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E_1938_Zeitung_Nr.055

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BERN, l&eitägr, 8. Jufi 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 55 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5—, Jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Unter dem Schütze der parlamentarischen Immunität Erbitterte Stimmen aus dem Leserkreise litten uns, noch einmal mit aller Nachdrücklichkeit ein© Sache ins rechte Licht- zu rücken: Herr Ständerat Käser, gleichzeitiger Präsident der Litra, hatte bekanntlich bei der Behandlung des Geschäftsberichtes des eidg, Militärdepartementes durch die ständerätliche Geschäftsprüfungskommission dem Wunsche Ausdruck gegeben, es möchte der hohe Bundesrat die Unsicherheit und Beunruhigung in unsere Bevölkerung hinaustragenden kritischen Aeusserungen höherer Offiziere verstummen machen. Das Echo, welches diese Zumutung etwa nicht nur in Offizierskreisen, sondern in weiten Schichten unseres Volkes auslöste, Hess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Beurteilung dieses unverständlichen Vorgehens lautete in versöhnlichster Fassung immer noch auf: « Faux pas » schlimmster Sorte. Unbelehrbar und unnachgiebig, wie er sich den Automobilisten schon als Präsident der ständerätlichen Alkoholkommission zu Zeiten Tanners, d. h. im Kampfe gegen die eidg. Spritschwemme und das Projekt des Beimischungszwanges, präsentiert, kam Ständerat Käser dann bei der Begründung seines famosen Postulates betreffend Vermehrung militärtauglicher Motorlastwagen tatsächlich nochmals auf die Sache zurück. Diesmal geruhte er allerdings die seinerzeit in allgemeiner Umschreibung erhobenen Vorwürfe vor dem Forum der 48 Standesvertreter durch namentliche Anführung der Obersten Ruf und Däniker zu präzisieren. Zwei um unser Land und vor allem um die Ausbildung unserer Armee hochverdiente Offiziere sollen also, weil sie es wagten, mit Mut und Ueberzeugung auf bedenkliche Lücken hinsichtlich Führung und Motorisierung unseres Heeres In aller Offenheit hinzuweisen, auf parlamentarischem Wege mundtot gemacht werden. Und dabei handelten alle beide nicht einmal nur entsprechend ihres guten Rechtes, sondern in Erfüllung einer schweren Pflicht! Soviel jedenfalls steht fest: Als Vertreter des Volkes, des schaffhausischen Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Betlage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Volkes im speziellen, hat Ständerat Käser nicht gehandelt Diktatorische Abwürgung freier Kritik entspricht nicht dem Willen des Schweizerbürgers; was der Litrapräsident sich hier angemasst, widerspricht den primitivsten Grundgesetzen der Demokratie. Da hilft auch der flehentliche Anruf höchster Instan- •"^L Die Halle XII der Schweiz. Landesausstellung wird beherrscht durch die sehlaufenförmige Anlage einer Strasse von 4 Meter und einem parallel dazu verlaufenden Besucherweg von 3—4 Meter Breite. Den Abschluss der Strasse gegen die Aussenwand wird ein Riesengemälde bilden, das zur Propagierung typisch schweizerischer Landes- Die Halle, •worin die Gruppe Transport und Verkehr an der Schweiz. Landesausstellung 1939 untergebracht wird. Oben: Ansicht von der Strasse, unten vom See her. I i REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Berufe immer einen Stoss. Wenigstens habe ich diesen Eindruck; aber ich .spreche nie darüber, weil ich ihn nicht kränken will. Herr Cleveland starb vor zwei Jahren unter Hinterlassung eines grossen Vermögens, eines gutgehenden Geschäftes, einer Witwe und eines einzigen Sohnes. Dieser Sohn ist jetzt nominell das Haupt der Firma, ist aber gänzlich auf Nicholas angewiesen. Er ist kein Dummkopf; aber er ist jung und unerfahren und unglückseligerweise sehr unter der Fuchtel seiner Mutter. Sie will, dass er Isabel Godolphin heiratet, er aber will Celia heiraten; so ist er hin- und hergerissen, und keiner von uns weiss, was da noch werden soll. Aber ich fürchte, dass Celia keine Chance hat. Frau Cleveland ist eine herrschsüchtige Person mit einem gesegneten Mundwerk. Sie hat ihren Mann regiert und wird ihren Sohn ebenfalls unterjochen. Bill Cleveland wird Isabel Godolphin heiraten, und Celia wird sich die Augen aus dem Kopf weinen. Am Tage unserer silbernen Hochzeit ereignete sich alles mögliche — Angenehmes und Unangenehmes. Die Nacht vorher schlief ich nicht viel. Din Kinder bestanden absolut darauf, dass wir eine Gesellschaft geben, und ich hatte eine Menge Kleinigkeiten zu überzen nichts — begründete, sachliche Kritik kann in der Schweiz auch von «oben» herab nicht abgeblasen werden. Freuen wir uns dieser Tatsache, denn nichts hätte woM die Notwendigkeit derselben eindrücklicher zu demonstrieren vermocht, als der kürzliche Betriebsunfall des Nationalrates anlässlich der Schlussabstimmung über die 'Finanzvorlage ! Nein — eine tüchtige Regierung sollte weder der Kritik noch der Opposition entraten wollen ; alle beide seien ihr zugleich Kontrolle und Ansporn. Die Engländer dürften das am weitgehendsten erfasst haben : dort bezieht nämlich der Führer der Oppositionsparteien im Unterhause in eben dieser Eigenschaft eine jährliche Staatsapanage von 2000 Pfund Sterling ! (Fortsetzung Seite 2.) Gruppe Transport und Verkehr an der Schweiz. Landesausstellung Grundriss der Strassenschlaufe, auf der zahlreiche Fahrzeuge zur Schau gelangen -werden. INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Der Int. Verkehrsrat tagt. Stuck und Chiron erproben den Auto-Union-Rennwagen. Camping am mexikanischen Pazifik. Schwungrad und Kupplung. Der neue Fiat-6-PIätzer, Typ 1100/L. Beilage: gegenden vorgesehen ist. Die Strasse erhält gegen den Besucherweg hin eine Abschrankung und zwar in Form moderner Strassenschratiken mit und ohne Abfederung. Auf der Strasse selbst werden zahlreiche betriebsfertige Fahrzeuge zur Aufstellung gelangen. Provisorisch sind hiefür vorgesehen: 2 Schwerlastwagen mit Anhänger, 2 Gesellschaftswagen oder Omnibusse, 1 Leichtlastwagen oder Geländewagen, 1 Bestellfourgon, 1 Limousine, 8 Cabrolets, 8 Motorräder mit und ohne Seitenwagen, 1—2 Motorgepäckräder, 1—2 Fahrradgepäckräder sowie ca. 40 Fahrräder in Gruppenform (militärische Radfährergruppe, eine Tour - de - Suisse - Gruppe usw.). Alle Fahrzeuge werden mit Mannequins ausgerüstet. Auf der Strasse selbst kommen zudem alle im neuzeitlichen Strassenverkehr vorkommenden Signale, Go- und Stoplichter, wie auch Verkehrspolizisten zur Aufstellung. Sofern es die Platzverhältnisse erlauben, soll auch ein Campingplatz mit Zelt und allen dazu notwendigen Einrichtungen gezeigt werden. Der freie Raum zu ebener Erde und derjenige unter der Strasse ist zur Aufnahme einer Detailausstellung vorgesehen. So werden beispielsweise die Fabriken elektrischer Einrichtungen zusammen mit Akkumulatorenfabriken Teile ihrer Fabrikate im verdunkelten Raum zur Darstellung bringen. Neben den technischen Einzelheiten und den Konstruktionseigenarten wollen, die verschiedenen Industriegruppen auch ihre Bedeutung und ihren Einfluss auf die Volkswirtschaft dokumentieren. In einem an das Hauptgebäude anschliessenden niedrigen Räume, der aber nur vom erstem aus betreten werden kann, wird sich der Verein Schweiz. Strassenfachmänner präsentieren. Im Anschluss daran folgt die F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. Erstes Kapitel. Copyright Dr. Präger Pressedienst, Wien. Mein Name ist Elisabeth, und ich bin seit fünfundzwanzig Jahren mit Nicholas Brooke verheiratet. Wir haben sieben Kinder, und sechs davon sind Mädchen. Gar nicht auszudenken! Celia, Nancy, Martha, Hester Jane, Sally, Der einzige Junge kam als Letzter, er heisst Ambrose. Ich kenne eine Frau, die in dieser Beziehung tüchtiger war. Sie hat sechs Jungens und ein Mädchen, das nach ihren Brüdern zur Welt kam und infolgedessen sicherlich sehr jung heiraten wird. Denn wenn sechs junge Leute ihre Freunde mit nach Hause bringen, kann sich ein Mädchen einen Mann aussuchen. Und ausserdem können Jungens, die gesund sind und Verstand haben, immer ihren Weg machen. Aber sechs Mädchen und kein Vermögen! Manchmal liege ich des Nachts wach und denke darüber nach, was ihnen wohl bevorstehen wird, und in solchen Augenblicken sage ich mir, es wäre besser, sie wären überhaupt nie gekommen. Heutzutage wird nicht wenig darüber gesprochen, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben, aber keines meiner Mädchen, mit Ausnahme Nancys, hatte je den Wunsch nach einem Beruf. Sie fühlen sich zu Hause glücklich; sie sind alle wohlerzogen, und ihre geistigen Gaben sind nicht über dem Durchschnitt. Im gewissen Sinne erschwert das die Dinge. Sally ist erst zehn, sie kann ich zur Zeit aus meinem Gedankenkreis ausschalten, und Nancy, die Medizin studiert, ebenfalls. Sie sagt, sie wird sich sehr bald selbst erhalten können und Tausende verdienen, sobald sie sich erst als Chirurgin einen Namen gemacht hat. Kürzlich hat sie eine Blinddarmoperation erfolgreich ausgeführt, und Nicholas ist stolz auf sie. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich es ja auch; ich spreche nur nicht bei jeder Gelegenheit darüber, wie es Nichola's tut. Er lebt nur für die Kinder, und unser einfaches Heim kommt ihm wie ein Paradies vor. Ausserdem hat er ein phlegmatisches Temperament, was ich von mir nicht sagen kann. Wenn ich mit ihm darüber spreche, was aus uns werden soll, wenn er stirbt, erwidert er seelenruhig, dass er. noch am Leben sei: aber das ist kein Argument. Man kann nie wissen. Wie oft werden Leute von einer plötzlichen Krankheit dahingerafft, wie oft ereignen sich Unglücksfälle! Dabei ist er fünfundfünfzig, und wieviel Arbeitsjahre liegen noch vor einem bereits fünfundfünfzigjährigen Manne? Er ist wohl gut versichert, und ich habe eine Rente von zweihundert Pfund jährlich; aber wenn er stirbt und noch keines der Mädchen verheiratet ist, bleiben noch immer acht Menschen zu versorgen. Acht Personen aber mit nahezu nichts durchzubringen ist ein Problem. Nicholas war nicht imstande, viel zu ersparen; wenn man sieben Kinder hat, ist das Leben kein Spass. Das fängt mit dem Zahnen an, dann kommen die Masern und so geht es weiter bis zu den Liebesaffären. Keines unserer Mädchen ist bis jetzt verheiratet und alle, bis auf Sally, sind im heiratsfähigen Alter. Nancy brauche ich eigentlich nicht mitzurechen; sie möchte lieber eine bedeutende Chirurgin als Gattin und Mutter werden. Immerhin lebt sie in London, und wenn sie Glück hat, kann sie jemanden kennen lernen. Wir leben in Porthlew in Cornwall, und Nicholas leitet die Steingutwerke der Firma Cleveland. Vor Jahren sollte er Geschäftsteilhaber werden, aber obwohl er Verstand und. Energie besitzt, braucht er in seinem