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E_1938_Zeitung_Nr.027

E_1938_Zeitung_Nr.027

BERN, Dienstag, 29. März 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert 10.— Ausgabe B (mit gew. Unlallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherunff) vierteljährlich Fr. 7.50 Eine ChcettcettuHQ ABONNEMENTS-PREIS Ei Zur Unverbindlichkeit der Kreisschreiben Durch die Fachpresse und die Tageszeitungen ging vor kurzer Zeit der Bericht über ein bundesgerichtliches Urteil, das den vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement ausgehenden Kreisschreiben zur Auslegung und Erweiterung einzelner Bestimmungen der Vollziehungverordnung zum MFG die Rechtskraft abspricht und demgemäss feststellt, dass diese Rumderlasse für den Richter nicht verbindlich sind. Das aber heisst gleichzeitig, dass auch der einzelne Verkehrsteilnehmer sich nicht daran zu halten hat, soweit sie den Vorschriften der genannten Verordnung einen veränderten oder erweiterten Sinn unterlegen. An diesem letztinstanzlichen Entscheid ist nicht zu rütteln- Er entspricht elementaren Rechtsgrundsätzen, die zum Einmaleins der Jurisprudenz gehören. Dennoch ist dadurch die Tätigkeit des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements vor der Oef fentlichkeit in ein recht einseitiges Licht gerückt worden, das dem verdienstvollen Wirken dieser Amtsstelle im Interesse immer besserer Ordnung des schweizerischen Strassenverkehrs nicht gerecht wird. Es soll deshalb im folgenden gezeigt werden, dass über jenen Fall hinaus, wo das Departement in besten Treuen mit seinen Auffassungen etwas über das Ziel hinausgeschossen sein mag, von seiner Arbeit noch genug des Gültigen bleibt, auf das bei dieser Gelegenheit einmal hingewiesen sein mag. Dass es zur authentischen Auslegung einer Gesetzesbestimmung — auch die Vorschriften der Vollziehungsverordnung gehören dazu — oder gar zur Erweiterung einer solchen Bestimmung nicht zuständig sei. wusste das Departement zweifellos selbst Es war ihm ja offenbar auch gar nicht um einen solchen Uebergriff zu tun; vielmehr hat man sich wohl den Vorgang ganz anders zu denken. Die Praxis all der Verwaltungsbehörden und Gerichte unserer fünfundzwanzig Kantone und Halbkanton« zeigt in manchen Fällen, wie verschieden In bestem Glauben der vielfach so knappe Wortlaut einer gesetzlichen Bestimmung ausgelegt werden kann. Nichts ist aber sowohl für die Rechts- als auch für die Verkehrssicherheit unheilvoller als das Nebeneinanderherlaufen verschiedener praktischer Anwendungen einer und derselben Vorschrift. Der schweizerische Automobil^ ganz besonders weiss ja davon ein Liedchen zu singen, befährt er doch vielfach bei der bescheidensten Geschäftsreise das Gebiet eines halben Dutzends von Staaten, die ihre eigenen Auffassungen vom Sinn eines Bundesgesetzes besitzen. Gewiss wacht das Bundesgericht als letzte Instanz über der einheitlichen Anwendung des eidgenössischen Verkehrsrechtes. Aber es können viele Jahre vergehen, bis irgend eine Gesetzesbestimmung auf dem Rechtswege vor sein Forum gezogen Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich) Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 wird; inzwischen jedoch dauert vielleicht die Rechtsunsicherheit bei den Verkehrsteilnehmern weiter an, und das ist nirgends verhängnisvoller als im Strassenverkehr. Da ist es denn an und für sich nur zu begrüssen, wenn auf irgend eine Weise wenigstens Während in den ersten drei Quartalen der Jahre 1934, 1935 und 1936 die Zahl der Strassenverkehrsunfälle rückläufig war, ist sie nach den neuesten Untersuchungen des eidg. Statistischen Amtes im Jahre 1937 über die Ausgangshöhe hinaus gestiegen. In den Monaten Januar bis September ereigneten sich 1100 Unfälle mehr als vor Jahresfrist. Entsprechend zahlreicher waren auch die verunfallten Personen. Hingegen ist auf die auffallende Tatsache hinzuweisen, dass der Strassenverkehr 1937 erheblich weniger Todesopfer forderte als im Vorjahre, wie dies aus der nachstehenden Zusammenstellung hervorgeht: Januar Total Unf. mit ver- Verunf. Davon bis Sept. Unfälle unf. Pers. Pers. getötet 1934 15 406 7 604 9 325 4«0 1935 14 830 7 219 8 766 470 1936 14 712 7 496 9 206 486 1937 15 804 8121 9 800 445 Obgleich nur spärliche Beweise dafür vorliegen, darf man wohl behaupten, dass die rein in praxl ein einheitlicher Verkehrsgebrauch zustande kommt. Gerade das aber vermag in vielen Fällen ein Kreisschreiben des Justiz- und Polizeidepartementes. Auch erlebt man es ja recht oft, dass selbst ein ganz unzweideutiger und unverfänglicher Wortlaut einer gesetzlichen Vorschrift, an der für den aufmerksamen Leser nichts zu deuteln bleibt, von verschiedenen Menschen und Behörden infolge unaufmerksamer Lektüre verschieden verstanden wird. Hier spielt dann das Kreisschreiben nur gerade die Rolle des Fingers, der dem vielleicht etwa unbebilfliohen Leser Wort für Wort einer solchen Vorschrift vor Augen hält und ihn zwingt, wirklich das zu lesen, was dasteht. Ein Beispiel: Ein Kreisschreiben Tom 9. Dezember 1937 beschäftigt sich mit der Frage der Ueberholung der Strassenbahn. Artikel 61, Abs. 3, der Vollziehungsverordnung bestimmt hierüber: «Die fahrende Strassenbahn ist recht« zu ' überholen, wenn der Raum zwischen dem rechten Rand der Fahrbahn und der Strassenbahn ausreicht; reicht er nicht aus, so darf sie links überholt werden.. .> Können Zweifel über den Inhalt dieser Bestimmung auftauchen? Es scheint zunächst nicht. Dennoch befolgt die Verkehrspraxis vielerorts den eindeutigen Sinn dieser Vorschrift nicht und verkehrt ihn dadurch fast in sein Gegenteil. Wo der Raum zwischen Tram und Rand der Fahrbahn ausreicht, darf nur rechts vorgefahren werden — deutlicher kann es nicht wohl gesagt werden. Dennoch überholen viele Autofahrer den Tram links, wenn dieser Raum durch haltende Fahrzeuge verstellt ist und machen sich dadurch der Verletzung einer unmissverständlichen Vorschrift schuldig. Ja. es kommt nicht selten gerade durch diesen Verstoss gegen einen klaren Gesetzestext zu sehr schweren Unfällen. Da ist es nur richtig, ja verdienstvoll, wenn das Departement die Verkehrsbehörden des ganzen Landes auf eine solche Rechts- und Verkehrsunsicherheit aufmerksam macht und ihnen nahelegt, in diesem Punkte besser zum Rechten zu sehen. Schluss auf Seite 2. Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz Bewegung der Strassenverkehrsunfälle seit 1934 hauptsächlich parallele Veränderunigen der Verkehrsdichte widerspiegeln. Wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist, ging von 1934—1936 die Zahl der Verkehrsbewilligungen für fabrikneue Motorwagen zurück, um erst im Berichtsiiahre wieder zuzunehmen. In Verkehr gesetzte fabrikneue Januar Personen- Last- Automobile bis Sept. wagen x ) wagen s ) überhaupt 1934 7 805 1 135 8 940 1935 7 540 882 8 422 1936 6 640 743 7 383 1937 7 213 826 8 039 Im gleichen Rhythmus entwickelte sich ebenfalls der Automobilbestand. Während Ende September 1936 noch 69,098 Personenwagen festgestellt wurden, waren es Ende September 1937 71,537 (+2439) resp. 70,765 Ende September 1935. Von erheblicher Bedeutung ist die stetige starke Vermehrung der im Strassenverkehr besonders gefährdeten Fahrräder in den letzten Jahren. In 22 Strassenverkehrsunfälle in den ersten 9 Monaten 1936, 1937. Unfälle Unfälle mit Verunfallte Davon Monate im ganzen verunfallten Personen Personen getötet 1936 1937 1936 1937 1936 1937 1936 1937 Januar 1041 1216 427 513 496 618 29 42 Februar «, 1056 1087 448 500 509 587 , 42 30 März 1276 1363 627 614 737 719 38 42 April 1415 1517 682 710 822 848 38 45 Mai 1800 1987 961 1127 1184 1360 70 60 Juni 1888 1996 993 1093 1220 1276 60 43 Juli 2050 2344 1130 1276 1376 1566 74 54 64 August 2178 2211 1203 1182 1491 1482 79 69 September 2008 2083 1025 1106 1371 1344 56 60 Januar bis September . . . . 14712 15804 7496 8121 9206 9800 48(5 445 INSERTIONS-PREIS: Die aehtceipaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer: Um die Neugestaltung des Benzinpreises. Schweiz. Fernverkehrsstrassen. Nach dem Training in Monza. Wie funktioniert der Motor? Kantonen (ohne Qlarus, Wallis und Genf) wurden Ende 1937 1,049,281 Fahrräder gezählt, was gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 71,771 Stück entspricht, während die Vermehrung von 1935 auf 1936 sogar 74,244 Velos betrug. Selbstverständlich kann keine Rede davon sein, dass die Vergrösserung des Automobilund Veloparkes an sich die Zunahme der Verkehrsunfälle bedingte. Die genannten Zahlen haben lediglich symptomatische Bedeutung, als sie bezeugen, dass im Jahre 1937 sich der vorher geschwächte Verkehr wieder belebte. Die Annahme, dass manche eingetragene Motorfahrzeuge, die während der Krisenzeit weniger benützt wurden, 1937 vermehrte Fahrleistungen ausführten, dürft© ebenfalls sehr wahrscheinlich sein. Ueber den Umfang des gesamten Strassenverkehrs weiss man indessen nichts. Dem gesteigerten Strassenverkehr entspricht eine höhere Unfallgefahr, weshalb die Nachweise über die Strassenverkehrsunfälle in den drei Berichtsquartalen nicht zu überraschen brauchen. Dass die Zunahme vom Jahre 1937 auf einer allgemeinen Ursache beruhen muss, zeigt auch ihre Qleichmässigkeit während der einzelnen Monate. Weniger eindeutig ist der zeitliche Verlauf der schweren Unfälle im Vergleich zum Vorjahre; denn im März und August 1937 war ihre Zahl geringer als 1936. was auch für die verletzten Personen gilt. Der Grund dieser merkwürdigen Abweichung bleibt noch unbekannt. Mannigfache Rätsel gibt nachstehende Tabelle über die Verteilung der Strassenverkehrsunfälle nach grösseren Städten und Gemeindengruppen auf. Ohne Verwendung von Prozentzahlen ist aus ihr zu erkennen, dass die Unfälle hauptsächlich in den Gemeinden mit weniger als 10,000 Einwohnern zahlreicher wurden, und zwar sowohl die Unfälle ohne, als auch jene mit Personenverletzung. Diese absolut wie relativ überdurchschnittliche Zunahme dürfte durch eine besondere Belebung des Ueberlandverkehrs verursacht sein. Jedoch unverständlich ist die gleichzeitige erhebliche Verminderung der tödlich Verunglückten auf dem Lande. Ebenso gestattet das vorliegende, noch summarische Zahlenmaterial keine Erklärung Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 25. Fortsetzung. Und nur noch zwei, das Festland war verschwunden, glühend lag der Himmel über dem Wasser. Noch vierundzwanzig Stunden. Hubert wurde nervös, er packte Koffer, er konnte nicht mehr ruhig sitzen. «Natürlich wird uns der junge Ross abholen, und wahrscheinlich Meyer, das ist mein Bankier, alter Freund von meinem Vater, gerissener Hund, aber ein freundlicher Mensch. Wird dir sicher gefallen, Cary. Er spielt Klavier. Kann man die Bücher schon in den Koffer geben? Wir werden so glücklich sein in China. Cary, wo ist dein Ring? » «Da!» sagte Cary. Sie hob die braune Hand, am linken Ringfinger sass der grosse flachgeschnittene Aquamarin, durchsichtig wie lichtdurchglänztes Wasser. «Der andere! Die Perle!» «Die muss irgendwo im Toilettetisch sein», sagte Cary. «Ich hab sie weggelegt, es wird mir gleich einfallen, wo sie ist.» Hubert stand da, beide Arme voll Bücher. Er bemühte sich, ruhig zu sprechen. « Verloren, Cary?» « Aber nein », sagte sie. « Wirklich, ich hab sie irgendwo aufgehoben.» Sie kramte in dem schmalen Schubfach, silberne Bürsten, eine Briefmappe, ein verblasstes Bild des Feldzeugmeisters Carl Maria Seilern. « Komisch », sagte sie. « Der Ring war doch da.» « Cary, du kannst mir doch sagen, wenn du ihn verloren hast. Qlaub mir, ich...» Hubert hatte die Bücher aufs Bett fallen lassen. Ring für achttausend Dollar, eine Perle, weisser als der Mond. «Cary, Liebling, bitte mach mir keinen Unsinn vor, du hast den Ring verloren. Es ist meine Schuld, dass er nicht versichert war. Wann hast du ihn verloren? > Sie holte aus dem Fach ein Parfumflakon hervor, weisse Linontaschentücher, — darunter lag der Ring. « Wieder beruhigt, Hubert ? » Sie lachte und hob den Kopf. Sie hörte auf zu lachen. Hubert stand da, kleine Schweisstropfen auf der Stirn. Cary verstand. Er hatte wirklich geglau'bt, dass der Ring verschwunden war. Aber sie verstand nicht, dass er so entsetzt war. «Du musst achtgeben auf den Ring >, sagte Hubert. « Er hat achttausend Dollar gekostet.» «Ja», sagte Cary. Eine Viertelstunde später hatte sie es schon wieder vergessen. Natürlich sind achttausend Dollar eine unvorstellbare Summe. Aber er wird sein Herz daran hängen ? Langsam, mit halber Kraft, ging die Rawalpindi in das gelbe Wasser der Yangtzemündung hinein. Die Sonne brannte. Ein riesiger, grellblauer Himmel war ausgespannt, funkelnd und wild, er versengte die Augen, er warf sich über die gelbgrauen Sohlammbänke hin, über das tote, lehmdicke Wasser. Der Dampfer kroch vorwärts, dem Whangpoo entgegen, flache Ufer, dürr, gelb, ohne Hintergrund, ohne Erhebung, leer wie die Wüste. Cary stand an der Reling, die Hände um die heissen Messingbarren gepresst. Der Strom wurde schmäler, Dschunken tauchten auf, verlotterte, chinesische Küstendanjpfer lagen vor Anker, wimmelnd von Menschen, schaukelnde Sampangs mit halbnackten Kindern, Und immer stromaufwärts. Viertelstunde um Viertelstunde, bleiernes Wasser, an den Kanonen von Wusung vorbei, dann kamen die Werften näher, Krane streckten sich aus, der Whangpoo bog sich in breiter Krümmung zurück. Und jetzt, — da liegt der Hafen, Häuser, Mauern, Shanghai. Es war fünf Uhr nachmittags, die Luft kochte. Rauch und Staub lagerten über dem gelben Strom. Mit farblosen Zementfassaden, Hochhäusern, schwarzen, engen Strassenschluchten