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E_1938_Zeitung_Nr.040

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE Kleinwagen mit Umlaufmotor? Nach Mitteilungen aus Stockholm soll der schwedische Grossindustrielle und Leiter des Elektrolux-Konzerns Axel Wenner-Gren mit dem französischen Automobilfabrikanten Mathis wegen der Lancierung eines Kleinwagens mit Umlaufmotor in Unterhandlungen stehen. Bekanntlich wurden um die Zeit des Weltkriegs von verschiedenen Konstrukteure^ Flugmotoren in Sternform mit umlaufenden Zylindern gebaut, doch ist man seither wieder davon abgekommen und lässt den Zylinderstern nunmehr stillstehen, während sich dafür die Kurbelwelle dreht. Ob die Verhältnisse nun bei der Verwendung eines Umlaufmotors in einem Kleinwagen so ganz anders liegen als beim Flugmotor, kann nur die praktische Erprobung lehren. Möglicherweise handelt es sich auch um einen nach neuartigen Prinzipien konstruierten Umlaufmotor, beispielsweise einen solchen ventilloser Bauart. Hierüber ist allerdings vorläufig nichts in Erfahrung zu bringen. Dagegen verlautet, dass der Motor nicht weniger als 9 Zylinder besitzen werde und das scheint uns nun für einen billigen Kleinwagen, der sich in Europa für 2000 bis 3000 Fr., in U.S.A. gar für 1000 Fr. bauen lassen «oll. immerhin etwas viel. Dem Vernehmen nach sollen Versuchsausführungen des Kleinwagens bereits seit zwei Jahren in praktischer Erprobung stehen. Weiter wird berichtet, dass bei seiner Entwicklung auch amerikanische Konstrukteure mitarbeiteten. Als Standort der neuen Werke ist ein in der Nähe New Yorks gelegenes Fabrikgelände ausersehen worden. Es scheint also, dass das Projekt mit aller gebotenen Umsicht und Tatkraft an die Hand genommen wurde Was jedoch echliesslich daraus wird, kann im gegenwärtigen Zeitpunkt niemand voraussagen. ü>*sal

DIE KLEI „Artomobil-Revin" — Mr. 40, III. Blatt BERN, Dienstag, 17. Mai 1938 Ein hübscher Wochenuxnsatz: Der amerikanische Automobilhandel atmet auf. Der Gemeinschaftspropaeanda, welche er — wie wir bereits in Nr. 29 gemeldet haben — vor kurzem mit der Automobilindustrie zusammen veranstaltet hat, ist ein durchschlagengebrauchte Wagen im Wert von rund der Erfolg beschieden worden. Innert Wochenfrist gelang es, an die 200 000 50000000 Dollar an den Mann zu bringen. Die Lage war kritisch geworden. In den SBinstellräumen der Detailhändler hatten •ich die gebrauchten Wagen immer mehr gestaut, während die Nachfrage mit einer nervenzermürbenden Konstanz ausblieb. Ungeheure Summen, vielleicht 150 000 000 •Dollar, vielleicht 200 000 000 Dollar, waren in diesen Occasionswagen nicht nur investiert, sondern geradezu eingefroren. Die Banken, die einen Teil dieser Vorräte bevorschusst hatten, drängten auf Rückzahlung der Lombardkredite; doch konnte eine zwangsweise Liquidierung grösseren Stils kaum gewagt werden, da sie zu einem •weiteren Zusammenbruch der Preise und zu beträchtlichen Verlusten geführt hätte. Der Verkauf neuer Wagen war behindert. Und dazu kam noch die Befürchtung, dass besonders die hochwertigen Fahrzeuge durch das Veralten eine Werteinbusse erleiden würden, die sich bei vielen Automobilhändlern geradezu katastrophal auswirken müsste. Die «Grossen» greifen ein. Da griffen die Automobilfabriken ein, und zwar seltsamerweise gerade auf Vorschlag jener Unternehmung, die sich bis anhin jeglicher ähnlicher Gemeinschaftsaktion mit den andern Konzernen prinzipiell enthalten hatte: der Ford Motor Company. Die Industrie konnte einfach nicht mitansehen, wie die Stosskraft ihrer Detaillisten gelähmt und dadurch auch der Absatz der neuen Wagen behindert wurde. So brachten sie denn einen Fonds von rund 1250 000 Dollar auf, und zwar eo, dass jede Fabrik einen Beitrag pro rata der im letzten Jahr verkauften neuen Wagen iieisteuerte. Mein lieber Sohn! Durch Zufall ist mir letzthin ein französischer Lehrgang für Autmobilverkäufer *) in die Hände gekommen, der sämtliche Sparten der ganzen Branche behandelt» Trotzdem ich im allgemeinen von solchen theoretischen Abhandlungen für den Berufserfolg nicht viel halte, weil ein steifes Wissen mit der für den Verkauf notwendigen Beweglichkeit im Gegensatz steht, muss ich Dir gestehen, dass mich die Durchsicht des erwähnten Kursus sehr angenehm überrascht hat. Er hat nämlich mappe für jeden der 46 000 Händler, die nebst dem eigentlichen Reklamematerial ausführliehe Vorschläge und Anregungen für eine wirkungsvolle Mitarbeit des einzelnen enthielt. Amerika horcht auf. Nicht umsonst belegt die Automobil- Industrie im Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten einen der wichtigsten Plätze; ja, sie wird sogar als die Wegbereiterin des Wiederaufbaus aus der Depression von 1929 betrachtet. Die amerikanische Oeffentlichkeit hat ein scharfes Auge auf ihren Geschäftsgang, in der Ueberzeugung, dass eine Ankurbelung der Automobil-Industrie automatisch eine Wiederbelebung des gesamten Erwerbslebens nach sich zieht. Auf Grund dieser Die Vorbereitungen. Bereits zwei Monate vor Beginn der Propaganda wurde mit den sehr sorgfältigen Vorbereitungen eingesetzt und dadurch ermöglicht, mit den zur Verfügung stehenden Geldern einen maximalen Ertrag herauszuholen. Eingehende Marktanalysen führten zur Erkenntnis, dass vor allem zwei Verkaufsargumente die besten Erfolgsaussichten boten, nämlich die ge-Ueberlegung war es darum auch möglich, Ein Antohändler 200 000 Occasionswagen an Stuten Sohn *) « Cours de vente > des « Succes Automobile >. den Vorzug, dass das Hauptgewicht nicht auf dem Wissen, sondern vielmehr auf dessen praktischer Anwendung ruht. Die Bände, die ich bis heute gelesen habe, gaben mir — auch als alter Fachmann gestehe ich es gerne •— manche Anregungen und haben mir darum auch viel Vergnügen gemacht. Worum es sich handelt, werden Dir am besten einige Auszüge zeigen: «Der Unterschied zwischen einem erfolglosen und einem erfolgreichen Menschen besteht darin, dass der letztere die Hindernisse mit dem Geist echter Sportlichkeit — in echt « männlicher » Weise — in Angriff nimmt und fest entschlossen ist, der Schwierigkeiten Herr zu werden, während der Erfolglose die Partie gleich von Anfang an verloren gibt. ...Wenn Sie sich nicht selbst anspornen, wenn Sie die Triebfeder zur Leistung nicht in sich selbst tragen, dann müssen Sie sich nicht wundern, falls Ihnen ein genwärtig niedrigen Preise für gebrauchte Wagen und die Fahrsicherheit, die gebieterisch verlangte, dass eine grosse Zahl ausgefahrener und deshalb sowohl für den Automobilisten wie für die Allgemeinheit gefährlicher Vehikel raschmöglichst durch bessere ersetzt würden. Darüber vergass man selbstverständlich auch die anderen Punkte, die die Oeffentlichkeit zur Anschaffung besserer Occasionswagen veranlassen konnten, wie Repräsentation, Qualität der revidierten Wagen, Garantie usw., nicht. Nachdem über die prinzipielle Gestaltung der Werbung Klarheit geschaffen war, wurde das notwendige Propagandamaterial vorbereitet, das nicht nur Aussenplakate und Inserate umfasste (für welch letztere rund zwei Drittel der vorhandenen Gelder in 1950 Tagesblättern und 7800 Zeitschriften aufgewendet wurden), sondern auch Radiovorträge, Umzüge, Ausstellungen, Innenplakate usw., und vor allem eine umfangreiche Werbedie Presse und vor allem diejenige der Hearst-Gruppe für eine intensive redaktionelle Mitarbeit zu gewinnen. Die «National Used Car Week» — zu deutsch die «Nationale Occasionswagen-Woche» —, wie die Veranstaltung genannt wurde, konnte deshalb allseitig auf ein für unsere Vorstellung unglaubliches Interesse zählen. Gewonnen ! Das erste Experiment ist vollauf gelungen. Wie die eingangs erwähnten Zahlen beweisen, wurde das gesetzte Ziel in jeder Hinsicht erreicht. Das Resultat stellt nicht nur der Geschäftstüchtigkeit der Automobil-Industrie und seiner Vorposten, der Händlerschaft, ein hervorragendes Zeugnis aus, sondern ist ein erneuter Beweis dafür, dass auch individualistisch eingestellte Einzelpersonen und Unternehmungen eine vernünftig aufgebaute Gemeinschaftsaktion durchzuführen und erfolgreich zu gestalten vermögen, vor allem Eine amerikanische Stimme zur National Used Car Week: « Wiederum hat die Automobilindustrie der gesamten Wirtschaft gezeigt, welcher Weg aus der Stagnation herausführt... Die Zahlen zeigen, dass die Stauung, durch die der Markt verstopft wurde, dank Anwendung gesunder Geschäftsmethoden zum Verschwinden gebracht werden konnte. Eine einzige Automobilfirma, und dabei nicht einmal die grösste, meldet, dass innert vier Tagen 33 959 gebrauchte Wagen im Wert von 8 405 785 Dollar verkauft wurden... Die Fabrikpfeifen ertönen wieder; die Männer kehren wieder an die Arbeitsstätte zurück... Die Zahlen zeigen in einer unwiderlegbaren Weise, dass es sich die Wirtschaft selbst zuzuschreiben hat, wenn sie auf ein stumpfes Geleise gerät. Die Zeit verlangt Regsamkeit und Energie, Werbung und Reklame, Mut und Führerqualitäten. Es ist kennzeichnend, dass die Zeitungswerbung im Rahmen der Gesamtmassnahmen die Schlüsselstellung innehatte...* ti dann, wenn es nicht nur gilt, die engumschränkten Interessen einer Branche zu wahren, sondern das eigene Können und die eigene Macht in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Es muss besonders darauf hingewiesen werden, dass der Erfolg dieser wohl einzigartigen Aktion zu neun Zehnteln darauf zurückzuführen ist, dass es den Veranstaltern gelang, der Oeffentlichkeit in besonders eindringlicher Art darzulegen, was sie ihr an Vorteilhaftem und Nützlichem zu bieten hatten — nach den gleichen Grundsätzen, die wir an dieser Stelle ständig wiederholen. anderer den Rang abläuft, Sie sich befehlen lassen müssen und durch Güte oder Strenge zum Handeln gezwungen werden. Nur dann können Sie die Früchte Ihrer Ideen und Ihrer Arbeit gemessen, wenn Sie selbst initiativ und tatkräftig vorzugehen verstehen. Sie müssen es sein, der die Leistung vollbringt und auch in den dunkelsten Momenten den unbesiegbaren Willen, alle Hindernisse zu bewältigen, in die Waagschale zu werfen haben... ... Es gibt an die zwanzig Gründe, die für den Misserfolg verantwortlich gemacht werden können •.. Vielzuviele Verkäufer verstehen nicht, ihre Arbeit richtig zu organisieren. Sie verlieren mit Nebensächlichkeiten einen gewaltigen Schock Zeit ans dem einfachen Grunde, weil sie ihre Vorbereitungen zu wenig systematisch durchführen. Jeden Morgen vertrödeln sie eine Stunde damit, am Wagen herumzubasteln, oder sie plaudern eine halbe Stunde auf der Strasse mit irgendeinem Bekannten, oder erweisen ihren Nützliche Lehren. Es ist bei der Gründlichkeit amerikanischer Geschäftsmethoden nicht zu verwundern, dass aus den Erfahrungen dieser Aktion eine grössere Anzahl von Grundsätzen abgeleitet werden konnten, die für die zukünftige Gestaltung des Occasionshandels von Bedeutung sind, wovon wir einige wenige erwähnen möchten: /. Der Verkaut von Occasionswagen kann auch in der sogenannten flauen Zeit eine Belebung erfahren, wenn geeignete Massnahmen getroffen werden. 2. Das Publikum von heute legt viel grösseren Wert auf die Garantie des Händlers für die Sicherheit, Zuverlässigkeit und den Komfort der Occasionswagen. 3. Eine grosse Zahl von Interessenten kauft nur noch solche Occasionswagen, für die eine entsprechende Garantie geliefert wird. 4. Die schlechtesten Wagen sind am schlechtesten zu verkaufen. 5. Je länger je mehr erweist sich ein Fonds als notwendig, der es ermöglicht, die billigsten Wagen aufzunehmen und «einzustampfen*. Wenn es auch nicht möglich ist, zwischen der Lage des amerikanischen Antomobilhandels und Automobilgewerbes mit derjenigen der Schweiz eine genaue Parallele zu ziehen, so dürften die Ergebnisse der «National Used Car Week» auch dem schweizerischen Handel wertvolle Fingerzeige geben, die es ihm ermöglichen, in Zeiten der starken Belastung durch Tausch- oder sonstige Occasionswagen nach geeigneter Abhilfe zn suchen. h England berichtet: Die Occasions-Händler in Manchester haben eine interessante Neuerung eingeführt, die dem gesamten Occasions-Handel einen bedeutenden Auftrieb zu geben geeignet ist. Sie haben nämlich die Möglichkeit geschaffen, gebrauchte Wagen, welche durch vertrauenswürdige Handler verkauft werden, gegen Bruch und sonstige ausserhalb von Unfällen eintretenden Schäden versichert werden können. Bei Wagen, die nicht älter als drei Jahre sind, beträgt die Versicherungsprämie zirka Fr. 40.—, bei älteren Wagen etwas mehr. Die Versicherungsgesellschaft ersetzt jeden Schaden am Motor, an der elektrischen Einrichtung oder am Chassis inkl. der Bremsen, wobei sowohl die Kosten der Ersatzteile, der Arbeit, wie auch des Abschleppens inbegriffen sind. = Welche StöuiugeH teeUn an JCottdcnsatoceHoul? nach modernen, Winke fäc die Wuk&tatt Seite 12. Seite 12. Seite 12. Freunden einen Haufen Gefälligkeiten, die sie einen ebensolchen Haufen Zeit kosten.» Jede Stunde sollte im Interesse des Verkaufs verwendet werden. Verkäufer, die sich nicht zu organisieren verstehen, « stossen sich die Nase ein », weil sie mangels Verständigung mit der Kundschaft vielfach leere Wohnungen und Büros antreffen. Sie rennen nach links und rennen nach rechts; sie fahren an das eine Ende der Stadt, um dort zu bemerken, dass sie einen Kunden am andern Ende hätten aufsuchen sollen und am Vormittag vor seiner Haustüre vorbeigefahren sind.» Ich möchte Dir ernsthaft empfehlen, Dich über das Werk einmal näher zu informieren; wenn auch mit dem Studium desselben der perfekte Verkäufer noch nicht gemacht ist, so bietet es dem vorwärtsstrebenden Fachmann doch manches, das er in der Routine des Alltags allzuleicht übersieht 0 Dein Vater.