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E_1938_Zeitung_Nr.049

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IBERN, Freitag, 17. Juni 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrileh Ft. 1O— Ausland mit Portozuschlae, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Vier Millionen zur Förderung des Fremdenverkehrs Was für den Autotourismus davon abfällt: Ausbau der Werbung, Erhebungen und Studien über seine Bedeutung. Noch vor wenigen Jahren musste sich der Bund den durchaus berechtigten Vorwurf gefallen lassen, er trage dem Fremdenverkehr gegenüber ein zugeknöpftes Wesen zur Schau und behandle ihn als Paria, als Aussenseiter unseres Wirtschaftslebens. Während andere mit der grossen Kelle bedacht wurden, Hess man den Dingen auf diesem Gebiet ihren Lauf und verharrte auch dann noch in sorgloser Passivität, als mit dem Ausbruch der Krise der Zustrom von Gästen zu versickern begann und sich der Horizont in unserem 'Gastgewerbe zusehends verdüsterte. Wohl drang die Erkenntnis dessen, was wir angesichts der Bresche zu verlieren im Begriff standen, welche die Verschärfung der Weltwirtschaftsdepression und die unaufhaltsam um sich greifende gegenseitige Abschliessung der Staaten in das Gefüge unserer Verkehrswirtschaft geschlagen, bei den Behörden schrittweise durch: Der Fremdenverkehr erlebte sozusagen seine Entdeckung. Aber trotz dieser Kopfklärung begnügte man sich mit halben Lösungen, um das drohende Verhängnis abzuwenden. Erst als das Gastgewerbe in seinen Grundfesten wankte und ihm das Wasser bis zum Halse reichte, in zwölfter Stunde erst entschloss man : sich zur Tat. Am 26. September 1936 verkündete der Bundesrat die Abwertung des Schweizerfrankens, wobei ihm als eines der Hauptziele die Wiederbelebung des Fremdenverkehrs vorschwebte. Das war vor bald zwei Jahren. Wo stehen wir heute? Wohl zeigt nach der Angleichung unseres Preisniveaus ans Ausland die Kurve der Fremdenfreauenz wieder nach oben. lieber den Berg aber sind wir noch keineswegs, denn bereits deuten gewisse Anzeichen auf ein Abflauen dieses Auftriebs hin. Setzen wir jetzt nicht alle Hebel in Bewegung — und zwar unverzüglich — um die unter schweren Opfern zurückerrungene Position zu halten und zu festigen, dann haben wir es uns und nur uns zuzuschreiben, wenn die Schweiz als Fremdenverkehrsland im Wettbewerb mit andern endgültig ins Hintertreffen gerät. Die- Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 44. Fortietenng. Der Oktober begann, das Wetter war sonnig und klar und trocken. Jetzt war in Europa der Regen und der feuchte Nebel, der kalte Herbst, der hässliche Herbst, die schale, graue Luft. Cary war immer mfld. Vielleicht war es wirklich so, wie Hubert sagte, dass man ein paar Jahre brauchte, um sich an das Klima zu gewöhnen. Dann, an einem lauen Mittag, gleich nachdem Hubert ins Büro gefahren war, begann sie plötzlich zu frieren. Ihre Lippen wurden blass vor Kälte. Sie legte sich aufs Bett, sje fror bis in die Knochen, der Schüttelfros't packte sie, sie wollte nach der Amah läuten, aber sie blieb liegen, frierend und kältedurchbebt. Nach einer Viertelstunde war der Schüttelfrost vorbei, ihre erstarrte Haut bekam wieder Farbe. Eine sanfte Wärme stieg auf, bis in die Lider hinein fühlte sie, wie ihr Blut wieder warm wurde. Das Fieber begann. Erscheint Jeden Dienstag'und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste M REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Gesehiftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 ser Auffassung scheint auch der Bundesrat seine Gefolgschaft nicht versagen zu können. Denn dass er gewillt ist, die Lektion zu beherzigen, welche uns die Jahre des Niederganges in der Hotellerie und den auf sie angewiesenen Erwerbszweigen erteilt, davon legt er in seiner Botschaft über den Ausbau der Landesverteidigung und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Zeugnis ab, indem er für die Förderung des Fremdenverkehrs einen Kredit von 4 Millionen nachsucht. Was an seinen Darlegungen am stärksten frappiert, ist sein klares, unumwundenes Bekenntnis zur absoluten Notwendigkeit des Fremdenverkehrs — ein Wandel der Anschauungen, den wir vor ein paar Jahren noch kaum zu erträumen gewagt. Und selbst wenn er es nicht expressis. verbis ausspräche, es stehe heute ausser Zweifel, dass dem Fremdenverkehr im Gesamtbild der schweizerischen Volkswirtschaft eine hervorragende Stellung zukomme, so läge allein schon in dessen Einbeziehung ins Arbeitsbeschaffungsprogramm das Geständnis der Bedeutung, welche er einer von den Behörden ausgehenden Aktivierung unserer Fremdenverkehrspolitik beimisst. «(Der Fremdenverkehr», Iässt sich die Botschaft vernehmen, «beschäftigt nicht nur das Gastgewerbe im engem Sinn, sondern vermittelt auch andern Zweigen der wirtschaftlichen Betätigung, so der gesamten Verkehrswirtsohaft, der Landwirtschaft, beinahe allen Branchen des Gewerbes, dem Handel, dem Bankwesen und auch den freien Berufen in beachtenswertem Mass Arbeit und Verdienst. Schutz und Pflege des Fremdenverkehrs erweisen sich als eine wichtige gesamtschweizerische Aufgabe, der sich der Bund um so weniger entziehen kann, als die Vorzugsstellung der Schweiz als Fremdenverkehrsland längst nicht mehr unbestritten äst und bald alle Staaten die eigene Fremdenverkehrswirtschaft im Hinblick auf die Devisenbeschaffung weitgehend Als Hubert hineinkam, lag sie noch immer auf dem Bett, glühend vor Hitze, mit aufgerissenen, glänzenden Augen. Es war Malaria. Ein© verschleppte Malaria, vielleicht noch von Singapore her. Frau Dr. Bach erschien und gab Chinininjektionen. Gross und schwer wie ein Preisringer stapfte sie durchs Zimmer und verfluchte sämtliche Schiffsärzte. Jeden Mittag um zwei Uhr kam der Frost und dann die erlösende Wärme. Cary lag in den Kissen, erhitzt und totmüde. schützen und mit allen Mitteln grosszuziehen versuchen.» Als Hauptziel unserer Verkehrspolitik umschreibt der Bundesrat sodann die Ersetzung der gänzlich oder zu einem Teil verlorenen Gäste aus ehemals wichtigen Einzugsgebieten durch neue aus solchen Ländern, die der Ausreise ihrer Bewohner zu Ferien- und Erholungszwecken keine oder bloss überwindbare Hindernisse entgegenstellen. Rasches Handeln, fährt er fort, tut nicht allein mit Rücksicht auf die zwar gemilderte, aber doch andauernde Krisenlage im Verkehrs- und Gastwirtsgewerbe not, sondern auch deshalb, weil allethalben die Konkurrenzländer nichts unterlassen, um die offenen Märkte zu bearbeiten und möglichst auch in touristischer Hinsicht zu beherrschen. (Fortsetzung Seite 2.) Verdimkelaiigs INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarM lnseratensehluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Der Schweiz. Eisenbahnerverband und die Probleme des Strassenverkehrs. aufzudrücken, als dass es sich der Mühe lohnte, uns damit auseinanderzusetzen; wohl aber möchten wir noch eine andere Rosine aus dem Kuchen « Die Autogäste » — liest man da — < machten dieses «inhaltsschweren» Jahrbuches herausklauben, will sagen jene bewegliche Klage 23 Prozent der Logiernächte aus. Dabei ist zu beachten, dass nur die grossen Hotels erfasst worden sind. In den kleinen Hotels steigen natür- über den durchaus unbefriedigenden Fortgang lich weniger Gäste ab... Dazu kommt, dass die Autogäste weniger interessante Kunden sind. Es sind Zugvögel, die von Ort zu Ort fahren.. Werden alle Faktoren in Betracht gezogen, so kommt man zum Schluss, dass die Autogäste im Durchschnitt des ganzen Jahres und unter Berücksichtigung aller Gaststätten kaum mehr als 10 Prozent der Logiernächte ausmachen. Angesichts dieser Tatsachen sollte man meinen, dass der Autokomplex in gewissen Köpfen von Hoteliers und in der Leitung der Verkehrszentrale und des Fremdenverkehrsverbandes noch heilbar sein sollte. » Grosse Hoffnungen darf man sich in dieser Hinsicht an der Effingerstrasse 19 in Bern nicht machen, weil nämlich—horribile dictu — die Delegiertenversammlung des Schweiz. Hoteliervereins eben erst einer Resolution auf Beibehaltung des einheitlichen Benzinpreises zugestimmt und damit ihr Interesse an der motorischen Touristik eindeutig bekundet hat. Wenn es aber etwas gibt, das sich als hoffnungslos unheilbar diagnostizieren Iässt, dann ist es die alles vernünftige Denken überwuchernde, virulente Autophobie, woran Robert, der schweizerische Eisenbahngeneral, und seine Getreuen kranken. Zu albern ist der Versuch, dem Autotourismus den Stem- In ihrer letzten Nummer bringen die «Schweizerischen Blätter für Handel und Industrie» einige ausgewählte Kapitel aus dem Jahrbuch 1937 des Eisenbahnerverbandes, die auch wir unsern Lesern nicht vorenthalten möchten. Man muss dabei freilich wissen, dass besagter Geschäftsbericht profanen Blicken verschlossen bleibt und nur den Verbandsmitgliedern und andern «Unverdächtigen » zugänglich ist. Ganz' unverständlich zwar erscheint diese «vornehme» Zurückhaltung und Reserviertheit nicht, denn bei der Art und Weise, wie der Bericht gewisse verkehrspolitische Probleme darzustellen beliebt, hat er hinlänglich Grund, sich nicht allzuweit ins Rampenlicht der Oeffentlichkeit vorzuwagen. Von den Verdrehungsmanövern und Vernebelungskünsten, worin es die geistigen Väter dieses erbaulichen' Werks zu wahrer Meisterschaft gebracht haben, möchten wir zunächst als Kostprobe einen Auszug aus dem Kapitel über den Autotourismus servieren; er dokumentiert drastischer als viele Worte die anmassende Oberflächlichkeit und die allzu durchsichtige Taktik, dem Automobil als Träger des Fremdenverkehrs pel der Bedeutungslosigkeit jegliche Bedeutung abzusprechen, welche diesem Elaborat zu Gevatter gestanden hat. Sie konnte sich nicht erholen. Sie lag im Bett, der Oktober war zu Ende gegangen, der November kam. Sie weinte manchmal. Sie wollte plötzlich keine Besuche mehr sehen, sie wollte Cheng nicht sehen und nicht die Amah. Nur Yü durfte kommen, wenn sie läutete. Er brachte die Zigaretten, er machte die Balkontür auf und zu, alles wie die Taitai es wollte. Frau Dr. Bach erschien jeden Nachmittag. Punkt vier hörte Cary ihre schweren Schritte die Treppe heraufkommen. Frau Dr. Bach, sie hatte zwanzig Jahre lang im Innern gearbeitet, hatte operiert, Kinder zur Welt gebracht, Geschwüre geheilt, Narkosen gemacht, Pocken und Syphilis behandelt und Zähne gezogen. Sie war eine Deutsche und eine Frau, aber Geschlecht und Rasse waren für ihr Wesen nicht so bestimmend, wie ihr Beruf. Wenn sie als Mann bei den Negern auf die Welt gekommen wäre, so wäre sie ein Medizinmann geworden. Sie blickte Cary aus verblassten Augen an. « Kind >, sagte sie, « warum werden Sie mir nicht gesund ? Ich weiss nicht, wie lange ich noch die Telephongespräche mit Ihrem Mann aushalten kann.» Cary lachte, sie machte einen Versuch zu lachen und sie sagte : « Der arme Hubert!» « Ja », sagte Frau Dr. Bach. « Gegessen ? Geschlafen ? » Sie suchte den Puls, der zitterte hin, unregelmässig, stockend und dünn. Frau Dr. Bach hatte gesehen, wie man an Cholera, an Kindbettfieber, an Beriberi und In dieser Nummer: Querschnitt. Fällige Rekorde. Nuvolari in Europa zurück. Empfehlungen über die Häufigkeit des Oelwechseis. Autotourismus im Mai. Beilage: Strategen Tuberkulose starb. Diese Mrs. Maquardt würde eines Tages nach Europa zurückfahren oder eine Hysterikerin werden oder an Heimweh sterben. Auch das war nichts Neues für Frau Dr. Bach. Sie hatte ein junges Mädchen, das Morphinistin war, nicht mehr retten können, und für einen Rechtsanwalt, der sich an dem Luster seines Salons erhängt hatte, den Totenschein ausgeschrieben. Mit Injektionsspritze und Strick waren die beiden trotzdem nur an Heimweh gestorben. Und Knotz ? dachte Frau Dr. Bach, Knotz, der am liebsten nichts mehr essen würde, nur um Geld zu sparen und noch mehr zusammenzuscharren? Meyer, der mit Schnaps und Nikotin sein Herz ruiniert, und der und die und du und ich — lauter Schatten. Bevor man sich hier einlebt, muss man erst an Heimweh gestorben sein. Laut sagte Frau Dr. Bach : « Wie wäre es, wenn Sie aufstehen würden ? » Am nächsten Tag stand Cary auf. Ihr Haar, das im Nacken verschnitten war, wie bei einem Knaben, war in diesen Wochen gewachsen und reichte ihr fast bis zur Schulter, weissblond wie junger Mais. Dieses verwandelte Gesicht, wo man unter den blassen Schläfen die Adern klopfen sah. Hubert konnte nachts nicht schlafen. Vielleicht würde sie sich in Japan erholen. Dort war Schnee, die Luft in den Bergen war rein und gut. Sie musste nach Japan fahren. Unbedingt. Aber Cary wollte nicht. Die «Empress of Britain » kam am zweiundzwanzigsten Dezember gegen Mittag an und fuhr am nächsten Morgen weiter.