Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.044

E_1938_Zeitung_Nr.044

10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 31. MAI 1938 — N° 44 B mit 96 von A mit 106 Stundenkilometer überholt wird. In diesem Falle ist der Gesctrwindigkeitsunterschied 106 — 36 = 72 und die Folge davon, dass das Ueberholen in 5 Sekunden auf einer Streoke von nur 150 m erledigt ist. Die Zeitlupendarstellung zeigt, dass der schnellere Wagen A schon nach 2 Sekunden die rechte Fahrbahnseite erreicht und schon nach 2,5 Sekunden auf gleicher Höhe mit B sich befindet, und ihn schon nach 3 Sekunden soweit eingehet hat, dass er wieder nach rechts wenden kann. Der Vorgang ist in 5 Sekunden beendet. Je grösser die Geschwindigkeitsdifferens (VA — VB) ist, um so rascher geht das Uefoerholen vor sich. Eine Erhöhung von VB andererseits verringert offensichtlich, die massgefcende Differenz (VA—VB), was eine Verlängerung von Ueberholstrecke und -dauer und damit ein grösseres Gefahrsmoment zur Folge hat Praktische Winke Automatischer Schalter zur Verstärkung der Zündfunken beim Anlasser. Ein amerikanischer Fahrer empfiehlt zur Erleichterung- des Kaltstarts einen Zusatzschalter im Zündsystem anzubringen, der beim Ziehen des Choke-Knopfes. geschlossen wird und dadurch den Widerstand der Zündspule kurzschliesst, d.h. praktisch widerstandslos überbrückt. Hiedurch bilden sich infolge des verstärkten Zündstroms intensivere Zündfunken, die mit grösserer Sicherheit zünden. Ein dauerndes Ueberbrücken der Zündspule ist allerdings nicht erlaubt, da es zum Verbrennen der Unterbrecherkontakte führen würde. Daher die Verbindung des erwähnten Schalters mit dem Ghoke-Gestänge, das ja auch nur kurzzeitig gezogen wird. Schaltschema des Zündverstärfc-Schalters. 1 = Vergaser. 2 a» federnder Finger,- 3 = Druckknopfkontakt, 4 = Choke-Knopf, 5 = Unterbrecher, 6 = Widerstand der Zündspule, 7 = Primärwicklung der. Zündspule, 8 = Zündschlpss, 9 = Anlasskontakt, 10 = Anlasser, 11 = Batterie.

„Automobil-Revue" — Nr. 44 BERN, Dienstag, 31. Mai 1938 Wo steckt das Kapital ? Lager. Die Breitmoos-Garage, eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Fr. 30 000 hat davon Fr. 10 000 in gebrauchte Wagen investiert, Fr. 12 000 sind im riesigen Ersatzteil-Lager festgelegt, und etwas mehr als der Rest (nämlich auch das auf Blanko-Kredit geborgte Geld) findet sich in den Pebitoren wieder. Zwei Tage vor dem Zahltag ist die Kasse noch sozusagen leer; das Loch kann erst im letzten Moment dadurch gefüllt werden, dass der Buchhalter nach links und rechts telephoniert, um einige Beträge seitens der Kunden und Bekannten einzutreiben. Ausstände. Herr Chlutti ist ein vorzüglicher Berufsmann, ein mittelmässiger Kaufmann und ein schlechter Organisator. Seine Fakturen stellt er aus, «wenn er einmal nichts anderes zu tun hat» — und ist damit immer durchschnittlich zwei Monate im Rückstand. Natürlich verzögert sich dadurch auch der Eingang der betreffenden Beträge. — Herr Chlutti sagt sich, er verfüge ja über genügend Barmittel und sei «nicht so sehr darauf angewiesen». Aber er vergisst darüber, dass ihm eine ordnungsmässige Rechnungsstellung sofort die Möglichkeit gäbe, auf seiner Hypothek Fr. 7000 bis 8000 abzutragen und dadurch jährlich rund Fr. 350.— an Zinsen zu sparen. Grundstücke. Der Besitzer der neuen Service-Station an der Hauptstrasse ist aus ganz anderem Schrot und Korn gemacht. Jung, draufgängerisch und ehrgeizig, möchte er seinen Betrieb zum besten des ganzen Ortes machen und... wendet auf die Einrichtung von Werkstatt und Bureau Fr. 10 000 zuviel auf. Da wird ihm nebenan ein Stück Land offeriert, das sich später einmal ausgezeichnet für eine Erweiterung des Gebäudes eignen dürfte. Er ist jedoch gezwungen, auf den Ankauf zu verzichten, weil zuviel seiner Barmittel im Betrieb investiert sind. Diese Beispiele (sie Hessen sich nach Belieben vermehren) illustrieren eine nicht nur im Automobilfach weitverbreitete «Betriebs- Krankheit» — nämlich eine unrationelle Verteilung der vorhandenen Barmittel auf gewisse Zweige des Geschäftes, ein Einfrierenlassen von Betriebsmitteln, das sich durch eine etwas gründlichere Ueberlegung mit Leichtigkeit vermeiden Hesse. Es gibt heute nicht nur Dutzende, sondern Hunderte von Unternehmungen des Automobilfaches, die ständig den Betreibungsbeamten auf dem Nacken spüren, trotzdem ihnen eigentlich genügend Barmittel zur Verfügung stehen. Dutzende von Berufsleuten haben ihren Ruf durch einen früheren Konkurs beeinträchtigt, nur weil sie es nicht verstanden, die vorhandenen Mittel richtig zu disponieren. Dabei ist es gar nicht einmal so schwierig, die grösste Zweckmässigkeit walten zu lassen, Haben Sie sich schon einmal darüber vergewissert, ob Ihr Betriebskapital zweckmässig angelegt ist? wenn der dafür verantwortliche Mann einige Grundsätze nie aus den Augen verliert: 1. Legen Sie niemals mehr Geld fest, als der Geschäftsbetrieb erfordert! Jeder Mensch hat seine persönliche Neigungen. Auch jeder Chef. Er ist dadurch immer der Gefahr ausgesetzt, in jenen Geschäftszweigen zuviel festzulegen, die zu seinen Steckenpferden gehören: die weit über das notwendige Mass hinausgehende Ausstattung der Garage, ein schöner und teurer Sportwagen, ein viel zu grosses Ersatzteillager, ein selten beanspruchter grosser Mietwagenpark usw. 2. Kontrollieren Sie monatlich die Bachhaltung nicht nur mit Rücksicht auf die Rendite, sondern ebenso eingehend auf ihre «Liquidität-»! Das heisst, Sie vergewissern sich, ob Sie nach menschlichem Ermessen für die im Muss das wirklich sein ? Das Schweizervolk hat, so gut wie jedes andere, seine eigenen Konstitutionsfehler. Wir denken dabei weniger an die in unserem Lande weitverbreitete Kropfbildung, als an das von Jugend an gewohnte « Ellbogenstossen ». — Hat sich irgendein junger Berufs- oder Geschäftsmann etabliert, so geht es bald von Ohr zu Ohr, « ob man wisse, dass er einen Grossvater hatte, der einmal in ein Mädchen verliebt war, das später nach Amerika durchbrannte? », natürlich mit einer furchtbar ernsten und wichtigen Miene, im Brustton ehrlichster Bekümmernis, verbunden mit einer freundeidgenössischen Warnung. Man macht keine konkreten Anschuldigungen oder wagt sie aus irgendeinem Grunde nicht offen auszusprechen und nimmt dann Zuflucht zu Andeutungen, die weder zu fassen noch zu kontrollieren sind. Ueber den eigentlichen Zweck dieser vielfach kläglichen Versuche gibt sich wohl jedermann Eechenschaft. Die Kolporteure solcher «Nachrichten» glauben damit einen Teil des Wässerleins, das dem Neuling zufliessen würde, in ihren eigenen Bach und auf ihr eigenes Mühlrad lenken zu können. Sie sind dann höchst erstaunt nächsten Monat eintretenden Fälligkeiten genügend Barmittel zur Verfügung haben. 3. Sorgen Sie immer für eine « Not-Ration ».' Das Geschäfisleben bringt häufig Unvorhergesehenes mit sich und verlangt oft vorübergehend grössere Barmittel. Haben Sie die Möglichkeit, sich in einem solchen Falle dieses Geld zu beschaffen, sei es durch Verpfändung von Wagen, durch Placierung eines Schuldbriefes, durch Zession von Kundenforderung oder durch Erhältlichmachung eines Blanko-Kredites ? Ein bewährtes Mittel besteht darin, sich auf die Liegenschaft oder Teile derselben einen Inhaber-Schuldbrief ausstellen zu lassen, der notwendigenfalls bei einer Bank gegen ein entsprechendes Darlehen hinterlegt werden kann. — Sie brauchen diese Massnahmen nicht einmal gleich durchzuführen, sondern sie einfach soweit vorzubereiten, dass sie Ihnen gegebenenfalls zur Verfügung stehen. Dass peinliche Ordnung in der Buchhaltung für die richtige Abwicklung des Geldverkehrs unumgänglich notwendig ist, brauchen wir wohl kaum mehr zu betonen. Diese Voraussicht ist auch bei der Verwaltung der Finanzen die beste Gewähr für unliebsame Ueberraschungen, die hier besonders schwer wiegen, weil sie nicht nur den guten Ruf der Firma und deren Kredit beeinträchtigen, sondern sogar ein ganzes Fundament zu erschüttern vermögen. Die Erfahrung hat dafür genügend Beweise geliefert. :—: Sübogen-Methoden und verwundert über die Schlechtigkeit, Treulosigkeit und den Mangel an geschäftlicher Moral, wenn das liebe Publikum sich dennoch nicht abhalten lässt, dem Neuling sein Zutrauen zu schenken. Solche Konkurrenzmethoden sind nicht nur vom moralischen Standpunkt aus zu bedauern, sondern vor allem im Interesse der Intriganten und Kolporteure selbst, die sich damit eine unbequeme Konkurrenz vom Halse zu halten glauben. Denn sie betrügen sich selbst. Es mag gar nicht schaden, wenn wir einmal einen kleinen Exkurs in die prinzipielle Seite unseres Wirtschaftslebens unternehmen. Handel und Wandel gründen sich in ihrer Gesamtheit auf die Arbeitsteilung, im Rahmen welcher einem jeden Unternehmen eine bestimmte und Welchen Anteil soll nun der Kunde an jenen Dingen nehmen, die so ganz ausserhalb seines natürlichen Nutzbereiches liegen? Glaubt auch nur ein einziger im Ernst, dass Insinuationen die Kundschaft wirklich davon abhalten könnten, den durch das Geflüster Verschrienen zu berücksichtigen? Es geht der Allgemeinheit doch gar nicht darum, mit welchen Privatgeschichten sich der einzelne herumzuschlagen hat, sondern welchen Nutzen er aus dessen Tätigkeit zu ziehen vermag; —• Die Ankläger fügen sich den grössten Schaden selber zu, weil sie ihre eigenen Gedanken und ihre eigene Arbeitskraft ihrer natürlichen Aufgabe entfremden und dadurch die Leistungsfähigkeit des eigenen Betriebes beeinträchtigen. Meist entgeht ihnen auch ganz und gar die Tatsache, dass sich ihr Zuspruch und Erfolg zum überwiegenden Teil ausschliesslich auf ihre eigene Leistung gründete, dass sie nur dann « im Rennen bleiben », wenn sie ihre Aufmerksamkeit und Anstrengung ausschliesslich auf ihre eigenen Probleme verwenden. Die Wirtschaft von heute ist viel schnelllebiger als früher; die Ansprüche und Verhältnisse sind viel rascheren und grösseren Veränderungen unterworfen. Wer sich heute nicht laufend anzupassen versteht, der wird, bevor er sich dessen kaum richtig gewahr ist, früher oder später allen Grund haben, die vergangene « gute Zeit » zu bedauern. Konkurrenz muss sein. Sie ist das beste Stimulans für den Fortschritt, der letzten Endes dem ganzen Volk zugute kommt. Wohl werden wir Schweizer das «Ellbogenstossen» nicht aufgeben können; es steckt uns noch so sehr im Blute; aber wir vermögen trotzdem den Gegner zu achten, um uns das eine zu bewahren, das wir für den Erfolg unter keinen Umständen entbehren können: Die eigene Leistung. :—: Amerika berichtet Ein bekannter Automobilkonzern organisiert gegenwärtig in ganz Amerika etwa 50 Spezialwerkstätten für gebrauchte Wagen. Diese Spezialwerkstätten ermöglichen den offiziellen Vertretern, sich mit sämtlichen Problemen der Revision gebrauchter Wagen vertraut zu machen und vor allem die modernen Revisionsmethoden gründlich kennenzulernen. Ein anderes Unternehmen führt eigentliche Revisionskurse durch, die bereits durch Hunderte von Vertretern besucht wurden. = gäbe verhältnismässig zugewiesen wird. eng Der umschränkte Garagist unterbringt und pflegt so und soviele Wagen Auf- Sie J-HstandAatUutq von Drittpersonen und erhält dafür die Möglichkeit, seine übrigen Bedürfnisse zu befriedigen. Je besser er die Interessen dieser Kunden zu wahren versteht, desto grösser ist deren Interesse, ihm soviel Aufträge wie nur möglich zuzuweisen. deciüasseepumpt Seite 12 Wie man einen SkennstofttmA aelaAclos tepacied Seite 12 Auioliiaiirilcr an seinen 9 Sohn Mein lieber Sohn! Deine letzten Erlebnisse und Erfahrungen wundern mich nicht. Es gibt leider auch heute noch eine gewisse Kategorie Menschen, die glaubt, verschiedene Berufe und deren Ausübende mit einem verächtlichen Achselzucken abtun zn dürfen. Mit den Inseraten-Akquisiteuren, den Staubsauger-Reisenden, den Lebensversicherungs-Vertretern und einigen andern werden wir Automobilhändler und -Verkäufer durch diese « Experten in Menschheitswerten » als Schmarotzer verschrien, die « ihren Lebensunterhalt durch Zungenfertigkeit, Antomobilfahren und Jassen bestreiten ». Im Grunde genommen sind solche eingebildeten Köpfe eher zu beklagen als zu verurteilen. Wer unter den gegenwärtigen Umständen noch dergestaltige Scheuklappen an der Stirn trägt, wird eines schönen Tages in einer bodenlosen Sackgasse landen, aus der er sich nur mit unendlicher Mühe herauszuarbeiten vermag. — Dabei vergesse ich keineswegs, dass auch unser Handel in seinen Entwicklungsjahren einen gewissen Zuzug erhalten hat, der in seinem und in unserem Interesse besser ausgeblieben wäre. Doch, wo Menschen Neues schaffen, wittern die Schmeissfliegen immer einen leckeren Kuchen — eine Erscheinung, die sich keineswegs auf das Automobil beschränkt und die mit der zunehmenden Schärfe des Konkurrenzkampfs von selbst wieder verschwindet. Heute ist in unserer Branche der Wettbewerb um den Kunden so intensiv, dass jene Leute, um derentwillen man uns Automobil Verkäufern hie und da einen Hauch von Tagediebsgesinnung andichtet, schon längst wieder verschwunden sind. Der Beruf des Verkäufers steht immer in Gefahr, unrichtig eingeschätzt zu wer- den. Er ist es um so mehr, je weniger die Werte, die verkauft werden sollen, genau gemessen und festgestellt werden können. Wenn schon der Reisende für Maschinen, Chemikalien und Schokolade, deren Nutzen für den Käufer sich auf Grund von Leistung und Aufwendung präzis bestimmen lassen, ein gutes Mass von Arbeit zu leisten hat, so ist diese Aufgabe noch ungleich schwieriger, wo sich ein solcher genauer Vergleich der Werte nicht durchführen lässt. Wie willst Du aber beispielsweise ein absolut objektives und allgemein gültiges Urteil über Automobile abgeben? Ich bin ehrlich überzeugt, dass, wenn der Ajax 9 PS 7100 Fr. kostet, unser Hammon 10 PS mehr als 200 Fr. Ueberpreis verdient. Trotzdem muss ich unumwunden zugeben, dass ich kein Mittel kenne, um diesen Mehrwert unwiderlegbar nachzuweisen. Gewiss hat der Hammon unabhängig abgefederte Räder, hydraulische Bremsen, eine elastische Motoraufhängung, Vorwählschaltung und einen ganzen Haufen Dinge, die ihn vor dem Ajax auszeichnen. Doch auch dieser letztere hat wiederum eine ganze Anzahl technischer Vorzüge, die nicht wegzuleugnen sind und die der Fahrer mit Recht als wichtig betrachtet. Hier setzt die eigentliche Aufgabe des Verkäufers ein. Es kommt nämlich weniger darauf an, was ein Wagen alles bietet, als daranf, ob und in welchem Masse der Käufer eines Wagens diese Besonderheiten zu begreifen, zu schätzen und zu geniessen versteht. Diese Umstände bringen ungezählte Schwierigkeiten mit sich und erfordern eine weitgehende Hingabe. Ihre Erfüllung ist undenkbar ohne gründliche Kenntnis von Mensch und Maschine, ohne Wissen und Wollen und ohne die Kraft, das gesetzte Ziel allen Hindernissen zum Trotz zu erreichen. Darum sind auch nur wenige Leute den Anforderungen des Verkäuferberufes gewachsen. Der Automobilverkäufer wird sich immer in starkem Masse mit Ansichten, Meinungen und Vorurteilen herumschlagen müssen, eine Tätigkeit, bei der die Ueberzeugungskunst eine grosse Rolle spielt und die nun einmal notgedrungenermassen mit einer grossen Zahl von Imponderabilien rechnen muss. Und dennoch hängt von der Erfüllung dieser Aufgabe so vieles ab: Ob