Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.025

E_1938_Zeitung_Nr.025

BERN, Dienstag, 22. März 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 25 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlac, wenn nicht Postamt lieh ahonntert Ausgabe B (mit gew. Unfailversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassen Versicherung) Tlertcl jährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilaße „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe LHte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zurichi Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Speziaitarif Inseratensehluss 4 Taoe vor Erscheinen der Nummer Ruckwirkungen des deutsch-österreichischen Zusammenschlusses auf die Verkehrslage Deutschland baut mit Beschleunigung Reichsautobahnen in Oesterreich. Weitere Ablenkung des nord-südlichen Verkehrs um die Schweiz herum? Nach Erklärungen des deutschen Reichswirtschaftsministers Funk betrachtet Deutschland, nach Festsetzung der endgültigen Währungsrelation Schilling-Reichsmark, die Möglichkeit als gegeben, die grossen Projekte in Angriff zu nehmen, die nach seiner Meinung in dem alten Oesterreich unter den früheren Verhältnissen nicht in die Tat umgesetzt werden konnten. Dazu gehören vor allem der Bau von Reichsautobahnen und die Vervollkommnung des Strassennetzes, die immerhin schon bisher manche bemerkenswerte Leistung aufzuweisen hatte. Durch die nun vorgesehene Eingliederung Oesterreichs in den grossen Plan der Reichsautobahnen ergibt sich ohne weiteres als Voraussetzung auch die Vereinheitlichung der Fahrordnung, mit anderen Worten: das einheitliche Rechtsfahren soll mit Beschleunigung vollständig durchgeführt werden. Wie wir des weiteren erfahren, gedenkt man zuerst die Reichsautobahn München- Salzburg auch in ihrem letzten Teilstück voll auszubauen. Dann soll aber auch, ohne Rücksicht auf die bisher schon vorgenommenen Verbesserungen an der österreichischen Bundesstrasse Salzburg-Linz-Wien, eine Autobahn angelegt werden, die nachher ihre Verlängerung an die ungarische Grenze finden wird. Vor allem aber ist nun der Bau der grossen Strassenachse Berlin-Rom über den Brenner bereits für die nächste Zeit gesichert. Bisher war darüber, wie es den Anschein hatte, lediglich eine grundsätzlich Einigung zustandegekommen, währenddem konkrete Projekte fehlten. Man braucht die nähern Einzelheiten darüber gar nicht erst abzuwarten, um schon heute ohne weiteres die Verschärfung zu erkennen, welche die Gefahr einer Umfahrung der Schweiz durch den Anschluss Oesterreichs an das Deutsche Reich erfahren hat Nachdem heute schon der auf den nördlichen deutschen Reichsautobahnen eintreffende Ver- Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 23. Fortsetzung. Es war leer geworden auf dem Schiff, Bentley, James, alle fort. Auch die Amerikanerinnen waren ausgestiegen, um Indien zu besichtigen, kein Mensch hatte sich um sie gekümmert, aber jetzt fehlten sie. Die Rawalpindi ging dicht an der Küste von Sumatra vorbei,, grüne Palmen hoben sich am Strand, im Hintergrund verschwammen die Berge in feuchtem Blau. Indien, Ceylon, Sumatra — und wo, wo war Europa? Cary war müd, sie wachte morgens auf und war müd, sie kam müd zum Frühstück. Der indische Steward brachte Tee, mit schweisstriefendem Gesicht stellte er alles zurecht, Toast, Zucker, kleine grünhäutige Bananen, Mangostines, die wie violette Disteln aussahen, Melonen mit blassgelbem mürbem Fleisch. Die grossen Holzflügel der elektrischen der Schweiz kehr in Karlsruhe östlich abgelenkt ist, wird der kommende Ausbau dieses Strassensystems in Oesterreich in der Richtung nach Süden eine noch wesentlich stärkere Anziehungskraft ausüben. Können wir es uns angesichts dieser Sachlage leisten, die Frage der schweizerischen Anschluss-Durchgangsstrassen, wie sie das im Ständerat abgelehnte Postulat Wenk aufgeworfen hatte, noch länger ungelöst zu lassen? Wenn je, so ist im gegenwärtigen Augenblick diese Forderung wieder brennend aktuell geworden. Das Land Oesterreich verschwindet autotouristisch! Der Einbau Oesterreichs in das Deutsche Reich hat für den schweizerischen Motorfahrzeugbesitzer verschiedene autotouristische Aenderungen zur Folge, die wohl in den nächsten Wochen schrittweise eintreten werden. Da Oesterreich nicht zu* den Staaten zählte, die hinsichtlich Reiseerleichterungen im allervordersten Range standen, wird der politische Verschmelzungsprozess für den Autotouristen zweifellos einige Vereinfachungen und Verbilligungen bringen. Zolltechnisch fällt das österreichische Triptyk und die österreichische Einreisekarte dahin. An deren Stelle tritt das deutsche Triptyk und der am 1. Januar 1938 neu eingeführte, kurzfristige deutsche Vormerkschein. Das bedeutet zweifellos eine erhebliche Vergünstigung, denn das österreichische Triptyk war wesentlich teurer als das deutsche. Dasselbe gilt auch für die bisherige provisorische Eintrittskarte Oesterreichs. die für 10 Tage 5 Schillinge kostete. Für den deutschen Vormerkschein müssen nur RM. 2.50 bezahlt werden, dagegen besitzt er eine Gültigkeitsdauer von einem Monat. Auch hier somit ein finanzieller Vorteil für die Auslandsautomobilisten. — Für die Inhaber von Grenzpassierscheinheften bildete Oesterreich mit seinem ausserordentlich hohen Sohutzzollansatz lange Zeit einen gewichtigen Stein des Anstosses. Auch damit dürfte es nun ein Ende haben. Punkto Fächer sausten im Speisesaal. Müde, müde, müde. « Wie lang noch bis Shanghai? » «Bald!» sagte »Hubert. «Nur noch zehn Tage.» Die fliegenden Fische glitzerten über das Wasser hin, funkelnde Tropfen spritzten auf, wenn sie untertauchten. Dann kamen die Springfische, eine ganze Herde, sie zogen mit dem Dampfer mit und Messen sich von den Wellen schaukeln. Noch zehn Tage bis .Shanghai, noch neuneinhalb, noch neun. Aber vorher kam Singapore. vorher stieg das Thermometer, langsam kroch es nach oben, schraubte sich hinauf, Millimeter um Millimeter, bis hundertzehn Grad. Das Schiff war bei Morgengrauen mit der Flut in den Hafen gegangen. Um acht Uhr kreischten schon die Kranwinden. Cary und Hubert fuhren mit der kleinen Barkasse zur Stadt hinüber. Das Ufer kam nah, grosse Häuser zogen sich den Kai entlang, graue Kolosse unter dunstigem Himmel. Auf der Strasse schien es von Menschen zu wimmeln. Die Barkasse legte an dem Betonsteg an. Besteuerung der ausländischen Fahrzeuge im bisherigen Oesterreich tritt keine Aenderung ein. Sowohl Deutschland wie Oesterreieh sind der internationalen Uebereinkunft vom 30. März 1931 betreffend Besteuerung ausländischer Automobilisten beigetreten. Beide Länder verzichteten bis anhin auf die Erhebung einer Verkehrssteuer, sofern der Aufenthalt der ausländischen Automobilisten 90 Tage nicht überstieg. Die Auflösung des österreichischen Staates bringt in dieser Hinsicht keine Neuordnung; es bleiben 90 Tage steuerfrei, wobei man aber die Fahrer nicht genug darauf aufmerksam machen kann, dass sie die Ausreise in ihren Zolldokumenten, d. h. Triptyks und Grenzpassierecheinheften eintragen und stempeln lassen müssen, auch wenn sie noch nicht definitiv ist. Auch hinsichtlich der internationalen Fahrzeug- und Führerausweise ergibt sich keine Aenderung des bisherigen Status. Für schweizerische Automobilisten waren diese Papiere in Oesterreich nicht mehr nötig, sie sind es aber auch in Deutschland nicht. Hat Oesterreich für gewisse Strassen Mauten erhoben (Grossglockner, etc.), so hat Deutschland mit diesen Gebühren aufgeräumt. Man geht deshalb wohl kaum fehl mit der Annahme, dass diese letzten Ueberbleibsel einer allzu selbstherrlichen österreichischen Strassenverwaltung in Wegfall kommen. Dass neben der Inangriffnahme von Reichsautobahnen und dem Ausbau der übrigen Strassen auch die deutsche Strassensignalordnung nach und nach auf das Land Oesterreich ausg«- dehnt wird, ebenso wie das ganze System der Strassennumerierung, bedarf wohl keines weiteren Hinweises. Für die ausländischen Automobilisten wird sich dies besonders hinsichtlich des Vortrittsrechtes günstig auswirken, das in Deutschland bekanntlich dadurch in vorbildlicher Weise gelöst ist, dass auch innerorts Hauptstrassen mit Vortrittsrecht bezeichnet sind, so dass man nicht auf grossen städtischen Ausfallstrassen das leidige System des Vortrittsrechtes des von rechtskommenden Fahrzeuges mit in den Kauf nehmen muss, wie dies leider in der Schweiz immer noch der Fall ist. Auch die automobilistischen Organisationen Oesterreichs werden eine durchgreifende Umgestaltung erfahren. Es ist klar, dass nach früherem deutschem Beispiel sowohl der Oesterreichische Automobil-Club auch der Oesterreichischen Touring-Club vollständig in den D.D.A.C. übergeführt werden. Daneben wird das Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps (N.S. K.K.), das unter der Führung Major Hühnleins steht, als wichtige automobilistische Organisation mit militärischem Einschlag in Oesterreich eingreifen. Schweizerisches Strafgesetzbuch und dessen Auswirkungen für uns Nach 4Qjährigem «Parlamentleren > ist heute endlich eine Vorlage für ein schweizerisches Strafgesetzbuch zustande gekommen, der, kaum geboren, schon energisch der Kampf angesagt wurde. Dass ein Gesetz, an dem man während eines halben Menschenalters herumlaboriert hat, jedenfalls nicht den Anspruch auf Einheitlichkeit erheben kann, bedarf wohl kaum •einer nähern Begründung. Damit aber trägt es bereits einen Krankheitskeim in sich, der ihm zum Verhängnis zu werden droht. Und es ändert wenig daran, dass der Bundesrat schon — vorgängig des Ablaufs der Referendumsfrist — das Abstimmungsdatum festgesetzt hat. Plötzlich scheint es zu pressieren ! Nun, die ersten Julitage werden uns darüber belehren, ob während 40 Jahren Stroh gedroschen worden ist oder nicht. Ob das Ergebnis so oder anders ausfällt — der Werdegang des Entwurfs bildet jedenfalls für die « Dresche » und deren langsam mahlende Mühlen kein Ruhmesblatt, wohl aber bestätigt er das Krankheitszeugnis, das gewissenhafte Diagnostiker unserem Parlamentarismus ausgestellt haben. Was den Verkehr mit Motorfahrzeugen im allgemeinen anbelangt, sind die mit Strafe bedrohten Tatbestände in der Hauptsache im 4. Teil des Automobilgesetzes, Art. 58 ff., enthalten. Abgesehen hievon kommen für den Motorfahrzeugführer als strafrechtliche Tatbestände in Betracht die Als sie ausstiegen und durch die Zollhalle gingen, rief plötzlich jemand schallend: «Maquardt! Maquardt! » Neben zwei farbigen Zeitungsverkäufern stand ein kurzbeiniger dicker Mann, ein Europäer in weißseidenem, schmierigem Anzug, Tropenhelm ins Genick geschoben, er winkte mit beiden Armen und kam auf Hubert zu. « Wie geht's? » sagte Hubert. « Guten Tag, Kulpe.» « Okey », sagte Kulpe. Er stierte Cary an. Seine kleinen wasserhellen Augen waren in schwammiges Fleisch gebettet. «Herr Friedrich Kulpe», stellte Hubert vor. « Meine Frau. » « Meine Verehrung », sagte Kulpe. « Ho, Friedrich weiss alles. Hab schon aus Hankow, aus Hankow gehört, dass Sie geheiratet haben. Hat sich rumgesprochen, dass Sie eine junge Frau mitbringen. Wir alten Asiaten...» Er schob den Tropenhut noch weiter zurück und stand da, den Mund halb offen, er rieb sicjj langsam das Kinn. Dann schien er plötzlich zu erwachen. «Ho», sagte er. «Ich wollte doch was fragen... Gute Fahrt gehabt? Ja? Okey?» « Ja, danke». sagte Hubert. fahrlässige Tötung und die fahrlässige Körperverletzung, die beide schon in den geltenden kantonalen Strafgesetzen enthalten sind. Während die Strafsanktionen dort für fahrlässige Tötung in der Regel auf Freiheitsstrafe lauten, sieht der Entwurf des schweizerischen Strafgesetzbuches alternativ Freiheitsstrafe oder Busse vor. Es ist also denkbar, dass im Falle leichter Fahrlässigkeit nur Busse verhängt werden kann. Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfährt insoweit eine Abänderung oder, genauer ausgedrückt, eine weitere Fassung als (wie z. B. im Kanton Bern) das Vorhandensein eines bleibenden Nachteils als Tatbestandsmerkmal nicht erforderlich ist. Jeder, der bei einem Motorfahrzeugunfall Verletzungen erleidet, wird nach schweize- In dieser Nummer: Henry Ford — intim. Neue Verkehrssignal-Anlage in Bern. Deutsche Rennwagen proben in Monza. Getriebeneuerungen. Bilanz unserer Luftpost. Die kleine Revue. «Schon gefrühstückt?» Kulpe lächelte übers ganze Gesicht, er zog mit unruhigen Fingern seine Krawatte zurecht, sie war zerknittert und nicht sehr sauber. « Bin nicht ganz im richtigen Dress, wenn ich gewusst hätte ... hab einen Idioten von Boy, legt mir immer die schlechtesten Anzüge heraus, na, Schwamm drüber. Jetzt gehen wir feiern, erstes Zusammentreffen, ho, natürlich. » Er klopfte Hubert auf die Schulter. « Keine Widerrede », erklärte er schallend. « Sie sind meine Gäste. Friedrich duldet keinen Widerspruch. Kleinen Frühschoppen, Schoppen nehmen.» Er nahm sie beide unterm Arm, als hätte er Angst, dass sie fortlaufen könnten. Schnaufend steuerte er auf den Ausgang zu, sein dicker Bauch schwankte beim Gehen. Cary hatte keine Ahnung, wer dieser Herr Kulpe war. Er sah ziemlich mitgenommen aus, er roch schlecht, er roch nach Alter und Schnaps und Tropenhitze. Sein Gesicht war aufgequollen und bleich wie Teig. «Gefällt Ihnen der Osten, Taitai Maquardt? » sagte er. «Netter kleiner Erdteil, as? Bisschen heiss, ho? » Er wartete keine Antwort ab. « Aber besser