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E_1938_Zeitung_Nr.030

E_1938_Zeitung_Nr.030

BERN, Freitag, 8. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 30 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES impM A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruns) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Benzinpreis-Gestaltung Eine Kompromisslösung: Sofortige Herabsetzung auf 44 Rp.; Einführung des Zonenpreissystems vorbehalten. Die auf den internationalen Benzinmärkten Platz greifende Senkung der Weltmarktpreise und die stark rückläufige Bewegung der fTankfrachtansätze schufen endlich auch für uns die Möglichkeit einer Reduzierung des infolge übersetzter Zollbelastungen sehr hohen Benzinpreises. Nachdem seinerzeit die Preiserhöhungen von 36 auf 43, resp. auf den heute geltenden Tanksäulenpreis von 45 Rappen pro Liter auf dem gesamten Gebiet der Schweiz einheitlich zur Anwendung gelangten, wurde allgemein angenommen, dass dieses nämliche Vorgehen auch für den umgekehrten, sehnsüchtig herbeigewünschten Fall der Preisreduktion gewählt werde. Aber wie es so oft geschieht — die Wirtschaft denkt, und im Bundeshaus wird gelenkt. Dort will man nämlich neuerdings vom Einheitspreissystem nichts mehr wissen, dort muss in irgendeiner Amtsstube das Blatt-im Wind. Von Joe Lederer. 28. Fortsetzung. «Die Zolleinnahmen würden viel zu schmal werden. Ein riesiger Unsinn. Das können sich die Nanking Bonzen nicht leisten. Die werden sich nicht ins eigene Fleisch schneiden.» Cary hörte zu, ohne ein Wort von dieser fremden Sprache zu verstehn. Es war heiss. Die Luft schien zu zittern vom Schrillen der Zikaden. Alles klebte, das Leder der Stühle, die Streichholzschachtel, die Tischplatte. Im Garten schrillte der Lärm hinauf zum schwarzen Himmel. «Der Fünfzehnte ist Montag», sagte Hubert. «Uebermorgen!» «Vielleicht kommt in zwei Jahren ein Embargo.» «Uebermorgen», sagte Ross. Es war still im Salon, Hubert drehte den Kopf zu Cary, er blickte sie an, ohne sie zu sehen. Dann stand er auf und holte sich Zigaretten vom Kamin. «Wer hat Ihnen das erzählt, Ross? Haben Sie es von Hsü gehört?» «Auch von Hsü», sagte Ross. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste*' REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 • ehemals praktizierte Zonenpreissystem ausgegraben worden sein. Jedenfalls wird dieses gegenwärtig als das für einen Preisabbau einzig richtige System angekündigt. Es fällt nicht leicht, den Gedankengängen, welche diese Ueberzeugung vorbereitet haben mögen, zu folgen. Als seinerzeit der Einheitspreis den Benzinkonsumenten mundgerecht gemacht werden sollte, konnte man sich des Lobes über diese einzigrichtige, demokratische Preisgestaltung nicht genug tun. Ganz ohne Zweifel waren ja auch die Argumente für einen einheitlichen Treibstoffpreis im ganzen Lande zahlreich und überzeugend. Man denke beispielsweise nur an den internationalen autotouristischen Verkehr. Wie befremdend musste es sich bei der geringen Territorialausdehnung unseres Landes dem Fremden präsentieren, wenn er etwa auf einer Fahrt von Basel oder einer ostschweizerischen Grenzstation via Gotthard nach Chiasso auf den Tanksäulen fast ebensoviele differierende Benzinpreisaufschriften las, als er unbewusst Kantonsgrenzen passierte! Dass übrigens beim Zonenpreissystem die höchsten Literpreise, welche von denjenigen der Grenzzonen oft um 5—8 Rappen abwichen, im Bereiche unserer Alpenstrassen zu bezahlen waren, dürfte noch allgemein in Erinnerung sein. Bedenkt man, dass gerade dieser Vorgang, der doch bestimmt die autotouristische Werbung ungünstig beeinflusst, vom Bundeshaus heute neuerdings propagiert wird, dann muss man sich einmal mehr über die unheilvolle, weil weltfremde Einstellung bestimmter Instanzen Rechenschaft geben. Darüber hinaus aber illustriert gerade das Bestreben, wiederum den von der Grenze ins Landesinnere abgestuften Benzinpreis einzuführen, deutlich, wie ausschliesslich die Benzinzollpolitik unserer Regierung weiterhin rein fiskal- und finanzpolitisch bedingt ist, also dem Motorfahrzeug in seiner Eigenschalt als vorwiegend wirtschaftlicher Faktor noch immer nicht gerecht wird. Zwar wurde dem Beginnen des Bundesrates, den Benzinzonenpreis wieder einzuführen, von Seiten des Schweiz. Hoteliervereins, des Schweiz. Autogewerbeverbandes und der Aspa starke Opposition bereitet. Die Gründe hiefür sind leicht ersichtlich und wohl verständlich. Einmal mehr erwiesen sich gutgemeinte Warnungen als in den Wind gesprochen: Im Ansohluss an eine letzten Mittwoch abgehaltene Sitzung erliess nämlich das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement nachfolgende Mitteilung: Gemäss den bereits erfolgten Meldungen haben in den letzten Wochen zwischen dem eidg. Volkswirtschaftsdepartement und den Benzinmarktinteressenten verschiedene Besprechungen über die Abschaffung des Einheitsverkaufspreises für Benzin und dessen Ersetzung durch Zonenpreise stattgefunden. Nachdem eine Verständigung nicht erzielt werden konnte, wurde, ausgehend von einem grundsätzlichen Entscheid des Bundesrates, der das eidg. Volkswirtschaftsdepartement ermächtigt, den heutigen Einheitspreis aufzuheben und durch abgestufte Zonenpreise zu ersetzen, nach neuerlicher Fühlungnahme mit den Interessenten, in Anbetracht der Ausbau der Zugerseestrasse. Der Ausbau der Gotthardstrafcse setzt auch die Instandstellung der Zufahrtsstrecken zu dieser wichtigsten schweizerischen Nord-Südverbindu'ng voraus. Als Haupverbindung der Ostschweiz mit dem Gotthard wird gegenwärtig die rechtsufrige Zugerseestrasse zwischen Walchwil und Arth den modernen Verkehrsanforderungen angepasst. Bekanntlich hat der Kanton Zug die Strecke Zug-Walchwi] recht grosszügig ausgebaut. Während Jahren blieb als einziges Sorgenkind das auf schwyzerischem Boden liegende Teilstück Walchwil-Arth übrig. Wie die Abbildung zeigt, ist nun auch dieses Stück in Angriff genommen worden, wobei die zahlreichen unübersichtlichen Kurven korrigiert und, wo notwendig, die Strasse durch Stützmauern gesichert wird. «Und von wem noch?» «Ich hab' eine Information bekommen. Wenn ich es nicht aus einer sehr sicheren Quelle hätte, würde ich jetzt nicht hier sitzen. Morgen vormittag wird der politische Rat in Nanking ein Embargo beschliessen. Wieviel Silber werden Sie morgen verkaufen, Hubert?» «Nicht einen Dollar», sagte Hubert. «Ich nicht.» Ross gab keine Antwort. Cary stellte ihr leeres Glas fort. Sie dachte an das Telegramm. Immer ihr Stephan Erdesz. Wie weit war es von Wien nach Asien? Hinter der Dunkelheit lag Europa. Jenseits der Nacht. Sehr weit weg. «Warum soll plötzlich etwas geschehen?» fragte Hubert bockig. «So schnell haben sich die Chinesen noch nie zu etwas entschlossen. Wir sind in China und nicht in Amerika. Ich kann mir das nicht vorstellen. Nur weil die Handelsbilanz ungünstig ist? Die war immer ungünstig.» Er ging durchs Zimmer, ungeduldig, immer das Parkettmuster entlang, bei der Tür zum kleinen Salon blieb er stehn und kehrte wieder um. «Erstens die Handelsbilanz», sagte Ross. «Und dann die Provinzialgouverneure. Wenn der Silberdollar noch teurer wird, werden sie von den Bauern gar keine Steuer mehr bekommen. Es geht nicht/ länger, jeder Kuli weiss das.» Hubert ging weiter durchs Zimmer, den Blick auf den Fussboden, er schien überhaupt nicht zuzuhören. Ross sagte leise und sanft: «Uebrigens — es ist nicht wichtig, ob es eine vernünftige Massnahme ist oder nicht. Ich hab meine Informationen. Wir müssen Silber verkaufen. Unbedingt.» Hubert blieb stehn und grinste. «Vielleicht für zehntausend Pfund? Ist Ihnen das recht, Ross? War eine runde Summe?» «Ja», sagte Ross. «Es ist mir recht. Zehntausend.» «Und ich denk nicht dran!» sagte Hubert. «So!» Er setzte sich wieder nieder. «Sie könnten morgen früh bei Meyer vorbeigehn», meinte Ross nach einer Weile. «Hören, was er Ihnen für einen Kurskontrakt gibt.» Hubert sah in die Luft. «Gut», sagte Ross. «Lassen wir's. Es ist egal.» Sein bleiches Mausgesicht war unverändert, mit halbgeschlossenen Lidern betrachtete er seine Hände. «Was macht Meyer?» fragte Hubert nach einer Pause. Seine Gedanken schienen ganz wo anders zu sein. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit Inserntenschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer Zu früh gefreut... Kotaleverflüssigung auch in 0 esterreich. Am Vorabend des Grossen Preises von Pau. Rückblick auf die Mille Miglia. Wie funktioniert der Vergaser? vorgerückten Zeit und der gesamten Verhältnisse auf dem Benzinmarkt, beschlossen, den Einheitspreis unter sofortiger je Liter bis auf weiteres beizubehalten, und inzwischen die Einführung von abgestuften Zonenpreisen vorzubereiten. Die Kategoriepreise werden ebenfalls entsprechend _D In dieser Nummer s Beilage: R e d u k t i o n v o n 45 auf 4 4 Rp. Diese Lösung stellt ein ausgesprochenes Kompromisswerk dar; die Opponenten erhalten ein Zückerchen, d. h. einen Einheitspreis von 44 Rappen pro Liter Benzin, und der Bund im übrigen das Recht, die Schweiz in Zonen aufzuteilen! Zweifellos wird diese nach scharfer Auseinandersetzung gefundene Lösung in dem Sinne zu interpretieren sein, dass der Einheitspreis von 44 Rappen wohl für längere Zeit zur Anwendung gelangt und das Zonenprojekt erdauert werden muss. Kompromisse haben stets einen unangenehmen Beigeschmack, doch dieser wirkt besonders alarmierend. Er bedeutet nämlich nicht mehr und nicht weniger, als dass auf die am 28. September 1936 (Abwertung) scheinbar verlassene Wirtschaftspolitik zurückgegriffen wird. Mit drei Hauptargumenten begründete der Bundesrat dem Schweizervolke damals seinen Beschluss zur Aenderung der Währungs- und Wirtschaftspolitik. Sie lauteten: a) Ermöglichung des Wiederanschlusses an den Weltmarkt; b) Förderung des Fremdenverkehrs; *c) Entlastung des Arbeitsmarktes. Heute aber erlässt dieser nämliche Bundesrat einen Beschluss zur Einführung des Zonenpreises für Benzin und verstösst damit gegen die vitalen Interessen unseres Fremden- «Wie immer. Er hat sich ein neues Hausboot gekauft. Florence ist ein hübsches Mäd- 'chen geworden. Die erkennen Sie nicht wieder. Ich hab sie ein paarmal auf der Strasse getroffen. Sie hat sich immer nach Ihnen erkundigt. Sehr liebes, sehr höfliches Mädchen.» Ross drehte sich zu Cary, er holte für sie eine Art verhutzeltes, unbeholfenes Lächeln hervor. «Der Bankier Meyer ist Ihr Nachbar. Hat eine englische Frau und eine junge Tochter. Ein sehr tüchtiger Geschäftsmann und ein sehr angenehmer Gesellschafter. Er interessiert sich für Musik. Er spielt Klavier.» «Ja», sagte Cary. Schon Hubert hatte von dem klavierspielenden Meyer erzählt. Es schien auf alle einen grossen Eindruck zu machen. «Lieben Sie Musik, Mrs. Maquardt? Sicher, nicht wahr? Wer aus Wien kommt, der » «Ross», .sagte Hubert. «Das einzige, was dafür spricht, ist das Datum. Am Montag ist der Fünfzehnte. Die Chinesen halten sich gern an solche Termine.» Ross zog ein abgegriffenes Notizbuch aus der Tasche. «Wenn Sie per Juli kaufen, man kann ja ausrechnen... das Risiko war zu ertragen.