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E_1938_Zeitung_Nr.040

E_1938_Zeitung_Nr.040

BERN, Dienstag, 17. Mai 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Aoigalw A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert ' Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherun«) vierteljährlich Fr. 7.50 In der Fachpresse ist schon öfter und mitunter recht lebhaft die Frage aufgeworfen worden: «Warum überhaupt Autorennen?» Ist es durchaus notwendig, dass für diesen Zweck von führenden Autofirmen alljährlich Millionen von Franken ausgeworfen werden ? Handelt es sich für die daran beteiligten Marken nur darum, vor Zehntausenden, ja Hunderttausenden begeisterter Zuschauer einen Publizitätserfolg zu erringen, oder ist mit dem Rennen auch dem technischen Fortschritt gedient? Zugegeben, auf den ersten Blick scheint der Zusammenhang zwischen den schlanken, donnernden « Silberfischen » der Rennbahn und den im Vergleich dazu recht plump wirkenden, lautlos dahinschwebenden Personenwagen durchaus nicht gegeben. Doch — sehen wir uns die Dinge etwas aus der Nähe an; vielleicht lassen sich bei genauer Betrachtung doch diese und jene Zusammenhänge entdecken. Nur dürfen wir hierbei die Rennwagen von heute nicht einfach den Personenwagen gleichen Datums gegenüberstellen. Wir müssen die Rennwagen vielmehr in gewissem Sinne als Avanguardisten des Automobils betrachten, als etwas, das seinen Zeitgenossen verwandter Konstruktion um Jahre, vielleicht Jahrzehnte vorauseilt. Und, verstehen wir uns recht: damit ist natürlich nicht gesagt, dass unsere Innenlenker von heute nun in allen Teilen etwa einem Rennfahrzeug von anno dazumal nachgebildet seien. Das wäre ja Unsinn, denn vom Gebrauchsfahrzeug verlangen wir, dass es uns mitsamt Familie während Jahren bei Sonnenschein und Regen über eine Totalstrecke von vielleicht 200,000 oder mehr Kilometer befördert. Beim Rennfahrzeug dagegen sind wir zufrieden, wenn es mit dem Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 36 Fortsetzung. Die nackten Füsse des Kuli klatschten über den Asphalt. Meyer horchte stumpf zu, er sah den Schatten der Rikshaw auf dem Boden mitlaufen, mit schwankenden Laternen und fliehenden Rädern. Als er später einmal aufblickte, kamen sie an einer Konditorei vorbei. « Charlie's Cafe » stand über dem Eingang. « Dao-lah ! » sagte Meyer. « Dao-lah. Angekommen. » Er gab dem Kuli zwanzig Cent und ging in das schlechtbeleuchtete Lokal hinein. Es war leer. Die Kellnerin hockte gähnend hinter der Theke. « Telephon ? » fragte Meyer. Er wollte nicht allein sein. Die Einsamkeit presste ihm das Herz zusammen. Er rief Natascha an. Sie war daheim. « Oh Baby, bring zu trinken mit! » sagte sie. « Bring zu trinken und kleine Schachtel Zigaretten.» Er bestellte sich telephonisch eine Taxe Erscheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe IJi««** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschiftsstflle Zürichs Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Piloten allem nur ein paar Rennereignisse ä 500 km erfolgreich übersteht. Dann wird es verschrottet oder an einen weniger begüterten Privatfahrer abgegeben. Der Einfluss der Rennwagenkonstruktion auf den Gebrauchswagen offenbart sich in verschiedener Art. Gelegentlich wird ein Teil oder ein ganzes Maschinenaggregat schon in ganz kurzer Zeit vom Rennwagen zum Gebrauebswagen übernommen, nachdem seine technische Gestaltung in der Weise abgeändert "wurde, dass es an Stelle einer harten mechanischen Prüfung über Tausende von Kilometern eine allerdings weniger intensive, trotzdem aber recht aufreibende Beanspruchung über Hunderttausende von Kilometern aushält. Der Rennwagen hilft Neuerungen entwickeln und wirbt gleichzeitig dafür. Dieser Fall tritt vor allem bei grundsätzlich neuen Konstruktionselementen ein. Hier ist der Rennwagen in der Lage, nicht nur der technischen Erprobung einer konstruktiven Neuerung zu dienen, sondern auch werbend für sie zu wirken. Als Beispiel nennen wir die Schwingachse, deren Siegeszug ohne die drastische Demonstration der vorzüglichen Strassenlage moderner Vollschwingachsrennwagen trotz aller schönen Theorie nicht denkbar wäre. Die Theorie ist die eine, Praxis hingegen die andere Sache. Der Mensch neigt eben « von Kindsbeinen an », dazu, alles mit eigenen Augen sehen oder gar am eigenen Leibe verspüren zu wollen. Erst wenn er die Vorteile einer Konstruktion sinnfällig vorgeführt erhält, glaubt er vollends an deren Ueberlegenheit. Wenn die deutschen Gebrauehswagen heute gerade hinsichtlich ihres Fahrwerkes und setzte sich dann an eins der Marmortischchen. Die Kellnerin kam und, blickte ihn mit Augenaufschlag an. «Ein Glas Whisky», sagte er. «Und packen Sie mir eine Flasche Likör ein.» « Curacao ? Oder Peppermint, Cherry Brandy, — was soll es sein ? » « Egal!» sagte er. Sie ging zum Ladentisch zurück und suchte zwischen den Flaschen herum. Auf dem Marmortischchen war klebriger Alkohol vergossen, schwarze Fliegen summten über der Nässe. Meyer sah ihnen stumm zu. Als er zahlte, schrie draussen die Autohupe. Die Flasche im Arm ging er hinaus. Vor der Tür hielt die dunkle geschlossene Taxe. « Lafitte-Lu ! » sagte er dem Chauffeur. Der Wagen ratterte und holperte durch winklig© Seitenstrassen ins französische Viertel hinüber, zur Rue Lafayette. Die heissö, klebrige Shanghainacht füllte die Luft. Allein in einer schaukelnden Taxe. Er sass da, die Flasche auf den Knien mit beiden Händen umklammert, aufrecht, als könnte ihn jemand sehen. Es schlug Mitternacht, als die Taxe hielt' Natascha stand schon vor der Haustür, durchschnittlich einen sehr hohen Stand der Entwicklung zeigen, so ist dies zweifellos nicht zuletzt den Rennen zu verdanken. Die Einzelabfederung ist schliesslieh, obwohl ihre Geburtsstunde lange vor den nach der 750- kg-Formel gebauten deutschen und italienischen Grand-Prix-Boliden geschlagen hatte, erst durch sie zu einem wirklich populären Begriff geworden. Dies illustriert allein schon die Tatsache, dass die Automobilmodelle anderer Länder (abgesehen von der Tschechoslowakei) durchschnittlich bedeutend weniger Einzelabfederungen zeigen als die deutschen und italienischen. Der Rennwagen hilft neue Werkstoffe erproben. Weiter: Der Rennwagenfconstrukteur darf ungeachtet der entstehenden Kosten teurere Spezialwerkstoffe heranziehen und hat Gelegenheit, ihre Eignung einer gewaltigen Zerreissprobe zu unterziehen. Wer weiss, ob es nicht in absehbarer Zeit gelingt, sie derart billig zu fabrizieren, dass sie sogar für den Gebrauchswagenbau in Frage kommen ? So erging's doch schon sehr oft, bei- Zwei Wehwnänner, die eben aus der Motorradfahrerrekrutenschule kamen, fuhren am 25. April 1936 in Uniform und mit vollem Gepäck auf einem Motorrad auf der Strasse Bern-Lausanne; der Eigentümer des Motorrades war auf dem Rücksitz und sein Kamerad lenkte das Fahrzeug. Als sie gegen Avenches zu fuhren, wollten sie auf der geraden, 7 m breiten Strasse einen Lastwagen überholen, als dieser plötzlich vor ihnen nach links in einen auf jener Seite einmündenden Privatweg abschwenkte. Durch eine scharfe Rechtsschwenkung konnte der Lenker des Motorrades zwar den Zusammenstoss vermeiden und rechts am Lastwagen vorbeikommen, stiess aber weiter vorn an das Trottoir, wobei das Motorrad umschlug und sein Führer beim Sturz gegen einen Baum getötet wurde. Die Eltern des Verunglückten klagten gegen den Halter des Lastwagens, der bei dem Unfall nicht dabei gewesen war, auf Schadenersatz und Genugtuung. Wenn durch den Betrieb eines (Motorfahrzeuges ein Mensch getötet wird, haftet nach Art. 37, Abs. 1 MFG, der Halter; falls der Unfall auf den Betrieb des Lastwagens zurückzuführen war, musste diese Bestimmung hier zur Anwendung kommen, obschon ein eingewickelt in einen fleckigen gestickten Kimono. Sein Gesicht ordnete sich von selbst in ein kleines gieriges Lächeln. Dabei verachtete er sie. « Hast du trinken gebracht. Baby ? » Ihre Nasenflügel schnupperten. Sie zog ihn ins Haus. Sie sah aus wie ein weisses, verschlafenes Kaninchen. « Meyer hat vielleicht noch die Kabinenticketts, die für Victoria und Flockie gebucht waren », sagte Hubert. Seine Stimme kam von der Balkontür her. Cary drückte das Kissen noch mehr zusammen, jetzt lag ihre Wange in der Leinwandmulde, heiss aber weich. « Butterfield hat mir erst für nächste Woche eine Kabine versprochen, aber vielleicht ist die von Meyer noch da. Das war für übermorgen.» « Wenn das mit der Kabine klappt, kannst du übermorgen fahren, Cary. » Sie war schläfrig. Sie spürte die Müdigkeit von ihren Beinen aufwärts steigen, ihr ganzes Fleisch wurde müd und locker. « Ich ? » fragte sie. « Wir beide ? » «Ich muss doch hierbleiben », sagte Hubert. «Du fährst nach Kuling, es wird dir so gefallen. Es ist kühl dort.»- INS ER TIONS- PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Insemteineblass 4 Tage vor Erscheinen der Nnmroer In dieser Nummer: Uri stimmt dem Bau der Sustenstrasse zu. Dreifacher Mercedes-Benz-Sieg in Tripolis. Baut den Gotthard aus! Das Kühlsystem. Sanierung hei Saurer. Kleine Revue. spielsweise beim Aluminium, das anfänglich im Preis fast so hoch stand wie ein Edelmetall und nach wenigen Jahrzehnten zu einem geschätzten Konstruktionsmaterial für Gebrauchswagen geworden ist, ferner bei all jenen seltenen Metallen, die bei der Herstellung hochwertiger Stähle eine Rolle spielen usw. (Fortsetzung Seite 2.) La*4wa«£en Vorsicht! (Aas dem Bundesgericht.) Zusammenstoss zwischen den beiden Fahrzeugen vermieden worden war. Da der Verunglückte nur Lenker, nicht aber Halter des Motorrades war, musste er als « Dritter » im Sinne des Art. 37 betrachtet werden und Art. 38 und 39, welche die Verhältnisse unter mehreren Haltern ordnen, konnten hier nicht angewandt werden. Das Bundesgericht musste zunächst eine fehlerhafte Beschaffenheit des Lastwagens (für die der Halter nach Art. 37 verantwortlich ist) deswegen annehmen, weil der Richtungszeiger des Lastwagens durch einen aufgeladenen Sack teilweise verdeckt war. Ein zweiter Fehler bestand darin, dass der auf dem linken Vorderflügel angebrachte Rückblickspiegel dem Führer des mit Rechtssteuerung versehenen Wagens nur einen eng begrenzten Ueberblick auf die hinter ihm liegende Strecke gewährte. Das schwere Verschulden des Lastwagenführers liegt darin, dass er trotz der Mängel seines Rückblickspiegels die plötzliche Linksschwenkung quer über die Fahrbahn vornahm, ohne sich zu überzeugen, dass dadurch kein ihm nachfolgendes Fahrzeug in Gefahr gebracht wurde; dieses Verschulden ist um so schwerer, als er neben sich einen Fahrgehilfen Während er scheinbar ruhig sprach, begriff er nicht, wie er ohne sie, in diesem leeren Hause, leben sollte. « Ich bleib lieber hier.» Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. « Was soll ich denn dort ? » « Dich an das Klima gewöhnen. Du hältst den Sommer in Shanghai nicht aus. Unter keinen Umständen kannst du hier bleiben. Oben in Kuling hast du es kühl, und du wirst Victoria und Flockie treffen. Du wirst sehn, wie gut es dir gefällt.» « Nein •», sagte sie nach einer Weile. Keine Antwort. Es blieb still. Sie machte die Augen auf, es war dunkel im Zimmer. Sie musste schon geschlafen haben, das Licht war ausgelöscht und Hubert war fort. 6. Kapitel. Die « Whangpoo » war ein weissgestrichener Dampfer mit einem kleinen Rauchzimmer und zehn- Kabinen. Sie fuhr abends um neun vom Bund ab, sie sollte wenigstens um neun abfahren, um zwölf nahm sie noch immer Fracht ein. Nähmaschinen- einen Dynamo, lackierte Kinderbetten, Petroleumlampen und Wasserröhren. Rötliches Licht fiel in den offenen tiefen Laderaum.