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E_1938_Zeitung_Nr.035

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10 Automobil-Revue —

10 Automobil-Revue — N° 35 henswert ist! Da finden wir ein Museurn mit alten Fahnen, zerschlissenem Fahnentuch, das bei Sempach erobert wurde mit dem muskulösen Arm des Berglers und bezahlt mit dem Blut der Vorfahren. Uri, Land und Leute Türmchen an der Spreuerbrücke Luzern. Vergesst vor allem den gotischen Brunnen auf dem Weinmarkt nicht, in dessen Nähe Goethe von einer Hauswand herabschaut! Der Gletschergarten sollte einem nicht zu viel sein, wenn man sich schon in Luzern befindet! Der Löwe von Thorwaldsen, der im Gletschergarten aus dem gewachsenen Fels herausgehauen ist. bildet auch heute noch ein ganz prachtvolles Monument, eine Erinnerung an die Schweizer Söldner, die im Dienste des französischen Königs Ludwig XVI. am 10. August 1792 bei der Erstürmung der Tuilerien in Paris ihr Leben Hessen. « Haec sunt nomina eorum...» heisst es im Stein unter dem Löwen, «Das sind die Namen derer, die am 10. August 1792 tapfer kämpfend gefallen sind», und die Ueberschrift lautet auf deutsch: «Der Treue und Tapferkeit der Schweizer. » Wir haben heute allen Grund, uns daran zu erinnern, dass während Jahrhunderten die Söhne dieser Erde im Ausland den Ruf und Ruhm des Schweizer Soldaten hochhielten und, wenn es nötig war, mit der Tat bewiesen. Vom Gletschergarten glauben viele, die ihn noch nicht gesehen haben, das sei so eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die man für die Fremden seinerzeit errichtet. Eine Spielerei oder so etwas ähnliches. Ihr müsst hineingehen und Euch überzeugen, dass der Gletschergarten viel eher einem Naturwunder zu vergleichen ist! Unvergleichlich schön sind die zahlreichen Gletschermühlen und Gletscherschliffe in den Felsen, Zeugnis ablegend von der Tätigkekit des Reussgletschers in der Diluvialzeit. Was man hier sieht, sind Schul- Das Luzerner Rathaus. beispiele für den Anschauungsunterricht über das Leben der Gletscher •— ein glücklicher Zufall, dass der Gletschergarten sich in der unmittelbaren Nähe der Stadt befindet und seinerzeit entdeckt wurde! Damit sind die interessanten Schaustücke Luzerns noch lange nicht erschöpft. Aber wer sie mit Müsse und Gründlichkeit betrachtet hat, wird sich vielleicht zur Erholung in eine der zahlreichen Wirtschaften und Konditoreien setzen — tüchtige Wirte hat es in Luzern zu allen Zeiten gegeben, wie man es den Historien der wundervollen, farbig gedruckten Chronik Diebold Schillings entnehmen kann: sonst hätte sich der Kaiser Sigismund, hätte Goethe, hätte Richard Wagner und Hunderttausende, die es ihnen nachtaten, in Luzern sich nicht so wohl befunden. S. Das Buch, das diese Ueberschrift trägt, ist ein zwar vergriffener, aber nichts desto weniger prachtvoll ausgestatteter, wissenschaftlich und interessant geschriebener Reiseführer aus dem Jahr 1902, den der Redaktor vor zwei Jahren der Wirtin des Hotels «Löwen> zu Altdorf abgebettelt hat. Ein schönes, reiches Büchlein, das alles sagt, was im Jahre 1902 über den Kanton Url gesagt werden konnte. Vieles gilt heute noch mit unverminderter Kraft, was der Verfasser schreibt: «Uri, die altehrwürdige Alpenrepublik, ist die klassische Geburtsstätte schweizerischer Freiheit, wo die ringende Kraft eines mutigen Volkes durch herrlichste Taten in dem Buche der Geschichte sich verewigt hat. In den vier Waldstätten umfasst seine Gemarkung das wildeste, urwüchsigste und an gewaltigen Naturerscheinungen vielfältigste Gebiet. Ein erhabenes Kolosseum von Bergen, dernSilbergipfel in den kühnsten Steigungslinien himmelan streben und in strahlender Majestät auf das sonnige Land herabschauen, nimmt den grössten Teil des -Areals ein... nur an sehr wenigen Orten ist alles in dem Masse zusammengedrängt wie hier, so überraschend durch schnellen Wechsel, in so schroffen Gegensätzen und doch in so riesigem Maßstabe.» Dem begeisterten Dithyrambus der Einleitung folgen geschichtliche, geographische, botanische, geologische Betrachtungen. Besonderes Gegenwartsinteresse darf eine Partie für sich in Anspruch nehmen, die von der Strassenpolitik des Schloss a Pro bei Scedorf. Literarische Woche in Weggis. Das alte Problem der Kurorte: Wie amüsiere ich meine Kunden? bemüht sich Weggis seit einigen Jahren in einer Weise zu lösen, die die übliche Reihe von Saisonveranstaltungen sportlicher und gesellschaftlicher Art angenehm bereichert und damit die Ferien an der Riviera des Vierwaldstättersees zu einem besonderen Vergnügen macht. Jeden Herbstbeginn organisiert der Kurverein nämlich eine Literarische Woche, in der Schweizer Dichter zu Worte kommen, um den ausländischen Gästen deutschen Sprachverhältnisses - also Deutschen, Holländern, Oesterreichern, Tschechen usw. - eine Ahnung von schweizerischem Geist zu geben und auch den Schweizern selber etwas Geistigkeit ins Ferienherz zu träufeln. Ein sicher lobenswertes Beginnen, dem denn auch stets dankbar eine grosse Gemeinde folgt. Dieses Jahr lasen Friedrich Donauer, Esther Odermatt und Ernst Zahn aus eigenen Werken, jeweils von passenden musikalischen Darbietungen des trefflichen Kurorchesters eingerahmt und vom Präsident des Kurvereins Hr. K. Wolf mit entsprechenden Worten eingeleitet. Friedrich Donaner stellte «Gestalten aus Sage und Geschichte um den Vierwaldstättersee» in den Mittelpunkt seiner feinsinnigen Betrachtungen; an Teil, Winkelried, Nikiaus von Flüe zeigte er, dass die Schweizer Helden, die in den Mythos eingegangen sind, Retter und Befreier waren, Diener an der Allgemeinheit, die um dieses Dienens willen gross wurden und heldisch und verehrungswürdig. Esther Odermatt, die in Zürich lebende Stanserin aus halb Tessiner Geblüt, gab in der Gestalt der «Seppe», einer Unterwaldnerin, die im Franzoseneinfall ihre Heimat mit der Waffe verteidigt, aber erst in der Betreuung der Kriegswaisen die Erfüllung ihres Wesens findet, der mütterlichen Sehnsucht nach Frieden einen warmen Ausdruck, und Ernst Zahn feierte in Vers und Prosa das kleine «Ecklein Leben», die Schlichtheit in Ziel und Tat, die Klärung aus Wirrnissen, die Macht der ewigen Berge über irrlichtendes Gefühl, so wie es seine beglückende Art ist, die nie mit Rätseln entlasst. Alle drei Vortragenden fanden aufrichtig dankbaren Beifall - mit Recht, haben sie es doch verstanden, das Antlitz der Landschaft rings um den See mit denkwürdigen und symbolhaften Gestalten zu bevölkern, ihrer natürlichen Schönheit eine geistige zuzufügen und in die Stimme der Natur den Laut der Seele einzuflechten. Man irrt, wenn man glaubt, der Feriengast habe kein Verständnis dafür und vor allem keine Lust darnach. Immer wieder zeigt sich in Weggis, dass die Menschen dankbar der geistigen Deutung ihres Ferienortes und ihrer Ferienlandschaft lauschen, dass sie mit Freuden den Schlüssel in die Hand nehmen, der ihnen von Magiern des Worts und des Gedankens zur Oeffnung des eigentlichen Herzens der Gegend gereicht wird, gar am Vierwaldstättersee, der so mächtig zu jedermann spricht und so typisch die Oertlichkeit darstellt, wo der Geist über der Landschaft weht. Vorbild Weggis darf man um dieser glücklichen geistigen Bereicherung des Kur- und Saisonprogramms willen den Kurort nennen, gar wenn er nun - wie er sich vorgenommen - diese Literarische Woche zu einem Anlass ausbaut, dem immer mehr erhöhte kulturelle Bedeutung zukommt. Gerne wünscht man ihm volles Gedeihen seiner Pläne, in unserer Zeit sind sie - nicht zuletzt vom rein fremdenverkehrsmässigen Standpunkt - bedeutungsvoll. Kantons Uri handelt und auch dem Projekt der Sustenstrasse Erwährung tut (wir sind 1902): «An die Axen-, Furka-, Oberalp- und Klausenstrasse flössen zwar reichliche Bundessubventionen; trotzdem hatte und hat der Kanton für Bau und Unterhalt noch sehr grosse Opfer zu bringen. Man sagt, die Verkehrswege sind ein Gradmesser der öffentlichen Wohlfahrt und Intelligenz eines Landes. Der Kanton Uri darf diese kulturgeschichtliche Sentenz als ein verdientes Kompliment für sich In Anspruch nehmen. Er besitzt über 120 km zum Teil sehr kostspielige Strossen, und wenn sich hoffentlich recht bald die Sustenstrasse an all die genannten Werke reiht, so verfügt er über ein Verkehrsnetz, wie kein anderer Teil der Gesamtalpen es aufweist.» ii Der Name „Rigi «Von ferne sei herzlich gegrüsset» — Der berühmteste Berg der Schweiz musste sich's gefallen lassen, dass man schon vor Zeiten an seinem Namen herumdeutete, und es mag im Jahrhundert der beginnenden Aristokratisierung, wenn nicht gar schon zur Humanistenzeit gewesen sein, dass man ihn. wie alles damals Wertvolle, aus dem Lateinischen ableiten wollte. Die Fürsten jener Epoche hatten ja auch keinen höheren Ehrgeiz, als sich mit einer Ahnentafel zu umgeben, die bis nach Troja zurückreichte. Warum sollte also der königliche Berg nicht auch einen königlichen Namen haben und «Regina montium», Konigin der Berge heissen? Wir wissen das natürlich besser heutzutage. Nämlich darum, weil wir die Entstehung der Bergnamen nicht aus poetischen Luftsprüngen der Phantasie zu erklären suchen, sondern aus dem Vorhandensein irgendwelcher Merkmale, die schon den Altvorderen aufgefallen sind und zur Namenbildung Anlass gegeben haben. Der Dichter Heinse phantasierte auch, als er im Jahr 1780 schrieb, Rigi komme von Reigen, weil man rund herum auf den Hauptberg steigen müsse, und seine Deutung ist der andern würdig, die er im gleichen Atemzug gibt: Schwyzer komme von schwitzen. Heinse hatte gar nicht so unrecht, aber er ist , nicht daran schuld. Wir werden gleich sehen warum. Ausserdem wird aus dem Nachstehenden jedermann klar, wie es kommt, dass die Bevölkerung der Innerschweiz nicht der, sondern die Rigi sagt. Man braucht nur die Forschungen des Luzerners Brandstetter nachzuschlagen. Dem Namen «Rigi» begegnet man zum ersten Male in einer Urkunde des Jahres 1360; da ist in einem Grenzbereinigungsdokument (das übrigens 1911 zu einem Prozess zwischen Arth und Küss- Zeichnung von Hans Tomamichel aus dem Bache «Was nicht ün Baedeker steht, die Schweiz», I. Band (Piper, München). nacht Anlass gab) vom «höchsten Grat Riginun» die Rede. 1368 überträgt Burkhard von Diessenhofen, Kirchherr zu Küssnacht, seine Rechte an der Pfarrkirche an den Abt von Engelberg, und es heisst von Küssnacht, es liege «in pede montis Riginan prope lacum Lucernensem», am Fusse des Berges Rigenen am Luzernersee. Von da an begegnen in den Urkunden die Flurnamen «uff Rigenen» immer wieder. Die Bezeichnung scheint von der Küssnachter Seite ausgegangen zu sein. Schauen wir in den Wörterbüchern nach! Riginen ist zu Rigi geworden. Riginen Ist die Mehrzahlform des altdeutschen Wortes «die Riege», das bedeutet Reihe, Gruppe, Zeile. Der Turnvater Jahn hat das alte Wort «Riege» wieder aufgenommen, und so kam die «Damenriege», die «Herrenriege» zustande. Das deutsche Wort hat auch seinen Weg Ins Italienische gefunden, wo «la riga» Streifen, Reihe, Zeile bedeutet* der Name einer bekannten Oper, «Rigoletto», der Reigen, ist damit verwandt. Im Scnweizerdeutschen hiess eine Reihe von Falten an der Jüppe «Rigen». Es steht ausser Zweifel, dass die Felsbänder des Rigiberges, besonders wie sie sich auf der Küssnachter Seite zeigen, zur Bildung des Namens Anlass gegeben haben. Der Name Rigi kommt auch im Glarnerland, am Simplon und (als Riegenen) im Emmental vor — und schliesslich hat man den Piz Mundaun den Bündner Rigi, den Moleson den Westschweizer Rigi genannt, aber nur, um diese Aussichtsberge teilhaben zu lassen an der Berühmtheit unseres Rigi, der heute wie vor Zeiten einer der schönsten Aussichtsberge Ist und seinen jahrhundertealten Ruhm mit Ehren trägt. $*fa ''i$Pi!einem Seva-Treffer *'!W&fci* Listen könnten! 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N°35 Automobil-Revu& 11 Die aus den Zäntotti/ wir veröffentlichen hier ein paar Seiten aus dem herbschönen, erfrischend und wahr gestalteten Nidwaldner Heimatroman « Die aus den Ländern» von der in Zürich lebenden Nidwaldnerin Marianne Imhof (Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich). Im Land Nidwaiden Das stolze Heimwesen «Zum Leh», das dem Grossbauern und Gemeindeammann von Oberwil und Wellerberg, Melk Andacher, gehört, liegt auf der Höhe des Bergweilers. — Ein gewundener Fussweg, zwischen fette Matten eingeschnitten, führt vom Talboden dort hinauf. — Die Gehöfte vom Wellerberg, fast alle von der schönen Bauart der Nidwaldner . Bauernhäuser, liegen ziemlich weit auseinander — Hell leuchtend hebt sich der Rundbau der uralten schlichten Kapelle heraus aus hellgrünen geschornen Rasenflächen und aus dem Schatten eines vielhundertjährigen Nussbaumes. — Die «Heimen» in ihrer sattbraunen Tönung, die geduckten Fronten der Ställe, wie eine Landschaft aus einer Spielzeugschachtel, sauber und gefällig hingestellt, so wirkt der Hochweiler aus der Entfernung. — Der Hof «Zum Leh» überragt in seiner stattlichen Grosse alle anderen. Das wetterfeste lichtbraune Haus ruht auf weissen Grundmauern. — Schmale, ausgetretene Holzstufen führen von aussen zu einer Vorlaube; Blumenstöcke in bunter Farbenfülle leben hier ihr gepflegtes, sonniges Dasein und unter den blinkenden, kleinen Fensterscheiben entfalten Geranien ihre grellrote Pracht. — Schirmend hüllt das hohe, steil fallende Giebeldach das feste Gefüge aus kleinblättrigen Schindeln ein. — In starkem Gegensatz zu der gepflegten Stattlichkeit des Wohnhauses stehen die grossen Ställe in ihrer nüchternen Zweckmässigkeit da; sie beherbergen gewöhnlich an die fünfzig Stück Grossvieh. — Grosse Dunghaufen sind hinter dem «Gaden» an Stöcken hochgeschichtet; es duftet hier nach Landwirtschaft und reifendem Obst. — Aus den Koben tönt das Grunzen der Muttersauen, die mit ihren Rüsseln in der Tränke wühlen, und vor diesen purzelt ein gutes Dutzend rosiger Jungschweine übereinander; sie versuchen sich im Ringkampf, indem sie in drolligem Ernst aneinander aufstehen und sich gegenseitig ihre kurzen Beinchen auf die noch unentwickelten Achseln stemmen. Es hat geregnet. — Das Gras quietscht unter den Tritten der werchenden Knechte, deren nackte, unsaubere Füsse in groben «Holzböden» stecken, die oben von zwei Lederriemen gehalten werden. — Einer von ihnen, in Zwilchhosen und leinenem Ueberhemd, führt das Zugrind vor den Jauchewagen. — In breitem Strahl sprüht dunkle Brühe über gelockerte Schollen und die Geisseischnur des Begleiters zwickt musikalische Kadenzen dazu. Und im Austagen, zu Ende des Maimonats, als die Sturmschäden am Alphaus und Stall «Zur Schweig» im Wisaberg ausgebessert waren, die Wege aper geworden und die heisse, stechende Frühjahrssonne auch die letzten Schneeplätze dort oben reingefegt hatte, da war es der Andacher Melk, der den Alpaufzug mit den auserlesen schönen Sennten des Zingg anführte. — Die beiden Alpknechte und die zwei Handbuben führten die sauber gestriegelten Loben auf den weiten Hof hinaus. — «Lisi», die Schellenkuh, trug zur Feier des Tages zwischen den weit gebogenen Hörnern ein Gesteck bunter Wiesenblumen und zwei anderen hatte man umgekehrte Melkstühle zwischen diesen befestigt. — In hellem Klang und melodischem Nachhallen schlugen die Schwengel an die Innenwände der grossen Kuhglocken, die in der weissen Frühjahrssonne wie Weissgold glänzten. Andacher, in groben Zwilchhosen und dem weissleinenen Ueberhemd mit der Kapuze, hält den mehrfach prämiierten Zuchtstier «Herzog» an dem kurzen, starken Strick, der an dem weiten Nasenring befestigt ist. Ein messingbeschlagenes Lederband ist unter den fast waagrechten Hörnern durchgezogen und krönt die wuchtige Stirn des schönen Tieres wie ein Diadem. Unter dieser zieht sich ein zweites in gerader Linie rßnab zu den weitoffenen Nüstern und endigt in der Lederschlaufe, wo der Ring im dicken Fleisch der Nase steckt. — Der Körper des Andacher ist gespannt wie eine Bogen- Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich im CH Tourlng, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. auf guter, neuerstellter Strasse in 15 Minuten von Luzera via Kriens erreichbar. Prachtvolle Rundsicht auf Seen und Alpen. Grosse Restaurations- und Gartenterrasse. Ia. Spezialitäten-Küche. Pension von Fr. 7.— an. Räumlichkeiten für Gesellschaften. Weekend-Arrangements. 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Gewinnen Sie dieselben durch das Auto-Magazin Der Bahnwart von Stans — ein echter Nidwaldner Volkstyp. sehne und die Muskeln seiner nackten, -"Schwarzbraunen Unterarme hüpfen auf und nieder, wie er, in straffem Anstemmen nach rückwärts, das gewaltige Stück lebendiger Urkraft neben ihm zum Stillstehn zwingt. — «Gooli», der langhaarige Appenzeller Sennenhund, läuft geschäftig und wichtig bellend zwischen den Tieren herum, sein buschiger Schweif sieht aus wie ein hochgestellter, wehender Federbusch. — Erni zum Büel, der Altsenn, hilft allerorts mit. — Da befestigt er gerade mit starken Seilen die Gerätschaften auf der Traggabel der Handbuben, dort rückt er einer der Loben das breite Halsband über der faltigen Wamme zurecht und krault da und dort noch einigen seiner Lieblinge zum Abschied zwischen den kurzen Stirnhaaren. Er ist etwas schweigsam heute, der Erni. — Ueber dem wetterharten, scharf gemeisselten Antlitz des grauhaarigen Sechzigers liegt verhaltene Wehmut. Es ist seit zwanzig Jahren das erstemal, dass ein anderer als er den Zug anführt, um mit der Herde des grossen Zingg zur Alp zu fahren. — «Los, Hansi», wendet er sich an einen der Handbuben und klaubt einen Franken aus seiner Zwilchjacke hervor, «das kleine Wappenbild, das oben 1 in der Sennküche an der Wand hängt, das schickst du mir dann morgen, gut verpackt, zu, gelt, da hast du Geld für das Porto und der Rest ist für dich.» — Der Hansi strahlt. «Also besorg alles gut da oben, du weisst ja jetzt Bescheid. Ich komme dann einmal mit dem Meister hinauf.» Dieser verabschiedete sich gerade von Andacher und gab ihm noch einige letzte Anweisungen. Den Weg kannte dieser ja nun. Sie waren zweimal selbander oben gewesen in den letzten Wochen. — Auch die Anna, die saubere, dunkelblonde Meisterstochter, trat noch zu ihm, gab ihm die Hand und ein freundliches « viel Glück » mit auf den langen Weg. «Herzog», der hoch punktierte, dunkle Koloss, wurde ungebärdig und der Zug setzte sich unter lustigem Treicheln der Loben und dem fröhlichen Jauchzen der Jungknechte in Bewegung. — Eine grosse Strecke ging es mühelos und leicht durch weiten, frischgrünen Talboden, dann wurde der Weg, fast ohne Uebergang, schwierig. — Durch enge, kühle Waldschluchten, zwischen wucherndem Farnkraut und ausgewaschenen Geröllhalden ging es aufwärts, auf den unebenen Pfaden, wo die «Ribenen», die Wildwasser hinabstürzen in gischtbraunen Strudeln, wenn die Schneeschmelze einsetzt, im Frühjahr, und die Lauenen sich dumpftosend von den Schneehängen lösen. Dann wieder an schmalen, steilabfallenden Grasbändern vorüber. Weiter oben kam dann die Region der Weiden. Manchmal schlugen die Stöcke der Treiber dröhnend auf hartes Gestein. — Die Handbuben und der fichtenschlanke Jungknecht kamen trotz ihren Lasten auf den Traggabeln leicht voran, und die gut ausgeruhten Tiere nahmen die Hindernisse in stolpernden Sätzen. Nur der Dölfi Odermatl, der «Ghirm», der die Bürde seines Reffs und seiner fünfzig Jahre nicht mehr so leicht auf den Achseln trug, musste öfters als die andern rasten. «Ghirmid ai, ghirmid ai wider ä chly, d'Lobä wend gruäwä.» — Ein mehrstimmiges Gelächter folgte seinem Notruf. — Es war immer dieselbe Geschichte mit ihm an den Alpfahrten, und seine ewiggleichen Sprüche hatten ihm den Uebernamen «Ghirm» eingetragen, — Aber die andern mussten nun doch wohl oder übel langsamer steigen, bis der Dölfi seinen Proviantsack geöffnet und sich mit einem gebrannten Wässerchen und Brot und Käse für den Weitermarsch gestärkt hatte. — Am Nachmittag langten sie oben an. — Die Landschaft weitete sich. Wisaberg, Nidwaldens schönstes, lieblichstes Alpgebiet, tat sich in seiner ganzen Pracht vor ihnen auf. Mit seinen weitverstreuten Hütten, den sanftgewellten lichtgrünen Mulden und den dunklen Silhouetten der hochragenden Tannen, die den breiten Rücken des «Grossen Hornes» beschatten. Ja, sehr schön war das da oben. Der sonst so nüchterne Meistersenn findet es auch. «Da könnte es einem schon auf die Länge gefallen, — vielleicht sogar für immer», dachte er, und er wusste eigentlich nicht, warum er gerade jetzt auch an die herbe, blonde Meisterstochter denken musste, die ihm heute beim Abschied vo Freundlich die Hand gereicht hatte. Fürigen, Vierwaldstättersee. Wie alle Jahre herrscht auf Fürigen auch dieses Jahr wieder reger Betrieb. Wunderschönes Frühlingswetter ist diesem idyllischen Flecken beschieden. Sonne überall, draussen und drinnen! Draussen in der Natur, wo alles blüht, singt und zwitschert, als ob ewig Sonntag wäre; drinnen in der grossen, lichten Halle des Hotel Fürigen, wo bereits zahlreiche Kurgäste sich zu sorgenlosen Ferientagen zusammengefunden haben. Doch nicht lange halt die Halle all die netten Gäste fest. Immer wieder treibt es sie hinaus in den unvergleichlich schönen Frühling, hinunter zum See und zum Schlepplift der immer wieder jung und alt entzückt. Er ist ja bereits in Betrieb gesetzt und immer ist das grosse, sonnige Rondell vom frohen Treiben und Scherzen erfüllt. Der Kampf um die Ständer beginnt stets aufs neue, trotzdem bereits 8 neue errichtet worden sind und der interessante Schlepplift statt 11 nun 19 Ständer aufweist und in der Stunde nicht weniger als 1400 Personen befördert. Nicht selten bemerkt der Beobachter auf dem See treibende Schiffchen, die teilweise träumerisch und still dahingleiten, teilweise aber auch in übermütigem Geschaukel, das von Singen und frohem Lachen begleitet ist. Es sind alles Gäste aus Fürigen, die hier am See unvergessliche Ferientage verleben. E. H.