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E_1938_Zeitung_Nr.057

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BERN, Freitag, 15. Juli 1938 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 57 eine Kunst? Sie lächeln? Oh doch! Passen Sie aufs Sie kennen doch jene «Photographien», die man etwa einmal in Illustrierten zu sehen bekommt und auf denen verschiedene Bilder ineinander hineinkopiert worden sind? Ich will versuchen, Ihnen heute die Geschichte eines memorablen Picknicks zu erzählen und da' bei werde ich vielleicht da und dort etwas weitherzig mit der Wahrheit umgehen. Das fehlerfreie und katastrophenlose Picknick existiert nicht. Jahrelang habe ich zu meinem Vergnügen solch kleine und grosse Katastrophen gesammelt und schöpfe nun in meiner Sammlung, um das zu schildernde Picknick recht unterhaltsam zu gestalten — für meine Leser. Die meisten werden an irgendeiner Stelle mit weisem Kopfnicken vor sich hinmurmeln: «Kennen wir!» Ich halte diese Art der Volksaufklärung für viel erträglicher, als einen «Leitfaden», abgesehen davon, dass solche Handbücher meist in jenem verruchten Taschenformat herauskommen, das in keine Tasche der Welt passt und das artgemäss wimmelt von jenen entzückenden Wendungen: «Es empfiehlt sich», «es ist anzuraten^ «vorerst wird> usw. Balduin Bund war zu Geld gekommen und besass nun ein nigelnagelneues Kabriolett. Als guter Beobachter und, wie jeder Neuling, als Leser von Fachzeitschriften, hatte er bald entdeckt, was sich mit einem solchen Möbel alles anstellen lasse — ausser ins Kino zu fahren. Das schöne, heisse Sommerwetter reizte zu einer Picknickfahrt, wie eine Notbremse zum Ziehen. Er konnte nicht widerstehen (wo käme sonst unsere Geschichte hin?) und begab sich in die Stadt, wo er mit Staunen feststellte, wieviel Geist und Erfinderfleiss Industrie und Handwerk im Hinblick auf den Picknick-Komplex der Menschheit aufgewendet hatten. Er Hess sich beraten, überzeugen, bereden, hinreissen und kaufte mit Hingebung und Ausdauer. Da waren ein Reisegrammophon, zwei geräumige Picknickkoffer, ein Kocher, eine Batterie von Thermosflaschen, Zelt, Medizinball, wollene Decken. Kissen, Hängematte, Luftmatratzen, Trockeneiskühler und eine ganze Küchenausrüstung von Aluminium- und Kunstharzgeschirr nebst Besteck und Trinkgefässen. Und der Clou: ein Tisch mit vier Stühlen, alles an einem Stück, zusammenklappbar, bitte, und in einem flachen «handlichen» Koffer untergebracht! Er war stolz, wie ein Spanier und sein Zimmer voll, wie ein Eil Das war am Donnerstag. Am Freitag lud er Julie, Peter und Louise auf den Sonntag ein. Zu einem kleinen Picknick. Man würde mit seinem Wagen «irgendwo ins Grüne» fahren. Er sorge für alles! (Was die drei Geladenen aber keineswegs hinderte. Decken, Bücher, Orangen, Schokolade und Zigaretten mitzubringen und was der sinnigen Zutaten mehr sind.) Dann setzte ßalduin sich hin, systematisch, wie er war, und machte sich einen Kommissionenzettel, dass es eine Art hatte. Vier Flaschen Mineralwasser, drei Flaschen Neuenburger, etwas Kognac, Eier für Stierenaugen ausersenen, Wurst, Schinken, Brot, Butter, Sardinen, Pain, Senf, Radieschen, Huhn, Gebäck, Aepfel, Orangen, Bananen und Schokolade. Seine Haushälterin musste eine gute Gerstensuppe, Kaffee und einen ausgiebige Gemüsesalat vorbereiten. Kurz, er besorgte die nötigen paar Kleinigkeiten, deren es seiner Meinung nach bedurfte, um sich und seine Gäste ein paar Stunden vor dem Hungertod zu bewahren. Er war mehr fürs Reichliche und kaufte, da er befürchtete, er habe vielleicht doch zu wenig, am Sonntagmorgen noch vier Schinkenbrote am Bahnhof. Morgens neun Uhr war man «besammelt» und begann alsogleich mit Einpacken, als der strahlende Sonntag endlich angebrochen war. Bald kriegte es der «geräumige» (siehe Prospektl) Autokoffer mit dem Ueberlaufen, und so wurden die beiden hinteren Insassen, Peter und Louise, langsam aber sicher lebend eingemauert. Nach der ersten Viertelstunde klagte Louise über einen Krampf in der linken Wade, und Peter hatte es längst aufgegeben, sich eine Zigarette anzuzünden: Unmöglich an seine Taschen auch nur heranzukommen! Dafür sickerte ihm mit satanischer Langsamkeit Gerstensuppe in die linke Rocktasche, was die Thermosflasche nicht hinderte, sich ihres Patentverschlusses auch weiterhin zu rühmen. Louise musste hilflos zusehen, wie sich der eine ihrer neuen Trotteurschuhe mit Mayonnaise bedeckte. Sie schwieg heldenhaft, denn Aussteigen hätte ja nun auch nichts mehr genützt. Von Fridolin Am Berg begann, der Wagen zu kochen. Er war eben noch neu, und in der Ebene passt sich sowas nicht. Wie sich das gehört, war weit und breit kein Brunnen zu finden. Also alles aussteigen! Hastiges Suchen und Wühlen; gefunden! Drei Flaschen Mineralwasser verschwanden in dem durstigen Kühler, aber man konnte wenigstens wieder weiterfahren. Der Zwischenfall war in der Rekordzeit von vierzig Minuten erledigt, und nur ein paar rötliche Flecken auf Balduins weissem Hemd legten noch Zeugnis davon ab, was so ein kochender Kühlermuna für eine feuchte Aussprache an sich hat. Nichts bringt ein Automobil in immer entferntere Gegenden als vier Picknick-Teilnehmer, die sich nicht über den zu wählenden Platz einigen können. Punkt zwölf Uhr hatten sie noch mitleidig über ein paar Franzosen gelacht, die, wie das ja unfehlbar ist, einen Meter vom staubigen Sirassenrand entfernt, pünktlich nach der Uhr, lange Brote und Rotwein genehmigten. «Typisch!», und «Frässä» hatte man -gescherzt. Als dann endlich der stille, idyllische Ort gefunden war, konstatierte Peter gereizt: «Jetzt, um zehn Minuten vor zwei, bin ich sehr hungrig!», während er seine Rocktasche am Bach auswusch. Balduin stimmte ihm bei und legte die Neuenburgerflaschen in denselben kühlen Bach. Für ihn kam jetzt die Stunde des Triumphes! Das Zelt brauchte man nicht. Decken wurden ausgebreitet, Kissen malerisch verstreut, und Julie bekam einen Hustenanfol! beim Aufblasen der Matratze, auf der sie zu liegen wünschte. Die eine Decke lag zwar direkt in der Hauptverkehrsoder eines Volkleins roter Ameisen. Aber solche Dinge pflegen sich erst später herauszustellen. Einstweilen suchte Louise überall Grammophonnadeln, aber die lagen zu Hause auf Balduins Schreibtisch. Er hatte keine Zeit, sich darüber zu ärgern, denn er keuchte verbissen an seinem Klapptisch mit Stühlen herum und klemmte sich furchtbar, weil er die Gebrauchsanweisung noch nicht gelesen hatte. Umsonst stöberte er in der Reiseapotheke herum. (Das einzige Requisit, das nicht neu warl) Das letzte Restcnen Wundtaffet war hart, trocken und runzelig, wie das Gesicht eines Greises. Die Schere ging nicht, war nie aufgegangen. Da trieb sich ein Ersatzzäpfchen für die leere Jodflasche neckisch herum. Hoffmannstropfen waren natürlich da und eine rätselhafte Sicherheitsnadel. Auch eine Mullbinde, reichlich genügend für den kleinen Finger eines Neugeborenen. Der Insektenstift war, wie immer, aufgebraucht. Also nichts! Peter sammelte knurrend Holz für ein Anti- Bremsenfeuer. Louise hatte bereits einen bösen Stich etwas über dem linken Knie. Man beriet, ob Aussaugen oder mit Zucker Bestreichen besser wäre. In Anbetracht der strategischen Lage des Stiches einigte man sich auf Zucker. Die Damen spielten nun mit dem Medizinball und mit leerem Magen, während Balduin Bund erschöpft, mit leicht angesengten Brauen, Brandbläschen am rechten Zeigefinger und einem Vermögen von $chw_ejssperlen auf der_Stirn, am Kocher herum: laborierte. Endlich bruzzelten die ersten Spiegeleier, programmgemäss, in der Pfanne, da knallte der Medizinball mitten in die Veranstaltung hinein. Es sah dann nachher aus, als wäre ein Tornado durch ein Städtchen im mittleren Westen Amerikas hindurchgebraust. (Siehe Wochenschau!) Nun hub eine wilde, ungezügelte Nahrungsmittelaufnahme an. Jeder kämpfte für sich selbst. Trocken wurde Brot, Schinken und Wurst und was einem gerade in die Hände fiel, ohne Mass und Regel hinuntergewürgt, dass es stob. Trocken, jawohl leider! Denn der Zapfenzieher fehlte, und die eine übriggebliebene Flasche Mineralwasser reichte nicht weit. Der Kaffee kam erst später, wegen der Ordnung. Plötzlich war der Punkt erreicht, wo niemand mehr konnte. Da lag nun, wie das eben so ist, traurig und verleidet die Schokolade zwischen den Orangen und Aepfeln herum und steigerte, allein schon durch ihr Vorhandensein, das Gefühl, man könne wirklich nicht mehr. Das sind Augenblicke im menschlichen Leben, Picknicken ist nicht so ganz einfach — Die Frage ist: Wer bedient? wo der Körper ausdrücklich nach Ruhe verlangt; ober da nahte ein Bauer und flötete listig, ob sie denn den Besitzer auch gefragt hätten, wie es mit dem Lagern auf dieser Wiese sei? Er sei der Besitzer, brüllte er dann und verlangte zwei Franken pro Kopf für Flurschaden. Anstatt zu ruhen, räumte man daraufhin fluchtartig das Feld. An einem anderen, idyllischen Plätzchen folgte schon gegen halb fünf der langersehnte, wohlverdiente Kaffee. Ein Picknick bei restlos schönem Wetter kommt hauptsächlich in Büchern vor, so dass es nicht zu verwundern ist, wenn ein mit sündhafter Plötzlichkeit losbrechendes Gewitter diese zweite Sammlung beim Kaffe roh unterbrach. Mit der in sol,- chen Fällen üblichen Hast wurde alles zusammengerafft und irgendwie in den Wagen getürmt, während Louise die Sitzpolster abzutrocknen versuchte und Balduin sich mit dem neuen, widerspenstigen Verdeck abmühte. Peter schüttete mit ernstem Eifer das Wasser aus dem Grammophon. Bilanz,- ein zerrissener Damenstrumpf. Ein zurückgelitzfer Fingernagel. Vier bis auf die Haut durchnässte, dampfende Menschenkinder. Was da nun in dumpfig-feuchter Enge beieinandersass, konnte nicht gerade ein glückliches, wohlig-zufriedenes Picknickerquartetf genannt werden. Es gehört zwar nun eigentlich nicht hierher, aber beim Durcheinander, der Aufregung und den Gerüchen, war es kein Wunder, dass es nun Julie auch noch schlecht wurde. Der Cognac war nirgends zu finden. Peter hatte einen-Bremsenstich im linken Augenlid, und nun schwoll das Auge bedächtig zu. Ein erschütterndes Naturschauspiel! Auch Louise klagte über Stiche, aber wesentlich weiter unten. Es war dann nur der Zapfenzieher, auf dem sie sass, und dieser Fund trug auch nicht mehr zur Stimmung bei. Endlich war man zu Hause und Balduins Hund eilte wedelnd zur Begrüssung herbei. Erschöpft und dankbar lehnte sich Balduin in seinen Sessel: Endlich allein. Dann schritt er resolut zu seinem Schreibtisch und setzte ein Inserat auf: «Komplette Picknick-Utensilien wegen Nichtgebrauch billigst abzugeben.» Die Hängematte fehlte zwar. Sie war zwischen zwei knorrigen Stämmen hängen geblieben, als das Gewitter den Festtag krönte. Photo Dr. Woia (Schostal)