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E_1938_Zeitung_Nr.041

E_1938_Zeitung_Nr.041

BERN. Freitag, 20. Mai 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PH EISE« Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freltao Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschirtsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die aehtjMpaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarU lns«r»tensehln«8 4 Tage vor Enehelnen der Nummer & ^ ^Dilettantismus oder bewusste ttüsteUunq. det lUtlallstatistik? Die Litra als .Hüterin'der Strassensicherheit Zu Beginn des vorigen Jahres ging ein Alarmruf einer «Zentralstelle für Schadenverhütung in der Schweiz » durch die Tagespresse, worin unter reichlichem Gebrauch kräftiger Schlagwörter zum Kampf gegen die Verkehrsunfälle aufgefordert und verschiedene Mittel aufgeführt wurden, den Gefahren des Strassenverkehrs zu begegnen. Auf Grund «phantastischer UnfaMzahlen» lief die genannte Organisation Sturm gegen den « Moloch Motorfahrzeug » ; vom « Gewissen » der Motorfahrzeugführer war in Anführungszeichen die Rede, und die heutigen Verhältnisse auf den Strassen des Landes wurden als « bald legitimiertes Morden » bezeichnet. Die « positiven» Vorschläge der Zentralstelle für die Beseitigung der Verkehrsgefahren liefen schliesslich auf eine weitgehende Drosselung des Strassenverkehrs mit Lastfahrzeugen hinaus und verrieten, dass der Kampf im Grunde gar nicht den Verkehrsunfällen galt, sondern der Konkurrenzierung der Eisenbahnen durch das Lastauto. Es war nicht schwer, die unerhörte Leichtfertigkeit der Ausführungen der «Zentralstelle » zu beweisen und die aus einem frivol hingeworfenen Material einiger Unfallziffern abgeleiteten Schlussfolgerungen hinsichtlich der Sicherheit der Strasse zu entkräften. So wurde in Nr. 14 der « Automobil-Revue > vom 19. April 1937 dargetan, dass die «Beteiligung » eines Motorfahrzeugs an einem Verkehrsunfall noch nichts über die Schuld seines Führers aussage, so dass aus den durch die amtliche Verkehrsunfallstatistik gelieferten Zahlen, die sämtlich nur Beteiligungsziffern sind, keine unmittelbaren Rückschlüsse über die Verantwortung der Fahrzeugführer für die Gefahren der Strasse gezogen werden dürften. Neuerdings hat sich nun die «Litra, Schweizerische Liga für rationelle Verkehrswirtschaft », der guten Sache angenommen und am 25. April dieses Jahres der Presse einen Artikel zur Verfügung gestellt, der sich unter dem Deckmantel der Sorge um die Sicherheit auf der Strasse gegen den Strassenverkehr überhaupt, namentlich jedoch gegen den Gütertransport mit Motorfahrzeugen, wendet. Bereits im Begleitschreiben der « Litra > ist von « erschreckenden Zahlen» der Verkehrsunfälle die Rede, und davon, dass es «allgemach Zeit werde, dass auch unsere schweizerischen Behörden nach Abhilfemassnahmen suchen ». Auch der neue Notschrei setzt mit den Es war eigentlich auffallend, dass trotzdem die Schweiz. Bundesbahnen in den letzten 3 Jahren Beförderung von Autos durch den Gotthard durch verschiedene Massnahmen zu erleichtern suchten, diese Transpprte über die Ostertage immer mehr zurückgingen. Waren es an Ostern 1935 in beiden Richtungen gezählt für die Tage vom Gründonnerstag bis und mit Osterdienstag noch 1501 Wagen, so sank deren Zahl 1936 auf 1039 und 1937 gar auf 734 Wagen. Zu diesem rund 50- %igen Frequenzrückgang trug nicht nur die Oeffnung der Julierstrasse, die 1936 und 1937 etwas «frühen » Ostern und die wenig günstige Witterung bei, sondern vor allem auch die Tatsache, dass die von den SBB geschaffenen Erleichterungen damals noch ungenügend und diese Transporte zu teuer waren. Die seither eingetretenen Taxreduktionen, der «späte» Ostertermin und die günstige Witterung haben nun an Ostern 1938 erfreulicherweise eine weit höhere Frequenz gebracht, nämlich 1464 Automobile, was wohl deutlich zeigt, dass man diese Ostertransporte durch den Gotthard noch stark vermehren kann.. Folgende Aufstellung orientiert über die Entwicklung der Gotthardautotransporte über die sechs Ostertage der letzten vier Jahre: Fanfarenstössen hoher absoluter Unfallzahlen ein, wobei man wie im Vorjahre ausländische Ziffern voranstellt, weil sich natürlich mit den 40,000 Todesopfern des Strassenverkehrs in den Vereinigten Staaten und analogen Zahlen aus andern Großstaaten viel mehr imponieren lässt als mit erheblich bescheideneren Grossen der schweizerischen Unfallstatistik. Diese Taktik ist reklamepsychologisch ausgezeichnet: man rechnet damit, dass dem flüchtigen Leser die paar ersten Greuelzahlen im Gedächtnis haften blei- Äutotransporte durch den Gotthard Wünschbarkeit weiterer Verbilligungen und Verbesserungen. Verkehrsrichtung 1935 1936 1937 1938 Nord-Südverkehr 788 558 460 769 Süd-Nordverkehr 713 481 274 695 Total 1501 1039 734 146-4 Mitbestimmend für das erfreuliche 1938er Resultat war auch, dass alle Transporte auf die billigere Tunnelstrecke Göschenen-Airolo und vice-versa beschränkt werden konnten, indem die Nordrampe bis Göschenen fahrbar war. Greift man die einzelnen Ostertage heraus, so ergibt sich, dass 1938 im Nordsüdverkehr der Gründonnerstag- mit 302 Wagen das Hauptkontingent umfasst. Es folgen alsdann der Karfreitag mü 258 und der Ostersamstag mit 85 Wagen. -5 Anders natürlich im Südnordverkehr, wo der Ostermontag und Osterdienstag mit 296, resp. 279 Automobilen Hochbetrieb aufwiesen. Für die SBB bedeuteten diese Osterautotransporte ein ganz nettes Geschäft. Die 1464 transportierten Wagen dürften ihnen unter Berücksichtigung der Einnahmen für Wagen und Passagiere gegen Fr. 35.000 eingebracht haben. Was würde da erst herausschauen, wenn man sich, trotzdem wir das Entgegenkommen von Bahnseite gerne anerkennen, endlich zu einer ganzen Lösung entschlösse und diese Transporte so billig, einfach und so rasch als möglich gestalten würde? Das Mittel dazu bildet die Beseitigung der verbilligten Retourtaxen und die Herabsetzung der einfachen Transporttaxe auf Fr. 15.—. Der Automobilist lässt sich für seine Fahrtrouten nicht durch billige Retourfrachten beeinflussen und binden, er will frei sein. Wünschenswert und im Interesse auch der Bahnen gelegen, wäre deshalb die Bereitstellung einer genügenden Zahl von Wagen mit abklappbaren Stirnwänden, einfachere Befestigungsart der Autos auf den Eisenbahnwagen, die Führung von Extrazügen nicht nur am Gründonnerstag und Ostermontag, sondern auch an den andern Ostertagen, raschere Abfertigung auch bei Massenandrang (es gab an den letzten Ostern teilweise sehr unliebsame Verzögerungen und Verstopfungen im Ein- und Auslad), Abgabe einer Billetkarte für das Automobil wie für die Insassen, beziehbar an der Verladerampe etc. Es könnte so, trotzdem sich zugegebenermassen das Bahnpersonal alle Mühe gibt, um diese Ostertransporte möglichst reibungslos abzuwickeln, noch etliches verbessert werden, zum Nutzen der SBB, der Kantone Uri und Tessin und der gesamten schweizerischen Verkehrswirtschaft überhaupt. Nütze man daher die kommenden Monate für die Verbesserung des Winterverkehrs 1938/39, denn — der Brenner ist da und wird in den kommenden Jahren die Gefahr der Umfahrung unseres Landes noch steigern. V ben, die ihm unter die Augen geraten, wonach er vielleicht bereits zur Rubrik der Unglücksfälle und Verbrechen oder dem Sportbericht abschwenkt und sich mit eigener kritischer Betrachtung jener « erschreckenden Zahlen » gar nicht lange abgibt. In einem so vorbereiteten Leser hofft man dann einen willfährigen Gefolgsmann für die Massnahmen zu finden, die man von den Behörden im Kampf gegen die Gefahren der Strasse erwartet, darunter etwa für die auffallenderweise wieder Im Vordergrund stehende Plombierung der Lastwagenmotoren auf eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit... Aber schon dem Hinweis darauf, dass in der Schweiz selbst «beinahe jede halbe Stunde ein Mensch verletzt wird», muss wieder einmal mit aller Schärfe entgegengehalten werden, dass die Verkehrsunfallstatistfk sämtliche Bagatellfälle bis zur lächerlichsten Geringfügigkeit herab in ihre Zahlen einbezieht, währenddem bedauerlicherweise keine amtlichen Erhebungen darüber bestehen, wie viele Frauen sich etwa täglich nur beim Gemüserüsten in den Finger schneiden, oder wie mancher Fussgänger sich etwa auf dem Trottoir den Fuss verstaucht. Dass jedes Opfer des Verkehrs an Sachgütern oder menschlichem Leben zu bedauern ist, bestreitet niemand ; die Frage ist bloss, wie man den Kampf gegen die Gefahren der Strasse zweckmässig führt und ob nicht die Risiken der Verkehrs vielmehr nur deswegen so breitgeschilagen werden, um als Vorwand für ganz andere Absichten zu dienen. Auf alle Fälle aber muss scharf gegen den unverfrorenen Missbrauch statistischer Ergebnisse Front gemacht werden, wie ihn die « Litra » in ihren Ausführungen über die « Unfallgefährlichkeit der verschiedenen Verkehrsmittel» betreibt. Denn wenn In dieser Nummer; Die Benzinzonen spuken weiter. Sportnotizen aus dem In- und Ausland. Ein interessanter Fahrzeug- Diesel. Wir überholen unser Verkehrsgewissen. Beilage: Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 37. Fortsetzuna. Die chinesischen Stewards brachten den Tee, in weissen, verlotterten Kitteln huschten sie herum, schwitzend und schläfrig. Die «WhangpooJ> kroch flussaufwärts, unter einem ungeheuren Himmel, der abends hellrosa und dann grünlich wurde. Der Kapitän tauchte auf, in einer schmierigen Leinwandhose, barfuss, mit nacktem Oberkörper. Er ging übers Deck auf die Küche zu und verschwand. Die Sonne war längst untergegangen, aber Himmel und Luft waren noch erfüllt von einer blassgrünen Helligkeit, die aus sich selbst herauszuquellen schien. Der Gong rief dröhnend über das ganze Schiff hinweg. Die Amah kam, sie hatte das Bad vorbereiten lassen, Schwämme und Frottiertücher zurechtgelegt In der weisslackierten Blechwanne schaukelte das bräunliche Flusswasser. « Cheng flagt, Mississee blaucht etwas ? » Cary stieg in das laue Wasser, das Badezimmer roch nach Flit und' erwärmtem Blech und Karbol. «Ich brauch nichts. » Die Amah hockte neben der Wanne und sah zu, wie die Taitai im Wasser lag, langgestreckt, mit geschlossenen Augen. Wenn sie jetzt noch nicht schwanger war, und im September fuhren sie erst wieder nach Shanghai zurück, — die Amah begann zu rechnen. Also frühestens im Juni. « Diese Hitze !» sagte die Mississee. « Ja », sagte die Amah. Sie streifte den struppigen Rosshaarhandschuh über und begann der Taitai den Rücken zu waschen. Im Bademantel, die Zigarette im Mund, ging sie in die Kabine zurück. Die Amah stelzte hinter ihr her. Eine reiche Taitai! Was für ein Leben ! Der Gong dröhnte zum zweitenmal. Es fing an zu dämmern und wurde schnell dunkel. Als Gary aus dem Speisesaal zurückkam, brannte am Heck schon die riesige Laterne. Sie spiegelte sich mit schwankenden Lichtflecken im ziehenden Wasser. Der Himmel war erloschen und schwarz. In einen Bambusstuhl gestreckt, lag Cary auf dem Deck. Alle Lichter waren ausgedreht. Scharf umrissen vom Schein, der aus dem Rauchzimmer fiel, hob sich ein Stück Reling ab, rechteckig, zwei schmale Querstangen, die in der Luft zu schweben schienen. Der weisse Lack glänzte, vom Licht getroffen. Dahinter und darüber war die unbewegliche Finsternis. Sie hatte das Gefühl, dass sie seit Ewigkeiten durch diese zeitlose Nacht fuhr, immer flussaufwärts, durch die schwarze heisse Dunkelheit. Nie hatte es Europa gegeben. Nie war sie in einem himmlisch durchtönten Opernhaus gesessen. Das Leben, von dem sie abgeschnitten war, es war nie gewesen. Das Wasser rauschte gurgelnd von der Schiffswand fort. Drei Tage und zwei Nächte flussaufwärts. Am Morgen des zweiten Tages legte der Dampfer in Nanking an. Der Kapitän ging an Land, unrasiert, mit einer dicken goldenen Uhrkette geschmückt und leicht schwankend. Er besuchte Freunde. Nur für einen Moment. Der Hafen war voll von Kriegsschiffen, Frachtbooten, Dschunken und Zerstörern. Am Bund zog sich die Reihe der halbeuropäischen Bauten hin, fahlgrau und kahl. Die Sonne brannte auf den Dächern. Ein Paket unterm Arm, mit gläsern entrückten Augen kam der Kapitän zurück. Beim Tiffin war er noch immer nicht nüchtern. Er lächelte allen zu. « Man hat mir ein Geschäft vorgeschlagen » verkündete er. « Grosse Sache. Geheimnis. Ich kann nichts Näheres erzählen. Immerhin...» Die Ufer hatten sich dem Strom genähert, das harte giftige Grün der Schilffelder stand regungslos in der Hitze. Der Speisesaal war voll Fliegen. « Für nichts sich abschinden ! » sagte der Kapitän: Den Löffel in der Hand deutete er auf den Missionar und fasste ihn scharf ins Auge. « Herr, wer wird sich für nichts abschinden ? Ewig den Fluss hinauf und hinunter. Wo es nichts gibt als die Krätze. Genug damit! » (Fortsetzung folgt.)