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E_1938_Zeitung_Nr.016

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12 Automobü-Rem» — N° 16 Hinter den Kulissen des Sporthotels: Chasseiuf plaudert über Berufsgeheimnisse Von J. P. Lötscher Chasseur? Ich blättere im Lexikon: Chasseur — französische und belgische Jäger. Ch. ä pied = Fusstruppen. Ch. ä cheval = Reiter. Ch. d'Afrique = afrikanischer Jäger. Ich hänge mich ans Telephon. «Was ein Chasseur sei», tönt's von drüben her. «Ja du lieber Gott, das ist schwer zu sagen. Das ist so quasi ein Mädchen für alles in den unteren Regionen... Verfügen Sie über die Behendigkeit eines Wiesels? Hm. Parlieren Sie französisch und englisch? Hm. Können Sie gut rechnen? ...» Da der Mann ein Meister im Fragenstellen zu sein scheint, hänge ich ab. Aber ich muss nun eine Stelle haben. Meine Eltern haben nachgerade reichlich genügend Geld für meine Studien ausgeworfen. Also bewerbe ich mich. Wie ein Märchen so schön und. wahrheitsgetreu klingt mein Schreibebrief. «Ob ich auch gewandt sei im Umgang mit feinen Damen», hatte der Kerl am andern Ende des Drahtes noch fragen wollen. Seit meiner Diplomprüfung, die mit einer langen Sehr-gut-Reihe abschloss, habe ich mir die Finger wund geschrieben. Aber es ging trotzdem. So wartete ich in geruhsamer Weise. Wartete und wartete. Wer sich mit der Hartnäckigkeit eines Feldmarschalls aufs- Warten verlegt, der eignet sich mit der Zeit auch ein gewisses Fingerspitzengefühl an, um jedem einlaufenden Brief anzumerken, ob er Zeugnisse und Photo enthalte oder nicht. So steht er da, mit vorzüglicher Hochachtung. Ich springe über drei Stühle, nehme auf Mutters Arbeitstisch eine hockende Lage ein, pfeife, jodle, jauchze. Ein dünnes Brieflein entnehme ich der Enveloppe. Einen Salto mortale schlage in der Küche ich. Ob ich verrückt geworden wäre, apostrophierte die liebe Mama mich und fühlt meinen Puls. Der weist ein rasendes Tempo auf, wie ich die wenigen Zeilen lese: «Wir teilen Ihnen mit, dass wir Sie als Chausseur in unserem Hause engagiert haben. Der Eintritt hat auf Abruf zu erfolgen. Sie erhalten bei uns freie Station and jene Trinkgelder, die Ihnen die Gäste beim Warenverkauf oder für besondere Dienstleistungen verabfolgen. Mit aller Hochachtung: Grand Hotel.» Die neue Nummer bringt: Gipfelsignal oder Zielband? Die Eishockey- Meisterschaften Kompass als Führer auf Touren Hochalpine Skitouren Küttenspiele Preis 30 Rp., an jedem Kiosk Als hochgeachteter hauptamtlicher Chasseur des Grand Hotels nehme ich mir zunächst das Recht heraus, ein respektables Stück Speck herunterzusäbeln. Der lieben Mutter Wangen r5ten sich. Sie gewinnt die Ueberzeugung, dass ihr Liebling mit dem Staatsdiplom doch zu etwas nütze ist. Dann ziehe ich mich in meine Gemächer zurück, beäuge im Spiegel mein Zifferblatt, binde mir einen weissen Kragen und eine feurig-rote Krawatte um und lege mich mit der Ruhe eines echten Moslem aufs Bett. Ein Traumbild ... oder ist es Wirklichkeit ?.., tauchte in meinem Innern auf. Der Direktor des Grand Hotels hat mich doch abgerufen. Abgerufen, ist vielleicht ein Fehler. Das Grand Hotel hat mich doch berufen, berufen zum Chasseur des grössten Luxushauses allerersten Ranges in Europa. Ich klopfe, von einem silberbetressten Empfangsherrn bis zum Beletage begleitet, an die Türe des Direktors. Der springt auf, reicht mir beide Hände hin und bedeutet mir, vor ihm in einem Posterstuhl Platz zu nehmen; reicht mir eine fränkige Havanna, schenkt mir vom besten Liqueur ein und dann, nachdem er mich über die einzelnen Diszipliniert meiner hohen Charge orientiert, geruhe ich diese und jene Frage an meinen Kollegen vom Grand Hotel zu richten... Meine Kameraden auf der Strasse grüsse ich kaum. Die sind für mich Luft. Die warten kraft ihres Diploms auf eine Stelle. Warten und warten, dieweil ich doch zum Chasseur berufen bin, und nur noch des Tages harre, da ich den Marschallsstab zu schwingen habe. Schon habe ich mich in meine bedeutungsvolle Rolle so eingelebt, dass mich eine bange Furcht behängt, die Generaldirektion von Hollywood könnte mich eines Tages dorthin bgr stellen. Natürlich binde ich mir 'seit jenem Tage, an dem meine Berufung erfolgte, zu jeder Mahlzeit eine Serviette um j denn wer weiss, mit welchen Kapazitäten ich im Grand Hotel zu speisen die Ehre haben werde! Eben sass ich wiederum vor dem Spiegel, als Mutters Stimme von unten herauf ertönte: «Schorschli, ein Telegramm für dich!» «Schorschli?» Aber liebe Mama, da darf ich dich schon bitten, mit dem «Schorschli» muss es jetzt ein Ende haben. Bedenke doch, mit welchen Kompetenzen die im Grand^ Hotel mich ausgestattet haben werden!» Die Depesche hatte meinem ganzen Menschen eine solche Eile eingeflösst, dass ich den längst gepackten Koffer nahm, mich nochmals vor dem Spiegel präsentierte und alsdann, nach kurzem Abschiedsgruss, zum Bahnhof rannte, als gälte es dort, ein Riesenfeuer zu löschen. Da der Zug erst in einer halben Stunde erwartet werden konnte, so brüllte ich durchs Telephon, der Direktor 'des Grand Hotels beliebe mich um 17 Uhr 36 zu erwarten. Die sollen doch von meinem Schneid und von meiner Pünktlichkeit vom Parterre bis zum siebenten Stock eine Ahnung bekommen. Erwartungsvoll und bangen Herzens stehe ich im Vestibüle, gucke wie ein mit allen Ehren bedachter Ferientechniker bald ins Restaurant, bald zum Speisesaal hinein, bis mich schliesslich ein befrakter Oberkellner nach meinen Wünschen fragt. Was nunmehr folgt, das Hess mich alle Allüren und auch die Behäbigkeit eines Kurgastes mit einmal vergessen. «Ja so, das ist der Chasseur!» klang es jetzt von verschiedener Seite. Im Nu hatte mich einer mit dem Lift in den obersten Stock in ein winziges Zimmerchen geschleppt. In grösster Eile hatte er mir dort eine schäbige, braune Uniform, die für ein ganz anderes Chasseurformat passte, hingeschmissen, und noch mit grösserer Fixigkeit übergab er mich unten wieder dem Ober, der ohne viel Federlesens ein Tabouret mir zuschob mit einer Menge Rauchwaren. Dann las er mir hastig eine Preisliste vor und sagte das eine nur: «Verkaufen Sie!» Wenige Minuten darauf gellte schon meine Stimme durch das Gewirr der unzähligen Gäste; Zigarren, Zigaretten, Ansichtskarten!» So hatte mein Traum, in dem ich mich gewissennassen als leitende Persönlichkeit aufspielen durfte, ein jähes Ende, aber gleichzeitig eine Wendung zur harten Wirklichkeit genommen, in die ich mich wider alles Erwarten viel rascher einzuleben vermochte, als meine Schüchternheit und Gelassenheit es jemals verraten Hessen. Aber merkwürdig genug: Tausend Lexiköner vermögen nicht den Begriff Chasseur im Grand Hotel gehörig zu definieren. Jeder meiner Tage brachte ein ewiges Einerlei und dennoch wieder tausenderlei Abwechslung. Dem Chasseur werden die verschiedensten und oft auch recht mühsamen Putz- und Reinigungsarbeiten überbunden. Wo eine rasche Hilfe erforderlich ist, legt der Chasseur Hand ans Werk. Er kann um 8 Uhr 23 im Keller und um 8 Uhr 31 an der Arbeit auf dem Dache angetroffen werden. Wie ein gehetztes Wild jagt man den Chasseur im ganzen Hause herum. Jede im Hotel mit irgendwelcher Charge betraute Person bedient sich des Chasseurs und dazu kommen die hunderterlei verschiedenen Wünsche der Gäste. Er ist das willigste Werkzeug im Hause und überall und nirgends anzutreffen. Aber niemand kann und will auf seine Dienste verzichten. Von morgens früh bis abends spät heisst es: «Chasseur, den Boden im hintern Restaurant-spänen, die Treppen reinigen, die Teppiche klopfen!» «Chasseur, rasch mit diesem Paket zur Post und dann mit diesem Check zur Bank!» «Chasseur, hurtig dreissig Flaschen Wein aus dem hinteren Keller und ... nein, zuerst mit diesem Blumenstrauss zur Gräfin Plumpudding aufs Zimmer!» «Chasseur, die Fenster im obern Saal geputzt!» «Chasseur, für eine Stunde zur Garderobe und ans Telephon!» So geht's den ganzen lieben langen Tag : Chasseur hin, Chasseur her, Chasseur überall! Der Ruf nach dem Chasseur durchdringt das ärgste Stimmengewirr im grössten Saal. Und ist er dann nach des Tages Mühen in einer 16- bis 18stündigen Hetze endlich mürbe gemacht, dann weiss er ganz genau, dass irgend ein übernächtigter Gast, dass der Oberkellner oder der Direktor nach dem Chasseur ruft. Selbstverständlich ist er da und zuckt mit keiner Wimper. Er hat, wohlverstanden, immer eine fröh- Kommende Ereignisse I Madame, Zigaretten gefällig? AdeUtoden: 19./20. Febr.: Flecki-Abfahrtsrennen and SUlomrennen für Gäste (Hahnenmoos-Wanderpreis). Arosa: 19. 20. Febr.: Pistolenschiessen und Gewehrmatch. 23. Febr.: Walzerwettbewerb des I. E. CA. auf der Eisbahn Inner-Arosa. 24. Febr.: Gäste-Skirennen WeisshornhUtte-Kulm. Basel: 19./20. Febr.: Aufführung der D-moll-Messe für Gemischten Chor, Soli, Orchester und Orgel von Joseph Haydn (Martinskirche). Bern: 20. Febr. bis 20. März: Kunsthalle: Ausstellung Hermann Haller und Pierre Bonnard. 21./22. Febr.: Symphoniekonzert der B. M. G. -Solisten: Pierre Jamet (Harfe, Paris) und Alph. Brun (Violine), im Kasino. Caux: 20. Febr.: Bobrennen. Orarwalden: 24. Febr.: Joch-Stafettenlauf. Craiui 20. Febr.: Sprunglauf. 24. Febr.: Bobrennen. Davon: 20 Febr.: XJD. Parsenn-Derbv. Abfahrtsrennen Weissfluh- Küblis. 25. Febr.: Riesenslalom. EngeU>erg; 20. Febr.: Jochpass- Abfahrtsrennen. Slalomlauf (S.CE.) 23. Febr.: Gäste-Skikonkurrenz. Genf: 19. Febr. bis 3. März: Athenee: Gemäldeausstellung Fredy de Diesbach und Zareth Mutasian. Grindelwald: 21. Febr.: Beginn der Curlingwettkampfe um den Davidson-Schild. 22. Febr.: Kunstlaufkonkurrenz des Grindelwald Eisklub. Sturzloses Abfahrtsrennen. 23. Febr.: Eiskameva! auf der Baer-Eisbahn. Gstaad: 19. 20. Febr.: Abfahrtsstafette. 21.,22. Febr.: Curlingmatch: Nord-Süd-Becher und Saanenmöser-Dolly. Kandenteg: 19.,20. Febr.: Curling-Punkt-Spiel. Klosters! 19. Febr. Damen-Abfahrtsrennen. 24. Febr.: Abfahrtsrennen (Weissfluh-lCubUa Trophy), offen für Amateurfahrer. LauMura«: 21. Febr.: Symphoniekonzert unter der Leitung ron E. Ansermet (Capitole). Xiencerllelde: 19. Febr.: Eiskarneval. 20. Febr.: S. C. L. Abfahrtsrennen von der June-Htttte. 24. Febr.: Fastnachtsumzug. Karneval. Lutni 24. Febr.: Schmutziger Donnerstag: Traditioneller Fastnachtumzug: Erweiterter Fritschi-lTmzug unter dem Motto: «Witzige Jahresrevue 1937». - Grooser Volksball im KursaaL Zeichnungen Wohnuoh liche und heitere Miene mit der grössten Selbstverständlichkeit aufzusetzen. Eine teuflische Idee, die Erfindung des Chasseurs. Und doch ist mancher unter ihnen, der hernach seine Karriere gemacht hat. Aus welchem Lager rekrutieren sich die Chasseure eigentlich? Die Grosszahl sind verbummelte Studenten, junge stellenlose Kaufleute, jedenfalls lauter geschulte Kerle; auch gewandte Kellner sind darunter. Von einem Chasseur wird unbedingtes Vertrauen und eine geradezu infernalische Disziplin, eine unbeschreibliche Diskretion, daneben auch eine unmenschliche Beharrlichkeit und Ausdauer, Anpassungsfähigkeit zu allen nur erdenklichen Arbeiten verlangt. Dass zu alledem eine sprachliche Gewandtheit und beispiellose geistige Regsamkeit und die Gesundheit eines dreijährigen Füllens gehören, braucht nicht erst hinzugefügrt zu werden. Sein finanzieller Erfolg hängt ganz von seinen Eigenschaften ab. Wenn es ihm überdies gelingt, solche Gäste zu wählen, die sich seiner Dienste mit Vorliebe zu spätnächtlicher Stunde versichern, dann darf er auf Saisonschluss mit einem gut gespickten Portemonnaie dem Grand Hotel den Rücken kehren. Dass auch dem Chasseur mitunter wunderliche Dinge passieren, mag jeder aus dem hier Gesagten schliessen. Unter den Gösten «unseres» Grand Hotels befand sich wochenlang eine amerikanische Multimillionärin mit ihrer Zofe, die auch das beneidenswerte Amt einer Zahlmeisterin verwaltete. Die etwa dreissigjährige Dame verbrauchte in einer einzigen Woche ein Vermögen, mit dem ein Durchschnittss.chweizer jahrelang ein üppiges Leben fristen könnte. Sie hatte es neben mir auch auf die feurigen Blicke des Kapellmeisters abgesehen. Die Amerikanerin hatte selten Kleingeld und die Zofe spiegelte bei jeder Gelegenheit mit ihrem von Tausender- und Fünfhunderternoten gefüllten Portefeuille. Der Kapellmeister durfte sich die teuersten Zigaretten für ihn und seine Kollegen aussuchen, und der Ober musste ihnen die Römer mit funkelndem Weine füllen. Dabei blieb natürlich auch immer etwas für mich armen Chasseur hängen. Montana-Verrnalai 30. Febr.: Eiahockeyturnier. .Murren: 19. Febr.: Sldrennen (Mackinnon Wanderbecher). 24. Febr.: Angas-Slalom. Rigi-Kaltbad: 20. Febr.: Ski-Klubremen. 24. Febr.: Kostümiertes Schlittelrennen (Schmutziger Donnerstag). fte-Croix-I.es Rasse«: 20. Febr.: Sprungkonkurrenx, Slalom und Abfahrtsrennen. San Bernardino: 20. Febr.: Sldtsg in Lido. St. Moritz: 20. Febr.: Sprungkonkurrenz um den Wanderbecher, gestiftet von S. M. Konig Farouk I (Olympia-Schanze). 22. Febr.: Titulescu Challenge Cup (Slalom). 23./24. Febr.: «Das weisse Band von St. Moritz», Abfahrt- Slalom kombiniert (Skiklub Alpina). 28. Febr.: Slalom Giganteus (Conriglia Sld-Club). Süs t. E.: 20. Febr.: Sld-Furtschellas-Abfahrtsrennen. Silvaplana: 20. Febr.: Corvatsch-Derby des Skiklubs Corvatsch. Stoos ob Schwyx: 21., 23., 25. Febr.: Drei Tage Kombination: Jeden Tag eine andere Abfahrtsstrecke. 22. Febr.: Schneemodellierungskor.kurrenz. VUlan-Chcsieresi 20. Febr.: Sprungkonkurrenz auf der «Tremplin du Lac». Wengen: 20. Febr.: Abfahrtsrennen und Slalom um die Byron Trophy. Wildiau»: 20. Febr.: Gamserruck-Abfahrtsrennen und Slalom. Zermatt: 20. Febr.: SKZ Blauherd-Becher: Abfahrtsrennen. - Curlingmatch - SKZ Sprungkonkurrenz auf der Kay-Schanze. ZUOBI 20. Febr.: Bellavista Gaste-Abtahrtsrennen. Zürichi 22. Febr.: Kammermusikabend (Tonhalle). 24. Febr.: Tonhalle: Klavierabend Walter Giesefcing. ßald ist losmacht. Stier. In der reizenden Hauptstadt eines schönen mitteleuropäischen Landes wird der Fasching mit aller Lust und Freude gefeiert, obwohl alle wissen, d*t* eigentlich niemand ein Geld hat und jeder «tier ist. Aber niemand macht sich was daraus. «Wer ist der reichste Gutsbesitzer des Landes?» lispelt einer dem anderen zu. «Unser Bürgermeister» lautet die Antwort, «denn er hat 2 Millionen Stiere».

N° 16 — Automobil-Revue 13 P a u l a S t u c k Autorennen in Tripolis Die Nacht war zauberhaft. Eine Musik, die aus den Sternen zu kommen schien, prachtvolle Uniformen, Tülle, Seiden, strumpflose Beine, sehr viel warme nackte Haut, Perlen, Brillanten, Saphire... Diener mit gefüllten Gläsern, kein disharmonisches Stimmengewirr wie im Uaddan, sondern wie zufällig aufeinander abgestimmt, wie bei den Jazzsongs von Hylton. Alles ist so leicht in einer solchen Nacht! Mann kann sprechen, atmen, fühlen. Erleben ist keine Angelegenheit mehr. Man wird erlebt. Man tut nichts dazu, und wenn, geschieht es im Unterbewusstsein. 111 fiel auf. Sie war so umschwärmt, dass sie sicherlich nicht zu sich selbst kam. Aber sie kam nie zu sich selbst und war persönlicher dabei als wir, die es sein wollten. Ich tanzte viel. Mit Jonny, Pietro. Ich flirtete mit einem General mit grauen Schläfen und jungem Gesicht und setzte mich zu einem alten Bekannten aus Mailand, meinem Freund Francois Ferario. Wolfgang suchte mich für unseren Tango, den er nie mit einer anderen Frau tanzte, aber ich versteckte mich hinter den grünen Fächern einer Palme. Mit Tränen in den Augen kann man keinen Tango tanzen. Als wir ins Uaddan zurückkehrten, überfiel uns eine Müdigkeit, wie ein Schwärm Krähen ein Saatfeld. Wir hatten nur wenige Stunden zum Schlafen. Um elf begann das Rennen — Das Frühstück bestellend, warf ich von der Terrasse her einen Blick in Ills Zimmer. Das Bett war zwar wieder leer. Ich hatte es nicht anders erwartet. Lange Autoschlangen fuhren bereits den Quai entlang, heraus nach Melhalla. Das ganze Hotel schien wie elektrisiert. Aus allen (Abdruck aus dem spannenden Roman «4xLiebe», mit freundlicher Erlaubnis des Verlags Buch und Zeitschriften A. G., Zürich) Zimmern lebendige Laute. Der Lift surrte ohne Unterlass. Zeitungsverkäufer brüllten ekstatisch ihre Sonntagsausgaben über die Dächer und in die Fenster. Auf der Titelseite prangten die Köpfe unserer Freunde. Wir beschlossen, uns zu trennen, da ich mit Mary und Jonny fahren wollte, um in die Box zu gelangen. Wolfgang und 111 hatten ihre Plätze auf der Pressetribüne. Es waren nur noch wenige Minuten bis zum Start. Die Zuschauer auf den mächtigen Tribünenstufen hatten sich bereits von ihren Plätzen erhoben. Die Lautsprecher verkündeten die Ziehung der Losbesitzer auf die Namen der Fahrer. Die Mechaniker in ihren gleichfarbigen Overalls schoben die silbernen und roten Fahrzeuge zum Startplatz. Die Manager und Rennleiter beorderten die Fahrer, sich fertig zu machen. Ein jeder suchte nach Brille und Handschuh, trank noch ein Schluck aus der Flasche und nahm Abschied. Ich sah, wie Jonny absichtlich flüchtig und leichthin die Lippen Marys berührte, so, als ob er ihr sagen wollte: «Ich gehe mal eine halbe Stunde spazieren und bin gleich wieder da ...» Aber die, Frauen empfanden diesen Kuss anders. Sie konnten es nicht verhindern, daran zu denken, dass viele von diesem kurzen Spaziergang nie wiederkamen. Von den Tribünen erscholl Beifall, sobald einer ihrer Helden bei seinem Wagen erschien. Eine kurze Fahrerbesprechung. Unruhe in den Boxen. Die Mechaniker mit den elektrischen Anlassern waren in Bereitschaft. Das Einsteigen der Fahrer, das Zurechtrücken der Brille, und dann mit einem Male, erst von einem und dann von den anderen Motoren, das aufpeitschende und erregende Heulen und Toben. Sechzehn brüllende Maschinen nebeneinander, sechzehn Kämpfer, einer gegen den anderen, jeder in dem Wahn, siegen zu müssen, um Sekunden schneller zu sein als der andere! Grosse Büchse Fr. 4.—, kleine Büchse Fr. 2.20 In allen Apotheken erhältlich FORSANOSE macht lebensfroh FOFAG, PHARM. WERKE, VOLKETSWIL-ZÜ R ICH Die Fahne senkte sich, es schien, als ob alle Wagen auf einmal gleichschnell ins Rollen kämen; aber au! einmal schoss ein silberner und gleich dahinter ein roter Wagen mit Vorsprung an uns vorüber. « Pietro », schrien die Menschen, die Tausende, die atemlos den aufregendsten Augenblick eines jeden Rennens miterlebt hatten. «Pietro und Luigi —» Nun kam Leben in die Boxen. Die Mechaniker, die Rennleiter kamen vom Start zurückgerannt und eine fieberhafte Tätigkeit setzte in jedem der Rennlager ein. Zeichentafeln wurden zurecht geschoben, Kreide bereitgelegt, Handwerkszeug ausgepackt, Wagenheber in den Vordergrund geschoben, Reifen an die Wände gelehnt, Stoppuhren tickten, und wieder wandten sich alle Augen zu der Kurve hin, aus welcher die Spitzengruppe in wenigen Sekunden auftauchen musste ... Es war viel furchtbarer, viel nervenkitzelnder noch als das Training, bei dem jeder anhalten oder abfahren konnte, wann er wollte. Die beiden deutschen Wagen führten, Luigi lag an dritter, Jonny an vierter Stelle. Sie alle waren nur wenige Sekunden voneinander getrennt. Zwanzig Sekunden hinter der Spitzengruppe folgten erst die anderen Fahrer. Ich hätte so gerne geraucht, um meine Nervosität zu verbergen. Aber das war nicht gestattet. Mary hatte zu schreiben und zu stoppen und sah kaum auf. Die Monteure flüsterten miteinander und bekamen bei jeder Runde neue Befehle für die schwarze Tafel, auf welche immer andere Zeichen gemalt wurden. Ich sah mich suchend um. Tonio war verschwunden. Wolfgang und 111 entdeckte ich auch nicht auf der Pressetribüne. «Drei Stunden», überlegte ich mir. Wie kann man das aushalten? Nach den ersten Runden die ersten Ausfälle. Fahrer, die am Ersatzteillager hielten. Kerzen worden ausgewechselt. Bei dem einen Wagen war die Oelleitung gebrochen. Traurig sprang der Fahrer aus seinem Wagen, der abgeschoben wurde. In der Spitzengruppe entwickelte sich ein heisser Kampf. Durch Reifendefekte hatte der eine deutsche Wagen viel Zeit verloren und war an die fünfte Stelle zurückgefallen. Dafür drängten Luigi und Jonny nach vorn. Rad an Rad sausten sie mit zweihundertundsiebzig Kilometer Fahrt an uns vorüber. Ich musste mir immer die Augen zuhalten, um nicht aufzuschreien. In der Ausgangskurve flog Pietro in diesem Tempo ein Protektor davon. Nur mit Mühe konnte er den Wagen halten. Die Galerien johlten und applaudierten wie im Theater. Welcher Mut, welcher Rausch, welcher Wahnsinn, so vom Zufall und Glück abhängig zu sein! Das Tanken und Reifenwechseln ging in vierzig Sekunden vor sich. Nach zwei Stunden führte Jonny mit zwanzig Sekunden Vorsprung vor Luigi und Pietro, der wieder aufgeholt hatte. Ich sah zu Mary hinüber, die noch einen Schein blässer schien als zuvor. Jonny führte. Neben Marys Uhren lag die kleine Muttergottesmedaille, die sie von Zeit zu Zeit streichelte. Der Ersatzfahrer, der neben Mary stand, ermutigte sie: «Noch eine Stunde, dann hat er es geschafft», und es sollte so klingen, wie «in fünf Minuten ist alles vorüber». Mary zuckte nur leise die Achseln und sah zur Kurve hinaus. Schliesslich sahen wir alle zur Kurve. Jonny war überfällig. Er hätte da sein müssen. «Er kommt», riefen die Mechaniker. Und es ging ein Seufzer der Erleichterung mit diesem Ausruf durch die Box. Ein Wagen kam vorübergedonnert, aber es war Luigi, der uns ein Zeichen machte, und ehe wir es recht verstehen konnten, wieder im Staub entglitten war. Jonny fehlte immer noch. Ein Fahrer nach dem andern kam vorüber. Selbst mit einer Reifenpanne hätte Jonny da sein müssen! Die Rennleiter gingen zum Telephondienst. Mary rührte sich kaum. Mit halbgeschlossenen Augen drückte sie weiter an ihren Uhren, ohne hinzusehen. Wir sprachen alle auf sie ein. Sie antwortete mit keiner Silbe. Da sah ich, wie vom obersten Platz des Aussichtsturms sich eine kleine Gruppe von Menschen loslöste, die Treppen hinunterstieg und auf uns zukam. Die Rennstrecke entlang geradeaus auf unsere Box zu — «Balbo selbst», schrak ich zusammen. «Dann ist etwas Furchtbares geschehen. Sonst würde er nicht persönlich —» Mary hatte immer noch die Augen auf einen Punkt gerichtet und sah nicht einmal, dass der Gouverneur mit seinem Adjutanten und dem Präsidenten des Clubs vor ihr stand. Erst als sie angesprochen wurde, blickte sie empor. Ich hätte mir am liebsten die Ohren zugehalten, wäre weggelaufen. Aber ich beherrschte mich gewaltsam und trat neben sie, um sie zu stützen. Balbo machte keine langen Worte. «Ich möchte der Erste sein, der Sie beglückwünscht», begann er, und als er lächelnd diesen Satz begonnen hatte, richtete Mary sich wie elektrisiert auf. «Gottlob», frohlockte ich in meinem Innersten, «gottlob, er gratuliert ihr.» Und Balbo fuhr fort: «... der Erste sein, der Sie beglückwünscht. Ihr Mann ist unverletzt und kerngesund aus dem brennenden Wagen gesprungen, der am Kilometerstein sieben Feuer gefangen hat.» Mary sah ihm ein wenig zweifelnd in die Augen. Als jedoch der mitfühlende Gouverneur ihre Hand beruhigend an seine Lippen führte und « parole d'honneur » hinzusetzte, huschte ein Schimmer unbeschreiblicher Erleichterung über ihre blassen Züge und, aufschluchzend vor erlöster Angst, umklammerte sie den Arm des Mannes, der in so beredter Weise sich in die Qual dieser armen Frau versetzte und es sich nicht hatte nehmen lassen, sie selbst davon zu erlösen. In seiner Begleitung wurden wir in die Ehrenloge geführt, wohin auch Jonny nach seinem Eintreffen beordert wurde. Das Rennen schien noch immer nicht entschieden. Luigi, der, ohne Rücksicht auf seine Verletzungen, wie ein Teufel fuhr, kämpfte verbissen um die Führung. Ein Offizier reichte uns Limonaden und Sandwichs. Ich goss ein Glas hinunter und sah Jonny wie einen Pilger, im verkohlten Hemd, mit einem Bambusstab in der Hand, von den Zuschauern jubelnd begrüsst, hinter 1 den Tribünen auftauchen. Mary eilte ihm entgegen. Liebe nnil Ehe in der amerikanischen Statistik Verheiratete Frauen leben länger als Junggesellinnen. — Durch die Ehe werden die Männer leistungsfähiger. Die Statistik ist das Gesicht unserer Zeit. Wer wird sich also darüber wundern, dass sie auch das Gebiet der Liebe und Ehe erfasst hat? Viele Tausende glücklicher und unglücklicher Ehen werden alljährlich von amerikanischen Ehe-Experten beobachtet und die Ergebnisse dieser Untersuchungen sorgsam aufgezeichnet. Was zeigen die Resultate? Angehende Ehekandidaten wird es interessieren, dass die meisten glücklichen Ehen nach einer dreibis fünfjährigen Verlobungszeit Zustandekommen. Sollte man daraufhin die Hochzeit nicht doch noch etwas hinausschieben? Uebrigens scheinen die Monate Juni bis September zum Heiraten besonders beliebt zu sein. 35 Prozent aller jährlichen Eheschliessungen finden in dieser Zeit statt. Das geht die Frauen besonders an. Die besten Ehefrauen stammen aus grossen, kinderreichen Familien. Auch alle Vorhersagen über das geeignetste Heirotsalter der Frau werden von der amerikanischen Statistik über den Haufen gerannt. Dort ist das 23. Lebensjahr als das beste Heiratsalter errechnet. Und nun die Sensation.- Verheiratete Frauen leben durchschnittlich 5 Jahre länger als unverheiratete. Auch die Mutter von 1 bis 5 Kindern erreicht im Durchschnitt ein höheres Alter als die Junggesellin. Auf je 1000 neugeborene Mädchen kommen 1040 Knaben. Die zukünftigen weiblichen Jahrgänge haben also glänzende Heiratsaussichten. Wie die Bevölkerungspolitik in Amerika aussieht? Von je 1000 Familien haben 700 zwei oder mehr Kinder. Was den Mann interessiert. Sein ideales Heiratsalter liegt im 26. Jahr. Auch verheiratete Männer leben länger als unverheiratete. Sie begehen — laut Amerika — verhältnismässig weniger Verbrechen und neigen weniger zv Geisteskrankheiten. Auch -die Landstreicher und Insassen der Armenhäuser werden zu einem entsprechend grösseren Prozentsatz von Junggesellen gestellt. Tennisspieler, Leichtathleten und andere Sportler können nach der Eheschliessung bessere Leistungen aufweisen als vorher. Und die Ehescheidungen... Von je 80 Ehen wird nur eine geschieden. Und nur in einer Ehe unter 90 entscheiden sich die Gatten zu einem getrennten Leben. Das Durchschnittsalter der Scheidungskandidaten liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Ein grosser Trost ist, dass sich 60 Prozent aller Geschiedenen zum zweiten Male verheiraten, aber doppelt so viel geschiedene Männer wie Frauen. Zum Schluss noch eine Warnung, die sich auf Grund dieser Statistik besonders die Frauen zu Herzen nehmen sollten: über 40 Prozent aller geschiedenen Ehen sind kinderlos.