerner Skiclub gerne seine Gäste empfängt und in Weihnachtsnächten einen Lichterbaum in den Schnee steckt, dass die mächtigen Berge rings wie Wächter der Romantik dastehen, w«il -sie plötzlich wissen, was es mit dem Tannenbäumlein und den Kerzen dran auf sich hat und was der arme Lichterschein auf dem Schnee drunten bedeuten will — auf demselben Schn«e, den Skinobs und Skihaserl und Rekordler beglitten haben und der nun plötzlich Gemüt ausströmt! Und damit reicht Klewenalp an die Welt der Wunder heran! J.N. noch andere gute und billige Herbergen. Aber bis zu der Zeit, da der Kurort Davos, der in einem sich über 16 km erstreckenden, weiten, von bewaldeten Bergzügen umschlossenen Hochtal auf 1600 m. ü. M. liegt, entdeckt wurde, vergingen weitere 300 Jahre. Damals erweckten die Mitteilungen Dr. Alexander Spenglers über die Heilkraft des Davoser Klimas berechtigtes Aufsehen. Seither ist der Ruhm, des Kurortes Davos als Lungenheilstätte in alle Welt gelangt. --Allein Hand in Hand mit den Heilwirkungen in den Sanatonen ging, als die langen Hölzer die Berge eroberten, die Bekanntmachung der Kurlandschaft Davos und seiner grossartigen Berggegend. Die alten Davoser Bauern hatten wohl nie geahnt, dass ihre mageren Wildhänge sich zu einem der berühmtesten Sportgebiete entwickeln sollten. Zwischen dem Meierhofer Täli und Parsenn liegt heute noch die tote Alp. Soweit das Auge reicht, wächst kein Gras und nur rote Erde und schwarzer Stein bedecken die steilen Halden. Vor uralter Zeit war nach der Sage dort die schönste und ertragreichste Alp. Das Weidefutter war so/eichlich, dass die Kühe ihrer Milchgiebigkeit halber dreimal am Tage gemolken werden mussten. Der Senn und seine Hirten lebten wie die grossen Herren und verbrachten in frevlerischer Weise ihre Tage, kümmerten sich nach und nach wenig um ihre Pflicht, und ersterer hielt sich eine Geliebte, die er mit dem besten Essen und Trinken sättigte. Als aber sein altes Mütterlein ihn um Zu Anfang des 13. Jahrhunderts war das Hochtal von Davos noch unbewohnt. Darauf siedelten eine Gabe für die dringendsten Bedürfnisse ihres Lebens bat, da schalt er sie von der Hütte weg sich freie Walserleute daselbst an, und um 1550mit groben Worten. Dem armen Fraueli aber erzählte der Geschichtsschreiber Campell, dass stach das Unrecht so tief ins Herz, dass e$ dit mitten in grünen Wiesen die Hauptkirche der ganzen Alp verfluchte. Seitdem ist diese und sind die Landschaft, Johannes dem Täufer gewidmet, Nebentälchen unfruchtbar. Aber in Wirklichkeit einsam stehe. Ausser der Ratswirtschaft gab eshat sich in der Gegend ein grünes, schlangenartiges Steinmaterial, der Serpentin, dort abgelagert. Dieser Serpentin enthält Kieselsäure und Magnesia und ist nun zum grossen Teil verwittert, so dass die steilen Hänge mit der rötlich-schwarzen Masse wirklich einer toten Alpe gleichen. Ein steinalter Mann soll vor 100 Jahren prophezeit haben, dass das ganze Parsenn einmal den Ruhm von ganz Davos in alle Länder trage. So kam es auch. Durch Parsenn ist nicht nur die Landschaft Davos, sondern sind auch alle Dörfer im Inner- und Mittelprätigau ein Ziel für alle Skifahrer geworden. Man kann heute von einer eigentlichen Parsennleidenschaft reden. Neulich hörte ich aus dem Munde eines Engländers, dass er als 50jähriger 50 verschiedene Abfahrten absolviert und sich entschlossen habe, in jedem Winter so oft vom Weissfluhjoch abzufahren, wie er Jahre zähle. Parsenn wird in jedem Frühjahr, wenn die Bahn den fahrplanmäßigen Betrieb einstellt, der Touristikdienst aufgehoben ist und die Rettungswerkzeuge eingezogen sind, seiner früheren Einsamkeit wieder zurückgegeben. Aber die Parsennhütte hat auch sommersüber starken Besuch. Tausende und Abertausende schreiben sich im Lauf des Jahres ins Hüttenbuch. Man muss Davos kennen, um es lieben und schätzen zu können. Man muss seine wunderbare Bergwelt selbst besuchen, muss mit der Parsennbahn auf Weissfluhjoch gewesen sein, muss Ausschau gehalten haben über die trutzigen Dreiund Viertausender,,um ihre Namen nach und nach ins Gedächtnis und ins Herz zu schreiben. Und im Bernbiet: Auf dem Bettelberg ob Lenk. Photo Di. POIZT de B«sta