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E_1938_Zeitung_Nr.061

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18 Automobil-Revue —

18 Automobil-Revue — N° 61 « Dieses Wallis (ja, wieso nennt man s nicht, wenn man die berühmtesten Gegenden der Erde aufzählt?) ist eine unvergleichliche Landschaft; erst erfasst ich's noch nicht in Wahrheit, weil ich's verglich: mit dem Bedeutsamsten meiner Erinnerungen, mit Spanien, mit der Provence (der es ja in der Tat durch die Rhone blutsverwandt ist), aber erst seit ich's ganz um seiner selbst Willen anstaune, offenbart es mir seine grossen Verhältnisse und in ihnen, nach und nach erkennbar, die süsseste Anmut und die stärkste Ueberlieferung. » So schrieb aus seinem Chäteau de Muzot ob Sierre Rainer Maria Rilke — und er hat damit das Tiefste gesagt, was sich über diese Landschaft sagen lässt; in seinen Worten ist alles, alle Möglichkeit enthalten, deren man bedarf, um das Wallis zu erkennen, seine Natur, seine Metaphysik. Man kann es aus einem ersten Eindruck erleben, gewissj aber begreifen kann man es wirklich nur « nach und nach »: in Versenkung, wie ein Mystiker. «Heroisches Land» Abseits von der Hauptstrasse, an Hänge gelehnt, eng in der Talweite, verträumt, umklungen von der Melodie der Jahrhunderte, von der sein Strom etwas mitzunehmen scheint auf dem Wege zum fernen Mittelmeer, ganz echtes Wallis, liegt, voller « Anmut und Ueberlieferung •», das kleine Raron. Auch darin ist es ein rechtes Kind dieser Erde, dass es, wenn auch seltener, noch einen zweiten Namen trägt'. Rarogne! So still wie heute war es nicht immer. Wehrhaft und unternehmend geboten über seine Marken die Freiherren, die nach ihm sich benannten; nicht weniger als fünf von ihnen regierten das Oberwallis als Bischöfe von Sitten; etliche amteten in weltlicher Gewalt als des Oberwallis Landeshauptleute. Nicht alle erwarben sich wie einer jener geistlichen Fürsten (Wilhelm I.) den Ehrentitel eines « Guten », und an seinen Bruder Wytschart knüpft sich eines der traurigsten Kapitel aus der Schweizergeschichte. Er war ein harter Herr, hielt Freundschaft mit den Savoyern und brachte die Bauern gegen sich auf. Sie rotteten sich zusammen, stürmten die freiherrlichen Burgen, verwüsteten die freiherrlichen Güter, und der Landeshauptmann musste* flüchten. Auf einmal standen sich zwei mächtige Parteien gegenüber, denn Wytschart war Berner Bürger, das Volk aber fand Hilfe bei Luzern, Unterwaiden und Uri. Die Berner fielen ins Wallis ein, die Walliser ins Berner Oberland, und der Bruderkampf endete mit dem heissen Treffen bei Ulrichen im Goms, das die Walliser gewannen. Das war 1419. Was ihnen das Schwert errungen hatte, verdarb ihnen jedoch die Diplomatie: sie mussten Wytscharts Rechte anerkennen. Doch war seines Bleibens hierzulande nicht mehr lange — er war zu verhasst Die Kirche von Raron. Baron Ein Kapitel Walliser Geschichte — Rainer Maria Rilkes Grab Text und Aufnahmen: Dr. Willy Meyer. und wanderte aus. Zum Glück waren nicht alle Raroner führenden Männer gleich ihm. Im Gegenteil, die Umsicht der meisten wurde sprichwörtlich, und Raronia prudens, kluges Raron, wurde um ihretwillen der Ehrenname des Ortes. Die Burg der Freiherren lag nun in Trümmern, und die ewig junge Natur begann sie zu übergrünen, wie drüben am Heidnischbiel, gen St. German, die Keltengräber — die fast erst unsere Zeit entdeckt hat. Da brach im Dorfe unten der Bietschbach aus. Ungestüm überflutete er seine Ufer, warf Hausrat und Gemäuer vor sich her und zerstörte auch die Kirche. Nur ihr Glockenturm steht noch heute und in seiner Nähe das stattliche Maxenhaus, dessen unteres Stockwerk wie das seine halb von Schutt überdeckt ist. Da galt es, ein neues Gotteshaus zu errichten, und der bischöfliche Oberhirte, kein Geringerer als Kardinal Schinner, förderte das fromme Werk. Dort, wo die Stammburg der Raroner gewesen war, auf ihren Mauern und unter Einbeziehung ihrer Reste, erstand fast ein Jahrhundert nach ihrer Vernichtung, 1512, die noch uns erhaltene St. Romanuskirche. Weit ins Rhonetal hinunter, flussauf und flussab, schaut ihr spitzer Turm; schlank und feierlich schliessen sich unter dem Reichtum ihrer netzförmigen Gewölbe Halle und Chor um manches edle Kunstwerk, und während draussen den Eindruck hohen Alters am stärksten ein nachbarlicher Zehentbau vermittelt, tun es hier drinnen ehrwürdige Wandgemälde, die erst vor nunmehr fünfzehn Jahren freigelegt wurden. An Kirche und Pfarrhaus schmiegt sich ein Friedhof. « Wie sie so sanft ruh'n, alle die Seligen » — ganz unwillkürlich singt sich das Lied in unser Herz. So still, so schön, so wirklich friedvoll ist dieser Platz. Jenseits der Kirche aber, da, wo sie gegen den Abgrund steht, hoch überm Rhonetal, an ihrer Südmauer, ist noch einmal ein Grab, für sich allein, von Steinen umzogen, von Efeu überwachsen, mit einer Marmortafel, die ein adeliges Wappen zeigt und einen teuren Namen «Rainer Maria Rilke». Hier schläft der Dichter, so wie er sich's gewünscht, von den bewegenden Visionen seines irdischen Daseins. Hier ruht er unter den Rätselzeilen, die noch er selbst sich gesetzt: Rose, o reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern. Kein passenderer Raum für sein Grab Hesse sich denken als der Weltallausschnitt, der dieses Stück Walliserboderi um Raron ist, mit all seiner geheimnisvollen Beziehung zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit, Seele und Ding, Mensch und Gott, wo Berge den Himmel zu berühren scheinen, zu ihren Füssen aber die Rebe gedeiht, die Raron in seinem Wappen weist. Denn all das ist auch ein Sinnbild der Kraft dieses Wallis, das den deutschen Dichter aus Böhmen mit mütterlicher Inbrunst an sich zog, bis er in beiden Zungen seine Liebe erwiderte: «Au ciel plein d'attention, ici la terre raconte; son Souvenir la surmonte dans ces nobles monts. » (Quatrains Valaisans.) Es wird immer seltsam und vielbedeutend sein, Raron als den Zielpunkt dieses grossen Lebens zu betrachten, das in Prag begann, über soviel Fremde und Flucht tastete und in Sierre, jenem anderen Walliserdorf, die « maison » im Ursinne — die « Bleibe », fand. Denn schon der junge Rilke hatte seherisch ein Bild vor Augen, das « Raron » heissen könnte; in einem gedankenvollen Aufsatz hat einmal I. E. Poritzky diese Verse (« die er mit seiner müden, verschleierten Stimme während des Tellergeklappers im Restaurant zitierte ») wiederholt: « Ich hab' einen Friedhof gefunden, Drin weisse Blüten wehn Und drin die Dämmerstunden Wie schweigende Mönche gehn. Ich weiss einen Friedhof am Hange, Drin spätes Glühen beginnt, Wenn tief im Dorf schon lange Die Kinder schlafen sind. » neigen am ehesten dazu, durch unschöne Fettpolster .formlos zu werden.'- Beugen Sie vor. durch.eine unschädliche r Kur mit Boxberger* Kissinger SIERRE Alle Walliser-Spezialitäten. - Garage. GENF Der Dorfplatz. Der «Ewige Reigen» auf dem Münsterplatz in Bern - Au Garnozet. Tel. 51.389 Ruhige Lage am See, im Stadtzentrum. Aller moderne Komfort. Zimmer von Fr. 5.— an, mit Bad Fr. 8.—. Pension ab Fr. 12.-. P. Haake's Erben. Rest, und Fremdenzimmer. Mahlzeiten zu jeder Zeit. Spezialitäten: Schinken, Bündnerlleisch, la Veltliner. Speziaipreise lür Schulen und Gesellschaften. Nähere Auskunft erteilt Telephon 6. E. Albertlnl. Limmathaus am ummaipiab Zürich Telephon 58.911 Hotel - Restaurant - Säle. Wannen- und Medizinalbäder. Zimmer m. fl. Wasser 3.50. Zentralheizung. Geheizte Garage im Hause. Eigener Parkplatz. Der stille, auf drei Seiten von alten Häusern, auf der vierten von der Eingangs- und Turmfassade der Kathedrale umschlossene Berner Münsterplatz bietet einen wunderbaren Schauplatz für Freilichtaufführungen. Die Darstellung des jüngsten Gerichtes über dem Hauptportal, zu der die mittelalterlichen Künstler nachweisbar durch die grossen Mysterienspiele der vorreformatorischen Zeit angeregt worden sind, bilden den einzigartigen Hintergrund. Und Glocken und Orgel können einbezogen werden in das Geschehen auf der Bühne. Der «Ewige Reigen», der hier im August von über 120 Mitwirkenden elfmal zur Aufführung gebracht wixdi ist eine neue Form des Totentanzes. Er erinnert an den tiefsinnigen Gedanken des Dichters Rilke, dass jeder seinen eigenen Tod hat, wenn in dieser feierlichen Tanzkantate der Tod als Messner, als Narr, als Kriegsmann, als Schnitter, Krämer oder Wanderer an die Menschen herantritt. Eine Auswahl der schönsten Volkslieder vom 14. bis zum 18. Jahrhundert sind im «Ewigen Reigen» zu einem Tanzspiel von ergreifender Wirkung verbunden. Die Aufführungsdaten sind: der 9., II., 14., 16., 18., 20., 21., 23., 25., 27. und 29. August. De?We& zumBe/Hif [-VERWALTUNG-SPRACHEN-GESCHÄFT-BV Hotel-Restaurant Arnold HOTEL DE L'ECU San Bernardino-Hospiz (Granb.)2063mü.M. BERN 28.222 die Nummer für Anfragen betreffend Inserate In der „ Automobil- Revue" u. dem „Auto-Magazin". Redaktion des Auto-Magazins: Dr. Hans Rud. Schmid. Auto Gefahr fÖP ulenz Oeaenaewidir as ftftansetzenden Zwkcr meiden. n J/emesetas die neuen Kristall-Saccharin- Tabletten, süssen durchaus rein und setzen kein Fett an. Garantier» unschädlich. Erhält!, in Apoth. und Drog. zu Fr. 1.25 per Dose mit £00 Tabl. A.-G. «Hermes», Zürich 2 SCHWEIZERFABRIKAT WAFFEX Munition für Sport und Verteidigung W. Glaser Löwenstr. 42, Zürich 1 Gr. Spezlal-Geschäft der Schweiz. Beste Referenzen. (Jubiläumskatalog Nr. 59 von 200 Seiten mit 1200 Abbildungen).

N° 61 — Automobil-Revue Geschichten, die das Leben schrieb: Verbrecher aus Liebe Der Kriminalroman des Generalkonsuls — Glück im Unglück Wer den Generalkonsul Dr. B. kannte, der eine prächtige Wohnung im Tiergarten in Berlin und ein eigenes Auto besass, dessen Gesicht stets ein strahlendes Lächeln zeigte und der immer dazu aufgelegt war, die amüsantesten Geschichten zum Besten zu geben, musste ihn unbedingt für einen glücklichen Menschen halten, mit dem es das Schicksal ganz besonders gut gemeint hatte. Allein das heitere, unbekümmerte Wesen war nur eine Maske, hinter der sich ein Mensch verbarg, der in der tiefsten Not steckte und dem das Messer bereits an der Kehle sass. Dr. B. stammte aus einer hochangesehenen Bremer Familie, und das Leben hatte sich ihm lange Zeit hindurch nur von der angenehmsten Seite gezeigt. Er hatte eine glanzvolle Karriere gehabt, und es hatte ihm auch an mancherlei Ehrungen nicht gefehlt. Er hielt ein gastfreies Haus und gab glanzvolle Feste, bei denen es hoch herging, denn er war ein Freund der Geselligkeit und des Lebens aus dem Vollen. Er erfüllte seiner Gattin, mit der er in glücklichster Liebe verbunden war, und seinen beiden Töchtern jeden Wunsch, den er ihnen von den Augen ablesen konnte. Eine solche Lebensführung jedoch verschlang Unsummen. Um sie aber weiter aufrechterhalten zu können, machte er Schulden, die im Sommer des Jahres 1931 über 100 000 Reichsmark betrugen, eine gewaltige Summe, der keinerlei Vermögenswerte gegenüberstanden. Seit mehr als fünf Jahren schon drückte ihn diese Schuldenlast nieder und Hess ihn fast ersticken. Doch er Hess sich nichts anmerken und blieb nach aussen hin der heitere und unbekümmerte Dr. B., stets zu Scherzen und Witzen aufgelegt. Zu gleicher Zeit freilich war er ein häufiger Besucher der Pfandleihen, wo er ein Schmuckstück nach dem andern versetzte, um auf diese Weise wenigstens die nötigsten Mittel zum Leben zusammenzukratzen. Aber davon wusste niemand, der ihn kannte! Im Juni 1931 war seine wirtschaftliche Lage bereits derart verzweifelt geworden, dass er nicht mehr aus noch ein wusste. Seine geliebte Gattin weilte mit den Töchtern zur Erholung in einem Badeort an der Nordsee und hatte keinen Pfennig Geld mehr, um ihre Hotelrechnung bezahlen zu können. Die Bezahlung der Miete seiner kostspieligen Wohnung und der Gehälter seiner Angestellten war fällig, und er hatte kein Geld. Was sollte er tun? Sich neues Geld zu leihen, war unmöglich, denn sämtliche Quellen des Kredites waren bereits längst erschöpft. Ein anderer Ausweg musste daher gefunden werden, um noch in letzter Minute den drohenden Zusammenbruch zu verhindern. Es gab einen solchen Ausweg, aber dieser führte in gefährliche Bezirke, von denen der Generalkonsul sich bisher ferngehalten hatte, denn dieser Ausweg führte in die dunklen Abgründe des Verbrechens. Von Christian Windecke Copyright 1936 by Christian Windecke Er hatte sein Auto gegen Diebstahl hoch versichert. Wie wäre es, wenn er einen Diebstahl vortäuschte? Gelang der Versicherungsbetrug, dann erhielt er die Versicherungssumme ausbezahlt und er hatte Geld, Geld, das er so dringend benötigte. Gewiss, es war ein Verbrechen, das er damit begehen würde, aber musste es entdeckt werden? Oh, er wollte es schon so geschickt anstellen, dass eine Entdeckung nach menschlicher Voraussicht ausgeschlossen war. Er vergegenwärtigte sich die schreckliche Lage seiner geliebten Gattin, die nicht aus noch ein wusste und befürchten musste, als Schwindlerin und Zechprellerin verhaftet zu werden, wenn sie ihre Hotelrechnung nicht bezahlen konnte. Und dieser Gedanke fegte die letzten Hemmungen hinweg, die ihn noch von dem Verbrechen hätten zurückhalten können. Unverzüglich machte er sich daher an die Ausführung seines raffinierten Planes. Am 16. Juni bestieg er allein seinen Wagen und fuhr mit ihm bis in die Nähe von Havelberg an der Elbe. Hier, an einer abgelegenen Stelle, wo weit und breit kein Mensch zu sehen war, steuerte er das Auto in den Fluss und sprang, kurz bevor die Räder des Wagens das Wasser berührten, ab. Geräuschlos versank das Auto in den Fluten und war nicht mehr zu sehen. Darauf meldete der Generalkonsul sein Auto bei der Polizei als gestohlen und ersuchte gleichzeitig die Versicherungsgesellschaft, bei der er den Wagen versichert hatte, um Auszahlung der vereinbarten Versicherungssumme. Er zweifelte nicht einen Augenblick daran, dass er wenigstens einen Teil derselben sofort erhalten werde, mit dem er dann wenigstens einige seiner Verbindlichkeiten würde decken können. Inzwischen war er jedoch so unvorsichtig gewesen, über den Diebstahl seines Autos unter seinen Bekannten und Freunden die widersprechendsten Gerüchte zu verbreiten. Einmal erzählte er, der Wagen sei ihm vor dem Bahnhof Friedrichstrasse gestohlen worden, wo er ihn stehen lassen musste, um schnell mit der Eisenbahn nach Frankfurt a. O. zu fahren, — ein andermal, der Wagen sei seiner Frau entwendet worden. Dann wieder sagte er, der Wagen habe zur Zeit des Diebstahls vor seiner Wohnung geparkt, und schliesslich, er sei ihm abhanden gekommen, während er beim Lunch in einem Restaurant in der Fredrichstadt gesessen habe. Sicherlich war von diesen widerspruchsvollen Angaben auch etwas zu Ohren der Versicherungsgesellschaft gedrungen, der es auffallen musste, dass der Bestohlene so verschiedene Angaben über den Diebstahl machte. Sie schöpfte daher Verdacht und zögerte mit der Auszahlung. Damit tat sie aber das Schlimmste, was den Generalkonsul in seiner verzweifelten Lage treffen konnte. Doch es sollte noch schlimmer kommen. In der Nacht zum 12. Juli weckte ihn plötzlich das Telephon aus dem Schlaf und eine ihm befreundete Zeitungsredaktion teilte ihm mit, dass sein Wagen aus der Elbe geborgen sei. In dem Augenblick, als er diese niederschmetternde Nachricht vernahm, die alle seine Hoffnungen mit einem Schlage zusammenstürzen Hess, verlor • er so gänzlich seine Fassung, dass er sich durch seine seltsamen Fragen am Telephon gewissermassen selbst verriet. Dies kam ihm auch gleich darauf schreckhaft zum Bewusstsein. Doch da war es bereits zu spät, den Fehler wieder gutzumachen. Er war davon überzeugt, dass man auf der Redaktion Verdacht gegen ihn geschöpft hatte. Auch fiel ihm mit Schrecken ein anderer Umstand ein, der ihm gleichfalls zum Verhängnis werden musste, wenn er herauskam. Und dass er herauskommen musste, daran war gar kein Zweifel möglich. Es war nämlich der Umstand, dass der Garagenmeister aussagen würde, dass bei der Abfahrt des Wagens sich verschiedene Gegenstände wie eine Maskotte, Kristallvasen für die Blumen und andere derartige Dinge in ihm befunden hätten, die aber in dem aufgefundenen Wagen fehlten. Aus dem einfachen Grunde, weil der Generalkonsul selbst diese Sachen an sich genommen und in seinem Schreibtisch versteckt hatte. In dieser furchtbaren Lage wusste er keinen anderen Ausweg, um der Schande der Verhaftung wegen Versicherungsbetruges zu entgehen, als den Tod. Aber wenn er schon sterben musste, dann wollte er wenigstens sein Leben so teuer als möglich verkaufen^ Er dachte dabei an das Schicksal seiner geliebten Gattin und seiner beiden Töchter, und ihm fiel seine auf 200 000 Reichsmark lautende Lebensversicherungspolice ein. Diese enthielt aber die übliche Selbstmordklausel, der zufolge im Falle des Freitodes des Versicherten nur der vierte Teil zur Auszahlung gelangte. Dieser aber hätte angesichts seiner gewaltigen Schuldenlast niemals ausgereicht, seine Familie sicherzustellen. Ein Selbstmord hätte demnach nur ihm selbst, nicht aber seinen Angehörigen einen Nutzen gebracht. Da kam ihm der rettende Einfall. Konnte er nicht den ersten misslungenen Versicherungsbetrug durch einen zweiten noch raffinierteren wettmachen? Er brauchte nur seinen Selbstmord als Mord erscheinen zu lassen und der volle Betrag von 200 000 Reichsmark musste seiner Gattin ausbezahlt werden, die damit aus aller Not und Sorge gerettet war. Kaum hatte er diesen Gedanken gefasst, so schritt er auch schon an die Ausführung seines neuen und .».letzten Verbrechens«-Er hatte alle Einzelheiten seines Vorhabens, das diesmal einen Raubmord vortäuschen sollte, bis ins Kleinste bedacht und mit peinlichster Genauigkeit ausgeklügelt. Vielleicht nahm er sich hierbei einen Kriminalroman zum Vorbild, vergass dabei aber, dass das Vorhandensein von zuviel Indizien einen erfahrenen Kriminalisten stutzig machen und verdächtig erscheinen muss. Als die Kriminalpolizei eines Morgens in die Wohnung des Generalkonsuls Dr. B. gerufen wurde, bot sich ihr auf den ersten Augenschein folgendes Bild: In seinem Arbeitszimmer lag der Generalkonsul vor seinem Schreibtisch auf dem Boden ausgestreckt. Er war tot. Der Revolver, mit dem er erschossen worden war, lag in einiger Entfernung von der Leiche gleichfalls auf dem Teppich. Offenbar hatte der Mörder ihn dort in der Eile liegen gelassen. Die rechte Hand des Toten hielt einen Totschläger und eine zerrissene Krawatte krampfhaft. Diese Wahrnehmung deutete daraufhin, dass zwischen ihm und dem Mörder ein erbitterter Kampf stattgefunden haben musste. Auf dem Schreibtisch lag ein angefangener Brief, der mitten in einem Satz abgebrochen war. Sicherlich hatte er während des Schreibens das Geräusch von Einbrechern vernommen, rasch die Feder niedergelegt, und war ihnen entgegengeeilt und im Kampf mit ihnen getötet worden. Schliesslich wurde noch festgestellt, dass seine Brieftasche fehlte. Trotz allen Suchens blieb sie unauffindbar. Am Tage darauf meldete sich bei der Polizei ein Briefträger, der beim Entleeren des Briefkastens eine Brieftasche ohne Geld in dem Kasten gefunden und auf dem Postamt abgegeben hatte. Wie sich aus ihrem Inhalt ergab, war es die Brieftasche des Generalkonsuls Dr. B* Zweifellos hatte der Täter sich dieses wichtigen Belastungsstückes entledigt, indem er die Brieftasche einfach in den. benachbarten Briefkasten geworfen hatte. Alle diese Indizien vermittelten in ihrem Zusammenwirken auf den ersten Blick eine überaus deutliche Vorstellung des Verbrechens. Bei der näheren Untersuchung des Falles entdeckten jedoch die Kriminalbeamten verschiedene Umstände, die sie stutzig machten. Der Brief war plötzlich mitten im Satz abgebrochen, aber wie kam es dann, dass der Füllfederhalter mit dem er den Brief geschrieben hatte, geschlossen war? Die in der Rechten gehaltene Krawatte deutete daraufhin, dass ein Handgemenge mit dem Mörder stattgefunden hatte, bei dem der Generalkonsul dem Angreifer die Krawatte abgerissen hatte. Wie aber war es möglich, dass er dann die Krawatte so in der Hand hielt, dass ihre Rückseite nach aussen gekehrt war? Ferner, hätte er nach der Krawatte gegriffen, so hätte ihm dabei doch der Totschläger, den er ebenfalls mit der Rechten umklammert hielt, aus der Hand fallen müssen. Der eigene Revolver des Generalkonsuls lag in der Schublade des verschlossenen Schreibtisches. Die Waffe, aus der der tödliche Schuss abgefeuert worden war, kannte niemand im Haushalt, Die Polizei ermittelte jedoch einen Chauffeur, der vor Jahren bei Dr. B. bedienstet gewesen war und an einer besonderen Eigenheit der Waffe diese mit aller Bestimmtheit als das Eigentum des Generalkonsuls wiedererkannte. Denn gerade diesen Revolver hatte er wiederholt reinigen müssen. Die grösste Ueberraschung aber brachten die Ermittlungen bezüglich der Brieftasche. Die Brieftasche konnte nämlich kein anderer in den Briefkasten geworfen haben als Dr. B. selbst, denn zur Zeit der Entleerung des Kastens lebte der Generalkonsul noch. Es wurde festgestellt, dass er zu dieser Zeit noch mit seiner Hausangestellten gesprochen hatte. Der Generalkonsul hatte eben nicht bedacht, dass der Briefkasten auch am Sonntag, dem Tage seines Todes, entleert wurde. Alle diese Feststellungen lieferten demnach den untrüglichen Beweis, dass Dr. B. unmöglich ermordet sein konnte, sondern dass hier ein Selbstmord vorlag, der als Mord getarnt worden war. Der anscheinend so raffinierte Aufputz wies derartige Fehler auf, dass sie dem erfahrenen Kriminalbeamten nicht verborgen bleiben konnten. Hätte der Generalkonsul weniger Täuschungsmittel angewendet und weniger kompliziert gehandelt, so hätte er zweifellos sein Ziel erreicht, einen Mord glaubhaft zu machen. So aber war der Kriminalroman, den er mit seinem Blut geschrieben hatte, nur eine schlechte Kolportage geworden. Und so scheiterte auch sein zweiter Versicherungsbetrug, den er mit seinem Leben bezahlt hatte und das Opfer seines Lebens für seine geliebte Gattin und seine Kinder war vergeblich gewesen. MONTREUX TH£S n LUNCHS CONFISEWE ZÜRCHER LOCARNO Hotel REBER Automobilisten sind gute Kunden. - 4-kühler in LUGANO im MAJESTIC-HOTEL Dazu pvt. Schwimmbad, Tennis und Belveddre-Restaurant im Freien. 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