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E_1938_Zeitung_Nr.029

E_1938_Zeitung_Nr.029

BERN, Dienstag, 5. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 29 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. &.—, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) viertelJUuiieh Fr. 7.50 Schweizerisches Strafgesetzbuch und dessen Auswirkungen für uns Unter dieser Ueberschrift ist in der «Automobil-Revue» vom 22. März eine Einsendung des Herrn R. v. Stürler erschienen, die einige Bestimmungen des schweizerischen Strafgesetzbuches in ihrer Bedeutung für die Automobilisten darstellt und daran Bemerkungen knüpft, die für die Abstimmungsvorlage nicht eben Stimmung machen. Ich glaube nicht, dass ie eine Vorlage an das Volk weniger geeignet war als das Strafgesetz, aus dem Gesichtspunkt der eigenen Interessen eines bestimmten Kreises betrachtet zu werden. Die Kodifizierung des Strafrechts ist ein so gewaltiges Kulturwerk, das Strafgesetz ist als Hüter von Rechtlichkeit, Moral und Sitte, als Werkzeug der Verbrechensbekämpfung von so allumfassender Bedeutung, dass dem verantwortungsbewussten Bürger ihm gegenüber wirklich nur die eine Frage erlaubt ist: wie es dem Ganzen diene. Die erwähnte Einsendung veranlasst mich aber, im Interesse der Sachlichkeit das Gesetz einmal F E U I L L E T O N Blatt Im Wind. Voo Joe Lederer. 27. Fortsetzung. Auf dem Kaminsims hielt die Schäferin ihren zerbrochenen Armstumpf in die Luft. «Noch einen Schluck?» fragte Hubert. Sie tranken zusammen aus einem Glas. «Besser?» fragte Hubert. «Ja», sagte sie. «Herrlich. Denk nicht mehr dran. Jetzt ist mir wieder herrlich. Und wer hat den Whisky erfunden?» «Ich weiss nicht», sagte Hubert. «Du bist sehr ungebildet. Ich weiss es auch nicht. Wir sind beide sehr ungebildet. Vielleicht weiss es der junge Ross?» «Hoffentlich kommt er nicht.» «Hoffentlich nicht. Aber wenn er kommt, muss man ihn gleich fragen.» In deni kleinen Salon nebenan, wo die steifen geblümten Chintzstühle standen, flammte Licht auf. Cheng kam herein, ein dünnes Kuvert auf dem Tablett. «Telegramm», sagte Hubert. Er unterschrieb und machte das Kuvert auf. 10.— Von Bundesrichter G. Leuch, Lausanne. Ericheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenraiustr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GesetairtMUlle Zürich! L&wenstrasse 51, Telephon 39.743 als Automobilist unter die Lupe zu nehmen. Ich will mich nicht bei dem Vorwurf mangelnder Einheitlichkeit des Gesetzes, mit dem Herr v. Stürler einleitet, aufhalten, weil er ihn in keiner Weise belegt, sondern aus dem langsamen Werdegang als selbstverständlich ableiten zu dürfen glaubt. Herr von Stürler glaubt offenbar nicht an die Weisheit des Spruches: «Gut Ding will Weile haben.» Er übertreibt übrigens, wenn er von 40jährigem «Parlamentieren» redet. Als der Entwurf des Bundesrates vor die Räte kam, schrieben wir März 1928 (NR) bzw 1931 (StR). Bis dahin hatte seine Beratung derjenigen des Zivilgesetzbuches und während des Krieges und in der Nachkriegszeit den dringenden wirtschaftlichen Aufgaben des Parlamentes weichen und nachher wiederum vor dem Militärstrafgesetzbuch zurücktreten müssen, das — nebenbei gesagt — zu einem guten Teil identischen Inhalts mit dem vorliegenden Gesetz ist und in den zehn Jahren seiner Geltung, nach allgemeinem Urteil der Praktiker, die erste Probe glänzend bestanden hat. Wie Herr v. Stürler schreibt, bleiben die hauptsächlich den Automobilisten angehenden Strafbestimmungen wegen Widerhandlung gegen die Vorschriften über den Strassenverkehr nach wie vor durch das Motorfahrzeuggesetz geregelt. Das Inkrafttreten des Strafgesetzes brächte in bezug auf sie bloss die eine Aenderung, dass die Gefängnisstrafe, die alternativ neben der Busse auf gewissen Widerhandlungen steht,sich in die leicht-ere Haftstrafe verwandelt. Nur in einigen ganz schweren Fällen (schwere Betrunkenheit am Volant, Flucht nach Verursachung eines Unfalles und Rücklassung des Verunfallten in hilfloser Lage, Entwendung eines Automobils zum Gebrauche) bliebe es bei der Gefängnisstrafe; gewiss mit Recht, denken alle Leser mit mir. Die Strafbestimmungen des MFG gelten aber nur für die Widerhandlungen gegen die Verkehrsvorschriften, die keine weitern Folgen gehabt haben. Hat eine solche zu einem Unfall geführt und ist dabei ein Mensch getötet oder verletzt worden, so steht der Tatbestand der fahrlässigen Tötung oder Körperverletzung in Frage, der heute noch dem kantonalen Strafrecht untersteht. Das eidgenössische Recht wirkt nur insofern ein, als nach der Rechtsprechung des Kassationshofes des Bundesgerichts eine Fahrweise nicht als fahrlässig im Sinne des kantonalen Rechts erklärt werden darf, die in Wirklichkeit mit den eidgenössischen Verkehrsregeln im Einklang steht. Nach Annahme des schweizerischen Strafgesetzbuches wäre auch die fahrlässige Tötung oder Körperverletzung ihm unterstellt. Das Delikt kommt leider häufig vor. Von gewissenlosen, mutwilligen und liederlichen Automobilisten, die es begehen, wollen wir hier nicht reden. Ihnen gebührt empfindliche Strafe, wie sie das Gesetz ermöglicht. Daran sind wir andern, die wir uns befleissen, korrekt und rücksichtsvoll gegenüber den übrigen Strassenbenützern zu fahren, in allererster Linie interessiert. Wir wissen aber, dass trotz dem besten Willen jedem von uns einmal eine Unachtsamkeit unterläuft; etwas Pech dazu und das Unglück «Von Erdesz! Das ist nett von ihm. Ein Telegramm von Erdesz. Dass er drüben in Europa dran gedacht hat, dass wir heute hier angekommen sind.» Cary streckte die Hand nach dem weissen Blatt aus. Grüsse, viele gute Wünsche, immer Ihr Stephan Erdesz. «Master Ross kommt noch», sagte Hubert zu Cheng. Cheng nickte. Er ging ins Esszimmer hinüber Cary lag das Telegramm, es war in Wien aufgegeben, Freitag, zwölfter Juni, vor ein paar Stunden war Erdesz in einem Postamt in Wien gewesen und hatte auf ein Formular hingeschrieben: Grüsse, viele gute Wünsche. Jetzt waren die Wünsche da, in Shanghai. Immer ihr Stephan Erdesz. «Ich freu mich wirklich über das Telegramm», sagte Hubert. «Du auch?» «Ja», sagte Cary Sie drehte sich um und ging durchs Zimmer zurück, die Stühle waren steif ausgerichtet wie Soldaten. Der Whisky Hess sie schnell atmen, sie spürte ihr Herz klopfen, sie war vergnügt, es war alles nicht so wichtig. Cary ging durch den grossen Salon, sie wich der Räucherschale mit den glimmenden Stäbchen aus. Hubert stand beim Kamin. ist da. In diesen Fällen die Strafwürdigkeit einfach an der Schwere der Folgen zu messen, wie es manchenorts weitgehend geschieht, verletzt jedes Rechtsgefühl. Dem aber trägt das schweizerische Gesetz Rechnung. Im Unterschied zu verschiedenen kantonalen Gesetzen, die bei fahrlässiger Tötung die Freiheitsstrafe obligatorisch machen (z. B. Bern mindestens zwei Monate Korrektionshaus, Zürich Gefängnis), gibt es dem Richter die Möglichkeit, auch nur Busse auszusprechen wie bei fahrlässiger Körperverletzung. Herr v. Stürler erwähnt, dass jede Körperverletzung den Verletzten zur Strafanzeige berechtigt und dass bei schweren Körperverletzungen der Täter von Amtes wegen verfolgt wird, während z. B. nach bernischem Recht die fahrlässige Körperverletzung nur bei bleibendem Nachteil und nur auf Klage des Verletzten hin bestraft wird. Er befürchtet, dass die Scheidung in leichte und schwere Körperverletzungen «der Willkür Tür und Tor öffne». Die Bestrafung auch leichter fahrlässiger Körperverletzung kennt die Mehrzahl der Kantone längst. Ob die Busse für die Widerhandlung gegen die Verkehrsvorschriften oder ob sie für eine durch dieselbe begangene fahrlässige Körperverletzung leichter Art ausgesprochen wird, kommt nach meinen Festellungen auf Grund der dem Kassationshof bisher vorgelegenen Akten ungefähr auf dasselbe heraus. Wer es bezwel- Es war das besondere Verdienst der «Vereinigung Gotthardstrasse», dass sie auch in den letzten drei Jahren, wo enorme Mengen Schnee auf dem Gotthard lagen, stets unentwegten Mutes an die Arbeit gegangen ist und allen Schwierigkeiten zum Trotz mit beträchtlichen finanziellen Mitteln die Strasse alljährlich um etliche Wochen früher für den Fahrverkehr frei gemacht hat. Von den interessierten Behörden ist diese Tat bis anhin in ungenügender Weise gewürdigt worden. Man überliess die Arbeit gerne der «Vereinigung Gotthardstrasse», man überliess es ihr auch, die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Heuer liegen die Verhältnisse nun wesentlich anders. Das lang andauernde prächtige Märzwetter hat mit den Schneemassen auf dem Gotthard kräftig aufgeräumt; am 25. März war die Südseite der Strasse bereits bis Motto Bartola ob Airolo völlig schneefrei und beim Hospiz war die Schneedecke bis auf einen Meter zusammengeschmolzen. Es dürfte daher, wenn eine leistungsfähige Schneeschleudermaschine eingesetzt wird, sehr wohl möglich sein, die Gotthardstrasse schon auf Ostern freizulegen, sofern man — will. Denn sollten auch noch Schneefälle einsetzen, so handelt es sich um nassen Neuschnee, der, wie die Erfahrungen am Julier und der Maloja zeigen, rasch wieder beseitigt werden kann. Mit den viele Meter hohen Wänden verharsteten, festgefrorenen Lawinenschnee wird man sich dieses Jahr jedoch nicht herumzuschlagen haben. Um aber die Gotthardstrasse auf Ostern Dann waren draussen in der Halle Schritte, Cheng sagte etwas, sie fuhren auseinander. «Das ist Ross», flüsterte Hubert. Er versuchte zu lachen. Eine Haarsträhne hing ihm in die Stirn. Cheng machte die Salontür auf, ohne irgend jemand anzusehen. «Master Ross.» Der junge Ross kam leise herein, die Schultern vorgeneigt, wie ein Chinese. Der weisse Anzug schlotterte um seinen dürren Körper. Ein kleiner Mann, blass wie Wachs. «Hallo, Ross», sagte Hubert. «Endlich!» Ross verbeugte sich vor Cary, einmal, zweimal. «Gnädige Frau, Sie müssen entschuldigen, dass der erste Abend ... ich störe Ihren ersten Abend aber ..» Cheng füllte die Whiskygläser und verschwand «Etwas Wichtiges, Ross?» fragte Hubert. «Silber!» sagte Ross. «Ich hab die ganze Zeit gefürchtet, es geschieht etwas, noch bevor Sie zurückkommen, Hubert. Es ist in der Luft gelegen wie ein Gewitter. Ich hab nicht mehr schlafen können. Das Silber hat ununterbrochen angezogen.» Cary sah Hubert an, er hörte Ross unaufmerksam zu. Die Haarsträhne hing ihm noch immer in die Stirn. «Die Situation ist seit einem halben laVr INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarii Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen ter Nnmmrt In dieser Nummer s Fernverkehrsstrassenprojekte. Phantastische Mille Miglia. Innere Hygiene des Motors. Wie funktioniert der Motor? Werbung für den Autotourismus. Die Kleine Revue. feit, mag sich bei den Zürchern erkundigen, die schon bisher unter dieser Ordnung lebten. Auch die amtliche Verfolgung wenigstens der fahrlässigen Körperverletzung schwerer Art ist verbreitet und doch wohl kaum zu beanstanden. (Fortsetzung S. 2.) Was geht mit der Gotthardstrasse? durchgehend öffnen zu können, ist es unerlässlich, dass auch der urnerlsche Abschnitt schneefrei gemacht wird. Für die Strecke Hospenthal-Mätteli sollte dies mit Hilfe einer Schneeschleudermaschine ebenfalls möglich sein, wenn sich nicht der Kanton Uri gegenüber der «Vereinigung Gotthardstrasse» die NichtVerwendung irgendwelcher maschineller Hilfsmittel strikte ausbedüngen hätte. Dazu kommt, dass auch noch der Abschnitt durch die Schöllenen von Göschenen bis Andermatt vom Schnee befreit werden muss. Ob die urnerischen Baubehörden in den Apfel beissen und sich zur Oeffnung des ganzen Abschnittes Göschenen- Mätteli aufraffen werden, dürfte leider sehr fraglich sein. Mit ihren eigenen finanziellen Mitteln werden sie es kaum schaffen und die Hilfe der « Vereinigung Gotthardstrasse » ist durch das eigenmächtige Vorgehen des Kantons Tessin, der, entgegen der getroffenen Vereinbarung, sein Teilstück dieses Jahr, wo es eben nicht soviel kostet, selbst öffnen will, sehr in Frage gestellt. Es ist sehr bedauerlich, dass nachdem die Verhältnisse für die Oeffnung der Strasse auf Ostern dieses Jahr so günstig liegen, das sonderbare Tessiner Vorgehen diese Aktion sehr erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Um so mehr wird es daher Aufgabe des Kantons Tessin bleiben, die Verhandlungen mit dem Kanton Uri sofort aufzunehmen und die Arbeiten auf Urner Boden eventuell finanziell zu unterstützen. V immer die gleiche», sagte Ross. Dass der Silberwert am Weltmarkt zu stark anzieht. Daher der viel zu grosse Export. Das Silber rinnt fort» «So», sagte Hubert. Er stand auf und setzte sich auf die Armlehne von Carys Sessel. «Ja», sagte Ross. Er schwieg, die knochigen, ausgeblichenen Hände ineinandergefaltet. «Und?» «Embargo!» sagte Ross. «Jetzt ist es zum Klappen gekommen. Jetzt geht das Gewitter nieder Die Regierung wird am Fünfzehnten ein Embargo auf den Silberexport legen.» «Ausgeschlossen», sagte Hubert. Ross sass still, er liess die zerknitterten Augenlider halb zufallen. «Vollkommen ausgeschlossen», sagte Hubert. «Das gibt's nicht.» «Ich weiss es», sagte Ross. «Das legt den ganzen Import lahm. Und die Regierungseinnahmen aus dem Zoll? Was wird mit denen?» «Am Fünfzehnten», sagte Ross, «kommt ein Embargo.» (Fortsetzung folgt.)