Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.061

E_1938_Zeitung_Nr.061

BERN, Freitag, 29. Juli 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ebne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich F*. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 10.— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwemtrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenscnluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Zum Projekt eines Titiisdurchstichs Die « Automobil-Revue » hat zum Projekte eines Titiisdurchstiches, mittelst welchem Engelberg an die Sustenstrasse angeschlossen werden soll, bereits in den Jahren 1936 und 1937 Stellung genommen. Es erübrigt sich daher wohl, an dieser Von Prof. E. Thomann, Zürich. Stelle nochmals näher auf die militärischen, verkehrspolitischen und touristischen Vorteile, die mit dieser Verbindungsstrecke erreicht werden wollen, einzutreten. Wenn trotzdem das Thema hier nochmals aufgegriffen wird, so geschieht dies aus dem Wunsche heraus, über derartige Projekte, zu denen ja End aller Ends der Steuerzahler das letzte Wort zu sagen haben wird, etwas mehr Klarheit zu erlangen. Zu dieser Stellungnahme zwingt uns namentlich auch der vom Projektverfasser im Monat Mai d. J. dem Initiativkomitee unterbreitete Projektbeschrieb. Zwei Punkte bedürfen, meines Erachtens, vor allem der Abklärung: einerseits die Frage der Wirtschaftlichkeit eines solchen Unternehmens und zweitens diejenige der Belüftung des Tunnels. Ich habe absichtlich die «Wirtschaftlichkeitsfrage;» vorangestellt, denn nicht die mehr oder weniger ausgeprägte militärische oder verkehrswirtschaftliche Bedeutung des geplanten Durchstiches wird dieses Projekt ausreifen oder vorzeitig sterben lassen, sondern das Gesicht des finanziellen Betriebskoeffizienten; resp. die Möglichkeit der Herauswirtschaftung eines angemessenen Zinsfusses für das notwendige Obligationenkapital und einer ebenfalls angemessenen Rendite für das Aktienkapital. Denn laut Projektverfasser sollen ja nicht nur die Betriebs- und Unterhaltungskosten durch Erhebung einer Fahrzeugabgabe gedeckt werden, sondern es soll daraus auch eine annehmbare Verzinsung des Baukapitais herausgewirtschaftet werden. Ich vermisse aber in dem Projektbeschrieb die Aufstellung dieses wichtigsten Dokuments, nämlich eine Betriebsbilanz. Wer wird aber dem Komitee auch nur einen Franken Betriebskapital vorschiessen oder zeichnen ohne die Vorlage einer auf ernsthafter Basis kalkulierten Betriebsbilanz? — Eine Beurteilung der Vorlage nach dieser Seite hin ist anhand des vorliegenden Berichtes aber schlechthin unmöglich, soweit dieses nicht durch ä-fonds-perdu-Beiträge gedeckt werden konnte. Aus dem Batikostenvoranschlag geht nur hervor, dass die geplante Anlage in ihrer Gesamtheit 23.238.500 franken kosten soll, — wozu ein Fragezeichen zu machen noch berechtigt erscheint, namentlich was die Tunnelkosten anbetrifft. — Genauere Zahlen werden sich aber erst an Hand von detaillierten Studien ermitteln lassen. (Der provisorische Kostenvoranschlag vom 5. April 1937 sah demgegenüber für die Strassenanlage 11 und für Installationen 2,3 Mill. Franken, insgesamt also nur 13,3 Millionsn Franken vor!) Die dem Bund, respektiv dem Schweiz. Steuerzahler, zugemutete Beitragsquote wird zu 80 % des Gesamtvoranschlages angenommen. Ohne allfälligen Entscheiden der Bundesinstanzen vorgreifen zu wollen, glaube ich, dass im gegenwärtigen Stadium sich empfehlen dürfte, nicht allzusehr auf einen so hohen Bundesbeitrag zu pochen, sondern denselben vorsichtshalber in eine Bilanzkalkulation niedriger einzusetzen. Vorausgesetzt, die aufgestellte Kostensumme könnte einge- Auch Uassec Sachschaden bei einem Tlnfait muss aotn Autamo&iüsteu gemeldet metden Das eidg. Motorfahrzeuggesetz bestimmt in Art. 36 über das Verhalten bei Unfällen: «Wenn ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad an einem Unfall beteiligt ist, so muss der Führer sofort anhalten. Dies gilt auch für Fahrzeuge mit Tierbespannung, sofern an dem Unfall ein Motorfahrzeug oder Fahrrad: beteiligt ist. — Ist jemand verletzt worden, so hat der Führer seinen Beistand anzubieten und für Hilfe zu sorgen. Er muss der nächsten Polizeistelle Meldung erstatten» sowie seinen Wohnsitz und Aufenthaltsort angeben.' Ist nur Sachschaden entstanden, so muss der Führer dem Geschädigten oder der nächsten Polizeistelle sofort Anzeige machen, sowie seinen Wohnsitz und Aufenthaltsort angeben. » Unter den Lenkern von Motorfahrzeugen herrschte eine gewisse Unsicherheit darüber, ob diese Vorschriften auch dann zu befolgen seien, wenn ein Tier überfahren wurde; gewöhnlich verneinte man diese Frage. In der letzten Sitzung des bundesgerichtlichen Kassationshofes hat sie nun ihre endgültige Abklärung gefunden. Ein Autofahrer fuhr einen Hund an, so dass eine tierärztliche Behandlung notwendig wurde. Da der Fahrer seine Reise fortsetzte, ohne über den Unfall Meldung zu erstatten, wurde er vom Bezirksgericht Morgen wegen Widerhandlung gegen Art. 36 MFG zu 20 Fr. Busse verurteilt. Er war der Auffassung, er sei zur Meldung nicht verpflichtet gewesen und focht daher das Bussenurteil vermittelst einer Nichtigkeitsbeschwerde beim Bundesgerioht an. Der Kassationshof des Bundesgerichts hat jedoch die Beschwerde abgewiesen und die Busse geschützt. (Aus dem Bundesgericht.) Es war zunächst nicht zu prüfen, ob den Automobilisten ein Verschulden am Vorfall treffe, weil die Busse nur gestützt auf Art. 36 MFG ausgesprochen worden war. Sodann war dem Beschwerdeführer nicht zur Last gelegt worden, dass er nicht sofort angehalten hatte und daher konnte offen gelassen werden, ob auch dann anzuhalten ist, wenn nicht ein-lMall, sondern blosser Sachschaden vorliegen kann. Zu entscheiden war lediglich, ob der Beschwerdeführer wirklich zur Meldung verpflichtet gewesen wäre. Diese Meldepflicht besteht nach dem letzten Satze des Art. 36 MFG auch bei blossem Sachschaden, und ein solcher war hier nicht ausgeschlossen, weil das überfahrene Tier, ein Jagdhund, einen gewissen Wert darstellte. Der Automobilist kann die Unterlassung der Meldung nicht damit entschuldigen, er habe einer erregten Auseinandersetzung mit dem Hundebesitzer ausweichen wollen, denn das Gesetz lässt dem Fahrer bei blossem Sachschaden die Wahl, die Meldung entweder dem Geschädigten oder der nächsten Polizeisteile zu machen, und somit hätte der Beschwerdeführer seiner Meldepflicht auch genügt, wenn er bis zur nächsten Polizeistation gefahren wäre, um dort anzuhalten und Meldung zu machen. Die Meldung darf namentlich nicht etwa deswegen unterlassen werden, weil ein Fahrer überzeugt ist, dass ihn kein Verschulden treffe, denn die Meldepflicht des Art. 36 will gerade dafür sorgen, dass der Tatbestand festgestellt und die Verschuldensfrage abgeklärt werden kann; es darf daher nicht der Beurteilung des Lenkers überlassen bleiben, ob er sich nach den Umständen zu einer Meldung verpflichtet fühlt. Wp. In dieser Nummer: Die Forclazstrasse wird mit Ausweichstellen versehen. Rund um den Grossen Preis von Deutschland. Oesterreichs Strassen werden staubfrei. Polarisiertes Licht und Blendproblem. Bilder: S. 5. Beilage: halten werden, so müssten von der zu gründenden Gesellschaft, je nach der Höhe des Bundesbeitrages, jedenfalls zwischen 4,65 Mill Fr. bei 80% oder 11,6 Mill. Fr. bei nur 50 % Bundesbeitrag verzinst und amortisiert werden. Rechnen wir sowohl für das Obligationenkapital wie auch für das Aktienkapital mit einer Verzinsung zu 5 %, so würde der Zinsendienst allein zwischen 232.000 und, 580.000 Franken verschlingen. Zu diesem Betrage sind die Betriebskosten, Unterhaltungsspesen, Aufwendungen für Abschreibungen und für die Schneeräumung zur Freihaltung der Zufahrtsstrecken hinzüzuschlagen, womit die Passivseite sich leicht verdoppeln kann. Werden einem so hohen Betrage die entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen? Leider gibt uns auch darüber der Bericht keine Auskunft. Einzig bei Behandlung dör Bedürfnisfrage wird von einer Frequenz von 200 Wagen in einer Richtung pro Stunde im Sommer und von 10—20 Wagen im Tag im Winter gesprochen. Nähere Frequenzunterlagen scheinen aber zu fehlen. Auch über die Höhe der vom Automobilisten zu erhebenden Tunneltaxe fehlen Angaben Diese, sowohl für den Geldgeber, vom Standpunkt der Pfandsicherheit, wie auch für den Tunnelbenützer, vom Standpunkt des eigenen Geldbeutels, wichtigen Angaben müssen aber, wenn ein Projekt auf seine Ausführungsmöglichkeit überprüft werden soll, unbedingt nicht nur vorhanden sein, sondern auch auf ihre Attendibilität untersucht werden können. Es genügt nicht, diesen, sagen wir es richtig, « springendsten Punkt » mit den einfachen Sätzen abzutun: «Welche Höhe diese Durchtahrtstaxen haben werden, kann heute noch nicht gesagt werden, immerhin werden sie sich in bescheidenem Rahmen halten. — Bei der heutigen Geldflüssigkeit sollte es möglich F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 6. Fortsetzung. «Ich lasse mich nicht von ihnen anrühren», murrte der junge Mann. «Ich habe mir den Arm gebrochen und brauche einen Arzt.» «Ich bin Aerztin», entgegnete Nancy. «Sie? Unsinn!» «Das ist ein Glück für uns», sagte sein Freund. «Komm, Andy.» «Komm! — In diesem Zustand kann ich nirgends hingehen. Du musst versuchen, eine Tragbahre zu bekommen, Lukas, damit ich nach Porthlew gebracht werde. Ich werde meinen gebrochenen Arm nicht einer Frau anvertrauen.» «Ein eigensinniger Mensch», sagte Tante Betty mit ihrer durchdringenden Stimme. «Wenn ich an deiner Stelle wäre, Nancy, •würde ich ihn da liegen lassen.» «Seilen Sie,-dass Sie .hier fortkommen», sagte der Leidende, und dabei machte er mit seinem gesunden Arm eine Bewegung, als ob er Geflügel verjagen wollte. Celia war die erste, die sich in Bewegung setzte. Sie blickte Martha an und rief die Kinder zu sich. Ich war im Begriff zu folgen, als mich Tante Bettys Stimme zurückrief. «Elisabeth! Du und ich bleiben hier. Nancy könnte uns brauchen, und ausserdem —» Sie vollendete nicht, aber ich wusste, was durch ihren Kopf ging. Wenn der junge Mann ausgekleidet werden müsste, dann hätten wir alte Frauen das zu besorgen und nicht ein Mädchen in Nancys Alter. «Ich werde euch nicht brauchen», sagte Nancy. «Nur etwas Verbandszeug und Sicherheitsnadeln habe ich nötig. Lauft ihnen nach und holt die Handtücher.» Sie kniete jetzt neben dem jungen Mann und betastete vorsichtig seinen Arm. Nancy hatte wundervolle Hände, Chirurgenhände, sensitiv und behutsam. Ich hatte sie noch nie vorher bei der Arbeit gesehen, ausgenommen einmal, als sie Sally, die sich sehr tief in den Daumen geschnitten hätte, verband. Damals fiel mir auf, wie ruhig und sachlich sie zu Werke ging, und heute fiel es mir wieder auf. Aber sie konnte den jungen Mann nicht untersuchen, ohne ihm Qualen zu bereiten, und er schien zu glauben, dass er nur deshalb Schmerzen hatte, weil er in den Händen einer Frau war. «Ruft einen Artz!» schrie er ein ums andere Mal. «Ich kann das nicht ertragen.» «Sie benehmen sich wie ein Kind», sagte Tante Betty, «reissen Sie sich zusammen, Freundchen. Woher sind Sie?» « Aus Leeds », stöhnte er. «Aus Leeds! Dann sind Sie doch ausYorkshire? Mensch, ich schäme mich für Sie», sagte Tante Betty, warf die Handtücher, die sie geholt hatte, neben ihn ins Gras und wandte sich an seinen Freund. «Wenn Sie wollen, dass wir gehen, werden wir es tun; aber meine Nichte versteht ihre Sache.» «Ich bin überzeugt davon», entgegnete der andere, der bekümmert dreinblickte, teils, weil sein Freund diesen Unfall erlitten hatte, teils, weil er sich so benahm. Er hatte ein Gesicht, das mir vom ersten Augenblick an sympathisch war; Charakter und Tüchtigkeit waren darauf zu lesen. « Was ist mit dem Arm ? » sagte er jetzt zu Nancy. «Ist er gebrochen ? » « Ich glaube nicht », erwiderte Nancy. «Dummes Zeug», murmelte der junge Mann. « Natürlich habe ich ihn mir gebröchen. » «Aufsetzen», befahl Nancy energisch, «der Rock muss herunter. So, und jetzt das Hemd. Wir müssen es vorn aufschneiden. » «Kann es nicht über den Kopf gezögert werden ?» fragte Tante Betty. «Es ist doch ein Jammer, dieses Hemd zu zerreissen.» Nancy knöpfte das Hemd auf und schnitt dann seelenruhig hinein. Tante Betty stöhnte, und ich weiss nicht, welcher Schmerz grösser war : der um das zerschnittene Hemd oder den Anblick ihrer Grossnichte, die mit einem so intimen Toilettegegenstand eines Mannes beschäftigt war. « Was ist geschehen ?» fragte der ältere Mann. «Der Arm ist ausgerenkt», sagte Nancy