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E_1938_Zeitung_Nr.050

E_1938_Zeitung_Nr.050

BERN, Diensfag, 21. Juni 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrsrang — No 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , jahrlieh Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlieh Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin"; Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle ZOrlcht Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratensebluss 4 Tage vor Erscheinen der Nmnmn Mehr Klarheit in der Strassensignalisierung Die Wirksamkeit der Strassensignale ist vornehmlich von der Klarheit ihrer Sprache abhängig, wie auch von deren rechtzeitiger und zuverlässiger Wahrnehmung. Mit Recht verlangt die bundesrätliche Verordnung über die Strassensignalisation vom 17. Oktober 1932 in Art. 3/1: «Die Signale müssen so aufgestellt werden, dass sie vom Führer leicht erkannt werden können». Die Praxis der Verkehrssignalisation zeigt jedoch, dass diese Forderung schon aus im Wesen des Strassenverkehrs liegenden Gründen vielfach nur mangelhaft erfüllt ist; sehr oft wird aber auch das Mögliche nicht getan. In beiden Fällen ergeben sich für die Verkehrsabwicklung erhebliche Unzuträglichkeiten. Ein Verkehrsteilnehmer, der ein Verkehrszeichen übersieht, d. h. der dadurch bekanntgegebenen behördlichen Anordnung zuwiderhandelt oder der Gefahr nicht achtet, vor der es warnt, stört die übrigen Strassenbenützer; er setzt sich aber auch selber Unfallgefahren aus oder riskiert eine Busse wegen Uebertretung polizeilicher Vorschriften. Dabei fehlt ihm sehr oft jegliche Möglichkeit eines rechtlich genügenden Beweises dafür, dass er das Zeichen gar nicht sah, ja vielleicht nicht einmal sehen konnte. Die Folge ist für den Betreffenden eine subjektiv, sehr oft aber eine auch objektiv nicht gerechtfertigte Brandmarkung als Verkehrssünder. Anderseits aber zeigt sich, dass die unzulängliche polizeiliche und richterliche Abklärung von Uebertretungen von Signalbefehlen zu einer unbegründeten schlechten Meinung von der Disziplin der Verkehrsteilnehmer und damit in ewigem Circulus viciosus zu immer schwereren Massregelungen führt; überdies aber veranlassen selbst am laufenden Band sich wiederholende Missachtungen eines und desselben Verkehrszeichens die Behörden erfahrungsgemäss vielleicht lange Zeit hindurch nicht zur Ueberprüfung der objektiven Ursachen dieses Zustandes, so dass die in der an sich schlechten Wahrnehmbarkeit oder Verständlichkeit eines solchen Signals liegende Verkehrsgefährdung unter Umständen jahrelang weiterbesteht. Die experimentelle Psychologie der Aufmerksamkeit, die physiologische und die psychologische Optik wären in der Lage, auch für die Ausgestaltung und Aufstellung der Verkehrszeichen wertvolle Grundlagen zu liefern, wenn man sich ihre Ergebnisse nur zunutze machen wollte. Bereits die unvoreingenommene Beobachtung der Verkehrspraxis führt zu wertvollen Erkenntnissen über die Bedingungen der Wahrnehmbarkeit der ver-1 schiedenen Signale, deren ernsthafte Verwertung zu einer veränderten Aufstellung zahlreicher Verkehrszeichen Anlass gäbe. Die fundamentale Grundlage der richtigen Verkehrssignalisierung müsste die Erkenntnis sein, dass die rein optische Sichtbarkeit eines Strassensignals bei weitem nicht genügt, um seine praktische Wahmehimbarkdt durch die Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Der dem ein solches Zeichen übertretenden Autofahrer etwa immer wieder entgegengehaltene Einwurf: « Man sieht es doch » geht über alle Ursachen hinweg, die dazu führen, dass der Strassenbenützer schon infolge der verschiedensten Eigenschaften seiner Sinneswenkzeuge und seines Wahrnehmungsapparates, dann Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement veröffentlicht folgendes Cotnmunique: Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement teilt mit: Auf Grund der Entwicklung der Weltmarktpreise wird gemiss Antrag der Schweiz. Benzinunion der Benzinipreis ab Säule vorzeitig ab Samstag, 18. Juni, von 43 auf 42 Rappen per Liter gesenkt. Die Preise für die übrigen Verkaufskategorien werden ebenfalls entsprechend reduziert Damit wird zum erstenmal der Benzinpreis der Vorabwertungsperiode unterschritten, wobei nicht ausser acht zu lassen ist, dass das heute durchschnittlich in den Verkauf gebrachte Benzin qualitativ, d. h. in bezug auf Octanziffern und damit Klopf- aber vor allem infolge der vielseitigen Inanspruchnahme durch die Verkehrsvorgänge selbst, auch die unmittelbar in seiner Fahrrichtung vor ihm liegende Scheibe eben doch nicht zu « sehen » vermochte. Wohl ist der rein optische Gesichtskreis des menschlichen Auges sehr gross, der Bereich bewussten Erkennens von Gegenständen jedoch auf einen sehr engen Sehwinkel begrenzt. Diese Grundtatsachen unserer Wahrnehmungstätigkeit spielen im Strassenverkehr eine ausschlaggebende Rolle. Sie sind die Abb. 2. wichtigste Ursache dafür, dass so manches an sich « sichtbare » Signal immer wieder übersehen wird. Fussgänger, Fuhrma«nn, Radfahrer und gar Motörfahrzeugführer sind in dem brandenden Verkehrsgetriebe derart durch die Beachtung der unmittelbar ablaufenden Vorgänge in Anspruch, genommen, dass die Aufmerksamkeit nur in geringem Masse weiter entfernten Gegenständen zugewendet wer- Benzinpreis seit Samstag 42 Rp. Vorzeitige Senkung unter Mitbeanspruchung des Kompensationsfonds. festigkeit, bedeutend besser Ist als das der früheren Jahre. Gleichzeitig findet eine Reduktion der Superbrennstoffpreise von 49 auf 47 Rappen per Liter statt, was für die Besitzer hochkomprimierter Wagen von grosser Wichtigkeit sein dürfte und die Erfüllung eines alten Postulates der Touristikverbände darstellt Senkung bei weltern flüssigen Brennstoffen. Auf Montag, 20. Juni, werden die Gas- und Heizölpreise jeder Sorte und Kategorie um 80 Rp. per 100 kg gesenkt. Auch die Petroleumpreise erfahren eine weitere Anpassung. Damit nähern wir uns ebenfalls immer mehr der Vorabwertungsbasis. (Lesen Sie dazu den Artikel auf Seite 2.) den kann. In sekundenschneller Anpassung an die sich unaufhörlich verändernde Verkehrslage windet sich der Automobilist durch das Gewimmel anderer Fahrzeuge, unvorsichtig auf die Fahrbahn tretender Fussgänger, ihrem Ball nacheilender Kinder. All dies lässt sich nirgends besser beobachten als an städtischen Strassenkreuzungen. Für diese ohnehin schon an sich « schwierigen» Verkehrspunkte lässt sich geradezu der Grundsatz aufstellen, dass ein jenseits der Kreuzungsfläche angebrachtes Verkehrszeichen für den dafür bestimmten Verkehrsteilnehmer praktisch « unsichtbar » ist. Dies betrifft namentlich Sperrtafeln für die verbotene Einfahrt in eine Einbahnstrasse oder für das blauweisse Pfeilzeichen der vorgeschriebenen Fahrrichtung bei der Einmündung einer N'ebenstrasse. Wo die Kreuzungsfläehe von einigermassen erheblicher Ausdehnung und der zu kreuzende Querverkehr dicht ist oder andere Umstände die Aufmerksamkeit des Fahrzeugführers stark beanspruchen, ist es ihm fast unmöglich, das viel weiter vorn befindliche Signal rechtzeitig gewahr zu werden. An derartigen Punkten lässt sich immer wieder beobachten, dass Badfahrer oder Automobilisten das Signal überhaupt gänzlich übersehen und ahnungslos die verbotene Fahrrichtung einschlagen oder dass sie es erst im letzten Augenblick erblicken und dann durch eine brüske Reaktion sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährden. (Fortsetzung Seite 2.) Warum keine internationalen Benzinbons ? Es ist sonderbar, dass anscheinend immer erhebliche Trägheitsmomente überwunden werden müssen, bis neue, wichtige Vorschläge für die Erleichterung des automobilistischen Reiseverkehrs in das Stadium der Verwirklichung treten. Jahre braucht es, bis man end- Abb. 3 zum Artikel «Strassensignalisierung>. F E U I L L E T O N Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 45. Fortsetzung. « Er hat keine Waffe gehabt», sagte Cary heftig. « Yü hat niemanden ermordet.» Der Sergeant durchsuchte Huberts Kleiderschrank. Er suchte in Carys Zimmer, in allen Laden des Kirschholzsekretärs. « Sie haben Geduld !» sagte Cary. « Ja, Madame», sagte de Sergeant. Der Revolver, noch geschwärzt vom Schuss, aus bläulichem, schweren Metall, drei Kugeln im Lauf, lag unter der Matratze von Carys Bett. Yü kam nicht zurück. Während Cary mit Hubert telephonierte, brachte Cheng das Telegramm. « Er wird sich irgendwo in der Chinesenstadt verkrochen haben», sagte Hubert. « Ein Wunder nur, dass er nicht uns umgebracht hat. Bist du sehr erschrocken ? > Stille. c Cary ? * Es war still, aber Hubert hörte deutlich ein Knistern wie von Papier. « Cary ? > fragte er. « Bist du noch da ? » « Theres ist tot», sagte Cary. « Sie hat einen Schlaganfall gehabt. > Hubert Hess seine ganze Arbeit auf dem Schreibtisch liegen und fuhr heim. Als er in die Halle trat, brannten die Lampen. Cary sass noch immer in dem chinesischen Sessel neben dem Telephon. Sie hatte die Shippings-Post vor sich liegen. Hubert begriff zuerst kein Wort von allem, was sie sagte. Sie wollte fort. Sie wollte nach Europa. « Wenn ich acht Tage in Wien bin, das ist genug. In einer Woche kann ich alles erledigt haben. > Sie wollte nach Europa fahren, um die Hinterlassenschaft zu ordnen, dieses Erbe, das aus verblassten Bildern, vergoldeten Barockputten und zwei Kristallustern bestand. « Ausgeschlossen ! » sagte Hubert. Er verstand überhaupt nicht, dass ein Mensch im Ernst auf den Gedanken kam, ein paar hundert Pfund auszugeben, um sich Teppiche und alte Sessel nach Shanghai zu holen. Am Nachmittag kam ihm die Idee nicht mehr so irrsinnig vor. Der Plan, dass sie nach Japan und sich in den Bergen erholen sollte, den hatte sie abgelehnt. Warum nicht statt dessen nach Europa ? Sie würde zwei Monate lang auf dem Meer sein. Die salzige, kühle, frische Luft auf dem Meer. Und vor der grossen Hitze wieder zurückreisen, wenn möglich noch im März. Aber dann müsste sie jetzt fahren, bald und... Die grüne Schiffszeitung lag noch immer in der Halle. Er sah sie durch, in zwei Tagen war der ,Conte Rosso' fällig, der nur dreiundzwanzig Tage bis Europa brauchte. Hubert rief in der Agentur an, er hoffte, dass der Dampfer besetzt sei, aber es gab noch freie Kabinen. Cary sass im Salon. « In zwei Tagen geht der .Conte Rosso'», sagte Hubert. « Wenn...» Sie blickte auf. Es war still im Zimmer. Sie schwiegen beide. Cary hatte den Kopf wieder abgewandt und sah ins Kaminfeuer. Er dacht© jetzt weder wieviel Geld die Reise kostete, noch dass es gut war für Cary, wenn sie sich erholte. Es gab gar keine Gründe mehr und keine Gegengründe. Er hatte nichts als den vergeblichen wilden Wunsch, sie glücklich zu wissen. Er liebte sie. Anders als vor einem halben Jahr und besser. Mit seinem ganzen Herzen und mit Langmut und einer grenzenlosen Zärtlichkeit. « Es wäre am besten », sagte er, « wenn du den Conte-Dampfer nimmst. Dann kannst du alles in Ruhe erledigen und noch vor der Hitze und dem Monsun wieder zurücksein.» < Dann soll ich also in zwei Tagen fahren ? » « Ja », sagte er unsicher. Er lächelte ihr zu. Die Liebe suchet nicht das Ihre. In dieser Nummer s 24-Stunden-Rennen von Le Maus. Die AIACR tagt in Stockholm. Ein gepflegtes Wagenpolster hält länger. Automobil-Aussenhandel im L Quartal 1938.