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E_1938_Zeitung_Nr.047

E_1938_Zeitung_Nr.047

BERN, Freitag, 10. Juni 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 4 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE« Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden. Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magaiin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenratnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm.-Adresse: Autorevue, Bern GeschiftssttDe Znrlehi Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif taseratenschlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Landesverteidigung und Arbeitsbeschaffung Vermehrte Berücksichtigung verkehrspolitischer Gesichtspunkte Beschleunigung des Alpenstrassenausbaues — Anlage von Treibstoffvorräten — Förderung der Verwendung von Holz oder Holzkohle als Motortreibstoff — Ausbau von Bahnanlagen — Aktivierung des Flugzeugbaues — Weitere Förderung des Fremdenverkehrs. Aus leichtverständlichen Gründen stehen die Automobilisten, getreu dem Grundsatz: «Gebrannte Kinder fürchten das Feuer», bundesrätlichen Massnahmen auf verkehrspolitisohem Gebiet zum vornherein eher ablehnend gegenüber. Doch bitte: Keine Regel ohne Ausnahme! Denn die den in Bern zur Sommersession versammelten eidgenössischen Räten verteilte Botschaft über den Ausbau der Landesverteidigung und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verdient dieses begreifliche Misstrauen nicht. Ihr gebührt im Gegenteil die unvoreingenommene Aufmerksamkeit auch der Automobilisten, nimmt unsere oberste Landesbehörde in derselben doch zu den verschiedenen mit dem Motorfahrzeug zusammenhängenden Problemen, d. h. bezüglich Strassenausbau, Anlage von Treibstoffvorräten, Förderung des Fremdenverkehrs, Sicherstellung des Bahnbetriebes und Verbesserung von Bahnanlagen, Ausbau verschiedener SBB-Strecken auf Doppelspur, Aktivität des Flugzeugbauprogramms, Förderung der Versuche zur Herstellung eines einheitlichen Ersatztreibstoffes aus Holzkohle und der Verwendung von Holz oder Holzkohle als Motortreibstoff übe/haupt, endlich in jener weitsichtigen Art und Weise Stellung, welche von ihr längst erwartet und gefordert wurde. Regieren heisst vorsehen, meint das Volk nämlich. Doch auch in diesem Falle bedurfte es, wie so oft in der Geschichte unseres Landes, einer Art aussenpolitischen Aufrütteins, ehe die gewünschte Aktivität erreicht wurde. « Der Anschluss Oesterreichs an das Deutsche Reich hat auch im Schweizervolke einen tiefgreifenden Eindruck ausgelöst. Besonders die Tatsache, dass die österreichische Nation eigentlich sich selbst aufgegeben hat, beschäftigt die öffentliche Meinung der Schweiz nachhaltig », führt die oben zitierte Botschaft aus. Den Untergründen diesen Geschehens nachzuforschen sei nicht Aufgabe dieses bundesrätlichen Erlasses, heisst es dort weiter. Dagegen erachtet unsere oberste Landesbehörde die Schlussfolgerungen, welche die öffentliche Meinung der Schweiz aus dem Schicksal der österreichischen Nation abzuleiten sucht, voller Beachtung und Beherzigung und glaubt aus denselben eine doppelte Zielsetzung zusammenfassen zu sollen: «In ein erneutes und vertieftes Gelöbnis, alles zu tun und nichts zu versäumen, um die Verteidigung unseres Landes, zur Erhaltung unserer nationalen Selbständigkeit und Unabhängigkeit, bis zum äussersten erreichbaren Grade auszubauen und sicherzustellen; und in die Absicht, zur Ueberwindung der wirtschaftlichen Notstände durch den planmässigen Einsatz vermehrter Mittel und Energien des Staates noch aktiver zu sein als bisher.» Freuen wir uns, dass die mitteleuropäischen Ereignisse auch im Bundeshaus die Kostbarkeit der Zeit wieder ins Licht gerückt, die ungeheure Wichtigkeit, welche unter Umständen dem Tempo der Durchführung all dieser aus den verschiedensten Kreisen längst angeregten Massnahmen zukommt, neuerdings unter Beweis gestellt haben! Freuen wir uns, dass unsere oberste Landesbehörde heute selbst die unverzügliche Verstärkung aller militärischen Vorkehrungen zur Sicherung unseres Landes fordert, und hoffen wir, die Interessen der Heimat bekämen nun selbst auf dem Gebiete des Strassenaus- und -neubaues das Primat vor lokalen Sonderwünschen und kleinlichen Eigenbröteleien! Als unerlässlich erachten unsere obersten Landesbehörden eine Sonderaktion zur Erweiterung und Beschleunigung des sog. Alpenstrassenausbauprogramtns. Im Bundesratsbeschluss vom 26. Februar 1937 wurde bekanntlich ein erstes Ausbauprogramm für die schweizerischen Alpenstrassen aufgestellt und hiefür Kredite in der Höhe von Fr. 53 MiW. bewilligt. Dabei wurde das Hauptgewicht auf den Ausbau der bestehenden Alpenstrassen gelegt. Nachträgliche Erhöhungen der Kostenberechnungen für die Wallenseetalstrasse und die Sustenstrasse, ferner die Notwendigkeit der Erstellung von Zufahrtsstrecken zur Wallenseestrasse, sowie Nachtragsarbeiten an der Julierroute bedingten die Bindung von weiteren Fr. 5 Mill. Bundesbeiträgen, die durch Inanspruchnahme der für ein zweites Ausbauprogramm vorbehaltenen Mittel aufzubringen sein werden. Für letzteres stehen jetzt schon nur noch Fr. 23 Mill. zur Verfügung. Eine ganze Anzahl an sich berechtigter Wünsche für den Ausbau weiterer bestehender Strassen, wie auch für die Erstellung von Neubauten mussten zurückgelegt werden. Die seit erwähntem Bundesbeschluss eingetretenen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen lassen nun die Notwendigkeit eines rascheren Ausbaus wichtiger Strassen im neuen Lichte erscheinen und dürften auch auf die Beseitigung bestehender Hindernisse hingewirkt haben. Wie die Jüngste bundesrätliche Botschaft erwähnt, haben auf Grund des ersten Aufbauprogramms bereits eine Reihe von Arbeiten kräftig eingesetzt. In den Baujahren 1936/37 sind Baukosten im Betrage von Fr. 14 Mill. aufgewendet worden. Hinsichtlich der Wirkung dieses Programms im Sinne der Arbeitsbeschaffung wird darauf hingewiesen, dass der Anteil der Arbeits- Volkswagen und Benzinbedarf in Deutschland. Kritik an der neuen Rennformel. Autosport im In- und Ausland, Holzkohlengasgeneratoren. Beilage: löhne an den auf rund Fr. 82 Mill. sich belaufenden Gesamtkosten durchschnittlich 50 Prozent beträgt. Unter der Annahme eines mittleren Tageslohnes von Fr. 10 ergibt sich, dass auf Grund des ersten Ausbauprogramms während einer durchschnittlichen Bauzeit von 6 Jahren für die Gesamtheit der in Betracht gezogenen Strassen und einer mittleren jährlichen Arbeitszeit von 200 Tagen 3400 Arbeiter beschäftigt werden können. Taxabbau bei den Bahnen ohne gleichzeitige Verbilligung des Benzinpreises wäre halbe Arbeit im Dienste der Verkehrsbelebung. Die Frage des Taxabbaues beschäftigt unsere Bahnen schon seit geraumer Zeit, ohne dass indessen deren Behandlung bis heute ein greifbares, positives Ergebnis gezeitigt hätte. Wohl lüftete sich in den letzten Wochen der Schleier über gewissen Details der Umgestaltung des Tarifgebäudes, aber dabei handelt es sich lediglich um Pläne, denen als charakteristisches Merkmal das Bestreben anhaftet, dem Automobil das Wasser abzugraben, um auf diesem Wege der Schiene neuen Verkehr zu gewinnen. Ganz unverkennbar spiegelt sich in einzelnen der von den Bahnen ins Auge gefassten Massnahmen, wie beispielsweise der Verringerung des Preisunterschiedes zwischen den drei Wagenklassen oder der Erhöhung des Rabattes auf den Retourfahrten die Absicht, ein Lockmittel zu schaffen, das darauf angelegt ist, den Automobilisten zum Hinüberwechseln auf die Schiene zu veranlassen. Dass die Bahnen darauf bedacht sind, ihrem Verkehr neue Impulse zu verleihen, könnte uns gleichgültig und unberührt lassen In dieser Nummer: Fortsetzung Seite 2. Das eine tun und das andere nicht lassen dieser Auftrieb nicht auf Kosten des motorischen Strassenverkehrs erfolgt. Tatsächlich aber scheint nach allem, was bisher ruchbar geworden, die Tarifreform in der Hauptsache als Mittel zur Bekämpfung der Autokonkurrenz ausgeheckt worden zu sein. Sollte darin wirklich der Weisheit letzter Schluss liegen, so würden die Bahnen mit einem solchen Vorgehen ihrer Einsicht in verkehrspolitischen Dingen ein eigentümliches Zeugnis ausstellen. Soviel nämlich leuchtet auch dem einfachsten Gemüt ein, dass in diesem Falle die ganze Aktion lediglich auf eine Umlagerung des bisherigen Verhältnisses zwischen Strassen- und Schienenverkehr hinausliefe, mit dem Erfolg, dass sich bloss die Struktur unseres Verkehrsaufbaues verschieben würde. Gesamtwirtschaftlich könnte bei einer solchen Prozedur, welche schlussendlich nur dem einen gibt, was er dem andern genommen, von einer wirklichen Wiederankurbe- I lurag des Verkehrs keine Rede sein. Wir — freilich nur dann und nur so lange als I marschierten ganz einfach am Ort. Und wo F E U I L L E T O N Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 42. Fortsetzung. Wie er sie liebte ! «Erdesz hat geschrieben, dass er eine Weltreise macht. Er will über Hawai und China zurückfahren.» « Das ist schön », sagte Hubert. « Er muss natürlich bei uns wohnen. Wann kommt er?» _«Im Winter», sagte Cary. «Ich weiss nicht genau, ich habe den Brief verloren.» Am Abend, als sie beim Essen sassen, kam ein Boy mit einem Brief von Victoria. Florence würde also mitreisen, gib acht auf sie, vielen Dank, darling, — deine Victoria. Im dunklen Garten lärmten die Zikaden. Die Luft schien zu zittern. Von allen Seiten tönte es, unablässig, schrill und hoch. « Worauf wollen wir trinken, Hubert ? » «Ich weiss nicht», sagte er. Er beugte sich vor und büsste ihre Schläfe. « Auf die Zikaden ? » « Ja », sagte er, « auf die Zikaden. » Er richtete sich wieder auf und trank sein Glas langsam leer. Cary sass still und sagte plötzlich : « Wie schön das ist ! Der Mond in China ist viel weisser als bei uns. Das werde ich mir immer merken.» « Das musst du dir gar nicht merken », sagte Hubert. «Das wirst du jedes Jahr wiedersehen, jeden Sommer, wenn du hier oben bist.» « Ja ?» sagte Cary. Sie sah auf, sie schien von irgendwo zurückzukommen. « Noch einen Schluck Whisky », sagte sie. Alles war schön in dieser Nacht, sogar das Lärmen der Zikaden, die Zikaden gehörten dazu, genau wie die warme Luft und die Silhouette der Berglehne, die sich dunkel hinzog. Der Mond stieg immer höher. Das ganze Tal war in ein schwebendes Licht getaucht. In diesem trügerischen Licht sah Carys Gesicht fremd und verschlossen aus. Er starrte es an, sogar noch in der Umarmung. Dieser Körper, dieses schmelzende Fleisch liebte ihn noch immer. Aber das war nicht genug. Es war nicht genug. Nein, das war nicht genug. Denn das vom Mondlicht überflutete Antlitz blieb stumm. Und gab sich nicht mehr preis. 2. Kapitel. Als Cary nach Shanghai kam, war der Rasen von der Sonne verbrannt und bleich wie Stroh. Es gab nicht viel Schatten in diesem September, die Platanen hatten sich gelichtet, die goldenen Blätter bewegten sich im warmen Wind. Cary ging nicht aus, sie blieb im Garten, manchmal sass sie in dem rotgetünchten Teepavillon. Yü trüg ihr die Bücher nach. Sie blätterte. Aber sie las nicht. Alle Sätze blieben unbelebt. Nur eines lebte : Europa. Jetzt war Morgen in Europa, und jetzt fiel die Dämmerung ein, und jetzt die Nacht. Sie wusste immer, wie viel Uhr es in Shanghai war, weil sie danach die Zeit in Europa berechnete. Immer wieder versank sie in ihren Traum, fortgetragen und umstrickt von Erinnerungen. Es war ein endloses Zwiegespräch mit der Vergangenheit. Wenn sie, gestört und nur zu schnell, in die Wirklichkeit zurück musste, war sie verwirrt und gereizt. Erst als die Einladung von Dr. Wong kam, fuhr sie zum erstenmal in die Stadt hinein, in die Nankingroad, weil sie einen Abendmantel brauchte. Als der Wagen auf der Heimfahrt durch das grosse Parktor in den Garten fuhr, wirbelten die letzten Platanenblätter von den Zweigen herab, sie wehten gelb durch die Luft, bedeckten den Weg, ein paar blieben auf dem Kühler liegen. Cary ging ins Haus. Draussen wurde der Wind immer stärker. Um drei Uhr war der Himmel grau zugezogen. Der Wind kam ruckweise, wie ein ungeheures Atemholen, jedesmal, wenn er über den Garten hinstiess, bogen sich alle Zweige nach einer Richtung Cary hörte, wie Cheng und Yü durchs ganze Haus liefen und die Fensterläden schlössen. (Fortsetzung folgt.)