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E_1938_Zeitung_Nr.035

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BERN, Freitag, 29. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PBEISEt A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab* C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 Reform der kantonalen Wenn wir den nachstehenden Ausführungen eines gelegentlichen Mitarbeiters Aufnahme gewähren, so wollen wir uns mit deren Inhalt nicht voll und ganz identifizieren Wir werten aber den Artikel als Diskussionsbeitrag zum aktuellen Problem der Automobilbesteuerung und glauben, dafür bei unsern Lesern Interesse voraussetzen zu dürfen. Red. I. Das Problem der gerechten, zweckmässigen und wirtschaftlich tragbaren Besteuerung der motorischen Traktion harrt immer noch einer befriedigenden Lösung. Prinzipiell wendet der Automobilist gegen eine angemessene Abgabe nichts ein, unter der Bedingung, dass die Erträgnisse restlos dem Strassenwesen zugute kommen, was leider nur zum kleinsten Teil zutrifft. Der Gedanke, dass nur zweckgebundene Steuern als Gegenleistung für die Beanspruchung der Fahrbahnen erhoben werden dürfen, wird wohl nicht so bald bei den Behörden durchdringen. Weil also mit dem weiteren Bestehen der dreifachen Besteuerung durch Einfuhr zolle, Benzinumlage und Hubraumtaxen noch für einige Jahre zu rechnen ist, beschränken wir unsere Betrachtungen heute auf die kantonalen Verkehrssteuern, wobei uns die Absicht leitet, deren Reform zur Diskussion zu stellen. Entstehung und Entwicklung der Hubraumsteuer reihen diese Abgabe eindeutig in die Kategorie der Vermögens- oder Wertsteuer ein. Sie stammt aus der Vorkriegszeit, wo das Automobil noch als Luxusgegenstand gelten konnte. Damals bestand eine funktionelle Beziehung zwischen dem Preis des Objektes und... der Motorstärke. Ebenso hing die Geschwindigkeit, von der man glaubte, sie sei der Maßstab der Strassenabnützung, von der Hubraumgrösse ab, denn die Literleistungen unterschieden sich nicht wesentlich. Die zur Ermittelung der Anzahl der St./PS dienende Formel 0,4Xd 2 XsXi (S = Hub in Meter, D = Bohrung in cm, i ==• Zylinderzahl) vermag jedoch über die effektive Bremsleistung nichts auszusagen, da zwei ausschlaggebende Faktoren, die minutliche Drehzahl der Kurbelwelle und der Kolbendruck (Kompressionsverhältnis) «vergessen » wurden. Heute reicht die spezifische Bremsleistung gebläseloser Tourenwagenmotoren von 20—50 PS. Die Geschwindigkeit wird weitgehend durch das Verhältnis zwischen Leistung und Gewicht bestimmt, und auch dieses wichtige Moment des Gewichts oder des Auflagedruckes wurde übersehen. Bei der Hubraumsteuer bleibt die jährliche Kllometerzalil vollständig unberücksichtigt. Sie wird vom Standortkanton erhoben, gleichgültig, wieviele Kilometer der Wagen auf anderem Boden oder sogar im Ausland rollt. Somit kann die Hubraumtaxe, die sich weder der effektiven Motorstärke noch nach dem Gewicht oder gar der Fahrleistung richtet, in keiner Hinsicht den Kriterien einer Benützugsgebühr entsprechen. Das beste Argument dafür, dass die Hubraumtaxe unter die Wertbesteuerungen einzureihen ist, liefern uns die Stände selbst mit den recht erheblichen Differenzen in der Belastung der einzelnen St./PS. Das Mass der Fahrbahnbenützung ist doch für die Wagen der nämlichen Typenserie ungefähr dasselbe, ob nun das betreffende Modell in Baselstadt oder im Tessin jährlich mit der gleichen Belastung eine bestimmte Kilometerzahl erreicht. Der Ticinese hat jedoch im Mittel den doppelten Betrag zu entrichten wie, sein Kollege in der Rheinstadt. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrninstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschifts«tfU Zürich! Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Verkehrssteuern Wie nun die Sätze für die Einkommensund Vermögenssteuern von Kanton zu Kanton variieren, so glaubt auch jeder Stand, die in der Verkehrstaxe verkörperte Vermögenssteuer individuell gestalten zu müssen. Einheitlich ist lediglich die erwähnte Steuerformel (200 ccm = 1 St./PS), für die Bewertung dagegen hat jeder Kanton sein eigenes System entwickelt. Allerdings bricht sich langsam die Einsicht Bahn, dass eine Vereinheitlichung der Verkehrssteuern angebracht wäre. Nach welchem Vorbild aber soll die « Ausrichtung » erfolgen ? Wir hal- Über die Tätigkeit der Instanzen, in deren Händen die Vorbereitung und Ausführung der Abteilungen « Strassenverkehr und Strassenverkehrsmittel » an der Schweiz. Landesausstellung 1939 liegt, ist bisher nicht eben viel an die Oeffentlichkeit gedrungen. Um so eifriger aber sind die Komitees, worin Vertreter aller irgendwie am Strassenverkehr beteiligten Verbände sitzen, hinter den Kulissen an der Arbeit. Und man hat sie heute schon soweit gefördert, dass vor 14 Tagen an einer Sitzung in Bern das Programm für die Einteilung, die Ausgestaltung der verschiedenen der Gruppe « Verbände » zugeteilten Räume ten dafür, dass bei einer Zentralisation der Taxen die jetzige Steuergrundlage, der Hubraum, zu verlassen und durch eine richtige Wertbesteuerung zu ersetzen sei. Solange es an einer einwandfreien Kilometersteuer fehlt und die Kantone auf ihren Verkehrstaxen beharren, dürfte sich die Beibehaltung einer Vermögunssteuer empfehlen, welche der Entwicklung Rechnung trägt. Beim herrschenden System, das auf der inzwischen gestörten Proportionalität zwischen Hubraum und Preis errichtet wurde, kommen namentlich die billigen Modelle schlecht weg. Die Unterschiede im Listenpreis zwischen einem 5-St./PS-Kleinwagen und einem 18- St./PS-Amerikaner sind heute derart gering, dass mancher Käufer das grösste Modell Der Strassenverkehr an der Schweiz. Landesausstellung Projekte für die Ausgestaltung dieser Gruppe genehmigt. und die Art der Darstellung genehmigt werden konnte. Soweit sich an Hand der Pläne, Skizzen und Modelle ein Urteil über den Ideengehalt und die äussere Aufmachung bilden lässt, wird dieser namentlich das Automobilwesen repräsentierende Teil unserer grossen Landesschau lebendige Frische, gepaart mit Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit ausstrahlen und dem Betrachter ein bei aller Konzentration eindringliches, abgerundetes Bild der wirtschaftlichen und kulturellen Mission des Strassenverkehrs und des Wirkens seiner Organisationen vermitteln. (Fortsetzung Seite 2.) Die Vita orientiert in graphischer Form über die Probleme, welche das Motorfahrzeug berühren. Modell für die Ausgestaltung der Gruppe «Strassenverkehr» an der Landesausstellung 1939 in Zürich. Von B bis C: Wandfläche für die Kollektivausstellung der Verbände; L bis P: Raum für die Darstellung der Tätigkeit der Via Vita. INS ER TION S.PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 HD. Grössere Inserate nach SpezialtarM lnseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer; Ganzjährige Offenhaltung der Simplonstrasse? Querschnitt. Vor dem Gr. Preis von Tripolis. Stand der Schweiz. Meisterschaft 1938. Das Zündsystem. Postulat Feldmann vor dem Nationalrat. Beilage: vorziehen würde, wenn nicht die Steuern die Wahl entscheidend beeinflussten. Der Hubraum erweist sich als ein höchst untaugliches Mittel der Steuereinschätzung, denn diese Methode belastet wertmässig die wohlfeilen Fahrzeuge relativ stärker als die ausgesprochenen Luxuswagen. Machen wir die Probe aufs Eexempel. Für einen 6-St./PS- Wagen von 5000 Fr. Nennwert beträgt die Jahressteuer 80—170 Fr., das sind 1,6—3,4% des Wertes. Für einen 18-St./PS-Wagen, der 8000 Fr. kostet, werden 220—450 Fr. oder 3—6% verlangt. Ein 30,000fränkiger 25-St/ PS-Wagen zahlt nur 325—600 Fr. oder 1—2 Prozent. Diese Beispiele illustrieren drastisch die Benachteiligung der billigen Wagen einsc,hliesslich der kleineren Modelle. Die nach dem Hubraum gestaffelte Steuer beruht aber auch auf der Fiktion, es trete keine Wertverminderung ein. Sie lässt die gerade in den ersten Betriebsjahren beträchtlichen Abschreibungen unberücksichtigt. Tatsache ist jedenfalls, dass erst drei Kantone (Genf, Baselstadt und Aargau) die berechtigte Forderung erfüllten, für über 5 Jahre alte Wagen einen Rabatt zu gewähren. Nach 5 Jahren schrumpft der Handelswert des erwähnten 5-St./PS-Kleinwagens auf vielleicht 1000 Fr., der Steuersatz dagegen bleibt unverändert, wodurch die wertmassige Belastung auf 8—17% ansteigt. Bei dieser sonderbaren Vermögenssteuer tritt also der allen Steuergrundsätzen zuwiderlaufende Fall ein, dass mit fortschreitender Entwertung des Objektes die wertmässlge Belastung progressiv wächst. Darauf gründet sich die gegenwärtige Situation, gekennzeichnet dadurch, dass mittlere und grössere Wagen, die sich in vorzüglichem Zustand befinden, einfach deshalb unverkäuflich werden, weil die Steuer im Verhältnis zum Preis eine untragbare Höhe erreicht. Eine Vermögenssteuer muss aber der Entwertung unbedingt Rechnung tragen. Die Erfahrungen haben gelehrt, wie schwer es bei der Hubraumsteuer hält, für Altwagen eine Ermässigung zu erlangen. Unseres Erachtens sind die Gründe für dieses Beharrungsvermögen psychologischer Natur. Die Kantone haben sich derart daran gewöhnt, jedes Jahr für den nämlichen Wagen die gleiche Steuer einzuziehen, dass sie von der Tradition nicht abgehen wollen. Wenn man aber das Objekt nach seinem Wert einschätzt, da kann sich auch der letzte Finanzdirektor der Einsicht nicht verschliessen, dass hier eine variable Grosse vorliegt, die ständig abnimmt. Die Wertverminderung setzt sofert nach der Zulassung und nicht erst nach 5 oder 8 Jahren ein. Es entspricht deshalb nur einem Gebot der Gerechtigkeit, bereits vom zweiten Betriebsjahre an, die Amortisation in die Taxation einzubeziehen. (Schluss folgt.)