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E_1938_Zeitung_Nr.059

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AUTOMOBIL-REVUE FREITAG,

AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 22. JULI 1538 — Nf° 59 Run wären Sie also der Tretmühle Ihres Berufs, dem ewig gleichen Einerlei des Alltags glücklich entflohen und schwelgen befreit in Ferienseligkeit. Von Ihrer Sehnsucht nach der blauen Weite, nach neuem Erleben Ist auch der Motor angesteckt. Mit der Welt im allgemeinen und mit sich selbst im besonderen zufrieden, summt er sich eins unter seiner Haube und entführt Sie, ein treuer Fridolin, willig und ausgesprochen lustbetont in ungekannte Fernen. Zur Aufgeräumtheit hat er aber auch allen Grund, denn ein Sommertag wie er im Buch steht beflügelt seinen lauf. Wie? Die Hitze? So schlimm ist das ja hinwiederum nicht. Im übrigen versuchen Sle's vielleicht mal mit Fensteröffnen — ja, noch stärker! Allen recht machen kanns schliesslich auch der ausgekochteste Wetterregisseur nicht, und überhaupt — etwelche Wärmeproduktion gehört gemeinhin zu den meteorologischen Eigenarten besagten Hochsommers. Lästern Sie also Petrussen nicht, er tut sein Möglichstes und obendrein nur das, wozu er gemäss Programm für die Erhaltung von Landwirtschaft und die Förderung des Fremdenverkehrs verpflichtet ist. Leuchtet das ein? — Na, sehen Sie! Und jetzt lassen Sie bitte das Gemecker von wegen tropischem Klima, festklebenden Hemdkragen und so. Passiert ja nicht Ihnen allein. Eine halbe Stunde noch und Sie werden sich, zwecks Wiederaufbaus Ihrer erschlafften Kräfte, im kühlen Schatten irgendeines Gasthofgartens ihre Unlustgefühle hinter einem Tisch abreagieren, auf dem Sie ein frugales Mittagsmahl auffahren lassen. Mit allem, was dazugehört. Moment bitte — werden Sie das wirklich tun? Bei dieser Aussentemperafur? Sie wollen doch nachher weiter und haben noch ein tüchtiges Stück Fahrt vor sich? Und jetzt muten Sie Ihrem Magen «in« derartige Belastungsprobe zu? Dabei — wie war's doch schon?— hat Sie nicht erst kürzlich an einem Tag, der auch so eine unbändige Hitze entwickelte, nach dem Mittagsmahl bei einem Haar der Schlaf am Volant übermannt und mu$sten Sie sich nicht ins Bein kneifen, um Ihre Lebensgeister von neuem zu beschwören? Hart genug ist es Sie angekommen, nicht schlapp zu machen und die Müdigkeitsanfälle zu verscheuchen. Denn die Augen wollten nicht mehr, der Kopf ward Ihnen schwer, und nur mit einem beträchtlichen Aufwand an Willensgymnastik retteten Sie sich halbswegs über diese kritische Stunde hinweg. Heute noch kriecht Ihnen die Schwüle bis unters Oberhemd, wenn Sie daran zurückdenken, Und nun gestatten Sie uns einen kleinen Exkurs in die Bezirke der « moralischen Anatomie ». Die Sache ist nämlich die, dass wir Aber von der zünftigen Sorte rnuss er sein, pfundig Itark, nicht 30 »in blässllch«s Zeug mit visl Wasser und wenig Rass«. Nützt ein« Portion nichts, spört man nachher auf der Fahrt trotzdem die Schläfrigkeif in Kopf und Glieder steigen, dann heisst das Rezepts nochmals einen Kaffee oder Tee, aber bitte sehr kräftig! Sollte sich auch jetzt die «aufklopfende» Wirkung nicht einstellen, 50 bedeutet das für don vsrontwortungsbewussten Mann am Vowort, das sie bei Jeder passenden und unpassenden Gelezenheit anwandte. Vorige Woche nannte sie Toby eine Ziege, weil er zur Erleichterung seiner Zahnschmerzen an unserm besten Stuhl, der in der Halle steht, genagt hatte. Als ich in den Salon zu Tante Betty zurückkam, unterhielt sie sich mit ihren Qross» nichten, die soeben vom Tennis nach Hause gekommen waren. Ich glaube, dass Ich ihrem Gedankengang dabei gefolgt bin. Sie machte wohl kein« « dreckigen Bemerkungen » wie die Weber, aber trotzdem konnte man erkennen, -dass sie mit dem Stand der Dinge in unserem Haus© nicht zufrieden war. Vier heiratsfähige Töchter ton Zimmer und nicht einmal eine davon verlobt. Eine fünfte in London. Ich bin überzeugt davon, Tante Betty dachte, sie würde alles besser gemacht haben als ich und wäre ihre Töchter beizeiten losgeworden. Sie bestand aus einem merkwürdigen Gemisch von Härte und Gefühl. Sie verwaltete ihre Angelegenheiten wie ein Mann, aber den modernen Unsinn, dass eine Frau einen Beruf haben müsse, Hess sie nicht gelten. « Es gibt für eine Frau nur einen Beruf, das ist Frau und Mutter zu sein», sagte sie soeben mit ihrer Kommandostimme. « Aber es sind nicht genug Männer vorhanden, mein Schätzchen», sagte Bester; ich glaube, dass sie die einzige Person auf Schläfrig nach dem Mittagessen im Sommer? nicht umhin können. Ihnen auf den Zahn zu fühlen. Nur ganz sachte, ungefähr so wie der Zahnarzt, wenn er mit der bewussten, äusserst feinen Nadel den Nerv antupft. Ist er noch da — der Nerv, nicht der Zahnarzt —, dann zucken Sie zusammen wie von der Tarantel gestochen, machen mmmhl und werfen ihm — diesmal dem Zahnarzt — einen nicht gerade dankbarkeitserfüllten Blick zu, der ungefähr soviel ausdrückt als: < Ogottogott, Sie Unmensch, kommen Sie, wir wechseln mal die Plätze und dann werde ich Ihnen bis zum Halszäpfchen herunterstochern und wühlen!» Genau so, mit einem dieser vielsagenden Blicke, müssten Sie bei « unserem > Experiment, dessen Tummelplatz zwar nicht ein blossgelegter Nerv, sondern « nur» Ihr Gewissen bildet, in die Höhe schnellen. Anstatt eines Platinstifts zücken wir dabei zwar lediglich die eine Frage: — «Wie, nichts gelernt und alles... fällt Ihnen eigentlich ... ich verbitte mir das, aber heftig, heftig und entschieden!» Im Vertrauen: So gefallen Sie uns! Wir wussten ja, Sie würden aufmucken. Ihr nettes, kleines Zornes-Eruptiönchen klang tatsächlich echt und überzeugend. Allein das ist es eben: es verpflichtet! Nämlich dazu, dass Sie aus jenem Erlebnis von neulich mit Brutofenwärme und Mittagessen und Kampf dem Einnicken am Lenkrad ihre heilsamen Konsequenzen ziehen. Gewiss, die Hitze setzte Ihnen mächtig zu, aber sie hatte es allein nicht auf dem Gewissen, dass Sie hinter dem Volant schier eingedöst waren. T~ Was dabei noch mitwirkt« und Ihnen den Rest gab, war das nicht gerade mager« Mittagessen, das Sie sich mit ungekünsteltem Appetit ein« verleibten. Ihr gewohntes Gläschen — vielleicht waren's auch zwei — haben Sie sich dabei keineswegs verkniffen, denn schliesslich sind Sie kein Asket und bei 30 Grad im Schatten pflegt sich in einer normal veranlagten menschlichen Kehle ein gewisses Bedürfnis nach Befeuchtung einzustellen ,., So# da pirschen Sie sich auf leisen Reifen an den Gasthof heran. Stopp — Zeit zum Futtern. Von den Lippen des dienstbaren Geistes löst sich die ebenso stereotyp© wi© historische Fragei «Was wünscht der Herr?» Ueberlegan Sie sich reiflich und in Müsse, was der Herr zu genehmigen Im Schilde führt. Auf eine Neuaufläge Ihres Erlebnisses von damol$, wo Sie sich nach Erledigung der diversen Gänge des Menüs so scheusslich belämmert fühlten, als Sie die Strosse wieder unter die Räder nahmen, darauf sind Sie doch nicht erpicht? Auch Erden ist, die Fräulein Betty Ramsham Je mit « mein Schätzchen » angesprochen hat. «Du brauchst dir darüber keine Sorgen zu machen», sagte die alte Dame und sah sie zwinkernd an. « Wir machen uns auch keine. Wir sagen uns : wenn wir heiraten, gut, und wenn nicht, werden wir ebenso glücklich leben wie Tante Betty.» Tante Betty stiess einen leicht unwilligen Laut aus und erkundigte sich dann nach Nancys Befinden und was sie tue- « Sie hat gerade eine Blinddarmoperation gemacht», sagte Martha, deren Lieblingsschwester sie war, sehr stolz. < Abscheulich !» rief Tante Betty aus, «Als ich ein Sunges Mädchen war, starb man an einer Blinddarmentzündung, aber nie hat man so öffentlich von einem Blinddarm gesprochen ; man wusste überhaupt nicht, dass man einen hatte.» « Du wirst Nancy sehen », sagte Martha, «s!e kommt am Dienstag nach Hause.» « Ich werde mich freuen, sie zu sehen»', entgegnete Tante Betty, «aber gratulieren werde ich ihr nicht. Meiner Meinung nach ist das eine Betätigung, die einer Frau nicht zukommt. Ich werde jetzt hinaufgehen, Elisabeth, und sehen, was dl« Weber macht.» « Wird sie nachts nach Yorkshire zurückfahren ? » fragte ich- heute erwarten Sie noch ein paar Stunden Fahrt bis zum Tagesziel. Und obendrein haben Sie noch Bekannte mit sich. Wenn die auch ihren Gefühlen keinen Zwang antun und bestellen, was ihr Herz begehrt, machen Sie keine Stielaugen, sondern hören Sie auf unsern wohlgemeinten Ratschlag. Nein, eine Fastenkur muten wir Ihnen ganz und gar nicht zu, aber versuchen Sie's mal und begnügen Sie sich mit einer leichten Mahlzeit, so ungefähr nach englischer Manier, und wenn möglich ohne Alkohol, denn der schläfert doch immer ein. Mit einem solchen kleinen Imbiss wird der Magen fertig, ohne dass Sie ihm und $ich besondere Ruhe zu gönnen brauchen. Ungesorgt dürfen Sie, weil Ihre Zeit ja knapp bemessen ist, gleich nach Tisch wieder auf und davon. Anschliessend werden Sie feststellen, wie wenig Ihnen jetzt die Hitze anzuhaben vermag und wie wohl Sie sich fühlen. « Pudelmunter » wäre möglicherweise leicht übertrieben, aber jedenfalls — und darin lag doch der Zweck der Uebung — besteht weit weniger Gefahr, dass Sie jenes unbezähmbare Schlafbedürfnis anfalle. Gehören Sie indessen zu den Käuzen, die oft unvermittelt nackt wilder Hunger heftig packt — auch Ihnen kann geholfen werden. Nehmen Sie ein paar essbare Kleinigkeiten, Früchte, Käse oder etwas Leichtes in den Wagen mit • und. zehren Sie unterwegs von dieser Notration. Denn dazu [st sie da So hergrn sollten Sie es einmal probieren. Es kostet Sie weiter nichts als ^-~ eventuell — eine durchaus im Rahmen des Erträglichen bleibende Umstellung Ihres Magenfahrplans, tndem Sie die Hauptmahlzeit vom Mittag auf den Abend verlegen. Wer jedoch — wohlverstanden unter jenen, die es eilig haben und deren Tagespensum keine Siesta nach Einnahme des Mittagsmahls zulässt, wie beispielshalber bei den Lastwagenchauffeuren — wer unter ihnen auf seine angestammten Gewohnheiten, will sagen auf ein bodenständiges, ausgewachsenes Mlttagsssen nicht verziehten kann oder will, der kippe hernach einen T«a od»r Kaff««. «Nach Yorkshire zurückfahren! Warum sollte sie das ? » «Ich befürchte, dass sich Albert» und Melinda nicht direkt bei ihr entschuldigen werden.» «Ich mache mir nicht viel daraus », sagte Tante Betty überraschenderweise, • Wahrscheinlich ist sie ihnen lästig gefallen.» < Ja, sie hat an allem etwas auszusetzen.» « Sie wird noch etwas auszusetzen haben, wenn sie ins Himmelreich einzieht; aber so ist sie. Genug von der Weber ! Was ist mit Celia los ? Ist sie verliebt, oder ist es das Klima ? Aber du brauchst nicht zu antworten, wenn du nicht willst. Wir können über Sallys Beine sprechen: Trommelstöcke nenne !ch so etwa$, nicht Beine. Es wundert mich, dass sie nicht abbrechen. Isst sie denn ordentlich ? Wahrscheinlich schlingt sie nur alles hinunter; du wirst das ja nie bemerken. Ich habe Ambrose noch gar nicht gesehen. Wie schrecklich für einen Jungen, in einem Hause aufwachsen zu müssen, das voll von Frauenzimmern ist. Neun Frauen findet Nicholas vor, wenn er nach Hause kommt! Ob er sich schon einmal überlegt hat, dass er zu jeder Mahlzelt neun Frauen zu füttern hat; der reinste Harem !» « Mir sind Frauen lieb», sagte ich kampflustig, (Fortsetzung fotgt.) lant das unmissversiändliche, kategorische Signal zur Einschaltung einer Ruhepause. Den nämlichen Dienst wie der Kaffee oder Tee kann bei jenen, die es an sich erprobt, auch eine starke Zigarre leisten, doch ist der Effekt hier individuell verschieden. Eines schickt sich nicht für alle, seh' ein jeder wie er's treibet Sind Sie aber nicht an die Zeit gebunden, gewährt Ihnen Ihr Tagesprogramm in dieser Hinsicht volle Freiheit und können Sie es nach eigenem Wunsch und eigener Laune einteilen, in diesem Falle dürfen Sie sich getrost ein Mittagessen in «landesüblichem » Umfang leisten, nebst dem zugehörigen Glas Wein oder Bier, so es Sie gerade danach gelüstet. Aber das alles nur, wenn Sie uns ehrenwörtlich versprechen, nach Beendigung Ihrer kulinarischen Tätigktit der Ruhe zu pflegen, sagen wir eine Stunde, Denn die muss sein, ob Sie nun «das Ganze» noch mit einem Kaffee begossen haben oder nicht. Ruhe also — wenn's ganz schlimm 'ist, strecken Sie sich irgendwo aus — damit die erschlaffende Wirkung von Speis und Trank abklingt. Halten Sie sich an diese Massregeln, dann laufen Sie weniger Gefahr, nachher am Lenkrad gegen unüberwindliche Müdigkeit anzukämpfen zu haben. Lo. EINE RUNDFRAGE DER «A.-R.!» Wann schätzen Sie Ihren Auto-Radio am meisten? Ueber das Thema Auto-Radio ist schon viel Tinte und Druckerschwärze geflossen. Dennoch, wollte uns seheinen, mit der Fräse nach dem Warum hat man sich bisher noch selten eingehender beschäftigt. Und das war es gerade, was uns gereizt, der Sache mal etwas auf den Grund ?u gehen. Wir haben deshalb bei einer Anzahl Automobilisten, die TPir als Besitzer eines Autoradio kannte», angeklopft und unser Begehr vorgebracht: wann, bei welchen Gelegenheiten ihnen dies« Errungenschaft moderner Technik am meisten Genuas bereite, wollten wir wissen. Weil uns aber schon einmal der Haber gestochen, rückten wir noch mit einer anderen Fr»» heraus, die in diesem Zusammenhang oft dig. kutiert wird, ob nämlich Radiomusik dl« Ab» lenkun« von den Pflichten eines vemntwortungsbewussten «Ritters vom Volant» empfunden werde. Die Antworten? Zusammenfassend lässt «ich etwa« sagen — aber bitte, lesen Si» selbstl Red. «J«, er macht mir viel Spass, besonders bei Geschäftsreisen durch altbekannte Gegenden, Ihre Anfrage kann ich dahin beantworten, da«» ich schon vor 8—9 Jahren den ersten Apparat eingebaut habe, — Ein Auto-Radio macht dem Fahrer dann am meisten Freude, wenn er alltin grosso Strecken fahren muss und speziell bei Geschäft»- reisen, dig ihn immer und immer wieder durch altbekannte Gegenden führen. Ich bin durch den Radio nie abgelenkt worden. Allerdings habe ich bei ganz pressanten Fahrten jeweüen ausgeschaltet. Schliesslich kommt es für den Fahrer was die Ablenkunsr betrifft, auf das gleiche heraus, ob ein Begleiter mit ihm Konversation führt oder ob der Radio ihm Musik oder Vorträge bringt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nie mahr auf den Auto-Radio verzichten möchte. A. R. in F. Radio, ein unterhaltsamer Gesellschafter. Auf Stadtstrassen bleibt der Radio-Apparat meiner persönlichen Auffassung nach am besten abgestellt, Das Wahrnehmungsvermögen des Fahrer» wird hier durch den Verkehr dermassen in Anspruch genommen, dass jede Ablenkung als Gefabren-Moment zu werten ist. Ausserdom kann inmitten des Strassenlärms von einem störungsfreien, genussreichen Empfang ohnehin keine Rede sein. Anders verhält es sich auf dem Land. Pa erweist sich der Auto-Radio besonders auf eintönigen Routen, bei Nachtfahrten usw. als unterhaltsamer Reisebegleiter und Gesellschafter de» Automobilisten und ganz speziell des Alleinfabrerg. Mann variiert auf langen Fahrten in einsamen Gegenden selbst in unserer Zeit der sich überstürzenden Aktualitäten nie den Kontakt mit der Welt und den Geschehnissen des Tages, Aber auch in schönen Landschaften bieten stimmungsvolle Radiodarbietungen eine wertvolle Umrahmung der Natursehönheiten. Sie regen zu langsamem, besinnlichem Fahren, zum Verweilen an idyllischen Punkten und damit zu tieferem Genisfsen landschaftlicher Reiza an. F. C S. in Z. Fortsetzung Seite 9.

N° 59 '-* FREITAG, 22. JULI 1938 AUTOMOBIL-REVUE Am Sonntag': 11. Grosser Preis von Deutschland Das Glück scheint den Organisatoren des Grossen Preises von Deutschland, der am nächsten Sonntag auf der 22 km 810 langen Nordschleife des Nürburgrings in der Eifel zum 11. Mal ausgetragen wird, unvergleichlich holder gesinnt zu sein, als den Veranstaltern des klassischen Grossen Preises von Frankreich, welcher vor 3 Wochen nur mit knapper Not durchgeführt werden konnte. Waren beim französischen AC seinerzeit nicht weniger als 22 Fabrikmeldungen aus Deutschland, England, Frankreich und Italien eingegangen, von denen bis wenige Tage vor dem Rennen 13 zurückgezogen wurden und somit nur 9 Boliden den Kampf aufnahmen, der zudem infolge Unausgeglichenheit der teilnehmenden Konstruktionen gar keiner war, so kann man auf dem Nürfourgring, sofern sich im Training keine Zwischenfälle ereignen, die diesen oder jenen Konkurrenten kampfunfähig machen, mit 22 startenden Piloten rechnen. Mit diesem erfreulichen Nennungsergebnis sind in Deutschland selbst die kühnsten Hoffnungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen worden, wenngleich zu sagen ist, dass von diesen 22 Meldungen nur 13 auf Fabrikmannschaften, die übrigen 9 dagegen auf Privatfahrer mit oder ohne StaHunterstützung entfallen. Dass für diese Fahrer die Chancen im Kampf um den Enderfolg so ziemlich auf Null stehen und sie auch den Verlauf des Rennens in keiner Weise irgendwie entscheidend zu beeinflussen vermögen, ist schon in Anbetracht des von ihnen gesteuerten, teilweise veralteten Masohinenmaterials selbstverständlich. Nicht so selbstverständlich dagegen ist der Mut, die physische und materielle Einsatzbereitschaft, mit der diese Privatfahrer mit relativ unzulänglichen Mitteln an der Seite der Fabrikpiloten mit ihren glänzend geschliffenen Waffen immer wieder wie die Löwen kämpfen. Vor so viel Kampfeswille dieser meist ganz auf sich selbst angewiesenen Sportsleute kann man nur den Hut abziehen. Im Rennen vom kommenden Sonntag werden wir seit Tripolis erstmals wieder deutsche, französische und italienische Rennwagen am Start sehen. Wie erinnerlich, ist seit dem nordafrikanischen Millionenrennen eine ganze Reile von Formel-Rennen abgesagt, worden und zwar, soweit nicht finanzielle Gründe für die Streichung der Veranstaltungen massgebend waren, fast ausschüesslich wegen mangelnder Beteiligung. Die Alfa-Romeo-Leute beschlossen, dem internationalen Rennbetrieb fernzubleiben, bis die Weiterentwicklung der 12- und 16- Zylinder-Rennwagen in den Mailäder Werkstätten einigermassen annehmbare Resultate gezeitigt habe. Ebenso entschied man sich in Bologna dafür, am neuen Maserati-Rennwagen auf Grund der in Tripolis gemachten Erfahrungen konstruktive Abänderungen und Verbesserungen zu treffen, bevor man den im übrigen sehr raschen Boliden erneut in den Kampf einsetzen wollte. Die französischen Neukonstruktionen waren — abgesehen von Delahaye — noch nicht «au point» und von Auto-Union wusste man seit langem, dass das Debüt ihrer 12- Zylinder-Heckmotor-Wagen frühestens im Grossen Preis von Frankreich erfolgen würde. Mit welchem Effekt dies in Reims geschehen ist, darüber brauchen wir unsere Leser nicht mehr zu orientieren. Maserati erklärt forfait. Nun also stehen wir am Vorabend des Grossen Preises von Deutschland, an dem unser nördlicher Nachbar durch Mercedes-Benz und Auto-Union, Frankreich durch Delahaye und Italien ganz unerwarteterweise nicht durch Maserati, sondern durch Alfa-Romeo vertreten sein werden. Es ist nämlich der Rennleitung zu Beginn dieser Woche gelungen, vom Mailänder Rennstall Alfa-Corse die Zusicherung für den Start von zwei in Livorno erprobten 12-Zylinder-Alfas zu erhalten, während anderseits Maserati die beiden abgegebenen Nennungen (Trossi und Varzi) bedauerlicherweise rückgängig gemacht hat, da die 3-Liter-Rennwagen noch nicht rennreif seien und erst in diesen Tagen auf der Piste von Monza erprobt würden. Prophezeien ist immer ein heikles Ding, weil man sich dabei schwer «vergaloppieren» kann und es ohnehin meistens anders kommt, als man denkt. Wenn wir dennoch die Untertürkheimer Werke als Favoritin erklären, so deshalb, weil ihr Spitzenfahrer Rudolf Caracciola den Grossen Preis von Deutschland bis heute fünfmal gewonnen hat und weil ihr neuer Formelwagen aus den Grossen Preisen von Tripolis und Frankreich mit einem dreifachen Siege hervorgegangen ist. Ein homogeneres Team, als es Caracciola, Lang und von Brauchitsch darstellen, kann man sich wohl kaum träumen. Der vierte Wagen wird dem Engländer Seaman anvertraut, während Rennleiter Obering. Neubauer den Entscheid darüber, wer von den Nachwuchsfahrern Brendel, Bäumer und Hartmann den fünften Boliden steuern darf, erst auf Grund der Trainingsresultate fällt. — Bei der Auto-Union hat die durch den tragischen Tod Rosemeyers und von Delius', sowie das seinerzeitige Ausscheiden Stucks akut gewordene Fahrerfrage eine vorläufige Lösung insofern gefunden, als man Stuck und Nuvolari, den unbesiegten Bergmeister Europas und den italienischen Campionissimo neu verpflichtet hat und diesen beiden berühmten Koryphäen am Sonntag Hasse und den Schweizer Kautz zur Unterstützung beigibt. Stuck und Nuvolari haben sich über die Eigenschaften des neuen Auto-Union- Wagens begeistert geäussert; interessant wird es nun sein, wie und ob er das 500-Kilometer-Rennen durchsteht. — Der Rennstall von Delahaye, die von Madame Schell dirigierte «Ecurie Bleue» entsendet auf dem kompressorlosen Dalahaye die Fahrer Dreyfus und Comotti und Alfa-Gorse delegiert Farina und Biondetti, da Sommer von seinem Sturz in Livorno noch nicht ganz wieder hergestellt ist. Das Rennen geht über 22 Runden = 501,82 km und beginnt Sonntagmittag 12 Uhr, nachdem zuvor nationale Sportwagen- und Motorrad-Rennen ausgetragen worden sind. Das offizielle Training hat Mittwochvormittag 9 Uhr begonnen. Die Fahrer der Daimler-Benz AG. stiegen einer nach dem andern in ihre Silberfische und fuhren auf Anhieb zum Teil sehr beachtliche Zeiten, die wir nachstehend wiedergeben. Am Nachmittag gingen die Auto-Union-Piloten « aflf Strecke », und zwar erschien zum allgemeinen Erstaunen auch Hermann Müller, der beim Training in Reims gestürzt war. Er hatte das Krankenhaus auf dem Motorrad verlassen und war schnurstracks zum Ring gefahren, •wo er sich in einen Rennwagen setzte und eine Runde von 10:26 hinlegte. Rennleiter Ugolini und die Alfa-Fahrer Biondetti und Farina waren mit ihren 12-Zylindern ebenfalls schon zur Stelle, nahmen jedoch das Training, gleich wie Dreyfus und Comotti auf Delahaye, erst am Donnerstag auf. Trainingszeifen vom Mittwoch: Brauchitsch (M-B), 9:58,1 = 137,2 km/St.; Lang (M-B), 10:07; Caracciola (M-B), 10:10,3; Bäumer (M-B) 10:10,3; Seaman (M-B), 10:12,4; Nuvola-ri (A-U) 10:15,1 = 133,5 km/St.; Müller (A-U), 10:26,0 Bedeutend schnellere Runden wurden am zweiten Trainingstag, am Donnerstag registriert. Manfred von Brauchitsch drückte mit seinem Mercedes- Benz die Rundenzeit über 9:51,0 auf 9:48,4 (139,6 km/Std.) und egalisierte damit fast aufs Haar den von Bernd Rosemeyer sei. mit 9:47,0 gehaltenen Rekord. Lang notierte 9:51,1, Seaman 10:00,0 und Garacciola 10:03. Bäumer wurde in der Südkurve aus der Bahn getragen. Er blieb unverletzt, aber der Wagen ist ziemlich beschädigt. Die Auto-Union drehte noch nicht voll auf. Nuvolari fuhr die schnellste Runde in 10:47,4, Hasse in 10:19, Müller in 10:25,2, Stuck in 10:30. Dreyfus und Comotti auf Delahaye, sowie Farina, Biondetti und Belmondo auf Alfa-Romeo drehten ebenfalls einige Runden, ohne jedoch besonders gute Zeiten zu erzielen. Ferner bemerkte man einige Kleinwagenfahrer, darunter den Schweizer von Graffenried auf Maseru. Nennliste. Fabrikfahrer. Mercedes-Benz: (12 Zyl. mit Kompr.) Rudolf Caracciola Manfred von Brauchitsch Hermann Lang Richard Seaman und als 5. Fahrer: W. Bäumer. H. Hartmann oder H. Brendel. Auto-Union: (12 Zyl. mit Kompr.) Hans Stuck Tazio Nuvolari Rudolf Hasse Christian Kautz * Ersatz: U. Bigalke Alfa Romeo: (12 Zyl. mit Kompr.) Giuseppe Farina Clemente Biondetti Delahaye: (12 Zyl. ohne Kompr.) Rene Dreyfus Franco Comotti Privatfahrer mit StaHunterstützung. Squadra Automobilistica Torino (Alfa Romeo): Piero Taruffi P. Ghersi Ersatz: Piero Dusio Scuderia Ambrosiana, Mailand (Maserati): F. Cortese Privatfahrer. Maserati: E. de Graffenried (Schweiz), A. B. Hyde (England), H. Berg und P. Pietsch (Deutschland auf 1,5-Liter-Wagen). Alfa Romeo: Graf Festetics (Ungarn), V. Belmondo (Italien. Die bisherigen Sieger. 1926 Avus, Grosser Preis für Sportwagen, Sieger: Rudolf Caracoiola, Mercedes-Benz, 135,1 km/Std. 1927 Nürburgring, Grosser Preis für Sportwagen, grosse Schleife, 18 Runden = 509,4 km, Sieger- Otto Merz, Mercedes-Benz, 102 km/Std. 1928 Nürburgring, Grosser Preis für Sportwagen, grosse Schleife, 18 Runden = 509,4 km, Sieger: Rudolf Caracciola, Mercedes-Benz, 103,9 km/Std. 1929 Nürburgring, Grosser Preis der Nationen für Sportwagen, grosse Schleife, 18 Runden = 509,4 km, Sieger: Louis Chiron, Bugatti, 106,9 km/Std. •£_ Emmi *+ 1931 Nürburgring, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 25 Runden = 570 km, Sieger: Rudolf Caracciola, Mercedes-Benz, 103,3 km/Std. 1932 Nürburgring, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 25 Runden = 570 km, Sieger: Rudolf Caracciola, Alfa Romeo, 119,3 km/Std. 1934 Nürburgring, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 25 Runden r= 570 km, Sieger: Hans Stuck, Auto-Union, 123 km/Std. 1935 Nürburgring, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 22 Runden = 501 km, Sieger: Tazio Nuvolari, AHa Romeo, 121,1 km/Std. 1936 Nürburgring, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 22 Runden = 501 km, Sieger: Bernd Rosemeyer, Auto-Union, 131,6 km/Std. 1937 Nürburgrirfg, Grosser Preis für Rennwagen, Nordschleife, 22 Runden = 501 km, Sieger: Rudolf Caracciola, Mercedes-Benz, 133,2 km/Std. Probefahrten von Maserati in Monza. Arn vergangenen Dienstag sind die Gebrüder Maserati als verantwortliche Leiter des Bologneser Rennstalles gleichen Namens mit der Fabrikmannschaft Graf Trossi/Achille Varzi in Monza eingetroffen, um den — wie es heisst — punkto Getriebe und Strassenhaltung stark verbesserten neuen 3-Liter-Kompressor-Rennwagen zu erproben. Sowohl Varzi und Trossi, als auch der Italiener Goffredo Zehender haben im Laufe des Vormittags in Anwesenheit des spanischen Ex-Königs Alfonso XIII. zahlreiche Runden gedreht, wobei die Konstruktion einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen haben soll. Die Maserati-Werke haben — wie an anderer Stelle zu lesen steht, für den Grossen Preis von Deutschland völlig überraschend forfait erklart un'd werden sich nun auf das Rennen um den Ciano-Pokal vorbereiten, das am 7. August in Livorno zum Austrag kommt. 6g»«»*t fn d«>» SAweiz Schweiz. Zuverlässigkeitsfahrt 1938. Schwere Zuverlässigkeitsfahrten auf geeigneten, schwierigen Prüfungsstrecken bilden ebenso vorzügliche «bancs d'essai» für Motorfahrzeuge wie Berg- oder Flachrennen. Die letztjährige Jurafahrt hat dies schlagend bewiesen! Dieses Jahr ladet die Sektion Zürich des ACS zur zweitägigen Schweiz. Zuverlässigkeitsfahrt auf den 3i und 4. September ein. Es ist eine Prüfungsstrecke «ausgetüftelt» worden, die jedes sportfreudige Automobilistenherz höher schlagen lassen wird. Da fehlt es nicht an kurvenreichen Bergsträsschen, an steilen Rampen und unübersichtlichem Gelände. Nicht nur der Motor des Wagens, sondern auch das Gehirn des Fahrers und Mitfahrers werden auf Höchstleistung eingestellt sein müssen, um Aussicht auf gute Klassierung zu haben. Die erste Tagesetappe führt über ca. 180 km von Dübendorf nach Rapperswil, die zweite über ca. 120 km von Rapperswil nach Zug. Grosse Neuerung: die Prüfungsstrecke bleibt den Fahrern bis zum Start vollständig geheim; es soll kein vorheriges Trainieren möglich sein. Die Strecke wird auch nicht markiert, Karte und Itinerar müssen dem Fahrer zur Orientierung genügen. Für die Einzelfahrer sind 3 Konkurrenzen vorgesehen: Nationale Konkurrenz für alle Inhaber internationaler Lizenzen, Sektions-Konkurrenz für Zürcher ACS-Mitglieder und Militär-Konkurrenz für Motorfahrer-Offiziere. Die Fahrer sind in Amateure und Experten eingeteilt, die Fahrzeuge in 2 Wertungsgruppen bis resp. über 2000 ccm Zylinderinhalt. Vorgesehen ist als Sonderwettbewerb eine Bergprüfung, die vorher ebenfalls nicht bekanntgegeben wird. Drei Bergstrecken stehen hiefür zur Verfügung. Die Wahl wird am 3. September getroffen. Die Schweiz. Zuverlässigkeitsfahrt zählt für die Schweizeriche und Zürcher Automobilmeisterschaft. Es wird ein Grosskampf serienmässiger Automobile und sportfreudiger Fahrer werden. Der Gabentisch ist mit wertvollen Barpreisen (Militär-Konkurrenz mit Ehrenpreisen) dotiert. Reglemente und Anmeldeformulare sind beim Sekretariat der Sektion Zürich des ACS, Waisenhausstr. 2, Zürich, erhaltlich. Erster Nennungsschluss 25. August, wobei sich die Organisatoren vorbehalten, die Teilnehmerzahl maximal zu begrenzen. Das Zürcher Rundstreckenrennen 1939. Kaum hat die ausserordentliche Generalversammlung der Sektion Zürich des ACS vor 14 Tagen die Durchführung eines gross aufgezogenen Rundstreckenrennens anlässlich der Schweiz. Landesausstellung 1939 beschlossen, so ist man zur Bestellung des Organisationsapparates geschritten. Dieser setzt sich aus dem grossen Organisationskomitee und dem mehr technischen Rennkomitea zusammen, welches am Renntag selbst die technische Organisation und Abwicklung der einzelnen Rennen zu leiten hat, während dem Organisationskomitee die grosse Arbeit der Gesamtvorbereitung der Veranstaltung als solcher zukommt.. Das grosse Organisationskomitee setzt sich aus einem neunköpfigen, geschäftsleitenden Ausschuss und den Präsidenten der ca. 12 Unterkomitees für Bauten, Polizei, Sanität, Kassadienst, Finanzen, Presse, Propaganda, Zeitmesserdienst, Telephon, Lautsprecher und wie sie alle heissen, zusammen. Der geschäftsleitende Ausschuss wurde, nachdem sich Herr Stadtrat Stirnemann in zuvorkommender Weise als Präsident zur Verfügung gestellt hat, wie folgt bestellt: Präsident Stadtrat Stirnemann; Vizepräsidenten M. Gassmann-Hanimann, Heinr. Hürlimann und Oberst F. Ryhner; Beisitzer F Frey, H. Meyer, G. Ruoff, Dr. H. Schmidlin und ein Vertreter des M. C. Zürich, der um seine Mitarbeit für die Motorradrennen ersucht worden ist. Das grosse Organisationskomitee umfasst ca. 20 Mitglieder. Dem technischen Rennkomitee gehören an: Präsident und Rennleiter F. Frey; Vizepräsidenten H. Meyer, W. Badertscher und ein Vertreter des M. C. Zürich; Sekretär Dr. H. Schmidlin. Das Generalsekretariat des Rennens wird vom Sekretariat der Sektion Zürich des ACS übernommen. Es befindet sich an der Waisenhausstrasse 2, in Zürich. Das Organisationskomitee wird demnächst zu seiner ersten Sitzung zusammentreten, worauf die bereits bezeichneten Komiteepräsidenten Vorschläge für die Bestellung ihrer Komitees unterbreiten werden. V