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E_1938_Zeitung_Nr.051

E_1938_Zeitung_Nr.051

BERN, Freitag, 24. Juni 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 51 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, JlhrUeh Ft. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Bella» „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gwchiftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp> Grossere Inserate nach SpezialtarU Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmer Mehr Klarheit in der Strassensignalisierung II. Rein grundsätzlich ist also zu fordern, dass ein Verkehrszeichen derart angebracht wird, dass es vom Faihrzeugführer auf alle Fälle früh genug wahrgenommen werden kann. Vor allem ist Vorsorge zu treffen, dass das Signal nicht durch andere Fahrzeuge der Sicht entzogen wird. Diese Forderung ist besonders dann erfüllt, wenn das in der Fahrrichtung stehende Signal vor der Kreuzung aufgestellt ist. Nicht selten ist es möglich, die Signalwirkung durch andere Massmahmen erheblich zu unterstützen, ja mit Vorteil zu ersetzen, so beispielsweise durch Erstellung kleiner Inseln, die als Verkehrsteiler die Fahrzeuge von der untersagten Fahrrichtung abdrängen und in die gewünschte Fahrbahn leiten. Auch hiefür ist Abb. 2 als tyipisches Beispiel zu erwähnen; denn die häufigen Uebertretungen jenes Einfoahnsignals haben seit Aufstellung der Wegweiser so gut wie völlig aufgehört. Die Wahrnehmbarkeit von Verkehrszeichen ist auch dort beeinträchtigt, wo sich eine und dieselbe Signaltafel an aus verschiedenen Richtungen- herankommende Verkehrsteilnehmer wendet. Auch in dieser Hinsicht sind die Sperrtafeln von Einbahnstrassen unvorteilhaft bekannt; weil quer zur verbotenen Fahrrichtung angebracht, bieten sie dem von der Seite einbiegenden Fahrzeugführer oft nur die schmale Kante dar; sind also praktisch unsichtbar. Ist nun der Automobilist nahe genug herangekommen, so entziehen sie sich seinem Frontblick wegen ihrer zu hohen Lage, weshalb sie vom Wagendach verdeckt werden. Wie vorsorgliche Polizeibehörden diese Sichtverhältnisse dennoch verbessern können, illustrieren Abb. 4 und 5. An der Mündung einer Einbahnstrasse in Lausanne sind zwei Sperrtafeln zu jeder Seite so angebracht, dass sie von den aus beiden Richtungen der Hauptstrasse sich nähernden Fahrzeugführern nicht übersehen werden können. Das andere Bild zeigt die Montage der rot-weissen Scheibe an ein und demselben Träger in zweifacher Auflage, so dass sich das Signalbild den Benutzern aller in Frage kommenden Strassen aufs beste darbietet (Standort: Basel). Ein viel diskutiertes Problem der Verkehrstechnik ist die Höhe, in der ein Verkehrszeichen über der Fahrbahn anzubringen ist. Grundsätzlich wird die möglichst tiefe Lage des Signalbildes befürwortet, da es sich nur so mit einigermassen sicherer Wirkung in das bewusste Gesichtsfeld der Verkehrsteilnehmer drängt. Einer solchen Anordnung widerstrebt aber wieder die Anbringung jenseits einer Kreuzung; überhaupt die weite Zurückverlegung von der Stelle, an der die Signalweisung den Strassenbenützer mit Sicherheit erreichen sollte. Nur ein Verkehrszeichen, das möglichst weit dem zu erfassenden Verkehr entgegengestellt ist, kann tief genug gelegt werden, um auch z. B. bei Dunkelheit mit abgeblendeten Lichtern zuverlässig wahrgenommen zu werden. (Schluss)* Dieses Moment spielt zwar bei selbstleuchtenden Verkehrszeichen eine minder wichtige Rolle, da sich diese ohnehin mit genügender Aufdringlichkeit der Wahrnehmung einprägen. Dennoch ist die Anordnung der Richtungspfeile auf dem Bieler Zentralplatz (Abb. 6) in dieser Hinsicht der Hochlegung vorzuziehen, wie sie die überdies unbeleucheten Zeichen auf dem Zürcher Bullingerplatz und anderen dortigen Plätzen (Abb. 7) aufweisen. Ebenso zweokmässig sind die beleuchteten Signalbilder für Kreisverkehr auf niedrigem Sockel, wie wir sie etwa auf der Basler Heuwaage (Abb. 8), aber auch in Zürich und anderswo antreffen. Grund- sätzlich macht sich bei uns als gewaltiger Nachteil geltend, dass die Träger der eigentlichen Signalbilder nicht zur Unterstützung der Abb. 4. malen lässt, wie es auch andere Kantone da und dort schon pflegen. Im nämlichen Sinne gedenkt auch der Kanton Bern vorzugehen. Eine Verstärkung der Sichtwirkung des Trägers eines Verkehrszeichens tritt naturgemäss dort ein, wo er selbst schon als Pfosten von erheblichem Umfang ausgebildet und überdies etwa in auffälliger schwarz-weisser Streifung gestrichen ist. Beispiele für eine derartige Ausgestaltung finden wir in zahlreichen Ortschaften; sie ist besonders dort unerlässlich, wo ein Signal mitten im Verkehrsraum aufgestellt werden muss und eine blosse dünne und dunkelgestrichene Stange * Siehe «A.-R.» Nr. 50. Abb. 6. Signalwirkung herangezogen werden. Die meisten unserer Scheiben, Tafeln und dergl. sind auf dunkel neutralgrauen und dazu überdies sehr schlanken Stangen angebracht. Wo sich beispielsweise die blaue Tafel mit dem weissen Richtungspfeil nachts im Schlagschatten von Alleebäumen verbirgt, ist die Sichtbarkeit eines solchen bedeutsamen Zeichens praktisch gleich null; ebenso verhält es sich mit manchem Stationierungsverbot und andern verbindlichen Signalen, die denn auch am laufenden Band nichtsahnenden gutgläubigen Automobilisten zur Falle werden. Im Interesse vermehrter Verkehrssicherheit müssen daher auch die Signalständer selbst möglichst auffällig gestrichen werden, um den Blick auch bei schlechten Sichtverhältnissen auf das eigentliche Signal zu lenken. Jüngst vernahm man, dass die Basler Verkehrspolizei diesen wichtigen Schritt getan hat und die Signalständer schwarz-weiss bezur unmittelbaren Verkehrsgefährdung würde. Anderseits sei auch auf die Gefahr hingewiesen, dass die Verkehrsteilnehmer, an einzelne solcher auffallender Signalkörper gewöhnt, die Ständer der bisher üblichen Ausführungsart erst recht übersehen. Die Praxis lehrt immer wieder, dass der Verkehr viel weniger nach signalmässigen Weisungen fliesst als nach Gewohnheit und ähnlichen Faktoren innerer Beeinflussung der Verkehrsteilnehmer. Wo eine verbotene Strasse die sonst naturgemässe Fortsetzung eines bestimmten Verkehrszuges darstellt, sind ständige Uebertretungen selbst der markantesten Sperrtafeln beinahe an der Tagesordnung; auch hiefür ist die in Abb. 1 und 2 geschilderte Stelle ein ausgezeichnetes Beispiel, da die dort gesperrte Strasse sich als geeignetste Fortsetzung derjenigen Strasse darstellt, aus der die meisten Fahrzeuge kommen, und die unmittelbar vorangehende Fahrbahnstrecke mit eigentlichem Nachdruck auf die verbotene Gasse hinführt. Umgekehrt bedarf die nach dem Einbahnsystem angeordnete Verkehrsführung auf einem Platze, die sich in dessen Raumform verständlich eingliedert, kaum einer Signalisierung der erlaubten und verbotenen Fahrrichtungen. Der Verkehr lässt sich nur schwer aus einer mm Abb. 5. « eingefahrenen » Richtung abdrängen, und selbst dem aufmerksamen Automobilisten kann es vorkommen, dass er ahnungslos an dem entsprechenden Zeichen vorüberfährt, weil er darauf gar nicht gefasst ist. Dies lässt sich nirgends besser beobachten als bei gelegentlichen Sperrungen einer sonst offenen Strasse. Hier scheint eine voll wirksame, « hundertprozentige » Verkehrsablenkung fast ausgeschlossen, und selbst wahre Häufungen von Sperrscheiben und anderen Signalen vermögen es nicht zu hindern, dass immer wieder Fahrzeuge den verbotenen Weg einschlagen. Abb. 7. Abb. 8. Aus den zahlreichen Problemen der Verkehrssignalisierung stellen obige Beobachtungen nur einen kleinen Ausschnitt dar. Er aber zeigt mit aller Deutlichkeit, welche grossen Aufgaben einem zweckmässigen Ausbau dieses wichtigen Zweiges der Verkehrstechnik noch gestellt sind, und zwar im Interesse der Verkehrsdisziplin und der Sicherheit aller Strassenbenützer. H. W. Th. Schweizerische Rundschau Bedenkliche Kontroll-Praktiken Nach 24 Tagen kommt « schon » der Bussenzettel — was soll man da noch beweisen können ? Man schreibt uns aus Genf: Anfang Mai wurde ich auf völlig menschenleerer Strasse zwischen Oberbipp und Solothurn von einem jungen Polizisten angehalten. Nach einer Prüfung der Ausweise Hess er mich während einer Viertelstunde manöverieren, um mir sodann kurz und bündig zu eröffnen, die Bremsen meines Wagens funktionierten schlecht. Ohne ein Wort von meiner Seite, ohne eine Erklärung oder eine Höflichkeit aus dem Munde des Polizisten ging die Kontrolle zu Ende. 4 Tage später flatterte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen ein Bussenzettel von Wangen a. A. ins Haus. 40 Fr. (jawohl, vierzig Franken) Busse und 5 Fr. Kosten. Wegen «ungenügend wirksamer Bremsen» Hätte ich gewusst, welche Folgen diese Kontrolle nach sich ziehen würde, dann wäre ich unterwegs bei einem Mechaniker vorgefahren, In dieser Nummer s Bundesrat Minger beantwortet das Postulat Käser. Bergprüfungsfahrt Rheineck- Walzenhausen-Lachen. Feuilleton «Blatt im Wind»: Seite 2. Differentialgetriebe und Hinterachsantrieb. Beilage: