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E_1938_Zeitung_Nr.044

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jk AUTOMOBIL-REVUE

jk AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG. 91. MAI 1938 Die ACS-Tage in Baden Delegiertenversammlung und Zentralfest Es war ein ungewohnt starker Aufmarsch, den am vergangenen Samstag und Sonntag die Bäderstadt Baden als Tagungsort der ACS-Gemeinde erlebte. Der Sektion Aargau als liebenswürdige und aufmerksame Gastgeberin aber wurde damit nur der wohlverdiente Lohn für ihre Mühen und Anstrengungen und für die organisatorischen Vorbereitungen, welche ein Anlass von diesen Ausmassen erfordert. Und wenn auch die Wetterregie nicht ganz nach Wunsch klappte, so dass am Sonntag das Picknick auf Schloss Wildegg abgeblasen und ins Bad Schinznach verlegt werden musste, was verschlug's schon ? Der Geselligkeit und der Stimmung vermochte diese ungnädige Laune des Himmels keinen Abbruch zu tun. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen; nach diesem bewährten Rezept war das Programm aufgebaut worden. Am Anfang stand die Delegiertenversammlung, um zu Nutz und Frommen des Clubs zu raten und zu taten. Und was seit Jahren nicht mehr geschehen, hier wards zum Ereignis : sämtliche 27 Sektionen hatten, wie der Zentralpräsident, Herr Dr. Mende, mit Genugtuung melden konnte, ihre Vertretungen dazu entsandt. Nicht weniger als 120 von den 141 Mitgliedern, welche das ACS-Parlament gegenwärtig umfasst, waren zugegen. Nach einem Willkommensgruss des Vorsitzenden, worin er für den herzlichen Empfang dankte, entwarf Herr Dr. Mende einen Rückblick auf die 40 Jahre, welche seit der Gründung des Clubs verstrichen sind. Aus der geselligen Vereinigung von damals hat sich eine Organisation entwickelt, die sich vorerst hauptsächlich dem Sport widmete, doch dann gesellten sich die Verkehrsprobleme, die Fragen des Strassenbaues hinzu, die Touristik verlangte ihr Recht und unablässig wuchs der Aufgabenkreis auf wirtschaftlichem Boden. Aus dem kleinen Verein, der sich für einen neuen Sport einsetzte, ist ein Verband von nationaler Bedeutung geworden, dessen Bedeutung auch von unsern Behörden anerkannt werden muss. Nicht dass er sich nun selbstzufrieden zur Ruhe setzte, denn neue Pflichten treten an ihn heran, darunter in erster Linie der Kampf gegen die dem Auto aufgebürdeten Fiskallasten und die Lösung des Problems Bahn-Strasse. Protokoll, Jahresbericht und Jahresrechnung 1937 fanden ihre Erledigung durchwegs im Sinne der Zustimmung. Den Mittelpunkt der Tagung bildeten diesmal die Wahlen, denen sich nach den Statuten der Zentralpräsident, das Direktionskomitee sowie die Mitglieder der ständigen Kommissionen zu unterziehen hatten. Hier das Ergebnis dieses wichtigen Geschäfts: als Zentralpräsident wurde Herr Dr. t Mende bestätigt, ebenso wie die Mitglieder des Direktionskomitees. Einige neue Gesichter dagegen tauchen in den Kommissionen auf, wobei der Bezeichnung eines neuen Präsidenten der Nationalen Sportkommission an Stelle des zurückgetretenen Herrn Töndury besondere Bedeutung zukam. Aus dem Wahlakt gingen die einzelnen Kommissionen in folgender Zusammensetzung hervor: Nationale Sportkommission. Präsident: Dr. G. Napp (Basel); Mitglieder die Herren Baumgartner (Waadt), Geneux (Genf). Lumpert (St. Gallen- Appenzell), Pierrehumbert (Montagnes Neuchäteloises), Zwahlen (Te«sin), Huber (Bern), Meyer (Zürich) und Lareida (Graubünden). Mit Herrn Dr. Napp übernimmt eine Persönlichkeit die Leitung der Nationalen Sportkommission, welche die Voraussetzungen für dieses Amt restlos erfüllt. Seit 1932 gehört er der Kommission als Mitglied an; er war es auch, in dessen Händen die Organisation der Gordon-Bennet-Sternfahrt vom selben Jahre lag. Dem scheidenden, um den Club wie um den schweizerischen Autosport hochverdienten Herrn Töndury widmete der Vorsitzende Worte aufrichtigen, warm empfundenen Dankes, als dessen sichtbarer Ausdruck ihm eine Wappenscheibe überreicht werden wird. Als «neue Männer» erscheinen in der Sportkommission die Herren Ing. Meyer, Sportpräsident der Sektion Zürich, und P. Lareida (St. Moritz), der sich namentlich als Organisator der St. Moritzer Automobilwochen einen Namen gemacht hat. Touristikkommission. Präsident: Herr Failletas (Locarno); Mitglieder die Herren: Baumeier (Luzern), Hofmann-Peri (Locarno), Schmidt (Basel), Ernens (Locarno), Dr. Moosberger (Thurgau), Ruckstuhl (Bern), Dr. Weisbrod (Zürich) und Dr. Fenkart (St. Gallen). Neu: Dr. Weisbrod und Dr. Fenka.-t. Verkehrskommission. Präsident: Dr. Th. Gubler (Basel): Mitglieder- Dr. Gay (Wallis). Frei (Zürich), De Reynier (Neuenburg), Rey-Willer (Waadt), Thurnheer (Seeland Jura), Dr. Riedweg (Luzern), Wirz (Aargau) und Trümpy (Glarus). Neu; Di. Riedwez und Trümpy, Versicherungskommission. Präsident: Hr. Badertecher (Zürich); Mitglieder die Herren: Bohy (Genf), Dr. Hagenbuch (.Aarau), Moser (Seeland- Jura), Dr. Rietmann (Thurgau), Dr. v. Stürler (Bern) und H. Wächter (Winterthur). Aus der GeschäftsprüfungssteHe scheidet Herr Faes aus; als Nachfolger rückt Herr Passavant qach, dessen bisherige Stelle Herr Hulftegger einnimmt. Als Ersatz für Herrn Hulftegger wurde Herr Terron (Genf) bestimmt. Zwischenhinein schob sich eine Ehrung für Direktor Primault, der nun genau während 10 Jahren mit unermüdlicher Arbeitskraft im Dienste des Cubs wirkt. Was die Statutenänderungen anbelangt, deren Gegenstand die Budget-Delegiertenversammlung, die Auslands- und die Damenmitglieder bildeten, so fanden sie ebenfalls Zustimmung. Als Ort der Delegiertenversammlung und des Zentralfestes 1939 wurde Zürich bezeichnet und die Einladung durch die dortige Sektion mit Bravo verdankt. Keine grossen Wogen warf die allgemeine Disukssion. Nachdem die Versammlung einer Anregung beigepflichtet, gegen die wieder auftauchenden geheimen Kontrollen Front zu machen, hiess sie folgende Erklärung gut: Da die Delegiertenversammlung des A. C. S. seit Jahren die Stellung eines eigentlichen automobilistischen Parlamentes besitzt, kamen nach Erledigung der geschäftlichen Traktanden eine Reihe der aktuellen Fragen der Verkehrspolitik zur Sprache. Zunächst verdient festgehalten zu werden, dass die Beteiligung am Abstimmungskampf um das neue Strafgesetzbuch abgelehnt wird, da sich der A. C. S. in allen politischen Fragen, die nicht mit dem Verkehrswesen in Beziehung stehen, streng neutral verhält. Von besonderer Wichtigkeit ist die eindeutige Stellungnahme der A. C. S.-Delegiertenversammlung für den Einheitsbenzinpreis und gegen das Zonenpreisprojekt, das in den meisten massgebenden Interssenkreisen abgelehnt wird. Nicht weniger bedeutungsvoll ist das in Baden mit grossem Nachdruck erhobene Postulat, es seien die gegenwärtige Steuerformel durch logischere Normen Die diesjährige, nach Berlin einberufene Generalversammlung der « Alliance Internationale de Tourisme » (A. I. T.) wurde am Mittwoch, 25. Mai, zunächst durch eine vorbereitende Zusammenkunft des A.I.T.^Ausschusses für Radtourismus eröffnet, die, wie alle weiteren Beratungen dieser Tagung, im «Hause der Flieger» (dem früheren preussischen Abgeordnetenhaus) an der Prinz-Albrecht- Strasse stattfand. Sie war veranstaltet worden dureh den Deutschen Radfahrer-Verband (Verbandsführer V. Braok) und stand unter dem Vorsitz von Regierungsrat Lüttwitz, des Vizepräsidenten des Internationalen Radfahrer-Verbandes {« Union Cycliste Internationale» = U.C.I.). Im Ansehluss an die Generalversammlung der A.I.T. von 1937 und verschiedene seitherige Sitzungen des Ausschusses für Radtourismus wurde neuerdings die Frage der Einführung eines Carnet de Passages en douanes für Fahrräder behandelt, für die sich u. a auch der Touring Club der Schweiz einsetzt. Weitere Probleme, mit denen sich eine Unterkommission befasst, sind die Sicherheit der in der Nacht verkehrenden Radfahrer, die Radfahrwege und das Unterstellen der Fahrräder. Die Schlussfolgerungen, die bei der Ausarbeitung eines internationalen Abkommens über den Radfahnverkehr ihren Niederschlag finden sollen, sind durch den beriebterstattenden Sekretär der Kommission für Radfahrtourismus, Van Meteren, de* Generalversammlung der A.I.T. vorgelegt worden. Vorher haben die Teilnehmer der Tagung des Ausschusses für Radtourismus, an welcher die Schweiz nicht vertreten war, unter kundiger Führung noch vorbildliche Anlagen von Radfahrwegen in der Umgebung Berlins, sowie Einrichtungen für das Untersteilen von Fahrradern besichtigt. Am Abend des gleichen Tages vereinigten sich die in Berlin bereits eingetroffenen Kongressteilnehmer im Zeichen des Deutschen Automobil-Clubs, der während der ganzen Tagung eine nicht zu übertreffende Gastfreundschaft entwickelte, zu einem zwanglosen Zusammensein im Schöneberger Ratskeller. Am folgenden Tage, Donnerstag, 26 Mai, fanden die vorbereitenden Arbeitssitzungen des Direktoren-Ausschusses der A. I. T. und des A. I. T.- Verwaltungsrates statt, zu welch letzterer auch Staatsrat Adrien Lachenal aus Genf eingetroffen war. Auch diese Beratungen fanden ihren Abschluss in "einer Veranstaltung des D.D. A.C. in den Räumen der < Kameradschaft deutscher Künstler >. Der offizielle Tag. Der « grosse Tag », an dem die Bedeutung der A. I. T. äusserlich besonders zur Geltung kam, war der Freitag, 27. Mai, der am Vormittag die feierliche Eröffnung, der XIX. Generalversammlung brachte. Diese fand im Festsaal des « Hauses der Flieger » unter den Klängen eines Orchesters statt und brachte zunächst eine Begrüssungsansprache des Führers der deutschen Kraftfahrt, Korpsführer Generalmajor Hühnlein, der, nach einem Hinweis auf die Förderung der Motorisierung in Deutschland, vor allem betonte, dass es sich in erster Linie darum handle, den Grenzübertritt für das Automobil wesentlich zu erleichtern. Er stehe, so erklärte der Redner, auf dem Standpunkt, dass die Zeit reif geworden sei, Triptyk und Carnet nunmehr baldigst endgültig abzuschaffen. Für den Grenzübertritt genüge seines Erachtens ein auf die Person des Wagenlenkers ausgestellter Führerschein und für das Fahrzeug ein .Zulassungsschein, beide in allen Staaten auf gleichem Formular ausgestellt und für zu ersetzen und die Steuersätze unter wesentlicher Reduktion für alle Kantone zu vereinheitlichen. Zum geselligen Teil hinüber leitete nach dem Aperitif im Kursaalrestaurant am Abend das offizielle Bankett im Grand Hotel Quellenhof, das über 200 Personen an festlich geschmückter Tafel vereinigte. Herr Direktor Lenzin, der Präsident der Sektion Aargau, entbot in deren Namen Gruss und Willkomm, seiner Freude darüber Ausdruck gebend, die grosse ACS- Familie nach 27 Jahren wieder einmal auf Aargauer Boden versammelt zu sehen. Ihm erwiderte Zentralpräsident Dr. Mende in launiger Ansprache, seinen Dank für den freundeidgenössischen Empfang verbindend mit einer Gratulation für die mustergültige Organisation der Veranstaltung. Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? Zum Bai im Kursaal namhch. An die 600 mögen es gewesen sein, die die weiten Räumlichkeiten mit frohem, rauschendem Leben erfüllten und sich willig in den Bann sei es der Jazz-Rhythmen, sei es der lüpfigen Ländlerschalmeien schlagen Hessen, bis der Morgen graute. Mit Ausdauer und Hingebung wurde das Tanzbiin in rotierende Bewegung versetzt, und nur zweimal erfuhr das wogende Getriebe einen Unterbruch: bei der Preisverteilung für die Nationale Geschicklichkeitsprüfung (worüber wir an anderer Stelle dieser Nummer berichten) und als das Ballett des Zürcher Stadttheaters beschwingt über die Bretter glitt. Zweifelnde Blicke tasteten am Sonntag vormittag den Himmel ab. Man weis« bei diesem Wetter nie, ob nun raus ins Freie oder rin unters Dach oder wie! Programmgemäss hätte das Picknick im Hof des Schlosses Wildegg abgehalten werden sollen, aber die Organisatoren hatten eine feine Nase, als sie sich, wenn auch ungern, entschlossen, auf die Freiluftschnabuliererei zu verzichten und ihre Getreuen nach Bad Schinznach zu dirigieren, wo sich um die Mittagszeit ein stattlicher Wagenpark vor dem Kurhaus staute. Drinnen hatten fürsorgliche Geister gewaltet, um die Atmosphäre eines richtiggehenden Picknicks zu wahren. Nur der Schlosshof musste supponiert werden, und das leider auch, als zwischen Dessert und Kaffee die ganze Welt gültig. Ein grosses Aufgabengebiet für die A. I. T. sieht Korpsführer Hühnlein auch in dem dringend notwendig gewordenen Ausbau von Strassenhilfsdienst-Einrichtungen, die das Gefühl der Sicherheit erhöhen und die Reisefreudigkeit heben. Ferner hält er den Abschluss einer Konvention für die Ausgabe von international gültigen Benzin-Checks für erwünscht. Das gerade die A.I.T. die Verkehrsentwicklung in grossen Räumen sehe, davon zeuge deren unermüdliches Bestreben um die Verwirklichung des Projektes der grossen transkontinentalen Verkehrsader London-Istanbul, mit Fortsetzung nach Indien - Kairo und Kapstadt. Die Einbeziehung -von 1000 km deutscher Reichsautobahnen von der holländischen bis zur ungarischen Grenze stelle für die Verwirklichung dieses Projektes einen entscheidenden Beitrag Deutschlands dar. Als geschäftsführender Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr (der ebenfalls der A. I. T. angehört) entbot Staatsminister a. D. Esser den Willkommensgruss der obersten deutschen Behörde für Touristik. Er betonte vor allem den engen Zusammenhang, den die Autotouristik zwischen Landschaft und Menschen schafft, sowie die dadurch erzielte Förderung des gegenseitigen Verständnisses der Völker und damit des Weltfriedens. Reichsminister Dr. Göbbels spricht. An diese Gedankengänge knüpfte auch Reichsminister Dr. Goebbels an, dem die Rolle zufiel, als 'Regierungsvertreter die Veranstaltung zu begrüssen. Er unterstrich das Interesse, das Deutschland als klassisches Durchgangs- und Reiseland an den internationalen Verkehrsfragen nehme. Seine aktive Mitarbeit ergebe sich auch schon daraus, dass es auf manchen Gebieten beispielgebend vorangegangen sei, wie dem der Motorisierung, dem der Konstruktion des Volkswagens, der den Autobestand in Deutschland um viele Hunderttausende von Fahrzeugen vermehren werde, und dem des grosszügigen Strassenbaues. Aber auch für den ausländischen Automobilisten seien durch die Initiative der obersten nationalen Behörde für den Kraftfahrtsport zahlreiche einschlägige Massnahmen durchgeführt worden, so die Aufhebung der Aufenthaltssteuer für ausländische Kraftfahrer, die Erleichterung der Zollformalitäten und die Abschaffung des internationalen Führerscheins und der internationalen Zulassung. Der Erfolg dieser Massnahmen sei eine Verdoppelung des Fremdenverkehrs in Deutschland seit 1932 gewesen. Nachdem Dr. Goebbels auch die Förderung des Tourismus durch die Gemeinschaftsbewegung «Kraft durch Freude» hervorgehoben hatte, kam der Minister auf die Bedeutung der deutschen Reichsautobahnen zu sprechen, die den Beweis geleistet hätten, dass durch sie das Landschaftsbild nicht nur nicht zerstört werde, sondern dass sie, sich der Natur harmonisch anpassend, viele landschaftliche Schönheiten überhaupt dem Reisenden zugänglich machten. Dazu komme noch die Erschliessung grosser Berggebiete durch die deutschen Alpenstrassen und die Staubfreimachung in den Fremdenverkehrsgegenden. Der Redner schloss mit dem Hinweis darauf, dass Deutschland und die der AIT angeschlossenen deutschen Verbände ihre Mitarbeit besonders gerne zur Verfügung stellen, weil gerade in der gegenwärtigen weltpolitischen Situation das gegenseitige Kennenlenen der Völker und die wechselseitige Achtung vor den nationalen Eigenarten eines der bedeutsamsten Momente der Entspannung und Be.friedung darstellen. die Vorstandsmitglieder der Sektion Aargau und deren Damen mit einer ulkigen Spielszene überraschten, wobei sie, als Schlossherren und -herrinnen des Mittelalters auftretend, den Spiees um- • kehrten, die Zuschauer mit.ihren «originellen Kostümen des 20. Jahrhunderts» in die Rolle einer Gesellschaft von Schauspielern hineinmanövrierten, und in allerlei träfen, saftigen Sprüchen Vergleiche zwischen der Zeit des Habermotors und dem Jahrhundert des flinken Automobils anstellten. Langsam lichteten sich hernach die Reihen, wir aber taten noch hurtig einen Sprung hinauf zum Schloss Wildegg — um es doppelt zu bedauern, dass Picknick und «Schauspiel» dieses stilvollen Rahmens hatten entbehren müssen. Eine neue Strassenverbindung am Zugersee. Von Seiten von Verkehrsinteressenten der Gemeinde Immensee wird eine neue Strassenverbindung in Vorschlag gebracht, welche von Risch über Teufthal nach Immensee führen und das prächtig am Zugersee gelegene Gebiet des Chiemen erschliessen würde. Die Initianten suchen die Unterstützung der Gemeinden Risch, Meyerskappel und Küssnacht- Immensee nach und versprechen sich für die neue Strasse starke Frequenz aus den Kreisen der luzernerischen und zürcherischen Automobilisten. Die neue Strasse soll eine Breite von 5 m erhalten; die Kosten dürften sich auf rund Fr. 150.000 belaufen. Automobilisten-Bodenseefest. Der Gau 14 Baden des Deutschen Automobil* Clubs hatte seine Mitglieder für den 21. und 22. Mai zu einem grossen Bodenseefest in Konstanz eingeladen, das unter anderen Veranstaltungen eine Zielfahrt und Bodenseeschiffahrt in sich schloss. Die benachbarten ACS-Sektionen und der Voralberger Automobil-Club waren um Entsendung von Delegationen ersucht worden. Leider machte das ungünstige Wetter einen argen Strich durch das verheissungsvolle Programm, worunter auch die Beteiligung litt. Immerhin wurden bei der Ankunft in Konstanz 222 Motorfahrzeuge gezählt. An Stolle des Seenachtfestes vereinigte am Samstag ein Unterhaltungsabend im schönen Konziliumsaal über 1000 Personen. Leider mussten am Sonntag auch die grosse Automobilistentagung auf der Marktstätte und die Seefahrt abgeblasen werden; an deren Stelle trat die Preisverteilung der Zielfahrt, die als Sieger die Ortsgruppe München sah. Von allen Teilen Deutschlands und auch der Ostmark hatten sich Fahrer an diesem Wettbewerb beteiligt. Bürgermeister Mager hiess die Automobilisten und besonders auch die schweizerischen in der Bodenseestadt willkommen und wies auch auf den Ansehluss von Konstanz an das Autobahnennetz hin, der angestrebt wird. Die Grüsse der Sektion Zürich des ACS, -welche Herr Präsident Gassmann überbrachte, fanden besondern Beifall. Die Bodenseetagung des DDAC hat erneut von der engen internationalen Verbundenheit der Automobilisten beredtes Zeugnis abgelegt. V Die „Alliance Internationale de Tourisme" tagt in Berlin Vorbereitende Beratungen. ^ Die Antwort des schweizerischen Kontressvorsitzenden. Am Schiusa des Festaktes ergriff der Vor* sitzende der AIT und Präsident des TCS. Dr. Henneberg aus Genf, das Wort, um nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der grossen Organisation mit 106 angeschlossenen Verbänden in allen Erdteilen im besonderen dem Präsidenten des Deutschen Automobil-Clubs, Baron von Egloffstein, die Anerkennung für seine Tätigkeit als taktvollem Vermittler namentlich in den ersten Zeiten des deutschen Umbruchs und der daraus entstandenen Missverständnisse auszusprechen. Im weiteren ent* bot Dr. Henneberg seinen Dank dem DDAC und allen sonstigen deutschen Stellen für den herzlichen Empfang, den die Kongressteilnehmer in Berlin gefunden haben, und bat Minister Dr. Goebbels, dem Reichsführer imt Namen der Delegationen den Ausdruck ehrerbietiger Hochachtung zu übermitteln. Der Kongress an der Arbeit. Nach diesem eindrucksvollen Auftakt wurde» am Freitag und Samstag die eigentlichen Arbeiten der Generalversammlung unter der Leitung Dr. Hennebergs in flottem Tempo durchgeführt. Während auf die materiellen Beratungen mit ihren weit ausgreifenden Problemen noch in späterem Zusammenhang zurückgekommen werden soll, sei hinsichtlich der formalen Geschäfte erwähnt, dass für eine weitere Dauer von 3 Jahren der Präsident. Dr. Henneberg, die vier ständigen Vizepräsidenten (Sir Stenson Cooke, Generalsekretär der «Automobüe- Association», London, Imbert, Administrator des Touring-Glubs von Frankreich, Italo Bonardi, Direktor des Touring-Clubs von Italien, und Baron von Egloffstein, Präsident des deutschen Automobil-Clubs), der Generalsekretär. Paul Duchaine, und der Schatzmeister, Dubois (Belgien), bestätigt. Für die drei nichtständigen Sitze im Vizepräsidium haben die Clubs von Jugoslawien, Schweden und der Vereinigten Staaten ihre Vertreter zu bestimmen. Ebenso wurden Geschäftsbericht und Jahresrechnung einstimmig angenommen und die übrigen Debatten derart beschleunigt, dass am Samstag die eigentliche Generälversammlung geschlossen werden konnte, ohne dass von der vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch gemacht werden musste. sie noch in die neue Woche hinübergreifen zu lassen. Als nächstes Tagungsland (für 1038) wurde Polen bestimmt, als das für 1940 Portugal, das in. dem genannten Jahre grosse Jubiläumsfestlichkeiten plant, denen der Staatschef Salazar eine besonders feierliche Ausprägung zu geben wünscht. Inzwischen findet noch in den Tagen vom 21.'—24. August 1938 eine Jubiläumsversammlung in Luxemburg statt, wo vor 40 Jahren die Vorgängerin der AIT. die «Li?uo erst Internationale des Associations Touristes» (LIAT), gegründet worden ist. Ein grosser Teil der Kongressteilnehmer wird auch von der durch das Generalinspektorat gebotenen Gelegenheit einer mehrtägigen Besichtigungsfahrt über die Reichsautobahnen und die_ Deutsche Alpenstrasse nach Nürnberg, München, Berchtesgaden und Salzburg Gebrauch machen, die am Dienstag ihren Anfang nimmt, während die Zeit bis dahin mit Veranstaltungen und Besuchen In Berlin und dessen näherer Umgebung, sowie Empfang bei Korpsführer Hühnlein. Staatsminister a. D. Esser und einem Festball. ausgefüllt war, b.

No — DIENSTAG, 31. MAI 1938 IHUTOMOBIL-REVUE Trotz ofor hrzeug beweglich bleiben! Fortsetzung von Seite 1. Rastend sahen wir die herrlich" frisch lackierten Wägelchen der Brienzerrothorn-Bahn langsam bergan schnaufen und freuten uns, dass die Ueberwindung der 1800 m Höhendifferenz dank diesem «Kohli> auch weniger Marschtüchtigen er- T Komfrrf näher ond näher una" fast der Ausgangspunkt, das Hotel Schwarzsee wieder erreicht. zu bald nur ist «Du Lac» am möglicht. Das Hereinbrechen des Abends auf jener Höhe zu erleben, das mähliche Aufglimmen der Sterne zu beobachten, bedeutet Einmaliges. Und dabei war man im Kulmhotel ausgezeichnet aufgehoben. Fast wie Schatten aus Dantes Hölle kamen uns im Morgengrauen die schlotternden, in Wolldecken gehüllten Gestalten vor, welche da auf dem eigentlichen Rothorngipfel ungeduldig der Pracht des Sonnenaufganges harrten. Endlich schob sich der feuerrote Sonnenball Stück um Stück herauf, so dass sich der Zacken des Grossen Mythen schliesslich wie ein erhobener Warnfinger dunkel von seiner Scheibe abhob. Und dann kam jene Wanderung in den frühen Morgen hinein, immer dem neuen Höhenweg folgend, bis zum Wilerhorn. Da geht selbst der bergungewohnte Tiefländer sicher und mit Vergnügen, denn dieser gut ausgebaute Pfad führt in fast horizontaler Linienführung über die Gummenen- zur Wileralp und von da zur Brünigpasshöhe hinunter. Prächtig ist der Tiefblick ins Aaretal mit seinen zahllosen Dörfchen und Höfen. Gipfelstürmer werden zwar diesen mühelosen Höhenweg kurzerhand lingks liegen lassen; diese Leute reizt zweifellos die Gratwanderung über Arnifirst, Wilerhorn mit dem beidseitigen Einblick ins Aaretal und ins Obwaldner Gebiet mit Lungern- und Sarnersee bedeutend mehr. Auf der Brünigpasshöhe blieb uns nur die Wahl zwischen einer Bahnfahrt über Meiringen nach Brienz oder einem Fussmarsch über Brienzwiler nach Brienz. Wi wählten die letztere Möglichkeit; eine grössere Fahrgesellschaft findet ihren Wagen vielleicht — durch kundige Hand gesteuert — bereits auf dem Brünig vor. Was glauben Sie? Diesmal werden die Pläne fürs nächste Weekend noch vor der Heimfahrt geschmiedet! 4. Schwarzsee - Kaiseregg - Schopfenspitze. Ein voralpines Eldorado für Auto-Touristen (im neuen Sinne) bildet sodann das Gebiet rund um den im hintersten Winkel des Kantons Fribourg ge* legenen Schwarzsee. Im Hotel «Du Lac» nimmt ein Blick von der Rigi-Hochfluh auf Urnersee mit den Plateaux von Seelisberg und Morschach. charmanter Hotelier ihren Wagen in getreue Obhut und — da staunen Sie bestimmt — will selbst bei Benützung einer Boxe nicht dafür bezahlt sein! Den Zurückbleibenden wird auch hier der Tag nicht lang werden. Rund um den See führt neuerdings ein bequemes, fast ebenes Spazierweglein, es gibt da schattige Bänke, Ruderboote, Enten, die gefüttert werden wollen — kurzum: die Zeit vergeht im Nu. Den Bergbegeisterten aber hat.schon vorn im Tal eine trutzige Felswand — die alles beherrschende Kaiseregg (2188 m) — gewunken. In der Frühe des Sonntagmorgens ziehen sie dann aus, durch den Wald hinauf, in grosser Schlaufe über die Riggisalp dem Einstieg in die Felspartie rechts unterhalb des Gipfels entgegen. Ein paar Minuten noch, und strahlend thront man über dem Felszirkus, in dessen Grunde zwei Seelein glänzen. Auch von hier ist die Sicht prächtig; wieder und wieder schiebt man den Aufbruch hinaus. Abwärtsgehend werden die meisten bedauern, dass ihr Wagen, dass Angehörige sie am Schwarzsee und nicht drüben in Boltigen im Simmental erwarten. Denn ein Abstieg von der Kaiseregg über die Klusalp nach da müsste prachtvoll sein. Einen ganz speziellen Genuss bietet sodann im Frühjahr oder Herbst ein Marsch von Schwarzsee aus durchs Vallee des Verniets hinauf zur 2108 m hohen Schopfenspitze. Da liegt zu Füssen das Dörfchen Jaun, Staubwolken markieren die zum gleichnamigen Pass hinaufziehenden Motorfahrzeuge. Zum Greifen nahe scheinen die Gastlosen, der Hundsrück; hinter diesen Zacken aber leuchten majestätisch die 4000er der Berner Alpen. Der Abstieg — eine eigentliche Gratwanderung — hat wiederum ganz Besondere Reize. Zum Eigenartigsten gehört wohl der Blick hinunter auf das Kloster Valsainte. Rechts an der Flühe von Recondets vorbei, führt der Weg über prächtige Alpweiden tiefer und tiefer. Schon blaut der See herauf, Jeder dieser Weekendvorschläge hat seine besondere Eigenart, vermittelt einzigartige Schönheiten, weist spezielle Anziehungspunkte auf. Auf welchen immer Ihre Wahl fallen mag, Sie werden bestimmt nicht enttäuscht sein! Welche Tour führen Sie als erste aus? Denn bedenken Sie, um was es geht: Trotz Motorfahrzeug beweglich bleiben! Gewitterstimmung am Brienzersee. Steinen mit Steineraa- -und Lowerzersee. Rechts: Hoehstuckli, links: Rossberg, Mitte: die Senke von Sattel. Von Brienz big aur Planalp weitet sich der Blick auf See und Aaretal mehr und mehr! Kaiseregg im Winterkleid.