Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.045

E_1938_Zeitung_Nr.045

BERN, Freitag, 3. Jim! 1938 m Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 45 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe ß (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Sprache der Zahlen Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehlrtsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Dl* achtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarü Inseratensehlass 4 Tage Tor Erseheinen der Nummer Vetkefusiwteviidit fei dex Qwfoc ScfiuUuqetid Das Schicksal scheint das Erdöl als Spielball der Gelüste des Fiskus und der Strömungen am Weltmarkt erkoren zu haben. Wie von einer steten Unruhe getrieben, steigt die Preiskurve dieses ganz besondern Saftes bald auf, bald nieder und spärlich nur sind die Epochen, da sie von Schwankungen freibleibt. Auch heute erleben wir wieder eine solche Oszillationsperiode : zweimal in kurzen Abständen folgte dem sinkenden Niveau der Weltmarktpreise ein Abbau unserer Säulenpreise um je einen Rappen. Und zugleich verkündet der Bundesrat seine Absicht, wieder zum Benzinzonensystem überzugehen, ein Projekt, dessen Wirkungen sich abermals in einer Veränderung der Preise äussern würden. Bei diesen häufigen und recht verschiedenartigen Ursachen entspringenden Fluktuationen mag es ein nicht uninteressantes Unterfangen sein, die Entwicklung dieser Dinge in einem Gesamtüberblick wobei selbstredend die Zugriffe des Fiskus, welche ja entscheidend an der Gestaltung des Bildes beteiligt sind, die ihnen gebührende Beleuchtung erfahren müssen. Die nachstehende Tabelle stellt deshalb einen Versuch dar, anhand eines «inhaltsschweren» und höchst aufschlussreichen Zahlenmaterials den Komplex der Benzinpreispolitik in das Scheinwerferlicht kritisch vergleichender Betrachtungen zu rücken. Eine Handvoll kurzer Erläuterungen ist vielleicht dazu angetan, die Sprache der Ziffern noch zu verdeutlichen. In der offiziellen Einfuhrstatistik (Kol. II) marschieren nur die Gesamtbezüge auf, was nichts anderes heisst, als dass sie auch jene Treibstoffe in sich schliessen, die, im Jargon von M. Lebureau ausgedrückt, «zu nichtmotorischen Zwecken» Verwendung fanden und für welche der Ansatz auf 1 Fr. per Bruttozentner fixiert ist. Daneben erfreut sich auch der Brennstoff, womit die Postverwaltung, vom Bund konzessionierte private Transportunternehmer und die SBB ihre Motoren futtern, eines Vorzugszolls von 10 Fr., ebenso wie das Benzin für den Betrieb gewisser Motoren in der Landwirtschaft Womit, seitdem der Bund auch den ausländischen Automobilisten ein Zückerchen in Gestalt der Abgabe verbilligten Benzins darreicht, als Hauptleidtragende, die man mit den Maximalansätzen bedenkt, der private Motorverkehr und die Zivilluftfahrt verbleiben. Bei der Ermittlung des Konsums zu motorischen Zwecken, dessen Mengen in der letzten Rubrik figurieren, hat auch das aus dem Dieselöl stammende Betreffnis der Kantone Berücksichtigung gefunden. Und dabei offenbart es sich, dass der Verbrauchsrückgang von 1934 auf 1937 mit ca. 14 % grössere Ausmasse angenommen hat als die Importziffern verraten. Für die Umrechnung der handelsstatistischen Gewichtspreise in Literpreise wurde nach dem Rezept vorgegangen, das der Bundesrat selbst in seiner Botschaft über die Zollerhöhung auf Betriebsstoffen für Motoren befolgt hat. 100 kg netto entsprechen danach 138 Liter. Einen kleinen historischen F-kurs können wir uns zur Kolonne « Zollansätze » nicht verkneifen, denn hier geht es um Dinge von grundsätzlicher, fundamentaler Tragweite : es geht um die Frage der Verfassungsmässigkeit des Benzinzolls. Wir alle wissen es : man nimmt zuständigenorts diese Seite der Angelegenheit ä la legere. Um so eher ist eine Gedächtnisauffrischung am Platz, denn nicht genug können wir den Köpfen die Tatsache einhämmern, da die ergiebigste und wichtigste Einnahmequelle des Bundes, der Benzinzoll, aus dem Boden ausserordentlicher und befristeter Vollmachten fliesst Wie spielte sich doch damals deren Erschliessung ab ? Am 18. Februar 1921 stimmte die Bundesversammlung, nicht ohne Widerstand und Zögern, einem der seither zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten dringlichen Bundesbeschlüsse zu, der wörtlich lautete ?• «Der Bundesrat ist ermächtigt, die Alisatze des Zolltarifes unter Beachtung der Bestimmungen von Art. 29, B. V., Ziff. I, a—e im Sinne einer vorübergehenden Massnahme der wirtschaftlichen Lage anzupassen und die neuen Ansätze in dem ihm geeigneten Zeitpunkt in Kraft zu setzen». Unter Berufung auf diese Vollmacht setzte sich der Bundesrat ans Werk. Am 8. Juni 1921 bescherte er uns den ersten- Benzinzoll. Und weil der Appetit mit dem Essen kommt, zusammenzufassen, dekretierte er am 17. Dezember 1923' den ersten Zuschlag. Die « zugehörige » Botschaft freilich erblickte — bezeichnend genug — erst 10 Tage nach, dem Beschluss das Licht der Oeffentliohkeit. Klar und unumwunden gab die Exekutive darin zu, da fiskalische Gründe die treibende Kraft der Zollerhöhung gewesen sein. Allein das hinderte den damaligen Finanzminister Musy nicht im geringsten, am 20. März 1925 bei der Eröffnung des Genfer Salons den Satz zu prägen : « Die Erhebung des Benzinzolls war nicht, wie man behauptet hat, eine egoistische Massnahme des Bundesfiskus». Das war Wasser in den Wein. Aber was es mit der angeblichen fiskalischen Selbstlosigkeit des Bundes gegenüber dem Automobil auf sich hatte, davon lieferte die virtuose Handhabung der Zollschraube in den folgenden Jahren einen schlagenden Beweis. Am 25. Juni 1935 griff der Bundesrat abermals zu : mit einem einzigen Ruck schnellte der Grundzoll von 10 auf 18 Fr. empor, wobei vom Zuschlag selbstredend nicht ein Jota preisgegeben wurde. Die Dringlichkeitsdiktatur kennzeichnet alle drei Etappen der bis zur Absurdität und zum wirtschaftlichen nonsens gesteigerten Benzinzollkurve, der ganze Berg unerträglicher Belastung türmt sioh auf der höchst anfechtbaren Basis verfassungswidriger Parlaments- und Regierungsherrschaft, die nicht selten den Eindruck erweckte, als ob das Mitspracherecht des Souveräns ausgeschaltet werden sollte. Jahr 1913 1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1938* Einfuhr q netto q netto Fr. TT III 166 882 ca. 60.— 350 000 93.— 240 137 74.— 390 958 60.— 447 679 50.67 467 583 42.96 697 934 40,65 761 980 36.40 951 409 26.20 1 183 145 24.93 1 400 205 27.27 1 588 878 25.14 1 818 941 14.80 2 042 551 13.74 1 954 268 12.19 2 185 471 10.59 2 066 924 9.48 1 938 132 10.4 1 942 459 342 229 *) I. Quartal 1938 Handelsstatistischer Mittelwert franko Grenze unverzollt 15.20 15.02 Fortsetzung Seite 2. Liter Rp. IV 43,0 67,0 53,0 43,0 36,7 31,0 29,5 26,4 19,0 18,0 20,0 18,1 10,8 10,0 9.48 7,6 7,3 7,6 11,0 10,9 Der Polizeikommissär Genfs, M. Nerbollier, führt gegenwärtig einen Verkehrserziehungskurs für die Schüler der oberen Klassen durch, die mit heller Be geisterung dabei sind. Unser Bild zeigt Herrn Jferbollier (rechts), wie er einer jugendlichen Schar das gruppenweise Ueberschreiten der Fussgängeretreifen beibringt. Die Vollziehungsverordnung zum Eidg. Motorfahrzeuggesetz bestimmt in Art. 47: «Vor dem Abbiegen rfach links ist einem gleichzeitig entgegenkommenden Fahrzeug der Vortritt zu lassen.» Diese Vorschrift hat in einem Entscheid der I. zivilrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes vom 31. Mai soeben ihre nähere Auslegung erhalten, und es ist im Interesse der Verkehrssicherheit zu wünschen, dass sich alle Fahrzeuglenker die im Urteil niedergelegte Anschauung möglichst bald zu eigen machen. Der Kläger fuhr von Martinsbruck her mit dem Motorrad gegen Schuls, als der Beklagte, aus der entgegengesetzten Richtung kommend, mit dem Auto vor dem Hotel Belvedere angelangt war und nach links in den zur Hotelgarage führenden Seitenweg abschwenken wollte. Beim Einstellen des Richtungszeigers gewahrte der Autofahrer in 35—40 m Entfernung das entgegenkommende Motorrad, führte aber trotzdem die Linksschwenkung quer über die Fahrbahn aus; sein Wagen konnte noch mit der vorderen Hälfte in den Seitenweg gelangen, doch fuhr der Motorradfahrer in den hintern Teil des Wagens, wobei er am Kopfe Zollansätze (Benzin für motorische Zwecke) 1906 b. 8. Juni 1921:30 Rp. p. Bruttozentner 9. Juni 1921 bis 7. Dezember 1923: Fr. 10.— Grundzoll + 20% Tara = Fr. 12.— per Nettozentner. 18. Dezember 1923 bis 25. Juni 1935: Fr. 10.— Grundzoll + Fr. 10.— Zuschlag + 15% Tara = Fr. 23.— per 100 kg netto 26. Juni 1935 bis 30. Nov. 1936: Fr. 18.- Grundzoll + Fr. 10.- Zuschlag + 15% Tara = Fr. 32.20 per Nettozentner Ab 1. Dez. 1936: Fr. 16.50 Grundzoll + Fr. 10.- Zuschlag + 15% Tara Fr. 30.50 per Nettozentner Bessere Beachtung des Vortrittsrechtes Zollbelastung wert- absolut Zollertrag massig pro Fr. in Liter Vo Rp. tT VI VII 57 475 0,5 — 117 554 0,32 — 819 448 0,32 -r 4 631 467 21,0 8,7 5 502 628 25,0 8,7 10 629 064 53,6 16,7 15 621 123 56,0 16,7 16 677 929 66,2 16,7 20 762 004 87,6 16,7 26 017 061 92,0 16,7 30 709 605 84,0 16,7 34 987 233 91,8 16,7 39 933 781 155,0 16,7 44 820 864 160,0 16,7 42 685 210 190,0 16,7 47 923 530 217,0 16,7 55 354 357 57 431 000 52 536 000 ca. 9.7 Mas dem Bundesgericht.) Benzineinfuhr — Zollbelastung — Detailpreis — Verbrauch 320,0 290,0 200,0 202,0 23,4 23,4 schwer verletzt und sein Rad beschädigt wurde. Der Motorradfahrer erlitt nicht nur entstellende Verletzungen im Gesicht, sondern er verlor auch gänzlich die Sehkraft des rech- In dieser Nummer: Ergebnisse der Berliner Tagung der A. I. T. Die Grundsteinlegung des deutschen Volkswagenwerkes, 500 Meilen von Indianapolis in neuer Rekordzeit. Kreuzgelenke. Mit Auto und Pickel. Beilage: Saulenpreis Rp. IX 120 110 Benzinverbrauch zu motorischen Zwecken q netto 74 — 62 — 62 677 070 46—50 je nach Zone 725 130 — 902 700 48—55 je nach Zone 1 130 900 48—55 je nach Zone 1 335 000 40—47 je nach Zone 1 588 878 35—43 je nach Zone 1 736 300 35—43 je nach Zone 1 950 000 35—43 je nach Zone 1 856 000 Ab 4. August 1934 bis 30. Januar 1935: Einheitspreis 35 Rp. 2 083 000 1. Febr. bis 25. Juni 1935: 36 Rp. 1 960 000 26. Juni 1935 bis 27. Juli 1937: 43 Rp. 1 840 000 22,0 28. Juli 1937 bis 5. April 1938: 45 Rp. 1800 000 22,0 6.-29. April 1938: 44 Rp. ca. 320 000 ab 30. Aprü 1938: 43 Rp.