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E_1938_Zeitung_Nr.043

E_1938_Zeitung_Nr.043

BERN, Freitag, 27. Mai 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A«friM A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, JUirUch Tt. 10«— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab* C (mit Insassenverjtcherung) vierteljUirlieh Fr. 7.50 Die Verkehrsunfälle von 1937 Weniger Todesopfer als Je seit 1934. — Verschlimmerung der Unfallbilanz nicht eine Folge nachlassender Disziplin, sondern der Bestandeserhöhung. — Die „Gefährlichkeit" der einzelnen Fahrzeugarten. — Uebertriebene Vorstellungen von der Schwere der Verkehrsunfälle. F E U I L L E T O N Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 39. Fortsetzung. Eine kleine weisse Wolke glitt hoch oben durch den blauen Himmel, hell wie eine Blume. < Ich ? » sagte Florence. « Aber nein. Nur über Europa. Ich hato über Europa nachgedacht. Schon oft. In der Badewanne denk ich immer nach. Sie haben keine Ahnung, was mir dann so einfällt. Ob Religion nützlich ist, und was ich dem jungen Knotz Charmantes sagen werde, das ist nämlich mein Anbeter. Aber ich werde nie heiraten. Nie.» Sie holte Atem und sagte: « Da kommt der Postbote ! > An der Gartentür zeigte sich, hinter den Hecken, der undeutliche Schimmer einer Khakiuniform. Cary hatte nichts bemerkt, aber Florence, nur damit beschäftigt, die ziehenden Wolken anzustarren, hatte ihn trotzdem sofort gesehen. Die Jägerin aus dem Gefolge der Diana. Ihr Auge, das im Flusr das Wild erspähte _~. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28222 - Posteheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GwehIRsstene Zürich! Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 Das Jahr 1934 hatte in dem während einer längeren Zeitspanne festzustellenden Anwachsen der Verkehrsunfälle eine glückhafte Wende bedeutet : von dem damaligen Höchststand von 20,655 Unfällen sank die Gesamtzahl in den beiden folgenden Jahren wieder unter die Grenze des zweiten Zehntausenders. Nun aber vermeldet die letzte Veröffentlichung des Eidg. Statistischen Amtes über das Jahr 1937 einen neuen Höhepunkt der Unfallkurve, der mit 21,312 Fällen den Rückgang der letzten Jahre völlig wettmacht. Es wäre begreiflich, wenn die Öffentlichkeit von dieser gewiss nicht erfreulichen Tatsache alarmiert würde und zum Schlüsse gelangte, dass die allgemeine Verkehrssicherheit sich wiederum vermindert habe, die Indisziplin auf der Strasse neuerdings gestiegen sei. Aber dieser Schluss wäre in mehrfacher Hinsicht voreilig. Schon jenes Anwachsen der gemeldeten Zahlen bis 1934 konnte nicht ohne weiteres auf eine wirkliche Vermehrung der Verkehrsunfälle zurückgeführt werden; denn im Jahre 1933 wurde die Berichterstattung über die Strassenunifälle durch das MFG für die Kantone obligatorisch erklärt, und als sich in der Folgezeit der dazu notwendige Meldeapparat immer besser einspielte, führte schon dies allein zu einer scheinbaren Vermehrung der Unfälle. Deren Abnahme seit 1934 kann umgekehrt nicht ohne weiteres einer Verbesserung der Verkehrsdisziplin zugeschrieben werden. Sie war vielmehr wohl zu einem grossen Teil mehr die Widerspiegelung der Verkehrsschrumpfung, die sich bekanntlich auch in der Stillegung sehr vieler Motorfahrzeuge äusserte, und musst© ganz logischerweise 2um Stillstand kommen, als die wirtschaftliche Besserung seit 1937 auch die Bestände der im Verkehr befindlichen Motorfahrzeuge wieder anschwellen Hess. Schon bei der Besprechung der Unfallzahlen der ersten 9 Monate von 1937 in Nr. 27 der « Automobil- Revue > vom 29. März wurde mit Recht auf diese Vorgänge aufmerksam gemacht. Und jetzt stellt das Eidg. Statistische Amt in seinen Erläuterungen zu den soeben veröffentlichten Zahlen fest: «Deutlich verläuft diese Bewegung (der TJnfallzahlen) parallel zur Veränderuni der Fahrzeugbestände, ein Beweis, dass jedenfalls eine Lockerung der Verkehrsdisziplin kaum die Ursache der Verschlechterung der Unfallhilanz im Jahre 1937 sein kann». Eine äusserst wertvolle Bestätigung dieser Vermutung bringt schon die Tatsache, dass die Zahl der Todesopfer des StrassenVerkehrs kleiner war als ]e seit 1934, was die Vermehrung der Oberhaupt im Verkehr verunglückten Personen viel leichter tragbar macht, da es sich ja bei den bloss Verletzten vielfach um BagateHifälle handelt, deren Bedeutung nicht übermässig aufgebauscht werden darf. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen soeben erwähnten Grossen möge die folgende ZusammensteMtinig klarlegen : rahmst« Unflll* Optir Zahl V«rin«trunf Im Jahr* Mit 1934 1*34 1937 In Prozent Motorwagen 90 735 03 372 + 3 Motorräder UUK 27 472 —21 Fahrräder 937 085 1132 870 +21 Verkehrsunfälle überhaupt 20 655 Verkehrsunfälle mit verunfallten Personen 9 995 Verunfallte Personen 12 200 Davon getötet 625 21312 + 3 10645 +7 12 763 +5 599 — 4 Das Motorfahrzeug ist nicht gefährlicher geworden, aber die Fahrradunfälle nehmen zu. Das Fahrrad spielt angesichts seiner gewaltigen Zunahme als Vericehrsmittel zu Berufs- und Vergnügunigszwecken um rund 21 % in der erwähnten Zeitspanne auch in der Unfallchronik eine heute besonders grosse Rolle. Bezeichnet man als Fahrradunfälle schlechthin alle Unfälle mit Beteiligung eines Zweirades, so ergibt eine Analyse der beiden Kategorien von Unfällen, derjenigen also mit und jener ohne Beteiligung eines Fahrrades, die folgenden Ziffern : rahrradnntlllt Ändert UnfMt« 1934 1937 1934 1937 Auf 100 Unfälle überhaupt entfallen: Unfälle mit verunfallten Personen 70,1 72,2 37,8 35,2 Auf 100 Unfälle mit verunfallten Personen entfallen: Verunfallte im ganzen 113,6 112,2 129,2 130,2 Davon Getötete 4,5 3,7 7,8 8,2 Der schwitzende Chinese kam den schmalen Kiesweg herunter. Ein Brief aus Shanghai, per Flugpost, ein grosses, gelbes Kuvert. «Ich muss heim >, sagte Florence. Sie verabschiedete sich hastig. Der Garten war still, als Florence gegangen war. Cary riss den gelben Umschlag auf. Ein loses, ganz dünnes Blatt, eng beschrieben, mit lauter winzigen, sauberen Buchstaben. Huberts Schrift. Un dann drei Briefe. Post aus Europa. Von Therese, ein zweites Kuvert, mit dem roten Aufdruck vom Adlon in Berlin. Das war Erdesz. Und ein Brief von Lois. Cary hatte Herzklopfen. Ihr Mund begann zu zittern. Sie legte den zerrissenen Umschlag und das dünne Briefblatt von Hubert auf den Steintisch. Sie sass da, die drei Briefe auf den Knien. Aus Europa. Die grossen, ein wenig schiefen Lettern, mit denen Theres die Adresse hingemalt hatte. Theres. Die Wohnung am Kohlmarkt. Zuerst den Brief von Therese, sie begann zu lesen, meine gute Cary, liebes Kind. Der Brief war acht Tage nach ihrer Abreise aus Wien geschrieben. Es geht mir wieder besser, ich hatte eine kleine Herzattacke, vielleicht war diejHjtzfi.jdaran Scfculd, wie seht Bei der Gruppe der sogenannten Fahrradunfälle ist der Anteil der Unfälle mit Personenschäden am Total der überhaupt erfassten Fälle rund doppelt so hoch als dort, wo ©in Fahrrad nicht beteiligt ist. Dies rührt, wie bereits bei früherer Gelegenheit festgegestellt, unter anderm davon her, dass der Radfahrer, dem ein Missgeschick widerfährt, sich beinahe zwangsläufig beim Sturz vom Rade auch selbst beschädigt und auch beim Zusammenstoss mit andern Fahrzeugen erheblich gefährdet ist. Ein Autofahrer dagegen oder der Führer eines Fuhrwerkes und dergleichen bleibt auch bei verhältnismässig heftigen Zusammenstössen durch die Karosserie weitgehend vor Verletzungen bewahrt. Dass die Zahl der verunfallten Personen auf hundert Unfälle mit Verletzungen von Verkehrsteilnehmern bei den « Fahrradunfällen » kleiner ist als bei den übrigen, versteht sich leicht aus der Zusammensetzung der sogenannten « Objekte », die je weilen an einem Unfall beteiligt sind. Bei der ersten Kategorie sind es schon die Solounfälle von Radfahrern, die der Natur der Sache nach in Schweizerische Rundschau Der Trolleybus marschiert. Trolleybus in Zürich? Der Zürcher Stadtrat unterbreitet dem Gemeinderat den Antrag, die bisherige Autobuslinie Bucheggplatz-Liimmatplatz-iBezirksgebäude durch einen Trolleybusbetrieb zu ersetzen. Für die Anschaffung von 6 Trolleybussen, die Erstellung der Fahrleitung und den Bau einer Wagenhalle wäre ein Kredit von 956,000 Fr. erforderlich. Luzern beabsichtigt ebenfalls die Umstellung einer Linie... Fast zu gleicher Zeit wie in Zürich ist das Problem auch in Luzern aufgegriffen worden, präsentiert doch der Stadtrat einen Antrag, die bisherige Autobuslinie AJhnend-Lido auf Trolleybusbetrieb umzustellen. Die Knappheit des Wagenparks — führt er aus — bedingt die Anschaffung weiterer Fahrzeuge. Dabei erhebt sich nun die Frage, ob angesichts dieses Wagenbedarfs nicht zum Trolleybus überzugehen sei, wenigstens soweit die Linie Allmend-Lido m Frage steht. Dank es dir, mein Kind ? Baron Erdesz hat mich besucht, — was wollte er eigentlich ? ein sehr liebenswürdiger Mensch, seine Schwester hab ich gut gekannt, ach, mein Kind, du fehlst mir sehr. Ich war mit Ferdinand im Belvederegarten spazieren. Vier Seiten, Bejvederegarten und Hietzing, zwischendurch Ratschläge und Sehnsucht, vor einer Woche warst du noch hier, ein kleiner, atemloser verwirrter Monolog. Cary faltete die Bogen zusammen. Erdesz. Nur ein Bogen, mit dieser schönen bewegten Schrift bedeckt.