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E_1938_Zeitung_Nr.054

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nen eigenen Spruch dazu

nen eigenen Spruch dazu und stellt Vergleiche an, die nicht unbedingt zu unsern Gunsten ausfallen müssen. Wenn aber schon die andern, will sagen ausländische Blätter die Werbetrommel für uns rühren, dann verpflichtet das. Mit dem Ausbau eines Teils unserer Alpenstrassen geht es zwar vorwärts, aber in einem Tempo, bei dem wir gegenüber unsern Konkurrenten kaum werden aufholen können. Uns will deshalb scheinen, die Staubfreimachung der Grimsel habe hier einen praktikablen Weg gewiesen, der Nachahmung verdient, denn was für einen Genuss das Fahren auf solcher Strasse bereitet, weiss jener zu schätzen und zu ermessen, der den frappanten Kontrast zwischen dem heute staubfrei ausgebauten Abschnitt bis in die Nähe von Handeck und dem übrigen Teil der Grimsel kennengelernt hat, darauf er sich bei auch nur einigermassen lebhaften Verkehr fast andauernd im Staubschlucken üben darf. „Geborene Pechvögel" (Fortsetzung von Seite 1.) Der zunächst für Erwachsene bewiesene Wiederholungssatz erfuhr zuletzt durch H. Dombrowsky seine Bestätigung auch für die Entwicklungszeit vom Kinde zum Jugendlichen. Die Dominanz des persönlichen Faktors über die ausserpersönlichen Momente liegt klar zutage. Welches im einzelnen die hauptsächlichsten physischen (körperlichen) und psychischen (seelischen) Störfaktoren und Mängel sind, wäre Aufgabe eines weiteren Aufsatzes. Die unbekümmerten Jugendlichen trifft das häufigste Verschulden. Dann werden die Unfälle geringer bis etwa zum 35. Lebensjahre, um von da an wieder langsam zuzunehmen. Wenngleich nach Ansicht Dombrowskys der Rückgang der physiologischen Leistungsfähigkeit mit steigendem Lebensalter die unfallverhindernden psychologischen Faktoren, wie Erfahrung, genaue Arbeitskenntnis, wachsende Vorsicht, erhöhtes Verantwortungsgefühl usw. wieder aufhebt, so müssen wir doch Marbe zustimmen, der betont, dass im Grunde gerade der ältere Mensch doch weniger Unfälle Ein Siebentel lebt vom Auto. In den Vereinigten Staaten ist rund ein Siebentel der Bevölkerung mittelbar oder unmittelbar in der Automobitindastrie beschäftigt. Das Gehör ist schneller. Durch Hunderte von Versuchen mit Automobilisten ist festgestellt worden, dass die Ohren rascher auf akustische als die Augen auf optische Signale reagieren. Bussen proportional zum Einkommen. Schweden kennt seit kurzem ein Gesetz, wonach die Lenker von Motorfahrzeugen bei Verstössen gegen die Verkehrsvorschriften im Verhältnis zu ihrem Einkommen bestraft werden. Obs wohl nützt? Häufigste Verkehrssünde In Paris : unerlaubtes Stationleren. 33 5// Bussen wurden 1937 in Paris gegen die Eigentümer von Personenwagen gefällt. Unter den Verstössen glänzt das verbotene Stationieren mit 8586 « Fällen » durch besondere Häufigkeit, denn «nur» 5103 Verzeigungen erfolgten z. B. wegen mangelhafter Beleuchtung. Auch eine Idee — Hand-Katzenaugen ! Ein dänischer Fabrikant, Erichsen, lanciert im Kampf gegen die Verkehrsunsicherheit ein Katzenauge, das der Velofahrer (oder auch der Fussgänger) wie eine Armbanduhr um die Handgelenke tragen kann, um auch bei Dunkelheit sein Abschwenken dem Nachfahrenden deutlich kenntlich zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Idee sich auch in der Praxis als gut erweist. verursacht als der vollblütige Jugendliche. Für die Fahrleistung spielen neben den schon genannten natürlich viele spezielle Eigenschaften eine Rolle. Uebung, Erfahrung und die Fähigkeit, daraus wirklich zu lernen — was längst nicht jeder kann! — ferner Sinnestüchtigkeit, Beherrschung des motorischen Körperapparates, das Schätzen von Entfernungen und Geschwindigkeiten fallen als weitere Momente in Betracht. Bei diesen handelt es sich vorwiegend um angeborene Eigenschaften. Ganz verschieden sind oft die Anlagen zur Verteilung oder Konzentration der Aufmerksamkeit oder zur «Mehrfachha-ndlung» (d. h. gleichzeitig mehrere Reaktionen verrichten) auf die einzelnen Menschen verteilt. Woran aber liegt es, dass wir um so wahrscheinlicher einen Unfall erleiden am Volant, je häufiger uns früher schon ein solcher ereilte? Woran liegt es, dass die jugendlichen Fahrer mehr Pech haben als die älteren, dass bei einer amerikanischen Transportgesellschaft 44% aller Unfälle auf nur 33% des Personals entfielen, dass die «vorbestraften» Verkehrssünder auch in alle Zukunft auf der Anklagebank sitzen und sitzen werden, wie es ja kein Geheimnis mehr bildet, dass sich hinter Gefängnisgittern, trotz aller Strafen, immer wieder die altbekannten Gesich-, ter begegnen ? ' " \ Des Rätsels Lösung birgt die moderne Per-' sönlichkeitslehre in sich. Die menschliche Persönlichkeit besteht aus einem angeborenen und erworbenen geistigen und körperlichen Bestandteil. Dort wie hier gibt es «Dispositionen». Die körperliche und die geistige Persönlichkeitsseite werden ununterbrochen « momentan » mehr oder weniger nachhaltig konstelliert, d. h. für das Erleiden oder Stiften von Unfällen günstig oder ungünstig eingestellt. In einer negativen Einstellun>gsphase erleiden wir die ununterbrochene Unfallserie nach dem bekannten Sprichwort: Ein Unglück kommt selten allein! Aber die «angeborene» Konstellation ist die Hauptsache und des Rätsels Lösung! Ja, es gibt tatsächlich «geborene» Pechvögel, so wie wir auch den «geborenen» Verbrecher kennen, der unter Lebensbedingungen, wo AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 5. JULI 1938 — N° 54 istischer Um den Wagendieben das Handwerk zu legen hat der Italienische Automobil Club einen Wettbewerb für die Konstruktion von Sicherungseinrichtungen gegen Autodiebstähle aasgeschrieben. Zunahme der Holzgasgeneratoren. Während in Frankreich die Zahl der mit Holzgas betriebenen Motorfahrzeuge im Jahre 1916 auf 100 Wagen geschätzt wurde, ist bis zu Beginn dieses Jahres der Holzgasgeneratoren-Wagenantrieb auf über 4000 Stück angestiegen. Aus militär-polittschen Gründen erfährt die Ausrüstung von Autos für den Holzgasantrieb bei unserem westlichen Nachbarn eine besonders aktive Förderung. Eine vernünftige Neuerung hat eine Londoner Autobusgesellschaft eingeführt: an den Haltestellen sind Schilder mit der Aufschrift « Autobus, haß» montiert worden, welche der Passagier, der einzusteigen wünscht, durch Druck auf einen Knopf zum Aufleuchten bringen kann. Womit die Winkerei, bei der sich der Fahrgast häufig genug auf die Strasse begeben musste, ein Ende hat. Die deutschen Autobahnen sind in letzter Zeit wiederholt von notgelandeten Flugzeugen als Startpiste benützt wor~ den, eine Funktion, die ihrer Zweckbestimmung allerdings gänzlich fremd ist. Weshalb sich denn auch die Behörden veranlasst fühlten, ausdrücklich festzustellen, die Autobahn sei kein Rollfeld. andere einwandfrei ihren Weg gehen, versagt. Die Aehnlichkeit der zugrundeliegenden Verhältnisse auf beiden Gebieten liegt auf der Hand. Der angeborene Faktor, von dem wir heute mit wachsender Erkenntnis fast allzu häufig hören, ohne gründlich darüber nachzudenken, hat auch hier am Steuerrad seine Hand im Spiel. Allerdings erschliesst sich die Möglichkeit der Erziehung, aber im Orunde bleibt jeder immer wer er früher war. Den rückfällgen Verbrecher versorgt man, den rückfälligen «Unfäller» sollte man künftig mehr daran hindern, seine unglückliche Neigung sich auswirken zu lassen. Für manchen mag das hart klingen. Wenn er aber das erforderliche Verantwortungsgefühl besitzt, das man bei ihm voraussetzen muss, wenn er Leben und Gut seiner Mitmenschen in der Hand haben will, so wird er besinnliche Einkehr bei sich halten und je nach der Summe seines bisherigen Unfallkontos (auch der glimpflich verlaufenen Fälle natürlich, die den anderen doch sinngemäss gleichwertig sind) mehr oder weniger reumütig Busse tun, indem er künftig, eingedenk seines persönlichen « Sicherheitsquotienten », entsprechend fährt. Dr. A. B. \*»*U*>Um Verkehrsfragen vor dem Berner Stadtrat. Auch vom Fussgänger muss Verständnis and Einordnungswille erwartet werden. Die Behandlung des Berichtes der Polizeidirektion im Berner Stadtrat zeitigte ein ganzes Schock von Kritiken, Anregungen und Vorschlängen, die alle eingegeben waren von der Sorge um die Verbesserung der Verkehrssicherheit, Beweis genug dafür, wie stark in der Oeffenttichkeit das Bewusstsein lebt, dass sowohl den Behörden wie den Strassenbenützern gerade auf diesem Gebiet noch viel, ja sehr viel zu tun übrig bleibt, um die Zahl der Opfer der Strasse zu vermindern. Wenn sich diese aufschlussreiohe Debatte in einer Atmosphäre der Objektivität, der Unvoreingenommenheit und Sachlichkeit abwickelte, dann durfte man sich dessen umso eher freuen, als sich nur auf diesem Boden -wirklich fruchtbringende Arbeit leisten lässt — und als wir Automobilisten eben diesen ungetrübten Blick für die Dinge in einem andern, gleichfalls in der Bundesstadt tagenden Parlament mitunter schmerzlich vermissen ... Einen Wunsch, dem wir uns vorbehaltlos anschliessen, äusserte Dr. Friedli, wenn er den Ruf nach schärferem Vorgehen flegen angetrunkene Autofahrer und unvorsichtige, verkehrsgefährdende Radfahrer erhob, die noch immer ihr Unwesen treiben. Derselbe Redner stellte auch die Frage zur Diskussion, ob es nicht angezeigt wäre, durch den Schweiz. Städteverband eine Eingabe an den Bundesrat zu richten mit dem Ziel der Wiedereinführung der Velonummern, die seinerzeit aus referendumspolitischen Gründen fallen gelassen worden war Ẇährenddem sich Herr Lutz für eine Ausdehnung des Verkehrsunterrichts, u. a. durch Verwendung besseren Anschauungsmaterials einsetzte und ein Postulat betreffend den Kampf für die Verkehrssicherheit unter Mithilfe aller Strassenbenützer einreichte (nur unter dieser, freilich nicht leicht zu verwirklichenden Voraussetzung wird eine solche Aktion ihr Ziel erreichen, Red.), betonte Dr. Kehrli die Notwendigkeit der Einordnung auch der Fussgänger in den Verkehr, dadurch, dass sie zur Benützung der Fussgängerstreifen angehalten werden. Die Polizei müsse in dieser Hinsicht mit aller Strenge vorgehen — eine Auffassung, der wir vorbehaltlos beipflichten, denn eine wirksame Bekämpfug des Verkehrsunfalles, der crux unserer Tage, ist nur denkbar, wenn alles mit gleicher Elle gemessen und auch der Fussgänger mit dem nötigen Nachdruck an seine Pflichten ermahnt wird. Was not tut, ist gegenseitiges Verständnis und besserer Wille — mit dieser Feststellung traf Herr Sahli den Nagel auf den Kopf. Einen andern wunden Punkt griff Dr. ZeJlweger mit seinem Hinweis auf die Tatsache auf, dass die Automobilisten beim Parkieren oft nicht nahe genug an den Randstein aufscbliessen können, weil dort abgestellte Fahrräder im Wege stehen. Sein Vorschlag, durch Errichtung von Veloständern auf den Trottoirs Abhilfe zu schaffen, ist den Automobilisten bei den ohnehin prekären Parkierungsverhältnissen in der Bundesstadt aus dem Herren gesprochen. Beim Polizeidirektor, Gemeinderat Dr. Freimüller, fanden die verschiedenen Anregungen ein offenes Ohr. Das nächtliche Parkieren in den Strassen, das einer Kritik aus der Mitte des Rates heraus gerufen, ist zwar untersagt, doch wird das Verbot einstweilen noch im Sinne der Belehrung angewendet. Was die Wiedereinführung der Polizeischiilder für Fahrräder anbetrifft, so glaubt Dr. Freimüller dieser Idee nur dann Aussicht auf Verwirklichung einräumen zu können, wenn ein solcher Vorschlag von den Radfahrerverbänden selbst ausgeht (die jedoch unseres Wissens auf deren ablehnenden Stellungnahme beharren, Red.). Zum Thema Fussgänger bemerkte er, dass diesem durchaus kein alleiniger Anspruch auf die Fussgängerstreifen zustehe, vielmehr offenbare sich gerade hier die Wünschbarkeit besseren Verständnisses gegenüber dem motorischen Verkehr. Schliesslich sei der Gedanke, auf den Trottoirs Veloständer anzubringen, näherer Prüfung wert, doch hätte dabei auch nie Frage der Finanzierung ein Wort mitzureden. Im übrigen erklärte der städtische Polizeidirektor, das Postulat LUTZ entgegennehmen zn wollen. Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 48. Fortsetzung. « Sei vernünftig f > sagte er. Dieser junge Frauenkörper, der sich ihm eine Sekunde lang in stürmischer Berührung entgegengedrängt hatte, erweckte kein Verlangen in ihm. Sie sass da, die Schultern hocbgezogen, als hätte man sie geprügelt. « Florence », sagte er. « Du liebst noch immer deine Frau ? » « Nein ! > Er wusste selbst nicht, wieso sie plötzlich bei ihm lag. Diese dichte Nähe, ihr glühendes Gesicht erregten ihn. Er hörte ihre hastigen Atemzüge. Jeden Moment konnte Cheng ins Zimmer kommen. Er machte sich los und stand auf und sperrte die Tür ab. Als er zum Bett zurückging, dachte er, wenn sie es will, es ist egal, warum nicht. Sie hat schon in Kuling -Liebhaber gehabt. Das Kissen knisterte, als Florence den Kopf wandte. Sie schwieg. Sie legte den Kopf auf seine Schulter. Er war nicht mehr allein. Während er Florence küsste, für nichts dankbar als für ihre Gegenwart, für das Geschenk ihrer warmen, atmenden Nähe, war er schon jenseits seiner Jugend und begegnete zum erstenmal seiner Zukunft. Der Ueberschwang, der grosse Traum? In diesem Leben, in dem die ,Anna Dorothea' auf zwei Millionen Dollar versichert, Nanking passierte, und man aus einem Mädchen eine Frau machte, und auf dem Korridor die Uhr tickte, war alles traumlos und klar und ruhig. Er küsste Plorence. Er war niclht mehr in seine Einsamkeit verbannt. Er war ein Geschlagener und Zufriedener. Als Hubert nachts aufwachte, klirrte die Balkontür unter dem heftigen Wind. Das #Tram ratterte vorbei. Eine Autohupe brüllte kurz auf und verstummte. Der Wind setzte eine Minute aus, in der Stille tönte das harte Klappern einer Bambustrommel. Dann kam, nah am Garten vorüber, der Ruf eines hausierenden Kochs i « Hunger ?» Noch einmal, langgedehnt und schon verhallend: Hun—ger...? Der Wind war wieder da. Auf den Philippinen war ein Taifun gewesen, die letzten Ausläufer fegten über Shanghai hinweg. Hubert schloss die Augen. In kurzen Pausen klirrte das Glas der Balkontür. Der Wind kam vom Hafen her. Bevor er einschlief, hörte er noch den dumpfen, hallenden Schrei einer Dampfsirene. Sie brüllte laut über das schwarze Hafenwasser hinweg. Auf der .Rawalpindi' brannten alle Scheinwerfer, hoch hinauf bis zum Mast. Sie kam von Kobe und war auf der Heimreise nach Europa. Die letzten Besucher kletterten über die schmale Gangway hinunter. Unten lag die Motorbarkasse. « All friends on shore ! > rief eine Stimme durchs Megaphon. Eine Dame in grauem Pelz sprang noch m das Motorboot, dann kam ein frierender, hustender Inder, dann ein Chinese. Die Launen stiess ab und entfernte sich von den Lichterketten des fahlgelben Europa- Dampfers. Langsam fuhr das Motorboot dem Bund zu. Nebel lag auf dem Wasser. Es war kalt Der junge Chinese starrte neugierig die Dame im grauen Pelz an. Sie rauchte. Neben ihr stand der Inder, hustend und spukkend, in einer zerfetzten Leinenjacke. « Bist du Soldat ? > fragte der Chinese in gelispeltem Pidgin-Englisch. « Nein >, sagte der Shik. Er schwieg. Dann sagte er : « Für Freund Koffer getragen. Du auch ? Du machen Geschäft Koffer tragen ? > Der Chinese nickte. Er hatte einem Heizer Opium verkauft. Er begann zu frieren und steckte die schmalen Hände in die Aermelfalten. « Was Geschäft du ? » fragte der Chinese. « Mich », sagte der Shik, « mich war Portier Cathay-flotel. Weisse Uniform, seidener Turban ! > Er rollte jeden R-Laut. «Hat dann Seide verkauft Geschäft verloren. Jetzt gar nichts. > « Nach und nach bekommts neu Geschäft. Bekommts viel money. » Der Chinese lispelte, unfähig den schwierigen Buchstaben auszusprechen : « Leich ! Viele Taels. Leich ! » Der Inder rührte sich nicht. Schliesslich, nur um irgend etwas zu sagen, fragte er : « Dein Name du heisst ? > « Yü », sagte der Chinese. Aus dem Nebel näherten sich, trüb glänzend, die Lampen des Bunds. « Du betest Buddha?» fragte Yü. Er wollte sich ablenken, durch ein Gespräch erheitern. Seine Haut war gelbgrün in der feuchten, winddurchfegten Luft. Wenn er den kälteschauernden Inder ansah, fröstelte er noch mehr. « Nein.» « Du betest Kuh ? > Der Shik, hungrig und bis zum Irrsinn gereizt durch den ewig stechenden Schmerz zwischen den Schulterblättern, sagte : « Kuh ? > c Ja >, lispelte der andere sanft. « Du betest Kuh. » « Vielleicht Chinesen ! > stiess der Shik hervor. « Chinesen beten Kuh. Beten Wasser. Beten Geister. Beten Dreck. Beten alles. Dreckiges Land, dein China.» Er drehte sich um und ginig ans andere Ende der Launen. Yü sah ihm verblüfft nach. Er war nicht beleidigt. Ein ungesitteter Barbar konnte ihn nicht beleidigen. Als die Launch anlegte, stieg er gedankenvoll an Land. Dem China, hatte der Mann gesagt. Der Wind sprang ihm entgegen und blies durch seinen dünnen Ishang. Es begann zu regnen. Er hastete weiter, hinüber zum chinesischen Viertel. Mein China ? Warum ? Ist es mein ? Gehört es mir ? Der Regen stürzte rauschend herab. Yü war bis auf die Haut durchweicht, er rannte weiter, in seinen schwarzen nassen Stoffschuhen, den Kopf gesenkt, ein schmaler Schatten, der sich in der Nacht verlor. Ende.

N° 54 — IDTENSTAitJ, 5. JULI 1938 AÜTOMOBIL-REVUE Dreifacher Mercedes-Benz Sieg im Grossen Preis von Frankreich Brauchitsch vor Caraeciola und Lang Heute Dienstag Trainingsbeginn auf dem Nürburgring. (Drähtbericht unseres Mitarbeiters Hans Bretz.) Reims, den 4. Juli 1938. Nach dem Training der vergangenen Wochen konnte und musste man mit einem Manfred von Brauchitsch, der den Grossen Preis •von Frankreich mit Vorsprung auf seine Stallgefährten Caraeciola und Lang gewann und damit einmal mehr sein hohes fahrteehnisches Können unter Beweis stellte. überlegenen Mercedes-Sieg im Grossen Preis von Frankreich rechnen. Nun, er ist tatsächlich auch eingetreten. Dass aber das Rennen, von den siegreichen Untertürkheimer Wagen abgesehen, ein derartiges Debakel zeitigen würde, bei dem von 9 gestarteten Fahrzeugen nur 4 das Ziel erreichten, das war nicht vorauszusehen. Um so glanzvoller nimmt sich demgegenüber das Abschneiden von Mercedes-Benz aus, das hier nicht nur seine Überlegenheit bewiesen, sondern in einem grandiosen Dreikampf ein Durchstehvermögen an den Tag gelegt hat, das wirklich Bewunderung erregte. So vjel steht fest, dass Mercedes zur Zeit über einen Vorsprang verfügt, der schon mehr als beachtlich ist, es steht weiter fest, dass sämtliche übrigen Rennfirmen sich mit letzter Anstrengung werden ins Zeug legen müssen, wenn sie noch mittun wollen. Zwischenfälle im Training. Die Auto-Union, die hier in Reims zum erstenmal ins Rennen ging, erschien am Donnerstag mit zwei StromMniettwagen und einem offenen Grand-Prix-Wagen. Im Training wurden sowohl Müller wie Hasse, der eine mit dem Stromlinienmodell, der andere mit dem gewöhnlichen Grand-Prix-Wagen, von der Strasse getragen. Damit war der Grosse Preis von Frankreich ein zweites Mal gefährdet und man munkelte bereits von einer Absage. Wenn ein solches Fiasko verhindert werden konnte, so ist das dem sportlichen Verhalten der Auto-Union zu danken, die am Donnerstag abend erklären Hess, sie werde unter allen Umständen mit von der Partie sein und auch das Letzte versuchen, um noch zwei Wagen, in den Kampf einsetzen zu können. Müller wurde mit geringen Verletzungen ins Spital verbracht; er ist inzwischen soweit wieder hergestellt, dass er heute jedenfalls Reims verlassen kann. Nach diesem Intermezzo fiel Hasse und 'Kautz die Aufgabe zu, mit den beiden Auto-Union-Wagen in die Arena zu steigen, um wenigstens einen guten Platz zu retten, zumal sich die Zwickauer Firma bei ihrem Start in erster Linie von der Absicht leiten Hess, das Rennen durchzustehen, um dabei Erfahrungen für die kommenden Kämpfe zu sammeln. Am Samstag nachmittag erfolgte dann die Wagenabnahme, deren Gewichtsergebnisse von Interesse sein dürften. Die beiden Talbot weisen einen Zylinderinhalt von 4483 ccm auf, sind mit Seohs- Es bedurfte keiner prophetischen Gaben, um von Anfang an vorauszusehen, dass die Franzosen kaum eine ernste Konkurrenz für die Deutschen darstellten. Dass es aber so schnell zu Ende gehen sollte, hatte niemand Der Rennverlauf. erwartet. Wimille steuerte seinen Wagen schon nach der erstem Runde an die Boxe und damit hatte Bugatti seine Rolle ausgespielt. Der SEFAC folgte in der zweiten Runde. Ob dieser sagenhafte Wagen je wieder an einem Grand Prix auftauchen wird, mag nach diesem Debüt fraglich sein. Bedenklicher wäre an sich schon das Ausscheiden der AutcnUinion, die bereits nach der ersten Runde die Waffen strecken musste. Hasse war an derselben Kurve, in der ihm vor wenigen Tagen der «Rutscher» beim Training passierte, in den Graben geraten und hatte versucht, seinen Wagen wieder auf die Piste zu kriegen. Dabei starb ihm jedoch der Motor, so dass er schon nach einigen Kilometern von der Szene verschwand. Einem ungewöhnlichen Pech fiel Kautz zum Opfer, der hier zum erstenmal auf Auto- Union an den Start ging. Er prallte mit dem rechten Hinterrad in einer Dorfkurfe gegen eine Hausmauer, wobei sich die Radnabe zylindenmotoren ausgestattet und besitzen ein Gewicht von 977 kg. Für den SEFAC ergaben sich folgende Daten: Kompressormotor von 2970 ccm, 8 Zylinder, 931 kg; für den Auto-Union von Kautz 2985 ccm, 12 Zylinder, 907 kg; für den Auto-Union von Hasse 2985 ccm, 12 Zylinder, 890 kg; für den Mercedes von Caraeciola 2962 ccm, 12 Zylinder, 975 kg; für den Mercedes von Brauchitsch 978 kg, 12 Zylinder, 2962 ccm, für den Mercedes von Lang 982 kg, 12 Zylinder, 2962 ccm. Beim Bugatti von Wimille handelt es sich um einen Dreiliterkompressor von 8 Zylindern und einem Gewicht von 888 kg. Die Bugatti-Leute waren erst am Samstag mittag eingetroffen, so dass Wimille keine Gelegenheit mehr hatte, sich mit der Strecke und dem Wagen vertraut zu machen. Wenn auch das Fahrzeug einen recht guten Eindruck hinterliess, so stellte man doch fest, dass es sich dabei um das schon von früher her bekannte Chassis, also um einen Starrachswagen, handelte. Männiglich wartete mit Spannung darauf, was der Bugatti im Rennen leisten würde. Am Samstagnachmittag fand ein Empfang durch die Stadt Reims statt, wobei der Präsident des ACF, Vicomte de Rohan, hervorhob, dass es nur der sportlichen Einstellung der deutschen Firmen und ihrer Fahrer zu danken sei, wenn der Grosse Preis überhaupt zum Austrag gelangen könne. Er bedauerte das Fehlen der Italiener ebensosehr wie die Abwesenheit von Delahaye und gab der Meinung Ausdruck, dass es falsch sei, die Flinte ins Korn zu werfen, vielmehr müsse man den Konstrukteuren Zeit lassen, bis sie mit neuen Wagen antreten können. Trotz der magern Startliste war dem Rennen ein Publikumserfolg beschieden und man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass 70 bis 80,000 Zuschauer die tadellos hergerichtete Piste umsäumten und dass die Organisation ohne Fehler und Tadel funktionierte. Beim Start nahmen die drei Mercedes in der vorderstem Linie Aufstellung, dahinter die beiden Auto-Union mit Hasse und Kautz und dann die Talbot mit Etancelin und Carriere, während der SEFAC mit Chaboud und der Bugatti mit Wimille den Schluss bildeten. derart verkeilte, dass es nicht gelang, das Rad am Ersatzteillager zu demontieren und ein neues aufzuziehen. Zwar hätte man Kautz nach einiger Zeit wieder ins Feuer schicken können, doch verzichtete man aus Sicherheitsgründen darauf. Nach zwei Runden schon standen also die drei Mercedes mit den zwei Talbot allein auf weiter Flur. Aber diese Talbot hatten gegen das Trio der Untertürkheimer Werke nichts zu bestellen. So kam es, dass an der Spitze ein Kampf der drei Mercedes-Fahrer unter sich entbrannte, der hier noch kurz geschildert sein möge: Zunächst führte Lang während 7 Runden, wurde dann von Caraeciola abgelöst, bis schMesslich in der 23. Runde Brauchitsch die Spitze übernahm. Bei 27 Runden schaltete er einen Boxenhalt zum Tanken ein, erschien jedoch schon in der 30. Runde wieder an der Spitze, und gab das Kommando bis zum Schluss, d. h. bis zur 64. Runde, nicht mehr ab. Dabei erhöhte er seinen Vorsiprung gegenüber Caraeciola, der ihm als Zweiter folgte, von Runde zu Runde, währenddem Lang, der sich vorgenommen hatte, das Ren- nen zu gewinnen, beim Tankaufenthalt eine I Kommende Ereignisse § Sportkalender für das Jahr 1938. (K-IF Rennen nach der int. Grand-Prix-Formel; R = Rennwagen; S = Sportwagen; T = Touren- •waeen.) Juli. 9.: England: Rennen um die Nuffleld-Trophä*. (RS) 10.: Belgien: 24-Sfundtn-Rennen In Spa. (S) 10.: Frankreich: VI. Rundrennen von Albi. (R 15C0 ccm) 16.: Irland: Lelnster-Trophae. (RS) 24.: Deutschland; Grosser Preis von Deutschland. (R-IF) 31.: Frankreich: Grosser Preis von Commlnges. (RS) 31. oder 28. August: Belgien: 1000 Kilometer der Stadt Antwerpen. (S) ganze Runde einbüsste, weil der Motor nicht ansprang. Die beiden Talbot lieferten, man muss das offen gestehen, im Hintertreffen ein recht ansprechendes Rennen, dem jedoch Etancelin in der 23. Runde zum Opfer fiel. Carriere hielt in der 51. Runde iür lange Zeit an, machte sich dann aber kurz vor Schluss nochmals auf die «Beine» und fuhr das Rennen mit 10 Runden Rückstand zu Ende. Resultate: 1. von Brauchitsch, Mercedes-Benz. 64 Runden In 3:04:38,5 = 162,758 km/St. 2. Caraeciola, Merqedes-Benz, 3:06:19.6. 3. Lang, Mercedes-Benz, 3:04:54,3 (63 Runden). 4. Carriere, Talbot, 3:06:28,8 (54 Runden). * Um die Zukunft der Grossen Preise hat man sich auch im Verlauf des französischen Grand Prix so seine Gedanken gemacht. Als nächstes Rennen erscheint der Grosse Preis von Deutschland im internationalen Sportkalender. Wie man aus Berlin erfährt, hofft man dabei auf eine Beteiligung von 18—20 Grand-Prix-Wagen, darunter 5 Mercedes -und mindestens 3 Auto-Union, doch erwartet man daneben nicht nur Delahaye und Talbot, sondern auch Alfa und Maserati. Andere Leute vom Bau glauben jedoch, es sei mit dem baldigen Ende der Grands Prix zu rechnen. Was une anbetrifft, so sind wir der Meinung, man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die gegenwärtige Grand-Prix - Formel ist ein Kompromiss und man täte deshalb gut daran, abzuwarten, wte er sich entwickelt. Fest steht, dass sämtliche Firmen mit Ausnahme von Delahaye dem kompressorlosen Wagen entsagt haben, wenn auch der 16-Zylinder-Talbot erst auf den Herbst fertig werden soll. Unseres Erachtens wäre es verfrüht, in dieser Situation auf die Suche nach neuen « Schikanen > zu gehen. Bereits spricht man nämlich von der Brennstoffrage, die hier eine entscheidende Rolle spielt. Unserer Meinung nach würde aber sowohl der SEFAC als auch der Bugatti selbst mit Mercedes-Brennstoff niehts an Geschwindigkeit gewinnen. Ob einmal eine Verbrauchsformel kommen wird, wissen wir nicht, doch glauben wir, dass es unter den Sportsinteressenten Europas genügend Leute gibt, bei denen sie Interesse erwecken würde. Vorher aber haben wir nun einmal die heute geltende Formel, und es musste Aufgabe aller am Sport Interessierten sein, sie ganz allgemein zu einem Leistungszeugnis für die gesamte europäische Autoindustrie zu gestalten. Wir sind überzeugt, dass jene Clubs, welche als Veranstalter internationaler Grands Prix zeichnen, alles daran setzen würden, um dieser Formel zu ihrer Geltung zu verhelfen. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, wenn man aus Italien vernimmt, dass Mussolini persönlich noch vor kurzem die Weisung gegeben habe, mit allen Kräften an den Weiterbau der italienischen Rennwagen heranzutreten und dass Nuvolari demnächst die Leitung des Rennstalles der Alfa Corse übernehmen solle. Das würde also bedeuten, dass das Mailänder Werk keineswegs daran denkt, sich vom Rennsport zurückzuziehen, sondern mit allen Mitteln danach trachtet, Techt bald wieder in die grossen Kämpfe eingreifen zu können. Damit eröffnen sich für die Grossen Preise von Deutschland, der Schweiz und von Italien Perspektiven, die immerhin etwas verheissen. LORJo 2OOO Zähne halten i *• • •.-_