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E_1938_Zeitung_Nr.035

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AUTOMOBIL-REVUE FREITAG,

AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 29. APRIL 1938 NO 35 Spass beiseite! 9 It Benzin auf 100 km fߣ : Preis ab Fr. 6500.- Die Ueberraschang des New Yorker Salons Der neue Willys der Schlager des Jahres PPkren wir im Bau von Fahrzeugen wirklich so weit gekommen, wenn e* neben grossen Erfindern nicht auch geniale Oelchemiker gegeben hätte? Oel ist das Taubermittel, das uns heute sorglos int IOO hn-Tempo fahren lässt. Das selektiv raffinierte Shefl-Autoöl bedeutet einen ebenso glänzendes Fortschritt im Gebiet der Schmierung, wie die letzten Spitzenprodukte der Automobilkonstruktion im Gebiet der Mechanik. Fahren Sie heute Shell Sommer-Oele nach selektiver Lösungsraffination:

BERN, Freitag, 29. April 1938 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 35 Im Schnitt Schnittpunkt der Schweiz: dort, wo sich die Schenkel des Schweizerkreuzes überschneiden, wo die Transversale die Mittellinie überquert, wo die mittlere Breite der Schweiz mit dem Mittel der östlichen Länge zusammentrifft— da liegt die Innerschweiz, genauer gesagt: die Urschweiz. Wir sind alle seelisch mit ihr verbunden. Worauf ist das zurückzuführen? Marksteine and Grundsteine Kaum vermögen wir dieses Land der stotzigcn Berge zu betreten, als am Ufer des Vierwaldstättersees der Geschichte zu gedenken, die.den.Funken der Freiheit hier aufglimmen Hess, der später das heilige Feuer im Staat der Eidgenossen abgeben sollte. Es ist etwas wie Dankbarkeit, was uns erfüllt, wenn wir die Axenstrasse hinauffahren und zum Rütli hinüberblicken. Hier sind Marksteine und Grundsteine unserer vaterländischen Geschichte auf Schritt und Tritt. Und wer es der heroischen Landschaft nicht glauben will, wer es zufällig nicht von der Schule her weiss, der mache Halt vor dem neuen Bundesbriefarchiv zu Schwyz und betrachte die ehrwürdigen Pergamente, die die ersten Bünde besiegelten, der besehe sich die zerschlissenen Fahnen aus der Morgartenschlacht, oder sehe in der Sempacher Schlachtkapelle die Wappen der gefallenen Ritter an, die mehr denn eine ganze Wand des Kirchleins füllen! Hier ist die Geschichte mit tiefen Narben eingemeisselt, eingemeisselt auch in unsere Herzen. Und wenn wir zurückgehen in die unvordenklichen Zeiten der Befreiungssagen und der Heldengestalt Wilhelm Teils begegnen, dann braucht es keines Beweises mehr, um die historische Fracht zu ermessen, die den Ländern rings um den Vierwaldstättersee vom Schicksal zugedacht wurde. Geschichte als Erlebnis Wir müssen wieder mehr Geschichte lernen, um' unser Land, seine Einrichtungen, seine Vielfalt, seine Grundlagen, sein ganzes Staatsleben zu verstehen. Und in der Urschweiz, da wandelt die Geschichte einher wie sonst nirgends im Schweizerland. Lassen wir's nicht daran genug sein, dass wir in den Geschichtsbüchern blättern! Gehen wir hinaus zu den Menschen selbst, die die Söhne und Nachfahren jener Haudegen von Morgarten, Sempach und St. Jakob sind! Schauen wir uns dort Land und Leute, Dörfer und Flecken an, um wieder einmal die Schweiz in ihren Anfängen zu erleben, wieder einmal einzutauchen in den Hauch tausendjähriger Ueberlieferung, wieder einmal zu sehen, dass der Urgrund der Schweiz in der Eigenständigkeit der Kantone und Gemeinden begründet ist, heute noch fortlebt und fortleben muss! Wieder einmal inne zu werden, dass die Schweiz aus dem freien Entschluss der Länder und Städte zum Bund zusammengewachsen ist! , Kirschblüte and Fisch Wer die Reise zu den « alten Eidgenossen » - die nicht alle alt sind, vor allem die holde Weiblichkeit nicht! — unter die Füsse und unter die Pneus nimmt, der geniesst nicht nur diese Erinnerungen aus den Anfangsgründen des Vaterlandes. Er geniesst auch Landschaften von unvergesslicher Schönheit und Eindrücklichkeit. Wie herrlich rollt man von Sattel her über die Schlagstrasse nach Schwyz hinab — wie lieblich ist das Obwaldner Tal am Brünig, wie gewaltig das Nidwaldner Tal, wie stotzig ragen die gelben und grauen Felswände aus der dunklen Flut des Urnersees! Und. wie freundlich grüssen uns die hellen Dörfer mit ihren vornehmen, alten Herrschaftshäusern, wie herrlich liegt in ihrer Seebucht die Stadt Luzern! Wo findet man auf so engem Raum eine solche Vielfalt von Schönheit, Reichtum, gepflegter Vergangenheit, fruchttragender Gegenwart? Da blühen und gedeihen die weissen Kirschbäume am Zugersee und im Tal von Schwyz, die Kastanien am Südhang des Rigis, die Nussbäüme im Nidwaldner Land — Grund genug, um ein wenig zu verweilen bei der Gastlichkeit und ihren Attributen — die vom Fisch bis zur Kirschtorte reichen — im Mittelgrund, im Schnittpunkt der Schweiz. H. R. S. Es gibt wohl keinen Reisenden, der bei einem Bummel durch die landschaftlich unvergleichbar schöne Stadt Luzern nicht auf die beiden holzgedeckten Brücken stösst, die in ihrem Innern ganze historische Bildergalerien tragen. Der eine oder andere versenkt sich für ein paar Minuten in eine der weitschweifigen historischen Darstellungen, sucht eine Inschrift zu entziffern, eine Jahrzahl zu lesen — um es bei dem Versuch bewenden zu lassen. Denn es ist ziemlich anstrengend, so unentwegt hinaufzublicken zu der dreieckigen Bilderchronik, die über den Köpfen der Brückenbenützer aufgehängt ist. Allerhand ist von diesen beiden illustrierten (und illustren) Brücken zu wissen. Die Kapellbrücke hat ihren Namen von der kleinen St. Peters-Kapelle, die schon im 12. Jahrhundert bestanden hat. Die Brücke selbst, die in gebrochener Linie — deren Führung wohl nur aus der Verkehrsgeschichte des alten Luzern zu erklären ist und dem heutigen Betrachter ein Kopfschütteln abnötigt — die beiden Reussufer mit dem Wasserturm verbindet, reicht ins Jahr 1333 zurück. Die heutige Bemalung stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und stellt dem Kunstsinn, der Lebensfreude und dem historischen Stolz der Luzerner kein schlechtes Zeugnis aus. Die Bilder der Kapellbrücke schildern Szenen aus der Stadt- und aus der Schweizergeschichte. Die Spreuerbrücke, die weiter flussabwärts die Reuss in gerader Linie überquert, enthält 56 Tafelbilder, die um 1620 herum entstanden sind; sie schildern meist Szenen mit dem Tod, die künstlerisch als sehr wertvoll bezeichnet Ernst Zahn: Mein werden. Sie stammen aus einer Zeit, da Epidemien noch zu den häufigen Erscheinungen gehörten — aus der Zeit des schwarzen Todes, der, Pest. Geht in Luzern nicht vorbei an den prachtvollen Kirchen und weltlichen Gebäuden, und vor allem nicht an den schönen Brunnen! Die Jesuitenkirche und die zweitürmige Hofkirche mit der Freitreppe zählen zu den schönsten Kirchenbauten der Innerschweiz. Das Luzerner Rathaus ist ein wuchtiger Renaissancebau, dessen Inneres aus mancherlei Gründen selch soll dich preisen, Umerland! An goldner Harfe zittert die Handl Das Lied, so machtvoll und so schlicht. Die zage Hand, sie findet es nicht! Da horch! Ein Klingen tönt zu Tal! So häuft und perlt's im Frühling zumal. Wenn, das die Felsbrust starr umschliesst, Des Winters blankes Silber zerfliesst! Da horch! Zur Höhe zieht ein Klang, Ein Läuten, stumm gewesen zu lang! Das ist: die jung die Sonne trifft, Die Herde sucht die grünende Trift! Ein Rauschen jetzt, ein Brausen bald: Der Föhnwind jagt im hängenden Wald! Ein Ruf nun wie das Stierhorn ruft: Der Föhnwind jauchzt durch Felsen und Kluft! Und nun ein Schmettern, schlachtenhell: Der Lehnen Steinschlag, wuchtig und gell! Und Donner, wo kein Blitz geloht: Auf weisser Laue reitet der Tod! Das ist des Herrgotts Sturmchoral! Das Bergland dröhnt bis nieder ins Tal, Das Bergland dröhnt, doch fest und gross Stehn rings die Firne und fleckenlos! Ob den Altären, weiss und schlicht, Da flammt der Sonne ewiges Licht I Das Bergland dröhnt, das Bergland rauscht! Gott Vaters Orgel jubelt und rauscht! Es klingt der Sang heilig und hehr! Mein Lied, mein Lied, ich such es nicht mehr. Von goldner Harfe sinkt die Hand: Ein Höherer preist dich, mein Urnerland! (Aus «Uri, Land und Leute».) Die Kapellbrücke erzählt Stansstad und der Pilatus. vom alten Tänzern