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E_1938_Zeitung_Nr.028

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BERN, Freitag, 1. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 28 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassen versicheranfO vierteljährlich Fr. 7.50 10.— Ericheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage ..Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „G«n>e Liste- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Urcitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.223 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratensrhluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer Politisierung der Verkehrsverbände Eine Entgegnung Die Kant. Strassenverkehrsliga Zürich schreibt uns: Unter diesem Titel erschien in einigen Tageszeitungen eine längere Einsendung von « gut unterrichteter » Seite, die sich mit der Reorganisation der Schweiz. Strassenverkehrsliga befasste. Kurz zusammengefasst wurde behauptet, die von den kantonalen Strassenverkehrsligen verlangte Umbildung der schweizerischen Liga bezwecke, sie zu « einem machtpolitischen Reservat und Bollwerk der Sozialdemokratie auszubauen », da das Reorganisationsprojekt des Präsidenten der Zürcher Strassenverkehrsliga, Herrn C. Burk, für die kantonalen Verkehrsligen ein gleiches Stimmrecht wie für die grossen nationalen Verbände verlange. Demgegenüber stellen wir folgendes fest: Die Schweiz. Strassenverkehrsliga wurde seinerzeit anlässlich der Abstimmungskämpfe über ein eidg. Motorfahrzeug- und Fahrradgesetz auf Initiative der schon lange vorher bestehenden zürcherischen Verkehrsliga gegründet. Neben zehn Spitzenverbänden gehörten der schweizerischen Liga die kantonalen Ligen von Basel und Zürich als Gründungsmitglieder an. Sie besassen das gleiche Stimmrecht wie die Spitzenverbände. Nachdem die schweizerische Liga jahrelang ein Dornröschendasein führte und die letzte Aktion der « Via Vita » mit einem Misserfolg endigte, hielt es die Schweiz. Strassenverkehrsliga für nötig, die Tätigkeit wieder aufzunehmen und eine Umbildung der bestehenden Organisation vorzunehmen. Dieser Reorganisationsentwurf anerkannte als stimmberechtigte Mitglieder nur die schweizerischen während den Spitzenverbände, kantonalen Verkebrsligen das Stimmrecht entzogen F E U I L L E T O N Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 26. Fortsetzung. Um drei Stufen tiefer als die schattige Säulenveranda zog sich der Rasen hin, weit hinunter. Man sah kein Ende, die Parkmauer war hinter Bäumen versteckt. Der grosse alte Chinese mit dem glattrasierten Schädel wartete neben dem niedrigen Bambustisch. Er hob die Augen nicht. Aber als Hubert zu ihm trat, begann er zu lächeln, er flüsterte etwas, seine dicken violetten Lippen bewegten sich eifrig und schnell. « Cheng hat die Koffer hinauftragen lassen », sagte Hubert. « Komm, nimm diesen Sessel, der ist bequemer. Das ist Cheng.» Cheng beugte sich zum Teetisch, er rückte mit langen dunklen Fingern ein Glas zurecht. Sein breites Gesicht war leer und ausdruckslos. « Es ist heiss », sagte Hubert. « Bring den Fächer für die Taitai.» Cheng verschwand, seine Filzsohlen glitten lautlos über die Steinfliesen. werden sollte und man sie nur zu ausführenden Organen für die Beschlüsse der Dachorganisation deklassieren wollte. Dass sich gegen ein solches Projekt insbesondere die Zürcher Verkehrsliga verwahrte, ist verständlich, wenn berücksichtigt wird, dass der Zürcher Liga 25 Verbände von Strasseninteressenten, worunter die grossen Sektionen des ACS, TCS, ASPA, UMS, OMV, ATB, SRB usw., mit rund 50 000 Mitgliedern angehören. Mit Ausnahme von zwei Spitzenverbänden, des Schweiz. Radfahrerbundes und des Touring-Club der Schweiz, erreicht kein anderer Spitzenverband diese Mitgliederzahl. Trotzdem werden in der erwähnten Einsendung die kantonalen Ligen als «Organisationen von lediglich lokaler Bedeutung » bezeichnet. Diese « unbedeutende» Organisation der Zürcher Strassenverkehrsliga brachte es trotzdem fertig, für die zürcherische Verkehrsgesetz-Initiative im Kanton Zürich allein 37 600 Unterschriften stimmfähiger Schweizerbärger zu sammeln, während die «Via Vita», die in letzter Zeit die Aufgabe der Schweiz. Strassenverkehrsliga erfüllte, für ihre Protestaktion gegen die Benzinzollerhöhung insgesamt nur 80 000 Unterschriften (Nichtstimmberechtigte inbegriffen) aufzubringen vermochte, trotzdem ihre Aktion das ganze Gebiet der Schweiz umfasste. Die Zürcher Verkehrsliga gestattete sich nun, zum Statutenentwurf der schweizerischen Liga einen Gegenentwurf auszuarbeiten, der den kantonalen Ligen wie bis anhin Stimmrecht und Vertretung gewährleisten sollte. In diesem Entwurf war ausdrücklich vorgesehen, den Spitzenverbänden ohne weiteres im Stimmrecht und in der Vertreterzahl die Majorität gegenüber den kantonalen Ligen zu sichern. In Verhandlungen mit dem Vorstand der Schweiz. Strassenverkehrsliga erklärte man sich ohne weiteres bereit, sich mit einem Drittel der Zentralvorstandsmitglieder zu begnügen. In der Delegiertenversammlung sollte jeder Spitzenverband drei Delegierte abordnen dürfen, die kantonalen Verkehrsverbände dagegen nur einen. Wenn nun in der Einsendung von « gut unterrichteter Seite » behauptet wird, die zürcherische Verkehrsliga habe ein gleiches Stimmrecht beansprucht, so ist dies eine bewusste Unwahrheit. aber leider nicht die einzige in dieser Einsendung. (Schluss Seite 2.) Oesterreich erhält 11OO km Autobahnen Ein weiterer Schritt zur Umfahrung der Schweiz. — Was tun wir dagegen? Mit der Eingliederung Oesterreichs in das 1 Deutsche Reich ist auch die Frage akut geworden, wie sich die Neugestaltung der politischen Situation auf den Ausbau der Strassen im Raum des ehemaligen Oesterreich auswirken werde. Lange hat die Antwort nicht auf sich warten lassen : nachdem sie Göring in seinem Wirtschaftsplan angedeutet, entwickelte sie der GeneralinsTjektor des deutschen Strassenwesens, Dr. Todt, am letzten Montag in ihren Einzelheiten. Für die Instandhaltung und Verbesserung der bereits bestehenden Strassen liegt danach ein Sofortprogramm bereit, zu dessen Verwirklichung das Reich 15 Millionen Rm. aufwendet. Darüber hinaus plant man eine Erweiterung des österreichischen Strassennetzes, ein Gedanke, dem der Wunsch zu Gevatter steht, « Oesterreich zu einem bevorzugten Reiseland Europas zu machen». Und als dritte Massnahme endlich wurde — wie vorauszusehen — der Bau von 1100 km Reichsautobahnen verkündet, wobei folgende neue Verbindungen erstehen sollen : 1. SALZBURG - LINZ - WIEN als Teilstrecke der Transkontinental-Route London - Istambul. 2. WIEN - RADSTADT - SALZBURG. « Er versteht ja deutsch », sagte Cary erstaunt. «Natürlich, er ist seit zweiunddreissig Jahren bei uns. Bevor ich noch auf der Welt war. Er ist Boy Nummer eins, er führt das ganze Haus.» « Aber vorhin hat er doch chinesisch zu dir gesprochen ? » < Ja, ich glaub. Ich merk das nie. Wir sprechen meistens chinesisch miteinander.» « Komisch », sagte Cary. « Chinesisch als Umgangssprache.» Sie sass in dem breiten tiefen Bambussessel und besah sich den Lilienstrauss auf defi Teetisch, die silbernen Kannen mit dem gekrümmten Drachenleib als Henkel. « Und was spricht er noch ? Englisch ? > « Nein », sagte Hubert. Cheng kam zurück, einen kleinen elektrischen Messingfächer im Arm. Er schaltete den Kontakt in die Mauer, der Fächer begann sich zu drehen, zu surren. Cheng hockte am Boden, er gab dem Fächer eine vorsichtige Wendung, leise, langsam, dass der kühle Wind Huberts Gesicht streifte. « Für die Taitai ! » sagte Hubert. « Dreh den Fächer zur Mississee ! » « Ja », sagte Cheng. 3. INNTAL-LINIE KUFSTEIN - SGHWAZ - INNS- BRÜCK mit Anschlug« an die Reioh sau tobahnen München - Salzburg bei Rosenhain, womit eine durchgehende Autobahnverbindung Wien - Innsbruck erstünde. Als erste Etappe dieses Programms würde die Strecke Salzburg-Linz-Wien in An- In dieser Nummer: Der Trolleybus. Mille Miglia in 12. Auflage. Mercedes-Benz und Alfa Romeo am Gr. Preis von Pau. Fünf zylindermotoren. Verteilung des Benzinzollviertels. der uns von ihnen trennt, wird zum Schaden unserer nationalen Wirtschaft noch weiter wachsen, wenn es uns nicht gelingt, durch die Anlage von Fernverkehrsstrassen, wie sie das Postulat Wenk anstrebte, ein Gegengewicht gegen die verschärften Umfahrungstendenzen zu schaffen. Um die Neugestaltung der Benzinordnung. Noch eine Ablehnung des Zonensystems. Die Generalversammlung der Aspa hat sich, wie wir berichteten, gegen die Schaffung von Zonen im Rahmen der geplanten Neuregelung der Benzinordnung ausgespro- griff genommen, zumal sie schon 1941 demchen. Sie ist damit nicht allein geblieben, Verkehr zur Verfügung stehen soll. Noch' für sondern ihre Stimme hat Verstärkung aus den Lauf dieses Jahres verhiess Dr. Todt den Reihen des schweizerischen Autogewerbeverbandes erhalten. Auch er befasste sich auch den Baubeginn auf dem Abschnitt Wien-Wiener Neustadt. In welchem Tempo mit diesem Problem, auch er gelangte zur die Ausführung dieser Pläne erfolgt, dafür Erkenntnis, dass die Schaffung von Preiszonen auf jeden Fall abzulehnen sei, weil sie, spricht der Umstand, dass angesichts der Kleinheit unserer Verhältnisse und der Kürze der Distanzen unwei- 15,000 Arbeiter auf den Baustrecken gerlich zur Folge hätte, dass ein grosser Teil eingesetzt werden sollen. des Bedarfs der landesinneren Zonen in den Schneller als gedacht, haben sich unsere äusseren gedeckt würde, die mit günstigeren Voraussagen erfüllt. Und man müsste schon Preisen aufwarten. Auch aus sozialen Gründen sei eine Preisstaffelung nach Zonen un- auf beiden Augen blind sein, um zu verkennen, dass damit die Gefahr der Umfahrung erwünscht, ganz abgesehen davon, dass Hotellerie und Fremdenverkehr daraus eine unseres Landes zusehends greifbarere und drohendere Gestalt annimmt, wird doch Schädigung zu gewärtigen hätten. Aus diesen Erwägungen heraus beschloss die Ver- schon von Frankfurt an der ganze von Norden heranströmende Verkehr ostwärts um bandsversammlung, dem Volkswirtschaftsdepartement den Widerstand des Autoge- die Schweiz herum abgelenkt. Heute schon liegen wir im Kampf um den internationalen werbes gegen die Zonenordnung anzukündigen. Die ablehnende Stellung soll in einer Autotourismus gegenüber unsern Nachbarländern im Hintertreffen. Und der Abstand, schriftlichen Eingabe begründet werden. Er stand auf, gross und würdig goss er den Tee ein, er hatte keinen Blick für Cary» Betrunkener Himmel, weisses fremdes Säulenhaus, alles wie aus einem Bilderbuch. Aber auch Bombay war wie aus einem Bilderbuch gewesen, und der Mount Lavinia in Colombo, und die glitzernden Lichter von Hongkong. Ein Bilderbuch, ein Panorama, das vorbeizieht, die Rawalpindi blieb nie länger als einen Tag im Hafen. Aber jetzt packte Cheng oben die Koffer aus. Etwas Endgültiges war geschehen. « Ross kommt abend auf eine Minute vorbei », sagte Hubert. « Er will mir noch irgendwas erzählen.» « Ja », sagte Cary. «Ich werd ihn aber bald hinauswerfen.» « Nicht meinetwegen.» « Doch », sagte Hubert. « Du wirfst ihn hinaus ? Machst du das wirklich ? » « Soll ich ihn anrufen, dass er überhaupt nicht kommt ? » « Nein», sagte Cary. « Er soll nur herkommen, und du wirst dich sehr langweilen mit ihm und du wirst ihn hinauswerfen.» « Und dann werden wir einen hübschen Abend haben», sagte Hubert. Beilage: Cary nickte. « Müde ? » « Ja », sagte sie. Sie war nicht müde. Sie hatte Angst. Es war altes so endgültig. Es war schön, aber endgültig. Die Schiffsplanken waren fort. Was blieb, das war Cheng und die zerbrochene Schäferin und ein weis- •ser fremder Säulenbau. Das Panorama stand still. « Da ! > sagte Hubert. « Die Reiher ! » Er zeigte in die Luft, aber Cary sah nichts. «Mehr links, bei den Koniferen. Schnell, sie sind gleich fort. Hast du sie ? Da sind sie doch, ganz hoch oben, gerade über dem Pavillon ! » Sie lief die Stufen hinunter, sie hatte Herzklopfen, aber die weissen Reiher waren schon vorbeigezogen. Der Himmel war blau und strahlend hoch und leer. « Jetzt hab ich sie versäumt», sagte Cary. Sie stand da, ihr Herz klopfte bis zum Hals, sie hatte den Kopf zurückgebogen und suchte den Himmel ab. « Du wirst noch viel sehn, sie fliegen im Sommer oft vorbei. > « Wirklich ?» « Natürlich », sagte Hubert.