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E_1938_Zeitung_Nr.026

E_1938_Zeitung_Nr.026

BERN, Freitag, 25. März 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Augab« A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich F*. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamt lich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherunz) rierteljAhrlicb Fr. 7.50 Der Motorfahrzeugbestand in der Schweiz 1937 — Jahr des Stillstandes des seit 1935 rückläufigen Motorfahrzeugbestandes. Zunahme innert Jahresfrist 2294 Wagen oder 2 %. Weitere Abnahme der für die Landesverteidigung wichtigen Motorräder um 1205 Einheiten oder 4,5 %. wie in den vorangegangenen drei Jahren hat das Eidgenössische Statistische Amt auch im Jahre 1937 auf den 30. September eine Bestandesaufnahme der im Verkehr stehenden Motorfahrzeuge vorgenommen. In achtzehn Kantonen wurden die kantonalen und eidgenössischen Bestandeskontrollen miteinander verglichen und bereinigt. Die Ergebnisse der Zählung, die auf einen Zeitpunkt fällt, in dem die meisten Motorfahrzeuge im Verkehr stehen, sind in folgender Tabelle zusammengestellt. Motorfahrzeugbestand Ende September 1934 bis 1937. 1934 1935 1936 1937 69 744 70 765 69 136 71537 1239 1286 1266 1301 Fahrzengartcn Personenwagen Autobusse Aus wec h seibare Wagen*) Lastwagen**) Lief erungs wagen* * *) Spezialwagen Gewerbl. Traktoren Motorwagen im ganzen Motorräder ohne Seitenwagen Motorräder mit Seitenwagen Motorräder im ganzen Motorfahrzeuge im 248 13 067 5 229 532 676 256 13 014 5 340 Ö55 644 249 12 714 6 332 563 613 323 13 088 5 894 612 617 90 735 91860 89 873 93 372 31964 30 082 26 357 25030 2 550 2 429 2 320 2442 34 514 32 511 28 677 27472 im ganzen 125 249 124 371 118 550 120 844 •) Als Autobus oder Lastwagen verwendbar. •*•) Mit 1000 kg und mehr Nutzlast. ••*) Bis 999 kg Nutzlast. Der seit dem Jahre 1935 beobachtete Rückgang des (Motorfahrzeugbestandes ist im Berichtsjahr zum Stillstand gekommen; am 30. September 1937 standen 120 844 Motorfahrzeuge im Verkehr, das sind 2294 oder 2% mehr als am vorjährigen Stichtag. An diesem Bestände sind die Personenwagen mit 60, die Last-, und Lieferungs- und übrigen Motorwagen mit 17 und die Motorräder mit 23% beteiligt. Leider sind entsprechende Verhältniszahlen aus neuerer Zeit nur für wenige Länder bekannt. Aber schon die vorhandenen Angaben zeigen die verschiedenartige Bedeutung, der einzelnen Fahrzeugarten für den Motorfahrzeugverkehr in den einzelnen Staaten. In Deutschland ist Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geseliirtsstellr Zürich i Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 das Motorrad das vorherrschende Kraftfahrzeug; fast die Hälfte der am 1. Juli 1937 gezählten Motorfahrzeuge sind Motorräder und nur % Personenwagen. Noch ausgesprochener als in der Schweiz ist die Vorzugsstellung des Personenautos in Grossbrw tannien, wo 1936 auf hundert Fahrzeuge 65 auf Personenwagen und nur 18 auf Motorräder entfallen. In Italien kommt auf zwei Personenwagen ein Motorrad. Betrachtet man die Bestandeszahlen nach Fahrzeugarten, so zeigt sich, dass die Zunahme sich nur aui die Automobile erstreckt und bei den Motorrädern die seit 1934 beobachtete Abnahme, wenn auch abgeschwächt, weiterbesteht. Die Zahl der Automobile ist gegenüber dem Vorjahre um 3499 oder 3,9% auf 93 372 Einheiten gestiegen. An dieser Zunahme sind alle Wagenarten beteiligt. Während die der Personenbeförderung dienenden Fahrzeuge verhältnismässig unbedeutend zugenommen haben — die Personenwagen um 3,5% und die Autobusse um 2,8% — ist der Zuwachs bei den meisten übrigen Kategorien recht beträchtlich. Einzig bei den Lastwagen hielt sich die Zunahme mit 2,9% im gleichen Rahmen wie bei den Personenwagen. Der Park der Lieferungswagen dagegen vergrösserte sich um 562 Einheiten oder 11%, wobei die Dreiradwagen verhältismässig stärker zunahmen als die schwerem Vierräder. Auswechselbare Wagen standen 74 oder 30 % Spezialwagen 49 oder 9% mehr im Verkehr Motorfahrzeugbestand in den Kantonen und Städten*), Ende September 1937. Uebrige Motorwagen Einw. 1937 pro Kantone, Städte Personenwagen Motorwagen im ganzen Motorräder Motor- Motor- 1936 1937 1936 1937 1936 1937 1936 1937 wagen rad Kantone Zürich 12 261 12 742 4 242 4 496 16 503 17 238 4 516 4 456 38 146 Bern 10 883 11089 2 690 2 849 13 573 13 938 5 127 4 884 50 144 Luzern 2 585 2 679 978 1032 3 563 3711 1080 1010 197 Uri 149 156 80 84 229 240 106 87 274 Schwyz . • . . 526 550 214 238 740 788 311 291 148 81 220 Obwalden. . . . 155 75 74 223 229 116 83 243 Nidwaiden . . . 180 185 52 56 232 241 77 80 403 405 an 195 Glarus 114 120 617 525 166 164 216 Zug 487 501 148 149 635 650 179 188 190 Fribourg . . . . 1 620 1 638 477 501 2 097 2 139 873 795 69 185 Solothurn . . . 2 020 2 057 652 684 2 672 2 741 737 712 211 Basel-Stadt . . . 3 901 3 980 1478 1552 5 379 5 532 1 162 1057 31 161 Basel-Land . . . 1524 1598 632 659 2 156 2 257 779 797 42 120 Schaffhausen . . 740 743 260 271 1000 1014 395 383 52 137 Appenzell A.-Rh. 647 586 186 212 733 798 301 315 40 45 25 31 59 150 Appenzell I.-Rh. 65 76 35 28 3 217 3 324 1040 1123 4 257 4 447 186 505 St. Gallen . . . 1608 1428 1058 1103 307 330 1365 1433 64 199 Graubünden . . 590 548 3 438 3 617 893 971 4.331 4 588 2 054 2 164 578 640 1950 18S6 89 232 Aargau 142 2 432 2 565 1052 1 115 2 632 2 804 1222 1 235 58 Thurgau . . . . 112 Tessin 7 070 7 381 1 759 1 799 3 484 3 680 1 184 1 146 141 Waadt 868 877 478 490 8 829 9 180 2 441 2 342 37 145 Wallis 2 198 2 307 687 660 1346 1367 638 559 102 250 Neuenburg . . . 8 787 9 090 1 640 1 699 2 885 2 967 808 787 40 149 Genf 10 427 10 789 2 266 2 211 Schweiz 69136 71 537 20 737 21 835 89 873 93 372 28 677 27 472 45 Zürich**) Basel , Genf Bern Lausanne St. Gallen . . . . Winterthur . . . . Luzern Biel Chaux-de-Fonds 7 499 3 711 6 321 3 073 2 438 1165 840 1202 804 576 7 764 3 776 6 454 3 165 2 561 1189 873 1282 819 609 2 538 1443 1 157 778 595 343 325 464 219 139 2 640 1510 1 190 814 619 384 348 484 221 126 Städ 10 037 5 154 7 478 3 851 3 033 1508 1 165 1 666 1023 715 te*) 10 404 5 286 7 644 3 979 3 180 1573 1221 1766 1040 1980 1 107 1471 804 475 336 346 213 187 159 1956 1001 1393 782 470 293 337 200 174 156 INSEKTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grandzelle oder deren Raum 45 dp. Grossere Inserate nach SpezialtarU lmeratensrhloss 4 Tage Tor Erschrlnm der Nummn 31 31 16 30 27 41 46 30 38 164 161 155 185 218 167 '266 226 199 735 *) Gemeinden mit 30 000 Einwohnern und mehr am 1. Dez. 1930. **) Erweitertes Stadtgebiet vom 1. Jan. 1934. 152 In dieser Nummer: Verkehrsunfälle in der Stadt Bern. Das Verkehrsteilungsgesetz vor dem Ständerat. Grosser Preis von Monaco abgesagt. Ist Ihr Wagen startbereit? Beilage: als letztes Jahr. Die Zahl der gewerblichen Traktoren hat sich kaum verändert. Die Zahl der Motorräder ist weiter gesunken. Der Rückgang seit dem Vorjahre beträgt 1205 Einheiten oder 4,2%. Innert drei Jahren wurden somit dem Motorfahrzeugverkehr über 7000 Motorräder oder fast ein Viertel des Bestandes entzogen. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Jahren sind die mit Seitenwagen versehenen Motorvelos wieder etwas zahlreicher geworden. Ende September 1937 waren bei den kantonalen Motorfahrzeugkontrollen nur noch 27 500 Motorräder angemeldet, von denen 2450 mit Seitenwagen versehen waren. Diesen motorisierten Fahrrädern stehen 1 133 000 motorlose Velos gegenüber, deren Zahl innert Jahresfrist um fast 77 000 gestiegen ist. Die Vermutung liegt somit nahe, dass das Motorrad zur Hauptsache vom motorlosen Fahrrad verdrängt worden ist. Die Personenwagen sind in allen Kantonen zahlreicher geworden; ihre zahlenmässige Zunahme schwankt zwischen 0,4% in Schaffhausen und 7,5% im Kanton Appenzell. Mit Ausahme von Neuenburg stehen in allen Kantonen auch mehr Last- und Lieferungswagen im Verkehr als letztes Jahr. Bedeutend weniger einheitlich verlief die Entwicklung bei den Motorrädern. Während die Fahrzeugkontrollen in den Kantonen Nidwalden, Zug, Basel-Land, Appenzell A.-Rh. und Thurgau sogar grossere Bestände auswiesen, wurden in Uri, Obwalden, Appenzell I.-Rh., St. Gallen und Wallis mehr als 10% des vorjährigen Motorräderbestandes dem Verkehr entzogen. (Fortsetzung Seite 2.) Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 24. Fortsetzung. « Natürlich, ich hab eine Jugendliebe, Liebe gehabt Verstellen Sie sich nicht, Maquardt, Sie wissen es auch! » «Sie haben es mir ja selbst erzählt, Kulpe», sagte Hubert. Kulpe fuhr sich mit dem zerknüllten Taschentuch über das schweissfeuchte Gesicht. « Hab ich es Ihnen erzählt? Kann sein, ho, •warum soll ich es nicht erzählt haben.» Er sagte zu Cary: « Ich hab der Jugendliebe geschrieben, dass sie herauskommen soll. Hab ihr das Tickett geschickt, bisschen Geld, ich war Vertreter vom deutschen Lloyd. Schon seit fünfundzwanzig Jahren draussen. Dachte, lass doch Annie zu dir nach Shanghai kommen. Vor fünfundzwanzig Jahren meine Jugendliebe gewesen. Hübsches Mädchen, ho! Annie Kulpe, klingt gut, was? Ich schick ihr das Geld, ich schreibe, Annie. am 10. September geht der nächste Lloyddampfer, anbei Tikkett.» Kulpe streifte von der Krawatte die Zigarrenasche ab, die grau auf der fleckigen Seide lag. Dann sagte er plötzlich: «Pardon! » und stand auf. Langsam und würdig schlurfte er durch die Halle, um zu verschwinden. Er war total betrunken. « Wer ist das?» sagte Cary zu Hubert. «Ein früherer Vertreter vom Lloyd», sagte Hubert. « Er hat sich diese Braut auf einem Lloyddampfer nach Shanghai kommen lassen und wie er aufs Schiff gegangen ist, sie abholen, da hat ihm jeder, vom Kapitän bis zur Stewardess, erzählt, dass die Jugendliebe schon von Bremen an von Hand zu Hand gegangen ist, hübscher Skandal muss es gewesen sein. Und deshalb hat Kulpe sie nicht behalten können. Weil es die Firma gewusst hat, der ganze Lloyd hätte über ihn gelacht, oder ihn entlassen, — es ist nicht gegangen. Er hat schon ein Haus gemietet gehabt, alles für diese Annie eingerichtet, und hat sie trotzdem wieder heimschicken müssen. Ihm selbst war wahrscheinlich egal, was auf dem Schiff vorgefallen ist, er war allein, er war seit fünfundzwanzig Jahren in der Kolonie, er wollte heiraten, und schliesslich war es seine Jugendliebe. Er hätte ihr alles verziehen. Aber er hat sie heimschicken müssen. Und dann hat er angefangen zu saufen. Und dann hat ihn der Lloyd entlassen. Und dann ist er nach Singapore.» Cary nickte. Sie fror nicht mehr, ihr Gesicht und ihre Hände brannten. Sie legte die heissen Hände auf die Tischplatte, das war angenehm kühl. Mit der vorsichtigen, würdigen Haltung der Betrunkenen kam Kulpe wieder zurück. Er nahm Platz und sagte: « Hab nur im Office angerufen, das Personal muss merken, dass der Chef, der Chef...» Er brach ab und nickte. « Sie haben viel zu tun?» fragte Cary. «Nein», sagte Kulpe plötzlich. Seine kleinen rotgeäderten Augen begannen zu schwimmen. « Ich bin broke. Ohne Stellung.» Auf einmal fing er an zu weinen. Er sass in seinem Sessel, Zigarre in der Hand, und roch schlecht. Aus seinen kleinen Säuferaugen rollten die Tränen. «Willst du dem Portier sagen, dass er einen Wagen bestellt?» sagte Hubert. Er lächelte Cary verlegen an. «Ich komme gleich nach.» Cary blieb beim Eingang stehen, draussen auf der Strasse war das grelle wilde Sonnenlicht, auf den Hauswänden waren riesige Reklameschilder hingeklatscht, weiss und blau und gelb, Chesterfield-Cigarettes, Smoke a Chesterfield. Autos sausten vorbei. Eine Rikshaw hielt, der Kuli hockte sich zwischen die Deichselstangen, seine blaue Jacke war dunkel gefleckt von Schweiss. Cary drehte sich wieder zu der Portierloge zurück. « Kann ich hier ein Telegramm aufgeben? Nach Europa? » « Sicher Madame.» Der Portier legte ihr das glatte Depeschenformular hin. Cary streifte langsam den Handschuh ab. Ihr war schwindlig. Sie malte die Buchstaben hin, an Lois, Wien, viele Grüsse. Der Portier begann die Worte zu zählen. Vielleicht hätte sie etwas anderes telegraphieren sollen, warum denn Grüsse, oder überhaupt nicht, oder — es war schon recht. So wie es war, war es recht. Sie ging wieder zum Eingang, der Wagen stand da. aber Hubert kam nicht. Cary nahm den Hut ab, sie lehnte sich an den Türpfosten. Die Luft war voll von flirrenden Splittern und Funken. Dann war Hubert endlich da. « Ich glaube », sagte Cary. « Ich habe Fieber.» Huberts Gesicht war hinter einer Wolke von flirrenden Fäden, weit weg und entsetzt Cary wollte ihn beruhigen, sie lächelte, sie versuchte den Hut auf der Fingerspitze tanzen zu lassen. Aber gerade jetzt begann alles zu schaukeln, die Hand fiel zurück und der Hut kollerte über das fliegende Pflaster. Es war keine Malaria, nur irgendein Tro-