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E_1938_Zeitung_Nr.033

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BERN, Freitag, 22. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 33 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich F». Austand mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgab« B (mit gew. Unfaiivenich.l vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Vergleichsfahrten mit Lastwagen auf den Autobahnen Darüber, dass für den Personenwagen die Reichsautobahnen schön, schnell, sicher und sparsam sind, dürfte heute kein Wort mehr verloren werden müssen. Die von Dr. mg. Fritz Todt veranlassten messenden Vergleichsfahrten und die praktische Erfahrung haben das bestätigt und auch die Wege gezeigt, auf denen man die Personenwagen weiter dahin entwickeln kann, die von den Reichsautobahnen gebotenen Möglichkeiten noch besser auszuschöpfen. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass für den Lastwagenverkehr die Reichsauto-* bahnen ähnlich erstaunliche Vorzüge haben. Zwar siedelt, wo immer ein längeres Stück Reichsautobahn neu in Betrieb kommt, gerade der Lastverkehr sehr rasch auf die Reichsautobahn über und es entsteht in solchen Fällen zusätzlich neuer Lastwagenverkehr in erstaunlichem Ausmass **), — aber man hört gelegentlich an Fernfahrerstammtischen auch scheinbar Ungünstiges, und zwar ganz besonders über Steigungen und Gefälle auf den Reichsautobahnen. Es komme auf bergigen Stücken der Reichsautobahnen nach solchen Angaben besonders häufig vor, dass bergauf der Kühler zum Kochet komme und dass bergab die Gefahr des Bremsbrandes drohe. Demgegenüber ist zunächst einmal die Tatsache festzuhalten, dass auf der Reichsautobahn Steigungen und Gefälle über 7 bis 8 % überhaupt nicht vorkommen, während auf der Landstrasse recht erheblich stärkere Steigungen und Gefälle bekanntlich keineswegs selten sind. Weiter ist zu sagen, dass man beim Reichsautobahnbau die alte Strassenbauerregel befolgt hat, lange Steigungen durch eine Art von Stufenbildung, also ebene oder schwach steigende Abschnitte zu unterbrechen, und dass man ausserdem bei allen Steigungen und Gefällen Rastplätze in besonders reicher Zahl angeordnet hat. Anderseits ist aber ebenso War zum Ausdruck zu bringen, dass die Reichsautobahn durchaus nicht höhenscheu angelegt wurde und wird, dass sie vielmehr im Interesse zügiger und landschaftsgerechter Führung nicht selten Höhen überschreitet, an denen die Reichsstrasse sich irgendwie vorbeischlängelt ) Vgl. Dipl.-Ing. Rudolf Hoffmann «Die Strasse », Heft 4, 1938, S. 108. 10.— IQictscPiafdicfilkeU dec neuen Sieassen Deutschlands. Von Wa. Ostwald. VDI. Erscheint jaden Dlenütu und Freitag Wöchentliche Beilage „Atitb-Macazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste- REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Telephon 23.223 - Pottcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern G«»-hart«ttU> Zürich! Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Vor allem ist aber Folgendes zu sagen : Die Reichsautobahn ist unvergleichlich zügiger als die Strasse. Die Bewegungen des Steuerrades z.B. sind auf der Reichsstrasse mehrhundertfach so gross als auf der Autobahn. Als Folge davon sind die Steigungen und Gefälle der Autobahn weithin übersichtlich. Während man auf der Strasse in Steigungen und Gefällen durch rasche Folge enger Kurven bergauf vorübergehend zum Gaswegnehmen gezwungen wird und bergab aus gleichem Grunde den Wagen nicht frei laufen lassen kann, kann man auf der Autobahn bergauf dauernd den Motor voll beanspruchen und bergab den Wagen auch so laufen lassen, bis man ihn nicht mehr halten kann. Beides kann man tun; beides braucht man aber nicht zu tun. Mit einem Beil kann man sich den Daumen abhacken oder sich seiner anderseits richtig bedienen. Wer einen schweren Lastzug bergab durch Unterlassen rechtzeitigen Zurückschaltens" und Bremsens auf unzulässig hohe Fahrgeschwindigkeiten kommen Iässt, fliegt auf der Strasse in die Kurvenbäume und auf der Reichsautobahn in den Mittelstreifen oder sonst in die Gegend. Man muss, das sollte man nicht vergessen, auch auf der Reichsautobahn fahren können — am Steuer eines schweren Lastzugs sogar noch besser als im Fahrersitz eines Personenwagens. Ebenso steht es mit dem Fahren bergauf auf der Autobahn. Wer einen wärmekranken Motor hat, dessen Kühler wird auf der Strasse wie auf der Autobahn nach einiger Beanspruchung kochen. Da die Zügigkeit der Autobahn nicht zum Gaswegnehmen zwingt, muss man bei solchen wärmekranken Motoren bewusst derartige Schonung verwirklichen. Erfreulicherweise sind aber die wärmekranken Motoren im Aussterben. Neuzeitliche Lastzüge denken nicht daran, selbst auf den bergigsten Autobähnstrecken zu kochen oder unzulässige Oeltemperaturen anzunehmen. Lastkraftverkehr bedeutet in erster Linie Kostenberechnung. Man hat heute eine Vorliebe für schwere Anhänger. Diese Vorliebe ist wirtschaftlich berechtigt, weil weder Tempo noch Kraftstoffverbrauch durch einen Anhänger proportional beeinflusst werden, vielmehr selbst ein schwerer Anhänger sehr billig mitfährt. Das gilt auf der Reichsstrasse und ganz besonders auf der Reichsautobahn, weil dort die zeit- und kraftstoffressenden Abbremsungen und Beschleunigungen in Wegfall kommen. Das trifft aber in beiden Fällen nur für die Ebene zu. Schon bei verhältnismässig geringen Steigungen sinkt die Fahrgeschwindigkeit schwerer Lastzüge empfindlich, während der kilometrische Ver- Ansicht der Instrtimentenanordnunf im Innern des 3,75-t-Mercedes-Lastwagens, womit vergleichsweise Messfahrten auf der Landstrasse und auf der Autobahn durchgeführt wurden. INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltenc 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer: Querschnitt. Der Strom des internat. Autotourismus. Nat Gelände- u. Orientierungsfahrt Neuenburg. Ersatzstoffe im Autobau. Wir überholen unser Verkehrsgewissen. Beilage: brauch ebenso fühlbar in die Höhe geht. Man darf also beim Aufsuchen der wirtschaftlichsten Belastung die Steigungsverhältnisse nicht ausser acht lassen. Es kommt hinzu, dass Zugwagen mit nur zwei angetriebenen Rädern bei schweren Lastzügen in Schwierigkeiten kommen können, sobld Steigungen durch Schnee und Glatteis geringen Griff ergeben. Diese Verhältnisse legen es nahe, dass man dafür sorgt, dass bei solchen Lastzügen, welche viel Steigungen zu befahren haben, vorübergehende Steigerung der Motorleistung (z. B durch Spülung und Aufladung mit Abgasturbine nach Büchi) und ausserdem Mehrachsantrieb, gegebenenfalls Allradantrieb, vorgesehen wird. Diese Dinge befinden sich in der Entwicklung. (Fortsetzung Seite 2.) WAS KOMMEN MUSSTE Selbst zum Rechten sehen! Bernische Strassenben Otzerverbände und Grossratswahlen. Am 8. Mai wird das Berner Volk an die Urnen gerufen, um — neben andern Abstimmungsgeschäften — auch sein Parlament neu zu bestellen. Damit erhob sich für die Organisationen der Strassenbenützer die Frage, welche Haltung sie auf den Wahlgang hin beobachten, will sagen, ob sie Gewehr bei Fuss nehmen oder in irgendeiner Form in den Kampf eingreifen sollten. Wenn nun die bernischen Sektionen des ACS, des TCS, der Aspa und der BMV kürzlich beschlossen haben, auf die Grossratswahlen hin einen Appell an ihre Mitglieder zu richten, worin diese aufgefordert werden, ihre Stimme jenen Kandidaten zu geben, die während der vergangenen Legislaturperiode für die Sache des Au- F E U I L L E T O N Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 30. Fortsetzung. Der Buick kam nur langsam vorwärts, die enge Nankingroad war vollgestopft mit Wagen, Autobussen und Trambahn. Schreiende Rikshawkulis drängten sich durch. Vor den Geschäftshäusern hingen die Fahnen herab, gelb, rot, knallblau, mit riesigen chinesischen Schriftzeichen bemalt, sie bewegten sich mit jedem Luftzug, eine neben der andern, so dicht, dass man kaum die Fasssaden sah. Vielleicht tausend Fahnen. Zehntausend. Zehntausend Pfund per Juli. Liu riss die Bremse. Rotes Licht Warten. Hubert sah nach rechts, ein Fordwagen stand da, mit hämmerndem Motor. Junge chinesische Dame am Steuer. Grünes Licht. Der Buick rollte vor, am Cathay-Hotel vorbei, zum Bund. Es war ein Viertel nach neun. Den Kai entlang, vorbei an der Bank, dann hielt der Wagen vor dem dreistöckigen altmodischen Haus. Weisse Pfeiler und Verandabogen. Ein kleiner dürrer Vorgarten. H. Maquardt, Shipping & Insurance. Asia Fire &. Marine Insurance Company. Unter einer Wolke von Dunst lagen die grauen Kriegsschiffe am Bund, die Kanonen zur Stadt gerichtet. Um halb Elf war Ross noch immer nicht im Büro. Hubert ging im Zimmer auf und ab, manchmal blieb er stebn und starrte auf die Strasse. Der Bund war voll von Menschen. In allen chinesischen Hafenplätzen war das bewegteste Leben der Stadt immer am Bund zu finden, dieser Strasse, die am Quai lag und wo sich alle Geschäftshäuser und Speicher befanden. Im Hinterzimmer flüsterte und schwätzte der Comprador, Elias Joseph Yuen. Yuen schwätzte, jemand anderer antwortete, dann noch eine dritte Stimme, hoch, im Fistelton. Hubert versuchte zuzuhören. Das endlose Gerede drehte sich um einen Kulitransport. Er schloss die Augen. Er presste die Stirn an das erhitzte Fenstersrias. In diesem Moment schrie am Schreibtisch das Telephon. Es war Ross. c Ross », sagte Hubert atemlos. «Ich war bei Meyer, ich habe... > Aber Ross Hess ihn nicht ausreden. « Es ist durch"! » sagte Ross am andern Ende des Drahtes. «Ich hab eben von unserem Broker gehört, er hat für die Frau des Ministers Gold gekauft. Fünf Broker kaufen heute für Mrs. Lung Gold.» Hubert öffnete mechanisch den Mund und schloss ihn wieder. Es war durch! Er konnte nicht sprechen vor Aufregung. Die Frau des Ministers stieg aus dem Silber aus. Das Embargo würde durchgehen. « Ross », sagte Hubert. «Ich hab jjross abgeschlossen, zehntausend Pfund, hören Sie, ich hab einen Kurskontrakt zu... hallo ? » Er rief: « Ross ! Hallo, Ross ! Ich...» Ross war nicht mehr da. Hubert liess den Hörer in die Gabel fallen. Es ging durch. I Ross hatte die richtige Information gehabt. Eine Weile blieb Hubert auf der Schreibtischkante sitzen und sah in die Luft. Sein Herz klopfte bis zum Hals. Von der Strasse kam das laute, eintönige « I-ho ». « Ha-ho » der Lastenkulis. Die Schreibmaschinen klapperten. Und Montag war das Embargo da. Totsicher. Fünf Broker kauften für Madame Lung Gold. Hubert stand auf, er holte Atem, alles war in Ordnung. 3. Kapitel. Die Amah hatte das Bad gerichtet, kühles Wasser, weisse Wanne, Cary presste den Schwamm über ihrem Gesicht aus, runde, glatte Tropfen, kühl, kühl, kühl. Nie wieder aufstehn, nie wieder ein Kleid anziehen, nie wieder sich bewegen. Der Schwamm glitt ins Wasser zurück, wurde dick und schaukelte leise. Kühl, kühl. Durch die geschlossenen Fensterläden kam ein einzelner Lichtstrahl und glitt zitternd über den Fliesenboden. Draussen brannte die Hitze. Cary lag still, mit halbgeschlossenen Au-