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E_1938_Zeitung_Nr.042

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fiBERN, Dienstag, 24. Mal 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 42 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Et A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlieh Fr. 7.50 Die Schweiz als Reiseland Mit der Bedeutung: des Fremdenverkehrs für unsere Wirtschaft und mit dessen Funktionen als Lebensspender nicht nur der unmittelbar interessierten Hotellerie, sondern bis zu einem gewissen, mitunter sehr erheblichen Grad auch des Handels, der Landwirtschaft und des Gewerbes haben sich weite Kreise unserer Bevölkerung wie der Behörden bis zum Ende des letzten Jahrzehnts kaum je ernsthaft beschäftigt. Man huldigte einem indifferenten Iaisser faire und macht© nicht viel Aufhebens aus diesem kostbaren Strom, solange er sich nur auf dem gewohnten Pegelstand hielt. In den Aktenschränken der Amtsstuben fristete das Dossier « Fremdenverkehr » ein Mauerblümchendasein, denn wozu hätte sich der Staat schon darum kümmern sollen, wo doch die Hotellerie landauf landab florierte ? Aus dieser Idylle rüttelte uns das Währungsdebakel 1931 jählings auf. Langsam brach die Besinnung über die Schwere der Lage durch, in die wir damit hineingeraten waren, es dämmerte die Erkenntnis dessen, was wir zu verlieren im Begriffe standen. Nicht nur, dass fremde Staaten, die vorher zu unsern Kunden — teilweise sogar zu den besten — gezählt, der Freizügigkeit durch Schaffung des Devisenzwangs und anderer Ausreiseerschwerungen Schranken errichteten, gleichzeitig entfalteten sie im Bestreben, sich ihren Anteil am goldenen Quell des Fremdenverkehrs zu sichern, eine grossangelegte, mit enormen Mitteln ausgestattete Propaganda, als deren tragendes Element sich zusehends deutlicher das Preis- und Tarifdumping herausschälte. Wie dieser erbitterte .Konkurrenzkampf für die Schweiz, die « mere du tourisme > endete, ist noch in frischer Erinnerung : Der Zufluss aus dem Ausland versiegte, unsere Hotels verödeten, das Gastgewerbe trieb einer verzweifelten Situation entgegen. Die schweizerische Wirtschaftspolitik hatte sich in eine Sackgasse verrannt, aus der sie der Bundesrat durch die 10.— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GeschlHsstelle Zürich: Löwcnstrasse 51, Telephon 39.743 zungsweise die Höhe von 890 Millionen oder 1/7 des Volkseinkommens, so veranschlagte man sie für 1936 nur noch auf 250 Millionen. Und währenddem der Reinertrag aus dem Zustrom ausländischer Gäste 1929 auf 544 Millionen berechnet wurde, schrumpfte er bis 1936 auf 100 Millionen zusammen, um 1937 wieder auf ca. 200 Millionen anzusteigen. Letzten Endes übt indessen der Fremdenverkehr als indirekter Export einen entscheidenden Einfluss auf unsere Handelsbilanz aus. Gerade in dieser Hinsicht jedoch müssen die Zahlen bedenklich stimmen, denn deckte er 1929 noch 4/5 des Defizits, so verringerte sich sein Antefl im Jahre 1936 auf ein Viertel. Nur Unwissenheit oder sture Voreingenommenheit können an der Tatsache vorbeisehen, dass der Strom unseres Fremdenverkehrs in. unaufhörlich wachsendem Mass Zufluss aus dem Gebiete der internationalen Autotouristik erhält. iLöffl Fehlt es auch bis zur Stunde noch an einer Statistik, welche klipu und klar und einwandfrei die Frage beantwortet, wieviel ausländische Autogäste die Schweiz Jahr für Jahr beherbergt und in welchem Umfang sie an den Logiernächten teilhaben — daran auf jeden Fall gibt es nichts zu deuteln und zu kritteln, dass heute .bereits mehr Ausländer im Wagen als auf der Schiene bei uns eintreffen. 887,000 Gäste führte uns letztes Jahr die Bahn zu ; erheblich mehr als eine Million aber verdankten wir dem Motorfahrzeug. Und währenddem im Verlauf der Depressionsperiode von 1930-1936 die Kontingente der Bahnreisenden wie Butter an der Sonne zusammenschmolzen, entwickelte sich der fremde Autotourismus — mit einer einzigen Ausnahme im Jahre 19 3 5 — in ständig aufsteigender Kurve, gänzlich unberührt von jenem bedenklichen Ausfall, der die Bahnfrequenzen kennzeichnete. Umso unverständlicher wirkt es bei dieser Krisenbeständigkeit des Autos, das unsern Hotels just in den schwärzesten Zeiten einen hochwillkommenen zusätzlichen Verkehr und damit zusätzliche Einnahmen gesichert hat, wenn die den Bahnen sehr nahe stehende Litra eine « Aufklärungsaktion » inszenieren zu sollen glaubt, um den Wert der Motortouristik in den Augen der Oeffentlichkeit herabzumindern. Dabei Hessen 1936 die fremden Bahnreisenden rund 87 Millionen, die Autotouristen dagegen an die 58 Millionen bei uns liegen, eine Berechnung, welche die- « Hotel-Revue > mit dem Bemerken publizierte, dass der Gesamtertrag nach den Erhebungen der wirtschaftlichen Beratungsstelle des schweizerischen Hoteliervereins INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaru Inseratenscnluss 4 Tage Tor Erscheinen der Nummer ABWERTUNG zu befreien suchte. Wiederherstellung unserer Konkurrenzfähigkeit im Fremdenverkehr und im Export hiessen die Hauptziele, welche ihn zu diesem Schritt bewogen, womit er aber auch vor aller Welt eingestand, dass eben dieser Fremdenverkehr, den man in der Vorkrisenzeit so stiefmütterlich behandelt, als Koniunkturelement in eine Linie mit der Exportindustrie gestellt werden müsse. Erst als die sieben mageren Jahre unser Gastgewerbe an den Rand des Zusammenbruchs gedrängt und als uns das Wasser am Halse stand, gingen jenen, die unsere Geschicke leiten, aber auch jenen vielen, allzuvielen aus dem Volk, die bisher an diesen Dingen ein kühles de'sinteressement bekundet, die Augen über die eminente Tragweite des Fremdenverkehrs als Wirtschaftsfaktor auf. Eine Handvoll Zahlen und Vergleiche möge die Tragweite des Fremdenverkehrs als Wirtschaftsfaktor ins richtige Licht rücken : 1929 beschäftigte unser Gastgewerbe (Hotels und Restaurants) 120,000 Personen, eine Ziffer, die 1936 auf 60,000 sank. An Werten sind im Fremdenverkehr rund 4,7 Milliarden oder ziemlich genau 1/10 des schweizerischen Volksvermögens angelegt. Erreichten die Gesamtausgaben der Touristik 1929 schätnicht nur auf 145, sondern auf 167 Millionen veranschlagt werden müsse, wovon auf die Autogäste eine noch etwas höhere Quote entfalle, weil sie durchschnittlich mehr ausgeben als die mit der Bahn einreisenden Fremden. Wer sich von der Abwertung goldene Berge versprach, wird inzwischen seine Hefte revidiert haben. Zwar verlieh die Angleichung unserer Währung dem Fremdenverkehr unbestreitbar neu© Impulse. Eine kräftige Wiederbelebung trat ein. Von völliger Erholung zu reden, wäre indessen naiver Optimismus, das offenbart schon die leicht rückläufige Tendenz der Frequenzen des vergangenen Winters. Und es wird des Einsatzes aller Kräfte und Mittel, der restlosen Ausschöpfung aller Möglichkeiten bedürfen, um auch die nur teilweise zurückeroberten Positionen zu halten. Mit der Angliederung Oesterreichs ans Deutsche Reich nämlich hat sich in unserer Lage ein grundlegender Wandel vollzogen und wenn Dr. Todt, der Generalinspektor für das deutsche Strassenwesen, bei Anlass Der Fehler der Woche: Ueberholen, obwohl die Fahrbahn nicht frei ist. Der Fahrer des schwarzen Sportwagens überholt hier unerwarteterweise in einem Augenblick, wo die Fahrbahn für diesen Zweck nicht frei ist. Er ist daher gezwungen (Fehler Nr 21) vor dem überholten Fahrzeug scharf nach rechts einzubiegen, um dem grossen Möbelwagen auszuweichen. Wir wünschen ihm, dass der Fahrer des nunmehr hintenliegenden Wagens über eine recht kurze Reaktionszeit und gut eigestellte Bremsen verfügt. Schief ziehende Bremsen könnten hier zur Katastrophe führen, da sie die beiden Wagen in unliebsamen Kontakt bringen würden. Dem Fahrer des Innenlenkers wird es in dieser Situation zustatten kommen, wenn er gewohnheitsmässig im Moment des Ueberholtwerdens seine Geschwindigkeit etwas vermindert, also den Fuss bereits auf das Bremspedal gestellt hat, bevor der Draufgänger im Sportwagen die Fahrbahn vor ihm schneidet. Daher schreibt der Verkehrsgesetzgeber vor: Vollziehungsverordnung zum Verkehrsgesetz, Art. 49/1: Das Ueberholen Ist nur gestattet, wenn die dazu erforderliche Strassenstrecke frei und übersichtlich ist, namentlich wenn kein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Nach dem Ueberholen darf erst dann wieder nach rechts eingebogen werden, wenn für das überholte Fahrzeug jede Gefährdung ausgeschlossen ist. In dieser Nummer: Vandalen der Ländstrasse. Alfa Romeo nicht am Eifelrennen. ISTUS-Woche in Bern. Der Motor «chlöpft» und «speuzt». Vom Blenden. Die Forclaz.