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E_1938_Zeitung_Nr.042

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 24. MAI "193S — N ö 42b Hüben Die Forclaz das verrammelte Tor im Unterwallis Drüben Eine der zahlreichen nach innen überhöhten Forclaz-Kurven. Neben dem falschen Querprofil Meten Steine und Staub zudem noch eine besondere «Freude»! •'• % •*# * ; . *££•&• '• ." •:>» Viel zu echmal und unübersichtlich entwickelt sich die Forclazstrasse über zahlreiche Kehren vom Talboden mit der Grossen St. Bernhardstrasse zur Passhöhe hinauf. Einem Engländer streikt der Wagen in «La Fontaine». Pf \ ṟ *.;. Teilstück der ca. 500 m ausgebauten Forclazstrasse «uf der Westrampe zwischen Passhöhe und Trient Verlockende Prospekte, fröhliche Plakate haben seine Reiselust stimuliert, vermochten ihn zu begeistern, brachten seinen Entschluss zur Reife-. Und nun fährt er ein in die Schweiz, dieser fremde Autotourist, erfüllt von freudiger Erwartung! Da — vor kaum 200 m hat er die Grenze passiert — winkt hart an der Strasse auf grosser Tafel folgende freundliche Einladung: « Automobilisten, die sich vor dem Befahren des ... Passes fürchten, können ... > Ja, wenn es sich bei der hier wiedergegebenen Tafel nur um einen geschmacklosen Reklamefeldzug der Bahnverwaltung Martigny- Chatelard handeln würde! Aber diese Warnung knapp hinter der französisch-schweizerischen Grenze entbehrt nicht der Berechtigung, das illustrieren die linksseitigen Aufnahmen, Welche Gefühle den landesfremden AutotoUristen beim Lesen dieser Aufschrift wohl bewegen mögen? Sehr schmeichelhaft für das touristische Niveau unserer Heimat, sehr anerkennend in bezug auf unsere Werbemethoden (Plakat mit gepflasterter Strassenkurve) dürftensie kaum sein. Für den sportlich eingestellten, an das Fahren auf engen Gebirgsstrassen gewöhnten}.' Schweizer-Automobilisten mag diese Verbin» düng von Martigny nach Chamonix nichts- unbedingt Abschreckendes darstellen, ja es mag dieser eine Fahrt über die Forclqz etwa als Prüfstück für Wagen und Fahrkunst betrachten. Eine Verallgemeinerung dieser Anschauung aber wäre äusserst gefährlich, denn als Fortsetzung gut ausgebauter französischer Strossen wird die Forcia grösstenteils von wenig berggewohnten, in der Kurventechnik nicht sehr erfahrenen Autotouristen befahren. Wohl stehen bei uns zur Zeit die mehr strategisch orientierten Strassenbauten im Vordergrunde. Doch wird selbst bei diesen von höchster Stelle immer wieder ein Ueberwiegen der wirtschaftlichen Faktoren über solche rein verteidigungspölitischer Natur gefordert. Somit nimmt die Forcia — vor allem im Hinblick auf die Weiterführung des Systems der französischen Alpenpässe — unter unsern dringend ausbaubedürftigen Gebirgsstrassen eigentlich direkt eine Vorzugsstellung ein. Durch die letztes Jahr erfolgte Eröffnung der höchst gelegenen europäischen Alpenstrasse — des Col de l'lseran (2270 m) — können heutet unmittelbar der französisch-italienischen Grenze folgend, vom Mittelmeere aus 5 der schönsten Pässe fortlaufend traversiert werden. Diese Route des Alpes mündet heute an der Westrampe des Kleinen St. Bernhard in die Mont- Blanc-Route ein. Bauen die Franzosen jedoch, wie vorgesehen, des weitern noch den Col de Bonhomme, dann wird in absehbarer Zeit eine direkte Verbindung Nizza-Chamonix existieren und eine der grössten autotouristischen Möglichkeiten an der Schweizergrenze, d. h. in der Falle der Forclaz ein wenig rühmliches Ende finden. Heute schon ist ja die Strasse von Chamonix über Argentiere und den 1464 m hohen Col des Mohtets, wie aus den rechtsstehenden Abbildungen ersichtlich, für unsere Begriffe sehr gut ausgebaut und durchgehend staubfrei. Knapp hinter der Schweizergrenze aber beginnt die Misere, steht die eingangs erwähnte ominöse Tafel. Aus der 5 bis 6 Meter breiten Asphaltstrasse wird plötzlich ein schmaler, steiniger Saumweg, dessen Staub das Fahren zur Qual macht. Besonders erfreulich präsentieren sich die engen, stark ausgefahrenen Kurven, deren Querprofil jedem Begriff von Fahr- oder Verkehrssicherheit Hohn sprechen. Gefahrlos wird nur ein routinierter Bergfahrer diesen Pass bezwingen, und selbst dieser bezahlt das Vergnügen mit ungebührlicher Ermüdung. Die durchschnittliche Fahrkunst der internationalen Autotouristen aber ist dieser Passage nicht gewachsen, kann es nicht sein — denn die gewohnten Ebenen und ausgebauten Strossen setzen sie nicht voraus und bilden sie deshalb auch nicht heran. Soll deshalb nicht eigene Sorglosigkeit den durchs Hochtal von Chamonix flutenden Fremdenverkehr an unserer Grenze zur Umkehr zwingen, dann ist das heute kaum mehr dem Pferdeverkehr Genüge leistende Strässchen von Martigny nach Chatelard dem Strassenverkehrsmittel der Gegenwart und Zukunft, d. h. dem Motorfahrzeug, unverzüglich anzupassen. Wozu in der ganzen Welt mit den lockenden Schönheiten unserer Heimat für unsern Fremdenverkehr werben, solange etwas vom Prächtigsten, was die Schweiz zu bieten hat, nämlich das Wallis, nur auf gefährlichen, jedes wirkliche Schauen und Erleben seiner landschaftlichen Eigenart verunmöglichenden Pfade erreicht werden kann? Und weiter: Weshalb sollen gerade unsere westlichen Nachbarn, welche das grösste Kontingent an einreisenden Autotouristen stellen, welche von den drei uns umgebenden Staaten die liberalsten Reisebestimmungen besitzen und Devisenbeschränkungen nicht kennen, sich in Chatelard durch einen Schlagbaum — in Gestalt des heutigen Knüppelweges — aufgehalten sehen? Das darf nicht länger so bleiben! Jetzt, da die Walliser im Begriffe sind, ihr Strassennetz auszubauen und die hiefür notwendigen Finanzen durch einen 25%igen Zuschlag zur eidgenössischen Krisensteuer zu beschaffen suchen, muss die Forclaz in den Vordergrund der Projekte treten. Mit Rücksicht auf die grösstenteils im Interesse einer Förderung des Fremdenverkehrs vorgekehrte Abwertung unserer Währung erscheint zudem gerade bei dieser Strassenbaute die Ausrichtung eines höhern als des üblichen Bundesbeitrages durchaus gerechtfertigt. Die Forclaz ausbauen heisst nichts anderes, totounsten endlich das Tor ins Wallis offnen. als dem lebendigen Strom internationaler Auals unser Land durch einen jährlich sehr frühzeitig passierbaren Pass den fremden Gästen noch besser zu erschliessen. Dass doch die Tafel auf dem Bahnhofplafz von Chatelard bald überflüssig würde! Eine ausgebaute Kurve, aber jenseits der Grenze, auf französischem Boden. Durch rotweisse Betonpflöcke markierte Kurve des Cols des Montets. Kehrenentwicklung der Col des Montetsstrasse oberhalb Argentieres. Gerades Teilstück der geteerten Südramp«. Teilstück der geteerten Nordrampe ob Valorcine.

JJO 42b _ Aulomolul-Revue ni Unser Nationalpark Fortsetzung von Seite 1. Routenbeschreibungen gebe ich Dir lieber später an Hand der gemachten Aufnahmen; für heute nur noch ein paar kleine Tips, welche Dich vielleicht doch veranlassen könnten, Deine nächsten Ferien in der Heimat, und zwar im Nationalpark zu verbringen. Merkwürdigerweise sind wir wiederholt auf Wanderer gestossen, die mit grösstem Erstaunen von den verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten in diesem Naturreservat hörten. Man scheint sich da in weiten Kreisen ganz falsche Vorstellungen zu machen. Dabei kommt man mit Rucksack, guten Schuhen und einem währschaften Stock tatsächlich überall durch. Bis weit hinauf gibt es richtige Spazierweg© und ausserdem darf man sich unbedenklich der Wegmarkierung überlassen — sie ist ganz vortrefflich durchgeführt. Die Zöllner von Punt La Drossa amten da gleichsam als Heinzelmännchen ; wer früh genug aus den Federn springt, sieht sie mit Farbkübel und Axt ausziehen und sich als Maler, d. h. Wegmarkierer und Wegbereiter versuchen. Sie verstehen das Handwerk aus dem ff und erweisen sich als fröhliche Wandergefährten, die manchen Wildwechsel, manche besonders malerische Stelle des Parkes kennen. Doch auch für Kletterlustige bietet das Gebiet mancherlei Betätigung, und solltest Du zufällig Lust haben auf einen Hosenlüpf, etwa wie damals an der Ostflanke des «Federälplers», dann wohlan — Seil und Pickel wirst Du als Zünftiger ja ohnehin mitführen. Uns werden die Gipfelstunden auf Piz Minger und Piz Zuort, auf Piz Nair und Piz Valatscha unvergesslich bleiben! Nur um eines bitte ich Dich: Widme die ersten Tage Deines Aufenthaltes der näheren Umgebung von II Fuorn, und zwar aus verschiedenen Gründen. Einmal kenne ich Dich zu genau, Du Gipfelstürmer, um nicht zu wissen, dass — hast Du erst einmal richtige Höhenluft gewittert — Du beispielsweise nicht mehr auf die Alp, auf den Munt la Schera zu bringen wärest. Zugegeben, die herrliche Sicht, welche sich von dort bietet, muss nicht sehr sauer verdient werden. Sie ist darum aber nicht weniger schön. Verstanden ? Ausserdem ist jedoch gerade la Schera der einzigrichtige Ort zum Pläneschmieden, denn von hier aus — Du sitzest nämlich direkt im Zentrum des Parkes — kannst Du alles, was Dein Herz an Touren begehrt mit dem Feldstecher absuchen und das Unternehmen prächtig vorbereiten. Und noch etwas ! Du darfst Dir den schweizerischen Nationalpark ja nicht etwa als Parklandschaft gewohnten Stils vorstellen oder denken, es gebe in diesem schweizerischen Schutzreservat nun etwa Zäune und ähnliche, an die Einrichtung eines Wildparkes erinnernde Dinge. Die Bezeichnung Park ist durchaus nicht zutreffend; die blumenübersäten Alpen — speziell des Val Minger — mögen vielleicht an eine derartige Anlage erinnern, der Wald als solcher aber präsentiert sich weit eher als Wildnis. Der Name wurde eben seinerzeit von den amerikanischen Vorbildern über- Schuh. Vierwaldstätter- See und Umgebung Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich im CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Typische Parklandschaft auf la Schera mit Blick ins italienische Grenzgebiet mit Val Golla. nommen, dabei ist aber zu sagen, dass zwischen jenen und unserm Nationalpark ein grundlegender Unterschied, und zwar in der Zweckbestimmung besteht. Während die amerikanischen Nationalparks mit der ausdrücklichen Bestimmung zum Volkserholungsgebiet errichtet worden sind, bezweckt die Engadiner Narurfreistätte einen unbedingen Schuz von Pflanzen und Tieren. Die Errichtung dieses Reservates aber dürfte, um mit einem der Hauptförderer des schwei- ,-zerischen • Nationalparkgedankens, mit Dr. Brunies zu sprechen : nicht allein nüchterner Einsicht, als vielmehr einem gewissen Verantwortungsgefühl der Nachwelt gegenüber und vor allem der Ehrfurcht vor den Werken der Schöpfung zu danken sein. Eines möchte ich Dir ersparen : die Enttäuschung vieler Automobilisten, die da kommen und glauben, unser Nationalpark sei eine Art Wildeldorado, man könne da nur unter Rudeln halbzahmer Gemsen, Rehe und Hirschen spazieren gehen. Das verunmöglicht erfreulicherweise schon die ganz bedeutende Ausdehnung des Parkgebietes. Ich sage absichtlich : erfreulicherweise, denn schliesslich ist ein Naturreservat doch kein zoologischer Garten ! Willst Du dies Stück Wildnis ganz durchnueren, dann rüste Dich für eine anstrengende Wanderung von mindestens 3—4 Tagen : sie wird Dich durch dichte Waldbestände, über steile, zerklüftete Hänge, über hohe Grätev durch enge Schluchten und blumenübersäte Längs- und Quertäler führen. Und Du wirst finden, dass der Nationalpark, welcher weder angegrenzt noch eingefriedet ist, eine unversiegliche Quelle des Tierreichtums für die angrenzenden Teile unserer Alpen darstellt. Zu einer verderblichen Ansammlung des Wildes kommt es trotzdem nicht. Dafür sorgt schon die natürliche Auslese, d. h. zahlreichen Gefahren des Hochgebirges, Raubtiere und Raubvögel gewährleisten gleich einem Sanitäts- und Polizeiorps die Gesunderhaltung des gesamten Wildbestandes. Den letzten Bären möchtest Du sehen ? Bitte — schau dir ihn an auf dem Brunnenstock in Scarl! Ach — es gäbe noch so manches zu erzählen von diesen herrlichen Tagen mitten im Park, von wundervoll silbernen Frühlingsanemonen, von tiefroten Alpenrosen, ganzen Wiesen voller Männertreu, von prächtigen Füchsen, flinken Gemsen und Steinböcken, von den Hirschen und Rehen, die vor dem Hotel äsen, von einer ganzen Murmeltierkolonie auf la Schera, von Streifzügen ins italienische Grenzgebiet, vom Wüten des Lärchenwicklers und — ja auch von einem feurigen Tropfen, dem sogenannten « Stägefässler». Kennst Du die Strafe, die im Nationalpark den < Ueberhöeklern » droht ? Nein ? So wisse denn — sie bekommen einen Liter dieses feurigen Nasses aufgebrummt. Wann kommst Du? Ich kann mir nämlich nicht denken, dass Du nach all dem Angeführten noch widerstehen kannst. Entschliess Dich rasch — das Wetter ist prächtig, die Berge locken. Du wirst den Besuch dieser stillen Ecke unserer Heimat bestimmt nicht bereuen, nur wird es uns dann gleich gehen : Immer wieder werden wir uns zurücksehnen nach diesem schönen Flecken Erde. Dein.. < Sonnenberg ob Luzern T. S. C. Hotel und Kurhaus T. C. S. auf guter, neuerstellter Strasse in 15 Minuten von Luzern via Kriens» erreichbar. Prachtvolle Bundsicht auf Seen und Alpen. Grosse Restaurations- und Gartenterrasse. la. Spezialitäten-Küche. Pension von Fr. 7.— an. Räumlichkeiten für Gesellschaften« Weekend-Arrangements. Garage, Parkplatz. Telephon 20.687. „MICHAELSKREUZ" T.CS. Besuchen Sie das neue 800 m ü. M., auch „Kleine Rlgi" genannt, mit herrl. Rundsicht, an der neuen Durchfahrtsstr. Gisikon-Root - Küssnacht a. Rigi. Schöne Restaurationsräume, Terrasse, Gartenwirtschaften, neue franz. Kegelbahn. Gute Speisen und Getränke, Mittagessen, Zohigplättli, Buräschwinigs. Mit höflicher Empfehlung J. Kost & Söhne, Tel. 76.082 Automobilisten sind gute Kunden. 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